Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Arbeitslosenquote steigt im August auf 7 %. Ende August waren im Vergleich zum Vorjahresmonat 14.864 Personen mehr beim AMS als arbeitslos oder in Schulung gemeldet – ein Anstieg von 4,2 %. Die Arbeitslosenquote steigt damit auf 7,0 % (+0,3 Prozentpunkte). Gleichzeitig nahm jedoch auch die Beschäftigung um 11.000 unselbstständige Beschäftigungsverhältnisse zu. Laut AMS-Vorständin Petra Draxl lassen „die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch keine Trendumkehr am Arbeitsmarkt erkennen“ – auch habe man den „Talboden“ noch nicht durchschritten. Der Wirtschaftsbund drängt auf Maßnahmen zur Erhöhung der Vollzeitquote, 90 % der offenen Stellen seien als Vollzeitstelle ausgeschrieben. Die Industriellenvereinigung fordert Bürokratieabbau sowie ebenfalls mehr Anreize für Vollzeitarbeit. Die Gewerkschaft vida hingegen will die Rot-Weiß-Rot-Karte überprüfen und „korrigieren“, es brauche höhere Einkommensschwellen und Investitionen in Aus- und Weiterbildung von Menschen, die bereits in Österreich leben – weiterer Zuzug von Niedriglohnkräften würde die Probleme am Arbeitsmarkt nur verschärfen. [Quellen: AMS, BMASGPK, Wirtschaftsbund | Reaktionen:, vida, IV]
Arbeitsmarkt: „Haben ein Anreizproblem im Sozialsystem, nicht nur bei Flüchtlingen“
Interview mit Martin Halla
Arbeitsökonom Martin Halla analysiert warum die Arbeitsmarktintegration syrischer Flüchtlinge immer noch schleppend verläuft, was Länder wie Dänemark besser machen und wie viel wirklich an der These des Pull-Faktors Wohlfahrtsstaat dran ist. Außerdem geht er der Frage nach, wie sehr unterschiedliche heimische Sozialleistungsniveaus in den Bundesländern zu Binnenmigration vor allem nach Wien beitragen. Halla spricht sich für eine einheitliche Sozialhilfe mit mehr Arbeitsanreizen aus: „Integration funktioniert besser, wenn Unterstützung und Verpflichtung Hand in Hand gehen.“
Grafik (von Christoph Hofer): Im Schuljahr 2023/24 hatten rund 26 % der Schüler in Österreich eine nicht-deutsche Alltagssprache, ein Anstieg um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Schuljahr 2006/07 (16 %). Wien verzeichnet mit 49 % den höchsten Anteil, Kärnten mit 16 % den niedrigsten. Die häufigsten nicht-deutschen Alltagssprachen sind Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (20,6 %), Türkisch (17,9 %), Arabisch (8,8 %) und Rumänisch (7,1 %). In elementaren Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Krippen hatte rund ein Drittel (32,9 %) der Kinder eine nicht-deutsche Alltagssprache. [Quellen: ÖIF, Statistik Austria]

🇦🇹 Stocker kündigt Wirtschaftspaket an, Pensionen sollen um 2 % erhöht werden. Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker kündigte beim Sommergespräch im ORF 1 Mrd. Euro an Mitteln für die Ankurbelung der Wirtschaft an. Die genauen Maßnahmen sollen im Rahmen der Regierungsklausur bekanntgegeben werden, u. a. soll der Investitionsfreibetrag auf 20 % verdoppelt und eine Unterstützung für die energieintensive Industrie eingeführt werden. Um die Teuerung zu bekämpfen, pocht er auf ein Ende des Österreich-Aufschlags im Handel. Sollte dies auf EU-Ebene nicht bis zum Frühjahr geschehen, stellte er nationale Maßnahmen in den Raum. Darüber hinaus sollen Bundesgebühren im kommenden Jahr maximal um 2 % erhöht werden. Vor der anstehenden Herbstlohnrunde sprach er sich für eine „gewisse Zurückhaltung“ bei den Lohnabschlüssen aus. Bei den Pensionen plädierte er für einen Abschluss unter dem Anpassungsfaktor von 2,7 % als Teil einer „gemeinsamen Kraftanstrengung“, auch ein Beitrag des öffentlichen Dienstes sei wünschenswert. „Wir werden für unseren Wohlstand selber sorgen, oder wir werden keinen mehr haben“, warnte er. [Quelle: ORF Sommergespräch]
🇦🇹 Klimawandel und Wildschäden setzen Wäldern zu. Im Vorjahr lag der Schadholzanteil in Österreich mit rund 11 Mio. m3 um 30,36 % über dem 5-Jahresschnitt und um 32,43 % über dem 10-Jahresdurchschnitt. Vor allem das vermehrte Auftreten klimabedingter Schadereignisse wie längere Trockenperioden, vermehrter Borkenkäferbefall, oder Extremwetterereignisse würden den Schadholzanteil massiv erhöhen und damit die Forstwirtschaft belasten. Darüber hinaus weisen 40 % der untersuchten Gebiete Schäden durch Wildfraß, gerade an Jungbäumen, auf. Gegengesteuert werde durch die Verjüngung von Wäldern, Aufforstung mit „klimafitten“ Pflanzen und Maßnahmen zur Reduktion von Wildschäden. [Quelle: BMLUK]
🇦🇹 Wenig staatliche Preiseingriffe in Inflations-Warenkorb. 8,7 % der Waren und Dienstleistungen, die für den Inflations-Warenkorb (HVPI) herangezogen werden, werden in Österreich von der öffentlichen Hand beeinflusst, so eine Erhebung des Momentum-Instituts. Die Republik belegt damit den fünftletzten Platz, der EU-Schnitt liegt bei 12,3 %. Den geringsten Staatseinfluss verzeichnet Irland mit 3,5 %. In der Schweiz werden 30,7 % der Preise für Waren und Dienstleistungen im HVPI administriert, unter den EU-Ländern führt die Slowakei mit 19,1 %. [Quelle: Momentum-Institut]
🇦🇹 Wiener Unternehmen investieren stark in Nachhaltigkeit. 53 % der Wiener Unternehmen investieren heuer in Nachhaltigkeitsprojekte. 64 % dieser Projekte betreffen Ressourcenschonung, 38 % Prozessoptimierung, 31 % Mobilität mit alternativen Antrieben. 56 % der Unternehmen haben ihren Energiebedarf für Raumwärme bereits gesenkt, bei 18 % soll dies noch heuer erfolgen. 42 % sind auf nachhaltige Mobilität umgestiegen, 23 % planen die Umsetzung für 2025. [Quelle: WKW]
🇦🇹 Wien erhöht Gebühren für Parken, Öffis, Tourismus. Nächstes Jahr werden in der Bundeshauptstadt diverse Gebühren erhöht. Mit 1. Jänner 2026 werden Parkscheine und das Parkpickerl um 30 % teurer, auch Parkstrafen werden erhöht. Weiters wird der Preis des Jahrestickets für die öffentlichen Verkehrsmittel von 365 auf 467 Euro angehoben, eine Einzelfahrt wird 3,20 Euro kosten (digital 3,00 Euro) statt bisher 2,40 Euro. Die Strafen für Fahren ohne Ticket werden ebenfalls erhöht. Bereits mit 1. Dezember 2025 wird die Ortstaxe von 3,2 % auf 8,5 % mehr als verdoppelt. Die Grünen, die FPÖ und die Wiener ÖVP kritisieren die Gebührenerhöhungen als „Hiobsbotschaft“, „Abkassiererei“ und „Raubrittertum“. [Quelle: Stadt Wien | Reaktionen: Grüne, FPÖ, ÖVP]
🇪🇺 Industriestimmung in Eurozone auf 38-Monats-Hoch. Die Stimmung unter den Industrieunternehmen der Eurozone hat sich im August stärker verbessert als angenommen und liegt mit 50,7 Punkten (+0,9 Prozentpunkte) erstmals wieder über der Wachstumsschwelle von 50,0. Griechenland und Spanien führen das Ranking mit 54,5 bzw. 54,3 Punkten an, Deutschland und Österreich liegen mit 49,8 bzw. 49,1 Punkten noch knapp unter der Wachstumsschwelle. Der Produktionsindex stieg im August von 50,6 auf 52,5 Punkte und liegt damit so hoch wie seit März 2022 nicht mehr – dabei sind Auftragseingänge aus dem Inland gestiegen, während die Auslandsnachfrage nachgelassen hat. Eine Stärkung der Inlandsnachfrage dürfte das „beste Rezept gegen die US-Zölle sein“, so Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Endgültige Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden: „Die Erholung ist da, bleibt aber fragil“, resümiert de la Rubia. [Quelle: S&P Global]
🇪🇺 Arbeitslosenquote in Euroraum und EU im Juli rückläufig. Im Juli waren in der EU um 105.000 Personen weniger arbeitslos als im Vorjahresmonat. Damit lag die Arbeitslosenquote bei 5,9 %, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat (-0,1 Prozentpunkte) sowie Vormonat (ebenfalls -0,1 Prozentpunkte). Im Euroraum waren 161.000 Personen weniger arbeitslos als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag damit bei 6,2 %, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat (-0,2 Prozentpunkte) sowie gegenüber dem Vormonat (-0,1 Prozentpunkte). [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 Weltmarktanteil europäischer Autozulieferer gesunken, Preiskampf bei E-Autos. Der Anteil europäischer Autozulieferer am Weltmarkt ging 2024 auf 13 % zurück – damit wurde ein historisches Tief verzeichnet. Chinesische Betriebe machten bereits 12 % aus. Das Umsatzwachstum bei den 100 größten Autozulieferern ging fast ausschließlich auf chinesische Unternehmen zurück. In Schlüsseltechnologien wie Batterie und Software haben chinesische Hersteller laut Studie von Strategy& teils einen Preis- und Technologievorsprung von bis zu 50 % gegenüber westlichen Wettbewerbern. Gleichzeitig geht das Center Automotive Research davon aus, dass das Preisgefälle zwischen E-Autos und Verbrennern weiter schrumpfen wird. Im Schnitt beträgt der Unterschied aktuell nur mehr 2.243 Euro, ein Rückgang um mehr als Zweidrittel binnen eines Jahres. [Quellen: Strategy&, Medienberichte]
🇩🇪 17 % mehr Immokredite in Deutschland. Im 1. Halbjahr 2025 haben die im Verband deutscher Pfandbriefbanken zusammengeschlossenen Institute um 17 % mehr Immobiliendarlehen als im 1. Halbjahr 2024 vergeben. Das Volumen an Immobiliendarlehen lag insgesamt bei 70,1 Mrd. Euro, davon 46,0 Mrd. Euro für Wohnimmobilien (+22 %) und 24,1 Mrd. Euro für Gewerbeimmobilien (+8,6 %). Nachfragetreiber waren die starke Wohnraumnachfrage und der hohe Anlagedruck. Der Verband rechnet im 2. Halbjahr mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung. [Quelle: Verband deutscher Pfandbriefbanken]
🇩🇪 Deutsche Verbraucherstimmung im September eingetrübt. Zum ersten Mal in diesem Jahr ist das Konsumbarometer in Deutschland deutlich zurückgegangen, auf 95,97 Punkte im September, nach 97,64 Zählern im August. Die Stimmung der Verbraucher für den Rest des Jahres sei gedämpft, eine Erholung des Privatkonsums sei nicht in Sicht. Vor allem pessimistischere Erwartungen bei der eigenen Einkommensentwicklung würden die Konsumenten vorsichtig machen. [Quelle: HDE]
🇨🇳 Stimmung kleiner Industriebetriebe in China verbessert. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P für Chinas Industrie, fokussiert auf kleine, exportorientierte Unternehmen, stieg im August auf 50,5 Punkte und damit über die Wachstumsschwelle von 50,0. Im Vormonat lag er bei 49,5 Zählern. Der offizielle PMI Chinas mit Fokus auf große, staatsnahe Betriebe, war am Sonntag mit 49,4 Zählern unter der 50er-Schwelle geblieben. [Quelle: S&P PMI]
Selektive Agenda:
Heute, Kopenhagen: Informeller EU-Rat Allgemeine Angelegenheiten der Europaminister (letzter Tag)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Schnellschätzung zum Verbraucherpreisindex im August
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlich Vorabschätzung der Inflation in der Eurozone
13:00 Uhr, Wien: Klausur der Bundesregierung im Bundeskanzleramt [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Laurin Weninger wurde mit 91 % zum neuen Bundesobmann der Aktionsgemeinschaft (AG) gewählt. CHG Czernich Rechtsanwälte erweitert das Bankrechtsteam mit Rückkehrerin Angela Hirsch. Rainer Thomas ist neuer Head of Public Affairs and Market Access von Pharmig. Kris Van Humbeeck ist neuer Geschäftsführer von DHL Express Österreich. Klaus Albrecht Schröder übernimmt die Geschäftsführung des Wiener Aktionismus Museum (WAM). Dominik Gmasz übernimmt die Presseagenden für den neuen OeNB-Gouverneur Martin Kocher.
Geburtstage: Wir gratulieren Rainer Seele und Michael Pammesberger zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Ab 8:00 Uhr, Bled, Slowenien: Bled Strategic Forum u. a. mit Matthew G. Whitaker, Alar Karis, Petr Pavel, Nataša Pirc Musar, Jakov Milatović, Paul Richard Gallagher, Mirjana Špoljarić Egger, Mohammed bin Abdulaziz Al-Khulaifi, Alain Berset [Info]
19:00 Uhr, Wien: Monatliches Netzwerktreffen der Jungen Wirtschaft Wien im Aux Gazelles [Info]
19:30 Uhr, Wien: Buchvorstellung „Falkenflug – Hinter den Kulissen der Geldpolitik“ mit Robert Holzmann in der Döblinger Buchhandlung [Info]