Morning in Brief ・ 20.10.2025

Morning in Brief, 20. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Handels-Abschluss wird aufgeschnürt. 4 % Inflation im September bedeuten, dass der KV-Abschluss für den Handel neu verhandelt werden muss – das wurde für den Fall vereinbart, dass die rollierende Inflation über 3 % liegt. Von Oktober 2024 bis September 2025 ergibt sich eine Inflation von 3,01 %. Der Handelsverband sieht wenig Spielraum für Lohnerhöhungen, Grund sei u. a. die von der SPÖ ausgelöste „Billigpreisdebatte“. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte gestern in der ZIB2 erneut, dass die Preise zu hoch seien und verwies auf zahlreiche Verstöße bei der Auszeichnung von Preisen und Rabatten – das sei eine „Irreführung der Kunden“. HV-Geschäftsführer Rainer Will: „Jede Lohnerhöhung wirkt sich natürlich auf die Preise im Regal aus“. Die Personalkosten pro Kopf würden im österreichischen Lebensmittelhandel um 31 % höher liegen als in Deutschland und um 59 % über dem EU-Schnitt. [Quellen: Handelsverband, ZIB2 | Grafik: Gehaltserhöhungen im Handel seit 2015

Kommentar: Eine Chance für den Euro als globale Währung
von Johannes Hahn

Johannes Hahn

Die Vormachtstellung des Dollars als globale Währung wird fragiler – vielleicht ist das die Chance für die Europäische Union, den Euro als Weltwährung zu positionieren. Auch EZB-Chefin Christine Lagarde macht sich über eine Stärkung in diese Richtung bereits Gedanken und tatsächlich gibt es eine relativ einfach umsetzbare Möglichkeit, die die Rolle des Euros neu definieren könnte.

💡 Pensionskassen legen 4 von 10 Euro in Aktien an. Österreichs Pensionskassen verwalteten zur Jahresmitte rund 28,6 Mrd. Euro – ein Anstieg von 3,5 % gegenüber dem Vorjahr. Das durchschnittlich von den Kassen angesammelte Kapital ist für Männer mehr als doppelt so hoch wie für Frauen. Rund 1,1 Mio. Begünstigte sind erfasst, etwa ein Viertel der unselbstständig Erwerbstätigen. Rund 80 % des Vermögens konzentriert sich auf 3 der 8 Pensionskassen. In den letzten 10 Jahren wurde der Anteil an Anleihen und Bankguthaben zugunsten von Aktien reduziert, während der Anteil alternativer Investmentfonds auf 26,1 % gestiegen ist und damit über dem europäischen Schnitt von 21 % liegt. Knapp ein Viertel des Vermögens ist in klimarelevanten Sektoren investiert. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) führte Stresstests durch, die u. a. Klimarisiken und makroökonomische Belastungen simulieren. Im ungünstigsten Szenario sind Wertverluste von bis zu -15,7 % möglich, im Basisszenario von -3,3 %. [Quelle: FMA | Grafik von Christoph Hofer] 

🇦🇹 Inflation bei 4,0 %, Euroraum: 2,2 %. Die Inflation lag im September wie erwartet bei 4,0 %, nach 4,1 % im August. Bei Nahrungsmitteln hat sich die Teuerung eingebremst, Treibstoffe wirkten erstmals nicht mehr dämpfend. Treiber sind nach wie vor Dienstleistungen und Strom, wobei es bei Strom zuletzt keinen zusätzlichen Auftrieb mehr gab. Grund für die starke Strom-Teuerung sind die mit Jahreswechsel ausgelaufenen staatlichen Unterstützungen. Im Euroraum lag die Inflation im September bei 2,2 %, gegenüber 2,0 % im August. In der EU lag die durchschnittliche Teuerungsrate bei 2,6 %. Der damit vergleichbare HVPI lag in Österreich im September bei 3,9 %. Österreich lag damit auf Platz 8 von 27. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat | Grafik: Inflation in Österreich bleibt auf hohem Niveau

🇦🇹 Energie oder Lebensmittel? Debatte um Inflationstreiber. Die Teuerung soll „endlich an der Wurzel“ bekämpft werden, bei den Energieversorgern, fordert der Handelsverband. Rückendeckung gibt es vom Verband der Lebensmittelindustrie. Nahrungsmittel tragen mit 0,3 Prozentpunkten zur Gesamtinflation bei, die Hauptverantwortung würde bei den Dienstleistungen und der Energie liegen. Dementsprechend brauche es auch keine Preiseingriffe bei Lebensmitteln, sondern billigere Energie, um günstiger produzieren zu können. Die Interessenvertretung der Energieversorger wehrt sich: Strompreise würden im Lebensmittelhandel keine Rolle spielen. Hauptursache der Steigerungen bei Strom ist das Auslaufen von staatlichen Unterstützungen. „Für Handelsunternehmen und andere gewerbliche Nutzer hatte diese Änderung aber keine Auswirkung, da sie – im Gegensatz zu Haushaltskunden – davon nie erfasst waren“, so Oesterreichs Energie. [Quellen: Handelsverband, Verband Lebensmittelindustrie, Oesterreichs Energie | Grafik: Was die Inflation in Österreich antreibt

🇦🇹 6 Bundesländer übernehmen Beamtenabschluss. Mit dem Burgenland hat das 6. Bundesland angekündigt, den Beamtenabschluss des Bundes zu übernehmen. Auch Wien, Tirol, Salzburg, Niederösterreich und Oberösterreich übernehmen den Abschluss. [Quelle: ÖGB Burgenland] 

🇦🇹 Österreich investiert in Wasserstoff. Österreich investiert laut Wirtschaftsministerium 275 Mio. Euro in 4 nationale Wasserstoffprojekte. Der Fokus liegt auf dem Wasserstoff-Südkorridor, der Wasserstoff aus Nordafrika nach Österreich bringen soll. Insgesamt sollen von 2024 bis 2026 Fördermittel von 820 Mio. Euro bereitstehen. Das Gaswirtschaftsgesetz wird überarbeitet. [Quelle: BMWET]

🇦🇹 Edtstadler will Bildungskompetenz für Länder, Gesundheit für Bund. Die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler hat sich am Samstag für einen Kompetenzabtausch ausgesprochen: Die Gesundheitsagenden sollen vollständig in die Verantwortung des Bundes wandern und dafür die Bildung an die Länder. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig sprach sich beim Thementag der SPÖ gegen den „unrealistischen Wurf“ aus. Auch der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) lehnt eine „Zentralisierung“ der Gesundheitsagenden beim Bund ab. Derzeit laufen im Rahmen der Reformpartnerschaft die Verhandlungen zu einer möglichen Neuverteilung der Kompetenzen zwischen Bund und Ländern. [Quellen: Ö1 am Samstag, ORF, SPÖ

🇦🇹 SPÖ will Strafbestand „Mietwucher“. Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler will sich für einen Strafbestand „Mietwucher“ bei überhöhten Mieten im privaten Altbau einsetzen. Dabei handle es sich um einen „eigenständigen Vorschlag“, der über das Regierungsprogramm hinaus geht. „Wenn Menschen glauben, sie können abcashen, dann setzen wir Schranken“, so Babler, der dort eingreifen will, „wo Märkte außer Kontrolle geraten sind“. [Quelle: SPÖ

🇦🇹 Reparaturbonus nicht mehr für Fahrräder und Smartphones. Der „Reparaturbonus“ soll im Dezember als „Geräte-Retter-Prämie“ neu aufgelegt werden. Diesmal wird er enger gefasst und schließt z. B. Fahrräder, Smartphones und Wellnessgeräte aus. [Quelle: BMLUK

🇦🇹 Industrie warnt vor zu viel Staat. „Der produktive, wertschöpfende Sektor schrumpft – der vom Staat finanzierte Bereich wächst“, warnt die Industriellenvereinigung. Während seit 2023 in Industrie, Gewerbe und Bau 36.580 Arbeitsplätze verloren gegangen sind, sei der öffentliche Sektor um rund 51.000 Personen gewachsen. Der Staat konsumiere mit einer Staatsausgabenquote von 56,3 % mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung – 7,1 Prozentpunkte über dem EU-27-Durchschnitt. Die IV fordert Entlastung bei Energie-, Lohnneben- und Bürokratiekosten, Bürokratieabbau, mehr Bildung und Digitalisierung. [Quelle: IV

🇦🇹 Internationale Kooperationen sollen Verteidigungsindustrie stärken.  Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will internationale Kooperationen im Bereich der Verteidigungsindustrie in Österreich stärken. Andere Länder würden von diesem Instrument bisher mehr Gebrauch machen. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner betont, dass Investitionen im Sicherheitsbereich „direkt in die Regionen“ fließen, wie beispielsweise beim Radpanzer „Pandur Evolution“, bei dem knapp 85 % der Wertschöpfung in Österreich bleiben. Laut BMWET sind 11.000 Personen direkt in der Sicherheits- und Verteidigungsbranche beschäftigt, weitere 20.000 in Zulieferbetrieben. Der Jahresumsatz der Branche liege bei etwa 3,3 Mrd. Euro, die Forschungsquote bei 7,5 %. Vergangene Woche einigten sich Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments auf ein milliardenschweres Finanzhilfen-Programm zur Stärkung der Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit – bis Ende 2027 stehen 1,5 Mrd. Euro bereit. [Quellen: Wirtschaftsministerium, EU-Rat, ÖVP, Tanner in der Pressestunde

🇦🇹 🇪🇺 Österreich stimmt heute für 19. Sanktionspaket. Österreich gibt seinen Widerstand gegen das 19. Sanktionspaket gegen Russland auf und wird beim heutigen Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg zustimmen. Heute soll beim Treffen der EU-Energieminister auch endgültig das Ende für russisches Gas in der EU ab 2028 besiegelt werden. Für Österreich wird Staatssekretär Sepp Schellhorn an dem Treffen der Außenminister und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner am Energieminister-Treffen teilnehmen. [Quelle: APA via Medienberichte, Der Standard

🇫🇷 S&P senkt Frankreichs Rating. Die Ratingagentur S&P hat die Kreditwürdigkeit Frankreichs von AA- auf A+ herabgestuft, wodurch die Zinslast bei neuen Staatsanleihen steigen könnte. Frankreich ist damit auf einem Ratingniveau mit Portugal und Spanien. S&P rechnet nach wie vor mit einer Neuverschuldung von mehr als 5 % des BIP. [Quelle: S&P

🇮🇹 Italiens Budgetentwurf mit Milliardenbelastung für Banken. Die italienische Regierung hat einen Budgetentwurf vorgestellt, der insgesamt Maßnahmen von rund 18 Mrd. Euro pro Jahr umfasst. Geplant ist u. a. eine Senkung der Einkommensteuer von 35 auf 33 % und Steuervorteile für Unternehmen, die Mitarbeiter unbefristet einstellen. Banken und Versicherungen sollen bis 2028 mit rund 11 Mrd. Euro belastet werden. Bis Ende des Jahres soll der Beschluss fallen. [Quelle: Ital. Regierung

🇨🇳 Chinesische Wirtschaft wächst etwas langsamer. Das chinesische BIP ist im 3. Quartal um 4,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gewachsen. Im 2. Quartal verzeichnete China noch ein Wachstum von 5,2 %. Im Quartalsabstand hat die Wirtschaftsleistung mit 1,1 % Wachstum die Prognose von 0,8 % jedoch übertroffen. Von Reuters befragte Experten halten es für wahrscheinlich, dass die chinesische Führung das Ziel von 5 % Wirtschaftswachstum im heurigen Jahr noch erreichen könnte. [Quellen: Nationales Statistikbüro, Reuters]

Selektive Agenda:

9:15 Uhr, Luxemburg: EU-Rat „Auswärtige Angelegenheiten“ mit Staatssekretär Schellhorn und ukrainischem Außenminister Sybiha [Info]

15:00 Uhr, Wien: Hauptausschuss des Nationalrats zu Themen des EU-Gipfels mit Bundeskanzler Stocker, Europaministerin Plakolm

Heute, Luxemburg: EU-Rat „Verkehr, Telekommunikation und Energie“ (Energie) mit Staatssekretärin Zehetner [Info]

Heute, Wien: Innenminister Karner empfängt schwedischen Amtskollegen Forssell

Wochenvorschau

Heute treffen sich die EU-Außenminister in Luxemburg, u. a. um das 19. Sanktionspaket gegen Russland und das Aus für russisches Gas in der EU ab 2028 zu besiegeln. Innenminister Gerhard Karner empfängt den schwedischen Migrationsminister Johan Forssell. 

Am Dienstag gehen die Herbstlohnrunden mit den Gesundheits- und Sozialberufen weiter und die IV veröffentlicht ihre Konjunkturumfrage für das 3. Quartal. Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier ist ab Dienstag zu Besuch in Österreich und wird von Alexander Van der Bellen mit militärischen Ehren empfangen. In Luxemburg treffen sich die Europaminister der EU-Länder, u. a. um das nächste mehrjährige EU-Budget zu beraten. Die EU-Kommission stellt im EU-Parlament ihr Arbeitsprogramm für 2026 vor. 

Am Mittwoch ist Ministerrat und beim anschließenden Sonder-Nationalrat geht es u. a. auf Antrag der Grünen um Autobahn-Projekte. Am Donnerstag kommt dann der Bundesrat zusammen und segnet u.a. die Pensionserhöhung für 2026 ab. Für Steinmeier endet der Staatsbesuch am Donnerstag in Tirol. 

Donnerstag und Freitag nimmt Bundeskanzler Christian Stocker am Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs teil, wo es u.a. um die Drohnanabwehr, die EU-Klimaziele, das 19. Sanktionspaket gegen Russland sowie die Verwendung der eingefrorenen russischen Gelder geht. 

Am Sonntag ist Nationalfeiertag.  

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Bettina Schauer-Frank wird neue Rektorin der Hochschule Burgenland. Andreas Babler wurde zum Vizepräsidenten der europäischen Sozialisten und Sozialdemokraten (SPE bzw. PES) gewählt. Matthias Krenn wurde als Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft bestätigt. 

Geburtstage: Wir gratulieren Susanne Raab zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

10:00 Uhr, Wien: Symposium im Parlament anlässlich 70 Jahre Neutralitätsgesetz „Die Neutralität im Fokus – ein Symposium über Herausforderungen und Perspektiven“ mit Walter Rosenkranz, Robert Brieger, Susanne Fürst, Friedrich Ofenauer, Robert Laimer, Douglas Hoyos-Trauttmansdorff, David Stögmüller und Christian Wehrschütz [Info]

11:30 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Europa Club Wien“ zum Thema „Mercosur in der Zielgeraden – Was bringen die EU-Handelsabkommen mit Lateinamerika“ mit Igor Sekardi, Angela Pfister, Rupert Schlegelmilch, Andreas Thurner und Valentin Wedl [Info]

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