Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Juli-Inflation höher als erwartet. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist im Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,6 % gestiegen und liegt damit um 0,1 Prozentpunkte höher als in der Schnellschätzung. Im Vergleich zum Vormonat stieg das Preisniveau um 0,3 %. Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln (+5,2 %) und Verwaltungsgebühren (+47,6 %) hat im Jahresvergleich weiter zugenommen, die stärksten Preistreiber waren Gastronomie (+5,8 %) und Haushaltsenergie (+11,1 %) – hier insbesondere die Strompreise (+35,3 %). Österreich reiht sich damit in die 13 EU-Staaten ein, in denen die Inflation im Juli gestiegen ist – in 6 Staaten ist die Inflation stabil geblieben, in 8 sogar gesunken. Der durchschnittliche Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag in der EU bei 2,4 % und in der Eurozone bei 2,0 % – Deutschland verzeichnet nur 1,8 % Inflation. Der HVPI für Österreich ist um 3,7 % gestiegen und erreicht damit den höchsten Wert seit März 2024. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]

Grafik: Hofer/Frank
🇦🇹 SPÖ-Chef Babler hält Preiseingriffe weiterhin für denkbar. Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler hat Finanzminister Marterbauer beauftragt, Modelle für Markteingriffe zu erstellen. Bezüglich der konkreten Maßnahmen zeigt sich Babler „undogmatisch“, wichtig sei ihm, dass die Eingriffe wirken. Die Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln seien für viele Menschen „existenzbedrohend“. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim nennt Preiseingriffe daher „unerlässlich“. Die FPÖ fordert als Reaktion auf die neuen Inflationszahlen ebenfalls einen „staatlichen Eingriff in die Preisgestaltung von Grundnahrungsmitteln und Energie“. Auch die Volkshilfe bezeichnet gesetzliche Eingriffe als „alternativlos“. Finanzstaatssekretärin Eibinger-Miedl (ÖVP) sieht hingegen einen „großen Hebel“ bei der Mehrwertsteuer – zwar könne man die Mehrwertsteuer nicht im „großen Ausmaß“ senken, aber doch „da oder dort eine Schraube drehen“. Eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Lebensmittel von 10 auf 7 % würde laut IHS-Chef Holger Bonin zwar 0,2 Prozentpunkte Entlastung bei der Inflation bringen, aber etwa 500 Mio. Euro im Jahr kosten, was in der aktuellen Haushaltslage „nicht wirklich zielführend“ sei. [Quellen: APA via Medienberichte, FPÖ, Volkshilfe, Eibinger-Miedl in der ZIB 13:00, Bonin in der ZIB 2]
Wenn der Mutterinstinkt des Staates in freien Märkten wütet
Kommentar von Sara Grasel
Ein haarsträubender Markteingriff folgt dem nächsten und das ausgerechnet in Bereichen, in denen Nachbarländer bereits vorexerziert haben, welche katastrophalen Folgen das hat. Was bleibt ist der schale Geschmack, dass Österreich zum Schreckgespenst für kleine und große Investoren wird.
🇦🇹 Pensionsanpassungsfaktor für 2026 bei 2,7 %. Mit Bekanntgabe der Juli-Inflationsrate steht für den Seniorenrat der gesetzliche Anpassungswert für die Pensionen 2026 „de facto“ fest. Der Richtwert von 2,7 % müsse in vollem Umfang umgesetzt werden, fordern die Präsidentinnen von Pensionistenverband und Seniorenbund. Da bereits der Krankenversicherungsbeitrag für Pensionisten erhöht wurde, wäre eine weitere Reduktion der Pension nicht hinnehmbar. Laut Selektiv-Berechnungen würde die Anpassung der Pensionen in voller Höhe rund 2 Mrd. Euro an Mehrkosten verursachen – die jährlichen Ausgaben für Sozialleistungen im Alter dadurch in Summe auf 75 Mrd. Euro steigen. [Quellen: Seniorenrat, Selektiv | Grafik: Pensionserhöhung 2026 kostet rund 2 Mrd. Euro]
🇦🇹 Mehr Einbürgerungen im 1. Halbjahr. 11.665 Menschen wurde im 1. Halbjahr 2025 die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen, ein Anstieg um 5,6 % zum Vorjahreszeitraum. 37,3 % davon, 4.352 Personen, erhielten die Staatsbürgerschaft als Überlebende des NS-Regimes oder deren Nachkommen und konnten ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft behalten, nur 9 davon leben im Inland. Die meisten Neo-Österreicher haben oder hatten eine Staatsbürgerschaft Israels (20,7 %), Syriens (10,7 %) und der USA (9,3 %). [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Debatte über Mietrecht geht weiter. Die Arbeiterkammer kritisiert, dass rund die Hälfte der bestehenden Mietverträge in Österreich befristet ist. Sie fordert daher ein neues Mietrecht, das Befristungen mit Ausnahmen für Privatpersonen verbietet. Darüber hinaus soll es Obergrenzen für private Mieten sowie gedeckelte Zuschläge geben. Der Haus- und Grundbesitzerbund (ÖHGB) warnt hingegen, dass ein Ende der Befristungen weniger Wohnungen auf dem Markt bedeuten würde. Der Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) verwehrt sich gegen einen pauschalen „Generalverdacht“ der AK gegenüber privaten Vermietern. [Quellen: APA via Medienberichte, Stellungnahme ÖHGH, Stellungnahme ÖVI]
Markt & Mächte: Ungleicher Handel – ist die EU erpressbar?
mit Gabriel Felbermayr und Niko Jilch
Österreich und Europa stehen wirtschaftlich und handelspolitisch unter Druck. „Im Durchschnitt ist die Rezession noch gar nicht bei den Menschen angekommen. Es ist zu befürchten, dass die großen politischen Einschnitte erst möglich sind, wenn der Schmerz groß genug ist“, sagt Wifo-Chef Gabriel Felbermayr über die Reformbestrebungen der österreichischen Bundesregierung. Das Abkommen der EU mit US-Präsident Donald Trump sieht er kritisch: „Die EU hat einen Haufen Zeug versprochen, das entweder nicht einlösbar ist oder für das nicht klar ist, ob es überhaupt parlamentarische Mehrheiten gibt“, urteilt Felbermayr. Die Verhandlungsposition Chinas sei besser.

🇦🇹 „Talsohle“ im Immobilienmarkt durchschritten. Optimistisch zeigt sich der Generaldirektor der Oberbank, Franz Gasselsberger, über die Entwicklung am Immobilienmarkt. Die „Talsohle“ sei durchschritten, die Neuvergabe bei Wohnbaukrediten im 1. Halbjahr 2025 um 80 % angezogen. Der Markt für Gewerbeimmobilien dürfte dagegen noch länger schwierig bleiben. Zu Zeiten der Niedrigzinspolitik der EZB seien zu viele Projekte realisiert worden. Für die Gesamtwirtschaft sei man optimistisch, so Gasselsberger. [Quelle: Pressekonferenz]
🇦🇹 Ausgaben zum Schulstart steigen um ein Drittel. Laut Handelsverband sollen die geplanten durchschnittlichen Ausgaben zum Schulstart von 97 auf 126 Euro steigen. 80 Euro davon werden im stationären Handel ausgegeben, 46 Euro online. Dabei führen „praktische Anschaffungen“ wie Schreibwaren (44 %) oder Hefte (32 %) die Liste an, jeder Vierte will eine Schultüte verschenken, jeder Fünfte Bücher. Insgesamt planen heuer aber etwas weniger Personen (51 %) Anschaffungen rund um den Schulstart als letztes Jahr (55 %). Durch die höheren Pro-Kopf-Ausgaben hofft der Handel auf einen Mehrumsatz von 280 Mio. Euro. [Quelle: Handelsverband]
🇩🇪 Deutscher Minister will 16 Mrd. Euro bei Bürokratie einsparen. Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) will im Herbst ein „Entlastungskabinett“ einberufen, bei dem alle Ressortausgaben geprüft werden sollen. Bis 15. September sollen die Ministerien konkrete Vorhaben zum „Bürokratierückbau“ einliefern. Ziel ist, die Bürokratiekosten um 25 % – rund 16 Mrd. Euro – zu senken. Weiters soll eine „One in, Two Out“–Regel eingeführt werden. Deutschland hat über Jahrzehnte bürokratischen Beton angehäuft – jetzt müssen wir ihn konsequent abtragen“, so Wildberger zur Bild. [Quelle: Bild]
🇩🇪 Deutsche US-Exporte gesunken, China-Importe stark gestiegen. Der deutsche Außenhandelssaldo lag im 1. Halbjahr 2025 bei 104 Mrd. Euro und damit um 22,2 % niedriger als noch im 1. Halbjahr 2024. Erneut waren die USA wichtigster Abnehmer deutscher Waren, jedoch sind die Exporte in die USA um 3,9 % gesunken, die Importe um 2,7 % gestiegen. Die deutsche Außenhandelsbilanz mit den USA schrumpfte somit um 12,8 % auf 30,2 Mrd. Euro. China war der größte Importeur, insgesamt wurden im 1. Halbjahr Waren im Wert von 81,3 Mrd. Euro nach Deutschland geliefert – eine Steigerung um 10,7 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇬🇧 UK-Inflation zieht an. Die Teuerung im Vereinigten Königreich betrug im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat 3,8 %, im Vergleich zum Vormonat waren es 0,1 %. Das ist die höchste Teuerungsrate seit Jänner 2024. Im Juni lag die Inflation bei 3,6 %. [Quelle: ONS]
🇯🇵 Japans Importe und Exporte zurückgegangen. Japans Exporte sind im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,6 % zurückgegangen. Dabei gingen die Exporte in die USA zollbedingt am stärksten zurück (-10,1 %). Autoexporte in die USA brachen um 28,4 % ein, jene von Autoteilen um 17,4 %. Importe gingen insgesamt um 7,5 % zurück. [Quelle: Japanisches Finanzministerium]
Selektive Agenda:
Heute, Chisinau/Moldawien: Außenministerin Meinl-Reisinger trifft Amtskollegen Popșoi (letzter Tag)
Heute, Nikosia, Zypern: Bundeskanzler Stocker auf Besuch in Zypern (bis 22.8.)
10:00 Uhr, Frankfurt, Deutschland: S&P Global veröffentlicht Einkaufsmanagerindex verarbeitendes und nicht-verarbeitendes Gewerbe Deutschland, EU und Eurozone für August
16:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission gibt Schätzung des Verbrauchervertrauens Eurozone für August bekannt
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Nina Winderle ist neue Business Unit Direktorin für Respiratory, Immunology & Vaccines bei AstraZeneca Österreich. Mario Teufl ist neuer Bundesinnungsmeister für Österreichs Augen- und Kontaktlinsenoptiker. Melika Ramić und Martin Thomas Pesl werden neue Mitglieder Im Kuratorium für Theater, Tanz und Performance der Stadt Wien. Lukas Michlmayr folgt Bernhard Ebner im niederösterreichischen Landtag nach. Alexander Scheuch ist zum 2. Vizepräsidenten des Immobilienrings gewählt worden.
Geburtstage: Wir gratulieren Josef Muchitsch zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Eröffnung des Neustifter Kirtags im Heurigen Wolff (bis 24.8.) [Info]
23:00 Uhr, Wien: Afterparty nach dem Neustifter Kirtag im O-Klub [Info]