Morning in Brief ・ 21.10.2025

Morning in Brief, 21. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Maximilian Kern, Sara Grasel, David Schima und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Netzkosten bei Gas und Strom steigen weiter. Laut Verordnungsentwurf der E-Control sollen die Netzentgelte für Gas nächstes Jahr im Schnitt um 18,2 % ansteigen. Am stärksten steigen die Gasnetzentgelte in Kärnten (+35 %), am schwächsten in Oberösterreich (+6,5 %). Auch die Stromnetzgebühren steigen weiter, mit durchschnittlich 1,1 % aber deutlich schwächer als zuletzt. In Salzburg sollen sie um 9 % sinken, während sie in Niederösterreich (+6,9 %), Tirol (+11,2 %) und im Burgenland (+16,1 %) weiter steigen. Erstmals führt die E-Control auch stundenabhängig reduzierte Netzentgelte an, um „netzdienliches Verhalten“ zu fördern. In den sonnenstarken Stunden mit guter Photovoltaik-Produktion gibt es von 1. April bis 30. September zwischen 10 und 16 Uhr einen um 20 % „Reduzierten Sommer-Arbeitspreis (RSAP)“. Die endgültigen Verordnungen werden Ende Dezember veröffentlicht und treten mit 1. Jänner 2026 in Kraft – Stellungnahmen können bis 14. November abgegeben werden. [Quellen: E-ControlGas, Strom; APA via Medienberichte]

Kommentar: Ja, wir müssen über Migration und Stadtbild reden
von Georg Renner

Dass man klar benennen sollte, was für offen sichtbare Folgen es hat, dass Deutschland wie Österreich Zuwanderungsländer sind, kann man 2025 außer Streit stellen. Ja, vor allem die größeren Städte unserer Länder verändern sich sichtbar – durch Moscheen und „Kulturvereine“, durch türkische Bäckereien, afghanische Supermärkte, durch Standlreihen voller verhüllter Frauen – und ja, auch durch pöbelnde Jugendbanden in Parks und auf Bahnhöfen. Die politische Kunst wäre es, öffentlich auszudifferenzieren, was man davon gut findet und was nicht.

💡 CO2-Zertifikate sind in der EU am teuersten. Der Preis für 1 Tonne CO2 ist im EU-ETS der höchste, mit einem Anstieg von etwa 25 Euro/t im Jahr 2019 auf rund 80 Euro/t im Jahr 2025, getrieben durch strenge Reduktionsziele und die Markt-Stabilitätsreserve. Im Vergleich hierzu liegen die Preise in Kalifornien (15 bis 30 Euro/t) und China (rund 10 Euro/t) deutlich niedriger, was die unterschiedlichen Marktmechanismen und Zuteilungsstrategien widerspiegelt. [Quelle: ICAP | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Exportwirtschaft erholt sich auch 2026 nur schwach. Die österreichischen Exporte haben sich im 1. Halbjahr weiter negativ entwickelt. Bis Juni 2025 fielen die Warenexporte preisbereinigt im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 %. Für 2025 rechnen Ökonomen mit einem Rückgang von 1,1 %. Besonders stark war der Einbruch bei Exporten im 1. Halbjahr in die USA (-14,4 %), ein Plus gab es nur bei Ausfuhren nach Italien und Tschechien. Von den aufgrund der US-Zölle vorgezogenen Importen konnte Österreich nur marginal profitieren, da sie sich im Bereich der Maschinenbauprodukte kaum einstellten. 2026 soll der Export verhalten wachsen, und zwar um 0,7 %. Die für Österreich relevanten Exportmärkte wachsen 2025 voraussichtlich um 2,5 % und 2026 um 1,0 %. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft dürfte sich heuer zumindest nicht weiter verschlechtern. [Quelle: FIW-Jahresgutachten | Grafik: Handelsbilanz rutscht ins Negative]

🇦🇹 Neue Geringfügigkeits-Regeln ab 1. Jänner. Das AMS weist darauf hin, dass die neuen Regeln zur geringfügigen Beschäftigung mit 1.1.2026 in Kraft treten und bestehende Beschäftigungsverhältnisse bis 31.1.2026 gelöst werden sollten. „Wichtig ist, dass sich auch Unternehmen, die bisher etwa Spitzen durch geringfügig Beschäftigte ausgeglichen haben, rechtzeitig auf die geänderten Rahmenbedingungen vorbereiten“, so AMS-Vorstand Johannes Kopf. Ausnahmen wird es für u. a. für Langzeitarbeitslose geben, diese dürfen einmalig bis zu 26 Wochen geringfügig arbeiten und können nebenbei Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen. Langzeitarbeitslose über 50 Jahre oder mit einer Behinderung von mindestens 50 % dürfen ohne zeitliche Begrenzung geringfügig arbeiten. Im Vorjahr gab es insgesamt 359.005 geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, 28.120 Personen bezogen nebenbei Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe, das sind 7,8 %. [Quelle: AMS]

🇦🇹 71 Stellungnahmen für EABG. Die Begutachtungsfrist für das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) endet heute – bisher wurden 71 Stellungnahmen abgegeben. Die IV sieht mit dem EABG langjährige Forderungen umgesetzt, wünscht sich jedoch noch eine Ausdehnung des Geltungsbereichs auf die CO2-Infrastruktur. Die „Task Force Netze“ fordert zusätzlich eine Aufnahme von Wasserstoffleitungsanlagen in die Verfahren des EABG, um die künftige Integration von Wasserstoffnetzen sicherzustellen. Das Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Boku Wien sieht hingegen „gravierende Mängel“ im Gesetz, die die österreichischen Fließgewässer gefährden würden. Da Wasserkraftpotenziale bereits weitgehend ausgeschöpft seien, wäre es „unverhältnismäßig“, Wasserkraft mit Photovoltaik und Windenergie gleichrangig zu behandeln. Das Kontext-Institut für Klimafragen hingegen bemängelt fehlende Sanktionsmechanismen, wenn keine oder nicht genügend Beschleunigungszonen durch die Bundesländer ausgewiesen werden bzw. wenn die Ausbauziele nicht erreicht werden. Wie das ElWG erfordert auch das EABG eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat, also Zustimmung von FPÖ oder Grünen. [Quellen: Parlamentarisches Verfahren zum EABG, IV, Task Force Netze, Boku, Kontext]

🇦🇹 Studie: 4-Tage-Woche belastet Privatleben. Eine 4-Tage-Woche würde bei Beschäftigten zu höherer Zufriedenheit und Motivation sowie stärkerer Identifikation mit dem Arbeitgeber führen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hingegen leiden. Das geht aus einer Studie der Webster University und der TU Wien hervor. Durch die verlängerten Arbeitstage einer 4-Tage-Woche bliebe Vätern weniger Zeit für die Kinderbetreuung, sodass Mütter mehr Fürsorgearbeit leisten müssten. Der Effekt verstärkt sich bei Alleinerziehenden, denen kaum Zeit für eigene Aktivitäten bleibe. [Quelle: Webster University]

🇦🇹 Fachkräftemangel bleibt trotz Stellenrückgang zentral. Das halbjährlich erscheinende „Hiring Trends Update“ von Stepstone weist eine Arbeitslosenquote von 7 % und einen Rückgang der ausgeschriebenen Stellen um 10 % im Vergleich zum Vorjahr aus. 75 % der befragten Recruiter berichten von Fachkräftemangel, 21 % planen Umstrukturierungen. Flexible Arbeitszeiten sind für 91 % der Bewerber eine zentrale Anforderung. Jeder zweite Arbeitnehmer plant für 2026 einen Jobwechsel. Stepstone prognostiziert, dass der Fachkräftemangel mittelfristig durch Investitionen in Infrastruktur, Energiewende und Verteidigung abgeschwächt werden könnte. [Quelle: Stepstone]

🇦🇹 🇪🇺 Österreich bekommt 516 Mio. Euro aus EU-Aufbauplan. Die EU-Kommission hat den 3. Zahlungsantrag Österreichs im Rahmen des Aufbauplans „NextGenerationEU“ genehmigt. Die Republik erhält 515,5 Mio. Euro Zuschüsse für Reformen und Investitionen – etwa in Innovation, erneuerbare Energien, Gesundheit und Bildung. Bis Ende des Jahres sollen die insgesamt vorgesehenen rund 4 Mrd. Euro in Form von weiteren Zuschüssen ausgezahlt werden. Für die bis dato erreichten Ziele hat Österreich bereits 3,33 Mrd. Euro erhalten, u. a. zur Kofinanzierung des Reparaturbonus. Mit den EU-weiten 672,5 Mrd. Euro soll Europa nachhaltiger, digitaler und krisenfest werden. [Quelle: EU-Kommission]

🇪🇺 Industrie warnt vor Abwanderung durch hohe CO2-Kosten. 80 europäische Industrieunternehmen warnen in einem offenen Brief vor einer Deindustrialisierung durch zu hohe CO2-Kosten in Europa – darunter u. a. voestalpine, AMAG, Lenzing, Wienerberger, Mayr-Melnhof. Bis 2039 laufen die Zertifikate im EU-Emissionshandel (ETS) aus, um Nullemissionen zu erreichen. Im CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) wird die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten schrittweise abgeschafft. Dadurch würden für die Unternehmen bereits ab 2026 Milliardenkosten entstehen, die in vielen Fällen den operativen Cashflow und Betriebsgewinn übersteigen. Gleichzeitig fehle es an den Grundlagen für die Transformation: großflächige Verfügbarkeit von CO2-armem Strom und Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen, Infrastruktur, marktfähige CCU/S-Technologien. Die Unternehmen bitten um eine Verlängerung der Gratiszertifikate, bis eine Transformation aufgrund der Rahmenbedingungen realistisch ist. [Quelle: Offener Brief | Grafik: CO2-Emissionshandelssysteme im Vergleich]

🇪🇺 Bauproduktion sinkt in EU und Eurozone. Im August ging die Produktion im Baugewerbe in der EU gegenüber dem Vormonat um 0,9 % zurück, in der Eurozone um 0,1 %. Den Tiefbau traf es mit einem Rückgang von 2,5 % in der EU und 1,3 % im Euroraum stärker als den Hochbau. Dieser produzierte im Monatsvergleich lediglich in der Eurozone weniger (-0,1 %), in der EU blieb die Bautätigkeit unverändert. Die stärksten Rückgänge gab es in diesem Zeitraum in Rumänien (-26,2 %), Ungarn (-11,4 %) und Polen (-4,0 %). Deutlich zulegen konnten Schweden (+4,2 %), Tschechien (+2,2 %) und Bulgarien (+1,4 %). Österreich verzeichnete ein Minus von 1,0 %, während die Bauproduktion in Deutschland um 0,6 % anzog. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 EU-Energieministerrat beschließt Ausstieg aus russischem Gas. Der EU-Energieministerrat hat beschlossen, russische Gasimporte bis zum 1.1.2028 vollständig einzustellen. Damit sollen die Importe innerhalb von 3 Jahren von aktuell rund 13 % auf 0 % sinken. Im vergangenen Jahr lag der Anteil russischen Gases noch bei 19 %, mit Einnahmen für Russland von etwa 15 Mrd. Euro. Österreichs Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sieht in der REPowerEU-Verordnung einen wichtigen Schritt, die finanzielle Basis Russlands im Ukraine-Krieg zu schwächen. Zugleich betont sie die Notwendigkeit eines geordneten Ausstiegs, der Versorgungssicherheit und Marktstabilität gewährleistet. Auf Initiative Österreichs wird eine Evaluierung der wirtschaftlichen Auswirkungen nach 2 Jahren erfolgen. Das EU-Parlament stimmte in der vergangenen Woche dem Entwurf zu und forderte ein Verbot ab 2027. Nun müssen sich Parlament und Rat im Trilog auf eine gemeinsame Fassung einigen. Laut dem dänischen Energieminister Lars Aagaard soll das Verfahren noch vor Jahresende abgeschlossen werden. [Quellen: BMWE, Deutsches Wirtschaftsministerium, Rat der EU, Handelsblatt]

🇩🇪 Deutsche Erzeugerpreise erneut gesunken. Im September fielen die Preise gewerblicher Produkte in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,7 %, im Vergleich zum Vormonat um 0,1 %. Im August lag der Preisrückgang bei 2,2 %. Für den bereits 7. Rückgang in Folge sind vor allem die niedrigeren Energiepreise ausschlaggebend – diese fielen gegenüber September 2024 um 7,3 %. Auch Vorleistungsgüter verzeichneten in diesem Zeitraum mit -0,9 % einen Preisrückgang. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇨🇳 China drosselt Exporte von Seltenerdmagneten. Die chinesischen Ausfuhren von Seltenerdmagneten fielen im September im Vergleich zum Vormonat um 6,1 % – das sind 372 Tonnen weniger als noch im Juli. Die Exporte in die USA brachen sogar um 28,7 % ein. Hintergrund ist die zuletzt verkündete Ausweitung chinesischer Exportkontrollen für seltene Erden. Die damit verbundenen Magneten werden vor allem in der Automobilindustrie benötigt. Neben Produktionsunterbrechungen droht eine generelle Unsicherheit über den Zugang zu wichtigen Industriegütern. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Bundespräsident Van der Bellen empfängt deutschen Amtskollegen Steinmeier mit militärischen Ehren, anschließend Pressegespräch in der Präsidentschaftskanzlei [Info]

Heute, Luxemburg: Kooperationsrat EU–Usbekistan [Info]

Heute, Luxemburg: EU-Rat „Allgemeine Angelegenheiten“ mit Europaministerin Plakolm [Info]

Heute, Luxemburg: EU-Rat „Umwelt“ mit Umweltminister Totschnig [Info]

9:00 Uhr, Wien: Vienna Migration Conference 2025 u. a. mit Innenminister Karner, jordanischem Innenminister Al Farrayeh, schwedischem Migrationsminister Forssell, ICMPD-Generaldirektor Spindelegger (bis 22.10.) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Beginn der KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft

14:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert ihr Arbeitsprogramm für 2026

15:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert jährlichen Bürokratieabbau-Bericht und GAP-Reformvorschläge

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Peter Koren und Gerald Aichhorn ziehen neu in den Aufsichtsrat der Salinen Austria ein. Markus Steindorfer ist der neue Leiter der Rechtsabteilung im Österreichischen Genossenschaftsverband (ÖGV). Sarah Weber übernimmt die Leitung des Bereichs Human Resources bei Gewista.

Geburtstage: Wir gratulieren Stefan Szyszkowitz und Alexander Melchior zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

15:30 Uhr, Wien: „Tariffs, tensions and deals: global trade lost in transition?“ mit Martin Kocher, Gabriel Felbermayr, Marion Jansen, Baptiste Meunier und Fabio Rumler in der Oesterreichischen Nationalbank [Info]

18:30 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Welches Europa brauchen wir? Ein politisches Wunder und wie wir es vor seinen Feinden schützen“ mit Gerald und Francesca Knaus im Wien Museum [Infos]

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