Morning in Brief ・ 22.08.2025

Morning in Brief, 22. August 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Gregor Plieschnig, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇪🇺 🇺🇸 EU und USA einigen sich auf Handelsdeal-Text. Die EU und die USA haben sich auf den Text des Handelsabkommens geeinigt, das Ende Juli in Schottland beschlossen wurde. Grundsätzlich wird es einen Zoll von 15 % auf EU-Exporte in die USA geben, dieser soll rückwirkend ab 1. August gelten. Das seien „willkommene Nachrichten“ für die europäische Autoindustrie, betonte EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič. Für Industrie-Importe aus den USA wird die EU dagegen keine Zölle anheben, die Aufschläge für eine Reihe landwirtschaftlicher Produkte werden für ein gewisses Kontingent ebenfalls ausgesetzt. Für den Export von Generika sowie Flugzeugen und Flugzeugteile, Kork und chemische Ausgangsstoffe in die USA wird der Zollsatz auf 0 oder den niedrigsten Wert, den die USA von einem anderen Land einheben, gesenkt. Im Gegenzug verpflichtet sich die EU in dem nicht rechtsverbindlichen Papier dazu, Energie und Rüstungsgüter aus den USA zu kaufen. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und die Industriellenvereinigung pochten beide in Reaktionen auf eine Regelung für die aktuell noch vorgesehen 50-%-Zölle auf Stahl und Aluminium. [Quellen: EU-Kommission: US-EU-Statement, Rede von Handelskommissar Šefčovič, Pressemitteilung, Q&A, Šefčovič auf X, Howard Lutnick auf X, Von der Leyen auf X, Medienberichte]

Kommentar: Jesus tadelt nicht das Gewinnstreben, sondern die Faulheit
von Martin Rhonheimer

Martin Rhonheimer Illustration

Die christliche Tradition der Kritik des Privateigentums stammt aus einer lange vergangenen Zeit, in der man nur reicher werden konnte, wenn andere ärmer wurden – sie wurde im Mittelalter überwunden. Und auch Jesus war mit Sicherheit kein Kapitalismuskritiker, sonst hätte er in seinen Gleichnissen das auf Gewinn gerichtete unternehmerische Tun nicht als Bild für tugendhaftes und lobenswertes Verhalten verwendet. Was Jesus tadelt, ist die Habgier der Geizigen, Faulen, der rücksichtslosen Genießer und Wohlstandshedonisten, die eben „vor Gott nicht reich“ und deshalb letztlich „Narren“ sind.

Grafik (von Christoph Hofer): Nach einem deutlichen Anstieg der EU-Exporte in die USA im Frühjahr 2025 gingen diese zuletzt wieder stark zurück. Im Februar 2025 erreichten sie den Spitzenwert von 71,7 Mrd. Euro und sanken infolge bis Juni auf 40,2 Mrd. Euro. Dies geht auf Vorzieheffekte zurück, um den von US-Präsident Donald Trump angekündigten US-Zöllen zuvorzukommen. Im gleichen Zeitraum gab es einen leichten Anstieg der EU-Importe von US-Produkten. [Quelle: Eurostat]

🇦🇹 Sozialministerium initiiert Klage gegen Lebensmittelkonzerne, Handelsverband gegen SPÖ. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat im Auftrag des Sozialministeriums Klage gegen vier große Lebensmittelkonzerne eingebracht. Laut Ministerium würden Konsumenten in die Irre geführt werden, da das Preisauszeichnungsgesetz bei Rabattaktionen nicht eingehalten werden würde. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) will durch die Klage „klare und faire Spielregeln“ schaffen. Der Handelsverband als Vertretung des Lebensmitteleinzelhandels hat indes in einem Brief an die SPÖ eine ehrlichere Debatte eingefordert und ein Ende der Drohung mit staatlichen Eingriffen in die Lebensmittelpreise gefordert. Stattdessen solle man die Ursachen der teuren Lebensmitte durch „leistbare Energie, Verbot territorialer Lieferbeschränkungen, Bürokratieabbau und eine Senkung der Personalkosten“ bekämpfen. [Quelle: Medienberichte, VKI-Leupold bei Ö1, Staatssekretärin Königsberger-Ludwig bei Ö1, Handelsverband] 

🇦🇹 Auto-Zulieferindustrie beklagt Umsatz- und Personalrückgang. Der Branchenumsatz der automotiven Zulieferindustrie ist im Vorjahr um 9,2 % gesunken – rund 5.000 Stellen mussten abgebaut werden. Auch im laufenden Jahr würden weiter Stellen abgebaut werden. Als zentrale Schwächen des österreichischen Standorts identifiziert eine aktuelle Studie die hohen Lohn- und Lohnnebenkosten, steigende Energiekosten sowie den zunehmenden Fachkräftemangel. „Diese strukturellen Nachteile mindern die Investitionsbereitschaft am Standort Österreich und gefährden ganze Wertschöpfungsketten“, so Herwig Schneider, Leiter des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI). [Quelle: ARGE Automotive Zulieferindustrie

🇦🇹 Gewessler will Netzausbau mit „Übergewinnen“ finanzieren. Grünen-Chefin Leonore Gewssler betonte gestern erneut, dass es rasch einen neuen Entwurf für das Stromgesetz ElWG brauche, nachdem es in der Begutachtung mehr als 500 Stellungnahmen gab. Für einen Beschluss des Gesetzes braucht es im Parlament eine Zweidrittelmehrheit. Den Netzausbau sollen „die bezahlen, die es sich leisten können“, sagte sie in Hinblick auf die möglichen Einspeisegebühren für kleine PV-Anlagen. Ihr schwebt ein Netzinfrastruktur-Fonds vor, der sich u. a. aus „Übergewinnen“ von Landesenergieversorgern speisen könnte. [Quellen: Pressekonferenz, Gewessler auf X]

🇦🇹 Österreich war im Juli Strom-Exporteur. Im Juli 2025 konnte Österreich an 22 Tagen bilanziell Strom exportieren, insgesamt wurden 458 GWh exportiert. Im Juli 2024 fiel der Saldo mit 997 GWh noch mehr als doppelt so hoch aus. Insgesamt ging die erneuerbare Erzeugung im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 % zurück – Strom aus PV-Anlagen verzeichnete dabei ein Minus von 2,5 %, Wasserkraft ein Minus von 1,2 %, Windkraft legte um 3,9 % zu. Dennoch bildeten erneuerbare Energiequellen im Juli knapp 94 % der Gesamteinspeisung. [Quelle: Austrian Power Grid

🇦🇹 Förder-Taskforce-Ergebnisse „ab Winter“. Barbara Eibinger-Miedl, Staatssekretärin im Finanzministerium (ÖVP), erwartet sich Ergebnisse der Taskforce, die die Förderungen des Bundes durchleuchtet, „ab dem Winter“. Auch klimaschädliche Subventionen sollen dabei überprüft werden. Für 2025 rechnet sie mit 150 Mio. Euro an Einsparungen in dem Bereich, 2029 dann 800 Mio. Euro. Die Rahmenrichtlinie für Förderungen soll darüber hinaus für mehr Zielgenauigkeit überarbeitet werden. Beim Thema Teilzeit will sie Steuer- und Abgabensprünge adressieren, um Leistungsanreize zu schaffen, ein Recht auf Stundenaufstockung lehnt sie mit Verweis auf die Bürokratiebelastung der Betriebe ab. [Quelle: APA via Medienberichte] 

🇦🇹 Songcontest bringt Wirtschaftsimpuls. Die Austragung des Eurovision Songcontest nächstes Jahr in Wien wird der heimischen Wirtschaft einen Nachfrageimpuls von 57 Mio. Euro bescheren, so eine Studie von Eco Austria für das Wirtschaftsministerium. Davon belaufen sich 36 Mio. Euro auf die Kosten, 21 Mio. Euro auf Ausgaben der Besucher in Wien. Der direkte Effekt auf die Wirtschaftsleistung wird sich auf rund 52 Mio. Euro belaufen, der globale Werbewert für Österreich auf 750 Mio. Euro. [Quelle: BMWET]

🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in Eurozone auf 15-Monats-Hoch. Die Schnellschätzung für den S&P Einkaufsmanagerindex der Eurozone für August ist um 0,2 Zähler auf 51,1 Punkte und damit ein 15-Monats-Hoch gestiegen. Der August markiert damit das dritte Monat in Folge mit einem Anstieg des PMI, der sich nun seit 8 Monaten über der Wachstumsschwelle von 50 befindet. Während der Wert für den Dienstleistungssektor leicht zurückging, kletterte die Industrieproduktion mit 52,3 Punkten auf ein 41-Monats-Hoch. Der Auftragseingang sowohl in der Industrie als auch bei Dienstleistungen verzeichnete erstmals seit 15 Monaten ein Wachstum. [Quelle: S&P-PMI Euroraum

🇪🇺 Gewerkschaften fordern industriepolitische Offensive. Die Gewerkschaften IG Metall (Deutschland), PRO-GE (Österreich) und UNIA (Schweiz) fordern eine engere Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der Europäischen Union sowie eine industriepolitische Fokussierung auf europäische Produktion. Damit sollen klare Kriterien zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen geschaffen werden; Schlüsseltechnologien wie die Halbleiterindustrie und Kreislaufwirtschaft dabei im Zentrum stehen. „Für die Schweiz ist eine mit anderen Ländern koordinierte Industriepolitik mehr denn je notwendig, insbesondere angesichts der von den USA erhobenen Zölle in Höhe von 39 %“, so UNIA-Gewerkschafter Yves Defferrard. [Quelle: ÖGB

🇪🇺 Verbraucherstimmung in EU und Eurozone gesunken. Laut Schnellschätzung ist das Verbrauchervertrauen in der EU um 0,3 auf -14,8 Punkte und in der Eurozone um 0,8 auf -15,5 Punkte gefallen. In beiden Regionen liegt das Verbrauchervertrauen somit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. [Quelle: Europäische Kommission

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft könnte im 3. Quartal stagnieren. Die deutsche Bundesbank erwartet für das 3. Quartal 2025 kein Wirtschaftswachstum. Zwar hätten die Unsicherheiten rund um die US-Zölle abgenommen, sie blieben aber weiterhin hoch. Die Aussichten im Welthandel sind „trüb“, die Auftragslage schwach und die Auslastung niedrig. Die Industrie werde daher keine Wachstumsimpulse setzen und auch der private Konsum dürfte „schwunglos“ bleiben. Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher gingen zuletzt zurück, die Sparneigung nahm zu. [Quelle: Bundesbank

🇬🇧 Wirtschaftsstimmung im UK zieht an. Der vorläufige S&P Einkaufsmanagerindex für das Vereinigte Königreich für August wuchs um 1,5 Zähler zum Vormonat auf 53,0 Punkte, das stärkste Plus seit einem Jahr. Das Wachstum wurde dabei vom Dienstleistungssektor mit einem Anstieg um 1,8 auf 53,6 Punkte getragen, die Industrie schrumpfte dagegen um 0,7 Zähler auf 47,3. [Quelle: S&P-PMI UK

🇺🇸 Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA gestiegen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist in der Vorwoche um rum 11.000 auf rund 235.000 angestiegen, stärker als Analysten erwartet hatten. Der Durschnitt über die vergangenen 4 Wochen stieg um 4.500 auf 226.250 an. [Quelle: Department of Labor

🇺🇸 US-Wirtschaft wächst stärker. Der S&P-Einkaufsmanagerindex für die US-Wirtschaft legte im August sein bisher stärkstes Wachstum im laufenden Jahr hin. Der Gesamtindex stieg um 0,3 Punkte auf 55,4 Zähler. Sowohl Industrie als auch Dienstleister konnten zulegen; mehr Arbeitsplätze wurden geschaffen und mehr Personal eingestellt. „Die Daten lassen für das 3. Quartal ein annualisiertes Wirtschaftswachstum von 2,5 % erwarten“, so S&P-Chefökonom Chris Williamson. Die Zölle führten jedoch zu höheren Preisen, was Zinssenkungen laut S&P unwahrscheinlicher macht. [Quelle: S&P Global

Selektive Agenda:

Heute, Nikosia, Zypern: Bundeskanzler Stocker auf Besuch in Zypern (letzter Tag)

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Florian Müller übernimmt Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit bei Okto TV.

Geburtstage: Wir gratulieren Kari Ochsner (Samstag), sowie F. Peter Mitterbauer und Franz Viehböck (beide Sonntag) zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

12:00 Uhr, Wien: Neustifter Kirtag (bis 24.8.) [Info]

19:00 Uhr, Salzburg: Boulez 2025 – Klavierabend mit Pierre-Laurent Aimard; Werke von Boulez, Debussy, Ravel, Messiaen bei den Salzburger Festspielen [Info]

Samstag, 17:00 Uhr, Alpbach: Eröffnung der „Europe in the World Days“ des European Forum Alpbach mit u. a. Beate Meinl-Reisinger [Info]

Sonntag, Salzburg: amfAR Gala Salzburg 2025 in der Residenz zu Salzburg [Info]

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