Morning in Brief ・ 22.12.2025

Morning in Brief, 22. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 OeNB sorgt sich um exportorientierte Industrie. Die Inflation geht zurück, das Wachstum bleibt verhalten und die größten Sorgen macht die exportorientierte Industrie – so fasste Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher den Ausblick für die Jahre 2025-2028 zusammen, in der auch ein genauerer Blick auf die wachsende Konkurrenz aus China geworfen wurde. Für heuer korrigiert die OeNB ihre Wachstumsprognose leicht nach oben: +0,6 %. 2027 und 2028 geht sich je rund 1 % aus. Es sei kein Aufschwung, wie bisher nach Rezessionen üblich. Schuld sind vor allem die Verluste an preislicher Wettbewerbsfähigkeit und die wachsende Konkurrenz aus China. China habe die Produktkomplexität in den vergangenen Jahren erhöht. Dadurch falle bereits ein Viertel der Exporte Österreichs in Bereiche, in denen China einen Wettbewerbsvorteil hat. Der Verlust an Exportmarktanteilen bleibe in Österreich hoch. Die gute Nachricht: Die Inflation sinkt in Österreich schon 2025 auf 2,4 % und pendelt sich dann ungefähr beim EZB-Zielwert von 2 % ein. [Quelle: OeNB]

Kommentar: Österreichs Wachstum im Jahr 2025 ist ein Wachstum „auf Pump“
von Gunter Deuber & Matthias Reith

„Wachstum“ im Graubereich des ökonomischen Stillstands ist wahrlich kein Aufschwung, der diesen Namen auch verdient. Wir rechnen heuer mit einem Plus von 0,5 %. Ein konjunkturelles Schlusslicht bleibt Österreich damit weiterhin – die Eurozone kommt heuer dreimal so schnell voran. Österreich wächst wieder, die meisten anderen Euro- und EU-Länder wachsen aber schneller.

💡 Staatskonsum zieht Österreichs Wirtschaft über Nulllinie. In den letzten zwei Jahren (Q3 2023 bis Q3 2025) stieg der reale Staatskonsum um rund 7 %. Der private Konsum sollte in den Jahren 2024 und 2025 hingegen nicht über ein Wachstum von 2 % hinauskommen. Die privaten Investitionen stagnierten 2025 auf niedrigem Niveau, während die realen Exporte – insbesondere im Q3 2025 – deutlich zurückgingen. „Ohne Ausgaben des Staates bliebe vom zarten Wirtschaftswachstum heuer nicht viel übrig“, so die Raiffeisen-Research-Ökonomen Gunter Deuber und Matthias Reith. [Quelle: Eurostat | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Defizit 2027/28 soll durch Förder-Kürzungen schmelzen. Finanzminister Markus Marterbauer ist zuversichtlich, dass Österreich seine Defizit-Ziele 2028 erreichen und damit das ÜD-Verfahren verlassen wird. Einige zusätzliche Maßnahmen sind bereits „grob vereinbart“, darunter die nächsten Schritte in der Steuerbetrugsbekämpfung und Kürzungen bei Förderungen, die derzeit ausgearbeitet werden und 2027/28 greifen sollen. Die 5 Mrd. Euro, die der Fiskalrat an zusätzlichen Sparmaßnahmen für notwendig erachtet, hält er für etwas zu hoch gegriffen. Marterbauer hofft auf positive Budgeteffekte durch die bessere wirtschaftliche Entwicklung, etwa höhere Lohnsteuereinnahmen durch steigende Beschäftigung. Zu den Pensionen meinte er, dass für ihn die Finanzierbarkeit in dieser und der nächsten Legislaturperiode wichtig sei – eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters helfe in diesem Zeithorizont nicht. Dass derzeit keine Umsetzung von Erbschafts- und Vermögenssteuern möglich ist, schmerze ihn, aber ein paar Maßnahmen könne er dennoch durchsetzen und verwies auf das Steuerbetrugspaket und die Bankenabgabe: „Die Banken freuen sich überhaupt nicht über die Stabilitätsabgabe“. Dass dadurch der Standort gefährdet wäre, wie er oft höre, sehe er nicht. [Quelle: Ö1 Mittagsjournal 20.12. | Reaktionen: Grüne, FPÖ]

🇦🇹 Industrie fordert Industriestrompreis nach Vorbild Deutschlands. Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, fordert für Österreich einen Industriestrompreis nach dem Vorbild Deutschlands. Dort wird ab Jänner der Strompreis für Industriebetriebe durch staatliche Gelder auf 5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt. „Das wäre ein Drittel von dem, was die Industrie derzeit zahlt“, so Knill im Kurier. Von der Industriestrategie, die am 15. Jänner präsentiert werden soll, erwartet er sich außerdem eine Erhöhung der Forschungsprämie von 14 auf 15 % und einen „Abschreibungsturbo“. [Quelle: Kurier]

🇦🇹 Babler glaubt nicht an Senkung der Lohnnebenkosten. Im Interview mit dem Kurier pocht Vizekanzler Andreas Babler erneut auf Vermögenssteuern für die „Superreichsten“ – wäre die SPÖ in einer Alleinregierung, hätte sie das bereits umgesetzt. Einer Senkung der Lohnnebenkosten steht er kritisch gegenüber, er glaube nicht, dass das ein Thema sei. Eine Senkung der Körperschaftsteuer habe die Investitionen auch nicht angekurbelt und sei nur in die Gewinne und Dividenden geflossen. In der Presse meinte er, dass sich die SPÖ für weitere Schritte im Mietbereich stark machen wird: „Wir werden noch die Forderung in der Koalition einbringen, gegen den Mietwucher vorzugehen.“ [Quellen: Kurier, Presse]

🇦🇹 Steuern und Abgaben auf Gas gestiegen. Der Fachverband Gas Wärme weist darauf hin, dass vor allen Steuern und Abgaben Gas verteuert haben. Zwischen dem 1. Halbjahr 2021 und dem 1. Halbjahr 2025 hätten sich die Steuern und Abgaben auf Gas um mehr als 108 % verdoppelt, wie eine Analyse des Instituts Econmove ergab. Eingerechnet wurden Erdgasabgabe, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer. Steuern und Abgaben machen demnach ein Drittel des Gaspreises aus. Der Gaspreis selbst sinkt seit 2023 und wirkt inflationsdämpfend. Den kleinsten Teil des Gaspreises würden Netzgebühren ausmachen. Diese steigen für Haushalte 2026 zwar um durchschnittlich 18 %. Bezogen auf den Gesamtpreis für Gas seien es aber nur +5 % – ein Durchschnittshaushalt habe mit Mehrkosten von rund 5 Euro pro Monat zu rechnen. [Quelle: Fachverband Gas Wärme]

🇦🇹 RH-Bericht zu Gehältern in öffentlichen Unternehmen. Der Rechnungshof hat die durchschnittlichen Gehälter von Vorständen und Mitarbeitern in 445 Unternehmen und Einrichtungen des Bundes im Jahr 2024 aufgelistet und analysiert. In 30 dieser Unternehmen verdienten Vorstände oder Geschäftsführer mehr als der Bundeskanzler (333.758,60 Euro) – im Schnitt verdienten sie 245.100 Euro. Das Durchschnittsgehalt der Beschäftigten über alle Unternehmen und Einrichtungen des Bundes hinweg lag 2024 bei 70.000 Euro – um 21 % mehr als im Jahr 2021. Der Frauenanteil in Vorständen stieg zwischen 2021 und 2024 von 23,4 auf 27,2 % und in Aufsichtsräten von 35,6 % auf 38,8 %. Die zusätzlichen Pensionsleistungen lagen 2024 bei 617,28 Mio. Euro, 2021 waren es noch 539,59 Mio. Euro. Der Rechnungshof regt an, für mehr Transparenz auch Unternehmen der Länder und größerer Gemeinden sowie gesetzliche berufliche Vertretungen in der Einkommenserhebung zu erfassen, dafür sei aber eine Reform notwendig. [Quelle: Rechnungshof]

🇦🇹 Regierung zieht Bilanz für 2025. Vor Weihnachten wartet die Bundesregierung mit einer ausführlichen Regierungsbilanz auf. Gerühmt wurden vor allem das Doppelbudget, das Aufschnüren des Beamten-Gehaltsabschlusses, die unterinflationäre Pensionsanpassung, das „Billigstromgesetz“ (ElWG), die geplante 6-%-Einsparung im öffentlichen Dienst, der Industriestrombonus (SAG) und die Verdoppelung des Investitionsfreibetrags. „Gemeinsam am Aufschwung arbeiten, Österreich wieder wettbewerbsfähig zu machen: das ist aus unserer Sicht auch das Motto für das Jahr 2026“, erklärt Staatssekretär Alexander Pröll. [Quellen: Aussendung, Regierungsbilanz 2025 | Grafiken: Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst seit 2016, Erste unterinflationäre Pensionsanpassung seit 2014, Strompreis bleibt auf Rekordhoch]

🇦🇹 Handel mit Weihnachtsgeschäft zufrieden. Der Handelsverband meldet einen stark frequentierten 4. Einkaufssamstag. Nach mehreren Jahren mit sinkenden Realumsätzen dürfte sich heuer wieder ein Plus im Einzelhandel ausgehen. Wifo und Handelsverband gehen im Dezember von einer Steigerung zum Vorjahr von 2 % oder Mehreinnahmen von 1,19 Mrd. Euro aus. Auch heute und morgen könnte sich noch einiges tun – 7 % der Österreicher shoppen laut Handelsverband Weihnachtsgeschenke „last minute“. [Quelle: Handelsverband]

🇦🇹 Österreichs Emissionen dürften gestiegen sein. Laut einer Untersuchung des Wegener Centers der Uni Graz wird der Treibhausgas-Ausstoß in Österreich 2025 im Jahresabstand um etwa 2,5 % oder 1,7 Mio. Tonnen CO2 gestiegen sein. Die Ursachen sehen die Forscher vor allem in den Verkehrsemissionen und da speziell dem Flugverkehr, dem geringeren Tempo im Ausbau erneuerbarer Energie und den kühleren Wintermonaten, die den Gasverbrauch erhöht haben. [Quelle: Wegener Center]

🇪🇺 Mercosur-Abkommen wird am 12. Jänner unterzeichnet. Laut Medienberichten gibt es nun mit dem 12. Jänner ein neues Datum für die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens, die dann in Paraguay stattfinden wird. Auch die Mercosur-Länder bestätigten im Zuge ihres Gipfels am Samstag in Brasilien, dass das Abkommen unterzeichnet werde. Die Verschiebung hatte Italien erwirkt, das weitere Maßnahmen zum Schutz des Agrarsektors fordert, dann aber zustimmen will. Mit Italiens Stimme sieht der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz die qualifizierte Mehrheit für das Abkommen gesichert – unabhängig davon, ob auch Frankreich zustimmen werde. [Quellen: Euractiv, Mercosur, Merz nach dem EU-Gipfel | Reaktionen: IV, WKÖ, Bundesverband der deutschen Industrie, IfW Kiel, Neos | Grafik: Österreichs Handel mit den Mercosur-Staaten]

🇩🇪 Bundesbank korrigiert Wachstumsprognose für Deutschland. Die Bundesbank hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland für kommendes Jahr leicht nach unten korrigiert. 2026 soll das BIP um 0,9 % wachsen statt der bisher prognostizierten 1,0 %. Für heuer rechnen die Ökonomen dafür mit einem Mini-Wachstum von 0,1 %, nachdem zuvor ein Minus von 0,1 % vorhergesagt wurde. 2027 sollen sich 1,4 % Wachstum ausgehen und 2028 0,9 %, allerdings mit Abwärtsrisiken durch Handelskonflikte. [Quelle: Bundesbank]

🇺🇸 Weißes Haus nennt 235 Mrd. US-Dollar Zolleinnahmen. In einem auf YouTube übertragenen Livestream des Weißen Hauses wird von Zolleinnahmen in Höhe von 235 Mrd. US-Dollar seit Jänner 2025 berichtet. Unter dem Titel „Christmas Lo-fi 2025 MAGA Victories“ läuft seit etwa 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine Dauerschleife mit weiteren vom Weißen Haus präsentierten politischen Erfolgen von Präsident Donald Trump, untermalt mit Lo-Fi-Musik. Der Stream zeigt zudem eine animierte Darstellung Trumps, der neben einem Weihnachtsbaum aus einem Buch vorliest. Laut Angaben der US-Zollbehörde lagen die Einnahmen aus den eingeführten Zöllen zwischen Jahresbeginn und dem 15.12.2025 bei 200 Mrd. US-Dollar. [Quellen: The White House Livestream, US-Zollbehörde]

🌐 Gold- und Silberpreis auf neuem Rekordhoch. Der Goldpreis hat in der Nacht auf Dienstag ein neues Allzeithoch erreicht. Gegen 4 Uhr stieg der Preis für eine Feinunze auf rund 4.383 US-Dollar. Um 6:45 Uhr lag er bei etwa 4.402 US-Dollar. Damit wurde der bisherige Rekord von rund 4.382 US-Dollar aus dem Oktober übertroffen. Seit Jahresbeginn 2025, als Gold noch bei etwa 2.658 US-Dollar notierte, entspricht das einem Anstieg von rund 65 %. Der Silberpreis erreichte heute Morgen 69,3 US-Dollar pro Feinunze und damit ebenfalls ein Allzeithoch, ein Anstieg von etwa 134 % seit Jahresbeginn. [Quelle: TradingView I, TradingView II]

Selektive Agenda:

Am heutigen Montag veröffentlicht die Statistik Austria Daten zum Übergang von einem BHS-Abschluss in den Arbeitsmarkt und die vorläufigen Kfz-Neuzulassungen 1. bis 20. Dezember 2025 nach Marken.

Am Dienstag veröffentlicht die Statistik Austria am Vorabend des 24. Dezembers Daten zur Einsamkeit in Österreich und die Gebarungen der Gebietskörperschaften 2024. Der Europäische Autohersteller-Verband ACEA gibt die Pkw-Neuzulassungen im November bekannt.

Am Heiligen Abend findet die traditionelle „Licht ins Dunkel“-Spendengala im ORF statt.

Am Stephanitag hält Josef Grünwidl, der Christoph Schönborn als Wiener Erzbischof beerbt und Ende Jänner offiziell ins Amt eingeführt wird, die Festmesse im Stephansdom.

Der Ministerrat tagt voraussichtlich erst wieder am 7. Jänner.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Andrea Mohnsame übernimmt die Geschäftsführung bei Spencer Stuart Deutschland und Österreich. Ulrike Rauch-Keschmann, Leiterin der Sektion Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, wurde als neues Mitglied in den Aufsichtsrat der Spanischen Hofreitschule berufen. Andreas Jaklitsch übernimmt mit Jänner als Geschäftsführer die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ).

Geburtstage: Wir gratulieren Ursula Haubner, Arnold Schiefer und Karl Pronhagl zum Geburtstag.

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