Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Wirtschaftsstimmung Österreich. Während global der Optimismus wächst und 58 Prozent der weltweiten CEOs an künftiges Wachstum glauben, erwarten dieses in Österreich nur 14 Prozent – ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr, da waren es noch 31 Prozent. Ähnlich in Deutschland: Nach 42 Prozent (2024) sind jetzt nur mehr 16 Prozent der CEOs zuversichtlich. Makroökonomische Unsicherheit, Inflation und Cyberangriffe werden von den Führungskräften international als größte Bedrohungen angesehen. [Quelle: PwC CEO Survey]
Markt & Mächte: Trumps erste Maßnahmen und was sie bedeuten
mit Niko Jilch und Sara Grasel
Gleich nach der Angelobung als 47. US-Präsident hat Donald Trump Dutzende Dekrete unterzeichnet. Vieles davon sei „aus der Perspektive des Wettbewerbs gefährlich“, sagt Finanzexperte Niko Jilch in der neuesten Folge „Markt & Mächte“ – gefährlich für alle anderen. Für die USA hingegen stünden die Zeichen auf Wachstum: „Er will die amerikanische Wirtschaft in ihrer Dynamik und in ihrem Wachstum noch einmal stärken“.

Grafik (von Christoph Hofer): Seit einem Jahr driften die Wachstumsprognosen für die USA bzw. die Eurozone zunehmend auseinander. Noch im Jänner 2024 wurde beiden Wirtschaftsräumen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ein BIP-Wachstum von 1,7 Prozent für das Folgejahr vorausgesagt. Während die USA ihre Wachstumsprognose mittlerweile auf 2,7 Prozent (Jän. 25) steigern konnten, sackte die Eurozone auf 1,0 Prozent ab. Der US-Konjunktur helfen eine robuste Nachfrage, eine weniger restriktive Geldpolitik und steigende Investitionen. Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone wurde zuletzt durch eine schwache Dynamik im verarbeitenden Gewerbe und politische Unsicherheiten gedrückt. [Quelle: IWF]

Koalitionsnews: Herdprämie, Flat Tax, Sky Shield. Gestern tagten die Untergruppen „Landwirtschaft und ländlicher Raum, Umweltschutz und Klimapolitik“ sowie „Familie, Jugend, Frauen“. Verhandlungen über eine sogenannte „Herdprämie“ sorgen bei SPÖ, Neos und Grünen für Kritik – diese sei „rückschrittlich“ und auch „wirtschaftspolitisch ein Irrsinn“. Die FPÖ betont die Wahlfreiheit und verweist auf entsprechende Modelle in Nieder- bzw. Oberösterreich. ÖVP-Verhandler und WKO-Generalsekretär Wolfgang Hattmannsdorfer bringt eine Flat Tax auf Überstunden von 20 Prozent ins Spiel, die WKO-Handelssparte schließt sich dem Vorschlag an. Für Verteidigungsministerin Klaudia Tanner – ÖVP-Leiterin der Untergruppe „Landesverteidigung und Sport“ – ist Sky Shield keine Koalitionsbedingung, man „werde sehen, welche Entscheidungen getroffen werden“. [Quellen: Ö1: Tanner, Hattmannsdorfer; WKO-Aussendung; SPÖ-Aussendung; Nikola Donig auf X | Übersicht: Die Regierungsverhandler von FPÖ und ÖVP]
Fachkräftemangel. 71 Prozent der österreichischen mittelständischen Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, zwei Drittel sehen darin eine „eher große“ bis „sehr große“ Gefahr. Ein Drittel der Betriebe berichtet aufgrund des Fachkräftemangels von Umsatzeinbußen. Als wichtigsten Grund für den Fachkräftemangel orten die befragten Betriebe die mangelnde Bereitschaft, in Vollzeit zu arbeiten (61 Prozent), danach folgen demografischer Wandel (39 Prozent) und mangelnde Qualifikation der Bewerber (36 Prozent). [Quelle: EY Mittelstandsbarometer]
Wasserstoff-Absichtserklärung. Österreich, Deutschland, Italien, Algerien und Tunesien haben eine gemeinsame Absichtserklärung zum Projekt „South H2 Corridor“ unterzeichnet. Mit diesem Projekt soll ab dem Jahr 2030 über eine 3.300 Kilometer lange Pipeline erneuerbarer Wasserstoff aus Nordafrika über Italien bis nach Deutschland und Österreich transportiert werden können. Die fünf Unterzeichnerstaaten werden halbjährlich zusammenkommen, um die Durchführung des Projekts zu begleiten. [Quellen: Medienberichte, Reuters, ital. Außenministerium, South H2 Corridor Website]
Flughäfen-Bilanz. Die sechs heimischen Flughäfen zählten im vergangenen Jahr insgesamt 35,5 Mio. Passagiere, ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2023. Der größte Flughafen, Wien-Schwechat, fuhr mit 31,7 Mio. Passagieren einen neuen Rekord ein, während es ein Minus bei den Flughäfen in Linz, Klagenfurt und Innsbruck gab. [Quelle: AÖV]
ÖGK-Defizit. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) rechnet heuer mit einem Defizit von bis zu 800 Mio. Euro, nach einem Minus von 480 Mio. Euro im Vorjahr. Der am Dienstag neu gewählte Obmann der ÖGK, Peter McDonald, betonte, dass man bei der Finanzierung auch von der Konjunktur abhängig sei, da diese die Beitragszahlungen beeinflussen würde. Durch mehr Telefonberatung und bessere Angebote für Wahlärzte die Kassenplätze annehmen, solle der Druck auf das System gesenkt werden. [Quelle: Interview ÖGK-Chef in der ZIB2]
Österreichische Weinwirtschaft. Im vergangenen Produktionsjahr zwischen Oktober 2023 und September 2024 wurde im Lebensmitteleinzelhandel um 2,6 Prozent weniger Wein verkauft. Der Umsatz ging um 0,9 Prozent zurück. Der Rückgang war bei ausländischen Weinen erheblich stärker als bei heimischen. Auch beim Absatz in der Gastronomie und im Export gibt es ein Minus. [Quelle: ÖWM]
Wiener Büromarkt. Heuer dürfte das Neubauvolumen an Büroflächen in Wien leicht von 98.900 Quadratmetern im Vorjahr auf 107.400 Quadratmeter ansteigen. Die Leerstandsquote dürfte dabei mit 3,56 Prozent auf einem der niedrigsten Werte der letzten fünf Jahre bleiben. Das unterstreicht die starke Nachfrage. Durch die EZB-Zinssenkungen sollten auch im kommenden Jahr mehr Büroflächen auf den Markt kommen, die Preise dürften weiterhin steigen. [Quelle: Otto-Büromarktbericht]
Von der Leyens Plan. EU-Kommissionpräsidentin von der Leyen fordert eine vertiefte Kapitalmarktunion und will eine Europäische Spar- und Investitionsunion schaffen. Weiters müsse „unnötige Bürokratie“ zurückgefahren werden, um Investitionen zu erleichtern – statt 27 nationalen Regelungen soll es ein unionsweites „28. Regelwerk“ geben. Als dritten Grundpfeiler nannte die Kommissionspräsidentin das Thema Energie. Um die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu erhalten, braucht es eine Rückkehr zu niedrigen und stabilen Energiepreisen – der Energiemix muss diversifiziert werden, erneuerbare Energien und Kernkraft ausgebaut, sowie in Kernfusion, Erdwärme und Feststoffbatterien investiert werden. Gegenüber China soll eine „ausgewogenere Beziehung“ gepflegt und die Risiken für die europäische Wirtschaft auch durch „handelspolitische Schutzmaßnahmen“ gemindert werden. Gegenüber den USA signalisiert sie Verhandlungsbereitschaft und Pragmatismus. Die Spielregeln zwischen den Weltmächten würden sich ändern, die europäischen Werte aber nicht, so von der Leyen. [Quellen: Rede am WEF: Video, Transkript; Von der Leyen auf X]
Europäischer Automarkt. 2024 gab es mit 10,6 Mio. Pkw-Neuzulassungen in der EU ein Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am stärksten wuchs die Zahl der Neuanmeldungen in Spanien mit 7,1 Prozent, ein Minus gab es in Frankreich (-3,2 Prozent), Deutschland (minus ein Prozent) und Italien (- 0,5 Prozent). Der Anteil von Elektroautos betrug 13,6 Prozent, im Jahr davor lag er noch bei 14,6 Prozent. Dieser Rückgang sei vor allem auf das massive Zulassungsminus in Deutschland und Frankreich zurückzuführen, das den gesamten EU-Schnitt drückt. [Quelle: ACEA]
Europäische Rüstungsindustrie. Die Europäische Investitionsbank (EIB) will heuer zwei Mrd. Euro in die Bereiche Sicherheit und Verteidigung in der Union investieren, wie deren Präsidentin Nadia Calviño beim ECOFIN-Treffen mit den EU-Finanzministern in Brüssel ankündigte. Damit solle die Rüstungskapazität hochgefahren werden, auch um es den NATO-Ländern in der EU leichter zu machen, ihre Verteidigungsfähigkeit auszubauen. [Quelle: Medienberichte]
Erdgasmarkt. Mit 115 Mrd. Kubikmetern stieg der weltweite Erdgasverbrauch im Vorjahr um 2,8 Prozent auf einen neuen Rekordwert, so die Internationale Energieagentur (IEA). Dabei würde Gas immer mehr Erdöl und Produkte daraus ersetzen. 2025 wird der Bedarf weiter steigen, das Angebot aber langsamer wachsen. Vor allem da die notwendige Infrastruktur für mehr Flüssiggastransport in den USA erst in den nächsten Jahren fertiggestellt werden dürfte. [Quelle: IEA]
Deutsche Konjunktur. Deutschland droht das dritte Rezessionsjahr in Folge. Das Stimmungsbarometer der Konjunkturerwartungen von Finanzexperten sank im Jänner gegenüber dem Vormonat um 5,4 Punkte auf 10,3 Punkte. Das ist ein stärkerer Rückgang als von Analysten vorhergesagt wurde, diese rechneten mit einem Wert von 15,1 Zählern. Die schlechte Stimmung würde den Konsum nach wie vor bremsen, womit ein Wachstumsimpuls fehlt. Vor einem weiteren Rezessionsjahr warnte auch der deutsche Industriepräsident Marcel Fratzscher. Die Handelspolitik Donald Trumps würde dieses wahrscheinlicher machen. Eine positive Entwicklung gibt es bei den Aufträgen in der deutschen Industrie – diese sind, vor allem wegen Zugewinnen in der Autobranche, im November um 0,1 Prozent und damit den dritten Monat in Folge gewachsen. [Quellen: ZEW, Reuters, Statistisches Bundesamt]
Argentinischer Exportüberschuss. Argentinien hat im vergangenen Jahr einen Rekord-Exportüberschuss von 18,8 Mrd. Dollar verzeichnet, nach einem Defizit von 6,9 Mrd. Doller im Jahr davor. Vor allem die Importe gingen im Vorjahr aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs zurück. Die Exporte von Agrarprodukten konnten nach einer großen Dürre 2023 wieder zulegen. Zum Jahresende zeigte die Rezession Anzeichen einer Verlangsamung, für 2025 rechnet die Regierung mit einem Aufschwung. [Quelle: Reuters]
Selektive Agenda:
9:00 Uhr, Wien: Plenarsitzung des Nationalrats mit Erklärung von Regierungschef Schallenberg; ehem. Bundeskanzler Nehammer legt sein Mandat zurück – Johanna Jachs folgt nach
Heute, Straßburg: EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen beim 3. Plenartag des Europaparlaments (bis 23. Jänner); EU-Migrationskommissar Brunner besucht die Gemeinsame Deutsch-Französische Diensteinheit (GDFD)
Heute, Warschau: Informelles Treffen der EU-Bildungsminister mit Bildungsminister Polaschek [Info]
Heute, Warschau: Informeller EU-Rat Justiz und Inneres
Heute, Davos: Dritter Tag des Weltwirtschaftsforums WEF (bis 24. Jänner); mit u.a. Regierungschef Schallenberg, EZB-Präsidentin Lagarde
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Dagmar Steinert wird neue Finanzvorständin von Wienerberger, sie folgt Gerhard Hanke nach, der Chief Operating Officer für die Region Zentral & Ost wird. Silvan Göldi ergänzt das Partnerteam bei Bain & Company Österreich. Gerd Raspotnig ist neuer Vorsitzender des Landesstellenausschusses der AUVA Salzburg, Clemens Hofbauer ist sein Stellvertreter. Preben Aamann wurde zum neuen Generaldirektor für Kommunikation und Information (COMM) des Europäischen Rats ernannt.
Geburtstage: Wir gratulieren Kardinal Christoph Schönborn und Peter Pilz zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:30 Uhr, Wien: Agenda Austria Vortrag – „Von Österreich lernen: Menger“ mit Prof. der Wirtschaftsgeschichte Giandomenica Becchio [Info und Anmeldung]
Ab 18:00 Uhr, Innsbruck: Beginn des Österreichische-Hoteliervereinigung-Kongresses (bis Freitag) [Info und Anmeldung]