Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern, Stephan Frank, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Industrie rutscht wieder ins Negative – IV rechnet mit Stagflation. Die Industrie ist im 3. Quartal laut Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung wieder in den negativen Bereich gerutscht – von +1 Punkt im 2. Quartal auf -5,7 Punkte im 3. Quartal. Damit sei für heuer in der Industrie bestenfalls mit einer Stagnation zu rechnen. Auch das 4. Quartal könnte laut IV schwächer ausfallen als gedacht, wodurch eine entsprechende Anpassung der Wachstumsprognosen für 2026 notwendig werden könnte. „Aus der Industrie ist für 2026 keine Dynamik zu erwarten“, sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Diese müsse schon aus dem Tourismus kommen, denn auch bei der Konsumlaune sei keine Aufhellung zu erwarten. Insgesamt sieht die IV die Gefahr einer Stagflation, also der Kombination aus keinem Wirtschaftswachstum und Kaufkraftverlust. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer forderte eine Ausgabenbremse, um das Vertrauen in den Standort wieder aufzubauen. Als Vorbild könne das schwedische Modell mit verbindlichen Obergrenzen aber ohne verfassungsrechtliche Starrheit dienen. [Quellen: Pressekonferenz, Konjunkturbarometer]
„Wasserstoff wird kein Preistreiber für Haushalte“
Interview mit Wolfgang Hattmannsdorfer
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hält die Ziele der österreichischen Wasserstoffstrategie für „sehr ambitioniert“, will aber mit neuen Fördermillionen und Verordnungen Tempo machen. Für die Übergangszeit will er sich auf EU-Ebene für die von der Industrie geforderte Verlängerung der CO2-Freizertifikate einsetzen. „Solange CO₂-arme Technologien noch nicht flächendeckend wirtschaftlich einsetzbar sind, braucht es eine faire Übergangsphase. Ohne eine Verlängerung der Gratiszertifikate riskieren wir, dass Wertschöpfung und Emissionen einfach nur verlagert werden“, so Hattmannsdorfer.
💡 Geplante Netzentgelt-Erhöhung sorgt für Kritik. Die Netzentgelte für Gas (+18,2 %) und Strom (+1,1 %) würden laut aktuellem Verordnungsentwurf der E-Control auch nächstes Jahr weiter steigen. Die Veränderungen reichen bei Gas von +35 % in Kärnten zu +6,5 % in Oberösterreich, während sich die Stromnetzentgelte von +16,1 % im Burgenland bis -9,1 % in Salzburg entwickeln sollen. Der burgenländische LH Hans Peter Doskozil fordert eine Aussetzung der Netzentgelt-Anpassung sowie einen Einheitstarif für ganz Österreich. Auch Oecolution-Geschäftsführer Christian Tesch konstatiert: „Die Netze könnten billiger sein.“ Er regt eine Zusammenlegung der über 100 Stromnetzbetreiber und eine Senkung der Finanzierungskosten an. Das Wirtschaftsministerium wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass die hohen Preissteigerungen in einzelnen Bundesländern „nicht vollends zufriedenstellend“ seien. Man arbeite mit dem ElWG an einer Strommarktreform inkl. Neuregelung der Netzentgelte. Bei einem Verbrauch in sonnenstarken Stunden sollen die Netzgebühren dann um 20 % niedriger sein. Um die Gas-Netzkosten zu verringern, müssen Teile des Gasnetzes redimensioniert werden, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch in der ZIB2. [Quellen: E-Control | Reaktionen: Doskozil via Burgenland Energie, Oecolution, FPÖ, Stadt Wien, BMWET, ZIB2 | Grafik von Stephan Frank]

🇦🇹 KV-Verhandlungen in Sozialwirtschaft ohne Ergebnis. Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft haben in der 1. Runde kein Ergebnis gebracht. Die Gewerkschaften zeigten sich verärgert, dass die Arbeitgeber die Inflation nicht voll abgelten wollen und die wiederum verwiesen auf die schwierige Lage aufgrund von Budgetkürzungen in allen Bundesländern, schlossen aber eine Nulllohnrunde aus. Die Gewerkschaften haben für 3.-5.11. Aktionen während der Arbeitszeit angekündigt – Arbeitnehmer sollen dann ihre Arbeit 4 Minuten lang unterbrechen und sich dabei fotografieren. Die nächste Runde findet am 13. November statt. [Quellen: vida/GPA, SWÖ]
🇦🇹 Gold-Anleger in 10 Jahren verdoppelt. 80 % der Österreicher setzen bei der „Geldanlage“ auf das klassische Sparkonto. Bei der „Generation Z“ sind es sogar 86 %. In den letzten 10 Jahren ist der Anteil jener, die in Wertpapiere investieren, von 28 % auf 38 % gestiegen – in der Generation Z auf 48 %. Der Anteil von Anlegern in Edelmetalle wie Gold hat sich seit 2015 von 12% auf 24% verdoppelt. Kryptowährungen gehören für 12 % zum Anlagemix. [Quelle: Erste Bank Sparstudie]
🇦🇹 Wirtschaftsaktivität in den vergangenen Wochen gestiegen. Die unbereinigte wirtschaftliche Aktivität gemessen am wöchentlichen Indikator für das reale BIP lag in den ersten beiden Oktoberwochen sowie im September um 1 % über dem Vorjahresniveau. Im August wurde noch ein Minus von 0,5 % verzeichnet. Für den privaten Konsum werden für September +1,75 % und für die ersten Oktoberwochen +2,25 % erwartet. Aus der Entwicklung der Industrieproduktion und des Tourismus ergibt sich ein negativer Wachstumsbeitrag zum BIP (Juli: -7,5 Prozentpunkte, August -2,5 Prozentpunkte, September -0,25 Prozentpunkte). [Quelle: Wifo]
🇦🇹 Regierung plant gesetzliche Kennzeichnung von Shrinkflation. ÖVP, SPÖ und NEOS wollen bis Ende 2025 eine gesetzliche Pflicht zur Kennzeichnung von Shrinkflation einführen. Dabei handelt es sich um die Reduzierung von Produktfüllmengen bei gleichbleibendem oder steigendem Preis, ohne dass dies für Verbraucher ausreichend erkennbar ist. Ziel ist mehr Preistransparenz und Verbraucherschutz. Ähnliche Regelungen bestehen bereits in anderen EU-Ländern. Die FPÖ fordert ebenfalls strengere Vorgaben gegen „Mogelpackungen“ und eine deutliche Ausweisung des Grundpreises, ihr Antrag wurde jedoch abgelehnt. [Quelle: Parlament Österreich]
🇦🇹 Unternehmensinsolvenzen in Österreich steigen 2025 um 6 %. Laut ACREDIA und Allianz Trade steigen die Unternehmensinsolvenzen in Österreich 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 6 % auf 6.950 Fälle. Besonders betroffen sind Einzelhandel, Bau und Gastronomie. Zudem nimmt der Anteil kleinerer Firmen bei Pleiten zu. Die schwache Wirtschaft Deutschlands, Österreichs wichtigstem Handelspartner, trägt zu diesem Anstieg bei. Deutschland verzeichnet 2025 einen Insolvenzzuwachs von 11 %. Weltweit werden 2025 und 2026 Insolvenzzuwächse von 6 % bzw. 5 % erwartet, bevor 2027 mit einem Rückgang von 1 % gerechnet wird. Die Auswirkungen der US-Zölle werden voraussichtlich erst ab 2026 spürbar. Besonders im Technologie- und KI-Sektor ist das Insolvenzrisiko aufgrund zahlreicher Neugründungen erhöht. [Quelle: ACREDIA | Grafik: Firmeninsolvenzen: 2025 wird absolutes Rekordjahr]
🇪🇺 Staatsschulden steigen. Der öffentliche Schuldenstand ist im 2. Quartal 2025 in der EU auf 81,9 % (Q1: 81,5 %) und im Euroraum auf 88,2 % (Q1: 87,7 %) gestiegen. Österreich liegt mit 82,3 % unter dem Euroraum-Schnitt aber knapp über dem EU-Schnitt. Die höchsten Verschuldungsquoten im Verhältnis zum BIP wurden am Ende des 2. Quartals in Griechenland (151,2 %), Italien (138,3 %) und Frankreich (115,8 %) verzeichnet, die niedrigsten Quoten wurden in Estland (23,2 %), Bulgarien (26,3 %) und Dänemark (29,7 %) registriert. Gegenüber dem Vorquartal konnte Österreich wie 12 andere Mitgliedsstaaten einen Rückgang der Verschuldungsquote verbuchen (-0,8 Prozentpunkte). Verglichen mit dem Vorjahresquartal ist die Schuldenquote jedoch, wie in 16 anderen Mitgliedsstaaten, gestiegen (+0,7 Prozentpunkte). [Quelle: Eurostat | Grafik: Österreich mit größtem Schuldenzuwachs]
🇪🇺 Was die EU-Kommission 2026 vorhat. Die EU-Kommission hat gestern ihr Arbeitsprogramm für 2026 vorgestellt. Im Zentrum steht der Abbau von Abhängigkeiten. Dafür sei zuallererst eine Stärkung des Binnenmarktes notwendig – inkl. Investitionsunion und neuer Omnibus-Verordnungen zum Abbau von Bürokratie. Weitere Schwerpunkte sind u. a. günstigere Energie und der Ausbau von Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit. [Quellen: EU-Kommission, Arbeitsprogramm, Q&A, Zwischenbericht „Vereinfachung“]
🇪🇺 Entwaldungsverordnung soll weiter gelockert werden. Vor wenigen Wochen wurde das Inkrafttreten der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) um ein Jahr auf Ende 2026 verschoben, jetzt wird erneut nachgebessert. Die EU-Kommission schlägt vor, dass nachgelagerte Betreiber und Händler nicht mehr verpflichtet sein sollen, Sorgfaltserklärungen einzureichen. Es brauche nur mehr eine einzige Meldung im EUDR-IT-System zum Markteintrittszeitpunkt, die für die gesamte Lieferkette gültig sein soll. Kleinst- und Kleinunternehmen aus risikoarmen Ländern, die ihre Waren direkt auf dem europäischen Markt verkaufen – laut EU-Kommission fast 100 % der Land- und Forstwirte in der EU – sollen ebenfalls von dieser Erleichterung profitieren können. [Quelle: EU-Kommission | Reaktionen: Bauernbund, NÖ Landesregierung, Holzindustrie]
🇪🇺 🇨🇭 EU-Schweiz-Abkommen wird im November unterzeichnet. Die EU-Mitgliedsstaaten haben grünes Licht für den ersten Teil des Vertragspakets mit der Schweiz gegeben. Die Unterzeichnung kann damit am 10. November in Bern stattfinden. In dem Abkommen geht es u. a. um die Teilnahme der Schweiz an EU-Programmen wie Horizon Europe, Erasmus plus, Digital Europe oder Euratom. [Quelle: EU-Rat]
🇪🇺 🇨🇳 EU-China-Treffen und US-Australien-Abkommen zu Seltenen Erden. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat für die kommenden Tage ein Treffen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao angekündigt, um die chinesischen Exportbeschränkungen für Seltene Erden zu besprechen. Gleichzeitig haben US-Präsident Donald Trump und der australische Ministerpräsident Anthony Albanese beschlossen, die Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Förderung und Verarbeitung Seltener Erden zu vertiefen. [Quellen: EU-Kommission, Weißes Haus]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Bundespräsident Van der Bellen und deutscher Amtskollege Steinmeier eröffnen die neue Deutsche Botschaft in Wien. [Info]
Heute, Straßburg, Frankreich: Sitzung des Europaparlaments u. a. Bekanntgabe des Preisträgers des Sacharow-Preises 2025 (bis 23.10.) [Info]
Heute, London: Bundeskanzler Stocker nimmt im Rahmen des „Berlin Process“ am Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Westbalkan-Staaten und der EU teil. [Info]
9:00 Uhr, Wien: Ministerrat
9:00 Uhr, Wien: Vienna Migration Conference 2025 mit ICMPD-Generaldirektor Spindelegger und design. ICMPD-Generaldirektorin Raab [Info]
9:30 Uhr, Bad Hofgastein: Austrian Health Forum u. a. mit Staatssekretärin Königsberger-Ludwig, ÖGK-Obmann Huss, Gesundheitslandesrätin Gutschi (auch 23.10.) [Info]
10:00 Uhr, Wien: wiiw-Herbst-Konjunkturprognose Osteuropa
12:45 Uhr, Wien: Sondersitzung des Nationalrats u. a. zu Lobautunnel und weiteren Straßenbauprojekten [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Alexandra Bischof übernimmt die Leitung Marketing bei WINEGG. Johannes Schmuckenschlager wurde zum europäischen Weinbaupräsidenten gewählt. Bei UNIQUE relations verstärken seit September Nadine Bartunek und Noah Schleinzer das Team als Junior Consultants, seit Oktober ist Lara Hoppe Consultant und Felix Bischoffshausen hat die Leitung als Head of Digital Communications übernommen. Markus Pederiva ist neuer Pressesprecher bei den Wiener Netzen. Marco Giordani ist neuer CEO von ProSiebenSat1, Bob Rajan übernimmt interimistisch als CFO – Bert Habets, Martin Mildner und Markus Breitenecker (COO) verlassen mit sofortiger Wirkung den Vorstand.
Geburtstage: Wir gratulieren Sven Hergovich zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
9:15 Uhr, Wien: 3. Internationaler Immobilien Investment Kongress u. a. mit Stefan Bruckbauer und Elisabeth Della Lucia im Palais Berg [Info]
17:00 Uhr, Wien: CEO-Talk respACT „Sustainable Transformation – Herausforderungen und Chancen aus der Perspektive großer Unternehmen“ u. a. mit Sabine Herlitschka, Benoît Bazin und Markus Vesely in der französischen Botschaft [Info]
18:30 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Neutralität im Ernstfall – Was, wenn wir angegriffen werden?“ mit Martina Schubert, Michael Zinkanell, Franz Cede, Ralph Janik und Christoph Schwarz an der Diplomatischen Akademie [Info]