Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer, Maximilian Kern und David Schima – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 OeNB für Entbürokratisierung der Bankenaufsicht. OeNB-Gouverneur Martin Kocher unterstützt die Initiative der EZB für eine Entbürokratisierung der aktuellen Regeln für Banken. Nach der Finanzkrise 2008 seien viele sinnvolle, aber inzwischen überkomplexe Vorschriften eingeführt worden. Ziel ist es nun, Regeln „so komplex wie nötig, aber nicht komplexer“ zu gestalten. Vorschläge dazu habe etwa eine Task Force der EZB und der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) erarbeitet. Besonders kleine Institute (in Österreich ca. 300) sollen entlastet werden: einfachere Eigenkapitalregeln, weniger Meldepflichten, risikoorientiertere Aufsicht und effizientere Vor-Ort-Prüfungen. Stabilität bleibe aber auch hier oberste Priorität. Erste Maßnahmen sind bereits Anfang 2026 geplant. [Quelle: APA via Medienberichte]
Kommentar: Herbstlohnrunde – Mehr Planungssicherheit, mehr Spreizung
von Gerald Loacker
Die Herbstlohnrunde ging unter anspruchsvollen wirtschaftlichen Bedingungen weitestgehend frei vom Getöse eines möglichen Arbeitskampfes über die Bühne. Vom Standard abweichende Verhandlungsergebnisse wie Mehrjahresabschlüsse und Fixbeträge sind kein Zufall, sondern Instrumente zur Risikoverteilung und zur Stabilisierung in einem Umfeld, in dem viele Betriebe Lohnkosten stärker denn je als entscheidende Größe erleben. Wer in seinem Unternehmen Verantwortung trägt, sollte die Runde aber nicht als abgehakt betrachten, sondern als Anlass, die eigene Vergütungsarchitektur zu schärfen.
💡 Krisen-Abschlüsse dominieren Herbstlohnrunden 2025. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter einigten sich heuer verstärkt auf KV-Abschlüsse unterhalb der maßgeblichen rollierenden Inflation ihrer jeweiligen Branchen. Besonders stark traf es die metalltechnische Industrie: Nur +1,41 % nachhaltige Erhöhung (bei 2,8 % rollierender Inflation). Erstmals seit Jahren kam das Instrument der Einmalzahlungen massiv zum Einsatz – oft als Kaufkraftsicherungsprämie, die teils in Freizeittage umgewandelt werden kann. „Mit dem unübersehbaren Arbeitsplatzabbau vor Augen werden nun doch Lösungen möglich, die noch vor kurzem als undenkbar galten“, so Selektiv-Kommentator Gerald Loacker. Nur in wenigen Branchen wie Gebäudereinigung (+3,25 %), Güterbeförderung (Angestellte: +3,05 %) oder Autobuslenker (+3,3 %) kam es zu Reallohnsteigerungen. [Quellen: WKÖ, ÖGB, GÖD, BKA | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Österreich spielt eine aktive Rolle in der globalen Quantenforschung. Eine Studie des Europäischen Patentamts bescheinigt Österreich einen besonders hohen Internationalisierungsgrad bei Patentanmeldungen im Quantenbereich (91,7 %). Österreich wird als eines von 18 Ländern genannt, die eine explizite Quantenstrategie formuliert haben. Dazu wurden Mittel aus dem EU-Wiederaufbauprogramm NextGenerationEU und der Recovery and Resilience Facility genutzt hat, um in die Forschung und Entwicklung von Quantentechnologien zu investieren. Im Bereich des Technologietransfers wird neben anderen internationalen Beispielen auch auf die Initiative Quantum Science Austria (2023–2029) verwiesen, die darauf abzielt, einen Exzellenzcluster an der Universität Innsbruck aufzubauen. Die Schlüsseltechnologie-Offensive werde Österreichs Position als Quanten-Nation weiter ausbauen, so Innovationsminister Peter Hanke. [Quellen: EPO, BMIMI]
🇦🇹 Sozialministerium verschiebt Innovationsfonds für Pflege und Medizin auf 2027. Das Sozialministerium hat aufgrund „budgetärer Herausforderungen“ den im Regierungsprogramm vorgesehenen Innovationsfonds für Medizin- und Pflegeprojekte in Höhe von 50 Mio. Euro vom Jahr 2026 auf 2027 verschoben. Hilfsorganisationen reagierten mit Kritik. Die Bundesgemeinschaft Freie Wohlfahrt, zu der u. a. die Caritas gehört, warnt, dass damit zentrale Vorhaben wie die „dringend notwendige“ Digitalisierung der Pflege und deren Anbindung an die Elektronische Gesundheitsakte ab 2028 gefährdet seien, da sie ohne die vorgesehenen Mittel nicht umsetzbar wären. [Quellen: BAG, Kurier]
🇦🇹 BHS-Absolventen reüssieren am Arbeitsmarkt. Eineinhalb Jahre nach Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) beginnen 39,2 % der Absolventen ein Studium, während 48,0 % direkt ins Berufsleben einsteigen. Mit durchschnittlich 3,1 Monaten Jobsuche brauchen sie zwar länger als Personen mit Lehrabschluss (0,4 Monate) oder BMS-Absolventen (2,2 Monate), sind jedoch deutlich schneller als AHS-Absolventen (4,9 Monate). Am raschesten gelingt der Einstieg in die Arbeitswelt im Bereich der Elementar- und Sozialpädagogik (2,5 Monate). BHS-Absolventen bleiben im 2. Jahr nach dem Abschluss an 82 % der Tage erwerbstätig – das ist länger als bei Personen mit Lehre (81,7 %), BMS-Abschluss (76,2 %) und AHS-Matura (40,3 %). Bei unselbstständiger Vollzeitbeschäftigung verdienen BHS-Absolventen 18 Monate nach Schulabschluss im Median 2.757 Euro brutto pro Monat. Ein höheres Medianeinkommen gibt es nur bei Personen mit Lehrabschluss (2.817 Euro). [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 ÖGB-Chef Katzian gegen Krisen-Abschlüsse als Dauerzustand. Im Krone-Interview sprach sich ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian entschieden gegen weitere unterinflationäre KV-Abschlüsse in den Folgejahren aus. Im aktuellen Jahr war dies aufgrund der Situation der Industrie nötig. Auf Dauer „werden wir solche Abschlüsse nicht machen. Wer das glaubt, ist am Holzweg“, so Katzian. [Quelle: Krone]
🇦🇹 VfGH bestätigt Medikamenten-Monitoring als verfassungskonform. Der VfGH hat die Klage von 5 Arzneimittel-Großhändlern gegen das tägliche Monitoring der Lagerbestände abgewiesen. Die Händler hatten geltend gemacht, dass die Verpflichtung verfassungswidrig sei. Ab 1.1.2026 müssen die Großhändler dem Gesundheitsministerium täglich Daten zu gelagerten Arzneimitteln und Wirkstoffen übermitteln. Verstöße können mit Strafen von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Der Verband der Arzneimittelgroßhändler respektiert die Entscheidung, betont jedoch, dass dies „erhebliche operative, technische und datenschutzrechtliche Belastungen“ mit sich bringe. [Quelle: PHAGO]
🇦🇹 Erster Großspeicher im Burgenland angekommen. Um Versorgungslücken bei Wind- und Sonnenstrom kompensieren zu können, hat das Burgenland am Montag seinen ersten großen Stromspeicher bekommen. Dieser verfügt über ein Speichervolumen von 5 Megawattstunden (MWh) und soll im 1. Quartal 2026 in Betrieb genommen werden, so Burgenland-Energie-Vorstand Stephan Sharma. Die Gesamtleistung der Anlage in Siegendorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) entspreche in etwa der Speicherleistung von 100 E-Autos – die Nutzungsdauer beträgt 15 Jahre. [Quelle: Burgenland Energie]
🇪🇺 EU verlängert Sanktionen gegen Russland. Der Rat der EU hat gestern die restriktiven Maßnahmen gegen Russland bis zum 31. Juli 2026 verlängert. Die Sanktionen bestehen seit 2014 und wurden mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 ausgeweitet. Sie betreffen die Bereiche Handel, Technologie, Finanzen, Energie, Industrie, Verkehr, Luxusgüter und Dual-Use-Güter. [Quelle: Rat der EU]
🇪🇺 Moderates Wachstum bei EU-Pkw-Neuzulassungen. Die Neuzulassungen von Pkw in der EU sind bis November 2025 im Jahresvergleich um 1,4 % auf 9,9 Mio. Fahrzeuge gestiegen. Die Gesamtzahl bleibt damit weiterhin unter dem Niveau vor der Covid-19-Pandemie. Hybridfahrzeuge verzeichneten mit einem Marktanteil von 34,6 % die höchste Nachfrage, während die Zulassungen von Plug-in-Hybriden zunahmen. Der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge lag seit Jahresbeginn bei 16,9 %. Der gemeinsame Marktanteil von Benzin- und Dieselautos sank von 45,8 % im Jahr 2024 auf 36,1 % im November 2025. [Quelle: Acea]
🇩🇪 Deutsche Unternehmen blicken verhalten auf 2026. Rund 60 % der deutschen Unternehmen erwarten laut einer Umfrage des ifo-Instituts keine Veränderung ihrer wirtschaftlichen Lage im Jahr 2026. Etwa ein Viertel rechnet mit einer Verschlechterung, rund 15 % mit einer Verbesserung. Positiv überwiegen die Erwartungen lediglich im Bereich der elektrischen Ausrüstungen. Trotz des geplanten Sondervermögens für Infrastruktur der Bundesregierung gehen im Baugewerbe 33,2 % von einer schlechteren und nur 10,3 % von einer besseren Lage aus. [Quelle: Ifo-Institut]
🇩🇪 Deutsche Exportwirtschaft leidet unter US-Zöllen. In den ersten 3 Quartalen 2025 brachen die deutschen Exporte in die USA gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,8 % ein. Am stärksten traf es die Automobilbranche mit einem Rückgang von 13,9 %. Die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen in die USA unterlagen zeitweise einem Zusatzzollsatz von 25 Prozentpunkten. Die deutschen Maschinenbauer exportierten in den ersten 9 Monaten des Jahres um 9,5 % weniger als im Vorjahr. Grund dafür ist vor allem der 50-%-Zollsatz auf Stahl und Aluminium. Auch das Exportgeschäft der Chemieindustrie ging um 9,5 % zurück. Deutliche Zuwächse verzeichneten lediglich die Metallindustrie (+14,9 %) sowie Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln (+6,3 %). [Quelle: IW Köln]
🇬🇧 UK verzeichnet zartes Wachstum. Die britische Wirtschaft ist zwischen Juli und September um 0,1 % gewachsen, nach 0,2 % im 2. Quartal. Die Bank of England (BoE) rechnet für das 4. Quartal mit Stagnation. Das Leistungsbilanzdefizit fiel mit 12,1 Mrd. Pfund bzw. 1,6 % des BIP aber deutlich geringer aus als erwartet. Ökonomen hatten zuvor ein Defizit in Höhe von 21,1 Mrd. Pfund prognostiziert. [Quellen: ONS, Reuters]
🇨🇳 Chinesische Strafzölle auf EU-Milchprodukte. Ab heute erhebt China vorläufige Strafzölle in Höhe von 21,9 % bis 42,7 % auf ausgewählte Milchprodukte aus der EU. Diese seien staatlich gefördert und würden damit Chinas Industrie erheblich schaden. Das ergab eine Untersuchung des chinesischen Handelsministeriums, die als Vergeltung für die 2023 von der EU-Kommission eingeleitete Anti-Subventionsprüfung chinesischer E-Autos gilt. [Quellen: chin. Handelsministerium, Reuters]
Selektive Agenda:
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Zahlen und Daten zu Ankünften und Nächtigungen im November 2025 und zur Einsamkeit in Österreich
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Norbert Hofer wird mit 1. Februar 2026 bei der Emerald Horizon AG in Graz die Funktion des Vice President for Strategic Communications übernehmen. Gerrit Steen wird mit 1. Februar 2026 CFO von AT&S. Ab 1. Jänner 2026 wird Alexander Tritthart den Vorsitz der wissenschaftlichen Kommission zur Umsetzung des Qualzuchtverbots übernehmen.
Geburtstage: Wir gratulieren Claudia Gamon zum Geburtstag.