Morning in Brief ・ 23.01.2025

Morning in Brief, 23. Jänner 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Trump droht EU. Donald Trump hat seine Zoll-Androhungen gegenüber China und der EU erneut wiederholt. Die EU behandle die USA „sehr, sehr schlecht“ und daher gäbe es keine andere Möglichkeit, als Zölle einzuheben, um „Fairness“ zu erreichen. Die EU-Kommission weist Trumps Darstellung zurück, es gebe zwar einen Handelsüberschuss der EU im Warenhandel, jedoch hätten die USA einen Überschuss im Dienstleistungshandel. Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnten Trumps Zölle außerdem die US-amerikanische Wirtschaft „überhitzen“, die Arbeitslosenrate wäre bereits sehr niedrig und die Industrie laufe beinahe auf voller Kapazität. Wenig überraschend erwartet mehr als die Hälfte der Österreicher unter Trump eine Verschlechterung der EU-US-Beziehungen sowie der globalen Wirtschaft, FPÖ-Wähler sind hierbei aber optimistischer. [Quellen: Medienberichte, Reuters, CNBC, Gallup-Umfrage]

Kommentar: Lässt sich Kickl auf die EU einschwören?
von Georg Renner

Ich fürchte, die europapolitische Kernfrage dieser Koalitionsverhandlungen ist eine sehr einfache: Lässt man jemanden wie Herbert Kickl, der kein starkes Europa will, als Kanzler in jenes Gremium, das mehr als jedes andere darüber entscheidet, was für eine Union wir bekommen – oder nicht? Im Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs bestimmt auch unser Kanzler mit, wie die Union innen- und außenpolitisch agiert, welche Schwerpunkte sie setzt, wie sie sich weiterentwickeln soll. Er schreibt dort in letzter Konsequenz, ja, Weltpolitik mit.

Grafik (von Christoph Hofer): Mit 33.342 Euro mittlerem Bruttojahreseinkommen (2023) verdienen unselbstständig erwerbstätige Wiener im Bundesländervergleich am wenigsten. Die höchsten Einkünfte erzielen Burgenländer mit 39.286 Euro. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind von strukturellen Effekten wie Saisonarbeit oder Anteil der Teilzeitbeschäftigung beeinflusst. Zieht man nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte heran, führen Vorarlberger den Vergleich mit 55.049 Euro mittlerem Bruttojahreseinkommen an. [Quelle: Statistik Austria, Einkommensbericht 2024]

Urlaub statt Krankenstand? Stefan Sternad von der Kärtner Wirtschaftskammer sorgte mit seinem Vorschlag, Krankenstände unter drei Tagen durch Zeitausgleich oder Urlaub abzuwickeln, für Aufsehen. Nach Kritik schränkte Sternad seine Forderung dahingehend ein, dass die ÖGK bereits ab dem vierten anstatt erst ab dem elften Krankenstandstag die Kosten übernehmen soll. Das würde in strengeren Kontrollen resultieren und „Scheinkrankenstände“ z.B. an Fenstertagen eindämmen, so Sternad. Die ÖGK sieht in diesen Forderungen eine „Bestrafung von Kranken“ und fordert stattdessen mehr Mittel für Prävention, auch würden viele Arbeitnehmer schon jetzt krank arbeiten gehen. [Quellen: Kronen Zeitung: I, II; ÖGK | Grafik: Krankenstände auf 20-Jahres-Hoch]

Digitalisierung und KI. Die Digitalisierung von österreichischen Unternehmen steigt einer neuen Studie zufolge stetig an – 57,5 Prozent der Unternehmen haben einen geringen Digitalisierungsgrad, 38,6 Prozent einen mittleren und 3,9 Prozent sind „digitale Champions“ mit hohem Digitalisierungsgrad. Letztere zeigen sowohl mehr Wachstum in wirtschaftlich guten Zeiten als auch höhere Resilienz in Rezessionsphasen. Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz wurde erst in 15 Prozent der Unternehmen in „substanziellem Umfang“ festgestellt. Bei ausgeweiteter KI-Nutzung könnte das Wohlstandsniveau innerhalb von 10 Jahren um 18 Prozent erhöht werden. [Quelle: Studie von Accenture, Economica und der IV]

Erneuerbare Energien. Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) fordert von den Regierungsverhandlern die rasche Verabschiedung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (EIWG), des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG) und des Erneuerbares-Gas-Gesetzes (EGG). Das würde einen „dringend notwendigen Impuls für den Wirtschaftsstandort“ setzen. Auch die IG Windkraft appelliert an die nächste Bundesregierung: Windkraft könne günstigen Strom für Industriebetriebe liefern, die Wertschöpfung so in Österreich behalten werden. Den Ausgang der Kärntner Volksbefragung bedauert man, eine Wiener Anwaltskanzlei will diese jetzt vor dem Verfassungsgerichtshof bekämpfen. [Quellen: EEÖ, IG Windkraft, Kleine Zeitung]

Bürokratieabbau. 9,4 Arbeitsstunden muss laut einer Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich jedes heimische Unternehmen im Schnitt pro Woche für Bürokratie aufwenden, wobei die Belastung in den vergangenen drei Jahren für sechs von zehn Unternehmern gestiegen ist. Die WKO Kärnten will nun auf die Kärntner Landesregierung einwirken, um auch bürokratische Vorgaben auf Landesebene abzubauen. Dafür soll eine eigene Website mit aktuellen Bürokratie-„Schikanen“ im Zuge einer Kampagne sorgen. [Quelle: WK Kärnten, schlussmitschikanen.at]

Pensionskassen-Bilanz. Die heimischen betrieblichen Pensionskassen konnten 2024 ein Plus von 7,76 Prozent erzielen, die Vorsorgekassen für die Abfertigung Neu 4,93 Prozent. Im Durchschnitt haben die rund 155.000 Leistungsberechtigten damit eine monatliche Zusatzpension von 417 Euro (14-mal) ausbezahlt bekommen. Im Zuge der Bilanz fordert der Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen deshalb wieder den Vollausbau der betrieblichen Vorsorge durch die Politik. Das gute Ergebnis aus dem Vorjahr würde das Potenzial der kapitalmarktorientierten Veranlagung für alle deutlich machen. [Quelle: Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen]

Pflegeausbildungs-Rekord. Im Vorjahr konnten fast 19.000 Personen über das AMS im Pflegebereich aus- und weitergebildet werden – 16 Prozent mehr als im Jahr 2023. Darüber hinaus haben bis dato 152 Personen die im September 2023 eingeführte Pflegelehre gestartet. [Quelle: BM Kocher auf X]

Rekordjahr für Wien-Tourismus. Einen neuen Rekord an Nächtigungen konnte Wiens Fremdenverkehr 2024 mit 18,9 Mio. erzielen. Gleichzeitig erreichte man erstmals wieder mehr Nächtigungen als vor der Coronapandemie, der Anstieg zu 2023 betrug neun Prozent. Von Jänner bis November lag der Beherbergungsumsatz bei 1,2 Mrd. Euro und zwölf Prozent über dem Vergleichswert 2023. Bis jetzt nicht erholt haben sich die Zahlen der Urlauber aus China und Japan – deren Nächtigungen sind nach wie vor nur halb so hoch wie vor der Pandemie. [Quelle: Wien Tourismus]

Familienunternehmen-Nachfolge. Bis 2029 steht bei bis zu 50.000 heimischen Betrieben, größtenteils Familienunternehmen, eine Übergabe an, das sind knapp 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe. Um deren weiteres Bestehen abzusichern, fordert die Junge Wirtschaft eine eigene Nachfolgestrategie, mit der Unterstützung bei der Übernahme sowie Entlastungen bei Vorgaben und Bürokratie verbessert wird. Sonst drohe der Verlust von Arbeitsplätzen, Know-How und Wirtschaftskraft. [Quelle: Junge Wirtschaft]

Chips-Produktion. In Graz entsteht mit dem Austrian Chips Competence Center (AT-C3) die heimische Niederlassung des EU-weiten Kompetenzzentren-Netzwerks für Chipsentwicklung und -Produktion, mit der die Union unabhängiger von Importen werden will. In das Center, das als Geschäftsstelle des Silicon Alps Clusters geführt wird, werden bis 2028 acht Mio. Euro, jeweils vier Mio. von Seiten des Bundes und der EU, investiert werden. Ziel ist die Verdoppelung des Weltmarktanteils von in Europa produzierten Computerchips auf 20 Prozent bis 2030. [Quellen: Medienberichte, AIT]

Staatsschulden in der EU. Zum Ende des dritten Quartals 2024 lag der Schuldenstand des Staatssektors im Verhältnis zum BIP im Euroraum bei 88,2 Prozent und damit unverändert gegenüber dem Vorquartal. Für alle EU-Staaten blieb die Quote mit 81,6 Prozent ebenfalls unverändert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal verringerte sich der öffentliche Schuldenstand im Euroraum leicht (von 88,4 auf 88,2 Prozent), während er in der EU leicht anstieg (von 81,5 auf 81,6 Prozent). [Quelle: Eurostat]

Deutsche Konjunktur. Die deutsche Bundesbank rechnet für das erste Quartal 2025 weiter mit einer Stagnation der Wirtschaft, nachdem die Konjunktur bereits im letzten Quartal des Vorjahres nach einer ersten Schätzung um 0,1 Prozent zum Vorquartal geschrumpft ist. Auch die Inflation, die im Dezember auf 2,6 Prozent geklettert war, dürfte zu Jahresanfang deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent bleiben. Aufgrund der schwachen Wirtschaft, aber auch wegen hoher Kosten, der Bürokratie und langer Verfahrensdauern, hat bereits fast jedes dritte große Industrieunternehmen Forschungs- und Entwicklungsbereiche ins Ausland verlagert oder erwäge dies.  [Quellen: Bundesbank, Bundesverband der Deutschen Industrie]

Selektive Agenda:

8:30 Uhr, Wien: Koalitionsgespräche auf Chefverhandler-Ebene

9:00 Uhr, Wien: Verhandlungsgruppe „Finanzen und Steuern“ tagt

9:30 Uhr, Wien: Kundgebung der Gewerkschaft vida anl. KV-Verhandlungen der Buslenker

Heute, Straßburg: Vierter Plenartag des Europaparlaments

Heute, Davos: Vierter Tag des Weltwirtschaftsforums WEF (bis 24. Jänner); mit u.a. Regierungschef Schallenberg; EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen beim Start des Global Energy Transition Forum

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Bei den Neos werden Stephanie Krisper und Martina Künsberg Sarre neue Klubobfrau-Stellvertreterinnen von Beate Meinl-Reisinger, Markus Hofer wird Finanzreferent. Beim Kurier kehrt Christoph Schwarz mit 1. April 2025 als stellvertretender Chefredakteur zurück, Sanda Loncar wird mit 1. Februar 2025 Head of Digital. Bei Austrian Standards übernimmt Karl Grün die Stabsstelle Standards Affairs, Florian Woller wird Leiter des Gesamtbereichs Standards. In der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) wurde Peter McDonald zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats und Andreas Huss zu seinem Stellvertreter gewählt. Elisabeth Fuchs wird mit 1. Februar 2025 neue Wiener Bildungsdirektorin. Bei der Salesianer-Gruppe wird Romana Steinböck Chief Customer Officer, Johann Kandelsdorfer wird Chief Financial Officer und Phillip-Sebastian Marchl wird Chief Operating Officer.

Sehen & gesehen werden:

18:30 Uhr, Going (Tirol): Stanglwirt Charity-Auktion mit Arnold Schwarzenegger [invite only]

21:00 Uhr, Wien: Ball der Wiener Philharmoniker im Musikverein [Info und Karten]

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