Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 FTI-Pakt 2027-2029 wird präsentiert. Heute wird nach Informationen von Selektiv der Forschungspakt für 2027-2029 präsentiert, der bereits Ende 2025 hätte fertig sein sollen. Darin wird die Forschungsfinanzierung geregelt. Der FTI-Pakt soll auf die in der Industriestrategie definierten Schlüsseltechnologien ausgerichtet werden. Ein Fokus liegt außerdem auf der schnelleren Umsetzung von Forschungsergebnissen in der Wirtschaft und einer Entbürokratisierung der Forschungsförderung. Um das Volumen des FTI-Pakts wurde bis zuletzt gerungen. Für die Jahre 2024-2026 standen 5,2 Mrd. Euro zur Verfügung. Aus Forschung und Wirtschaft kamen in den vergangenen Wochen immer wieder mahnende Worte vor möglichen Kürzungen. [Quelle: Selektiv]
„Teilzeitarbeit gehört unattraktiver gemacht“
Interview mit Karl-Heinz Strauss
„Die Baukonjunktur wird besser sein, als die meisten erwarten“ – Porr-CEO Karl-Heinz Strauss blickt optimistisch auf 2026, vor allem aufgrund des Infrastrukturausbaus in Deutschland, Polen, Tschechien oder Rumänien. Dafür müssen allerdings Arbeitskräftepotenziale gehoben werden. Der Wohnbau sei hingegen nach wie vor schleppend. „Ich habe den Eindruck, dass unter der KIM-Verordnung weniger Eigenkapital gefordert wurde als heute. Ganz verstehe ich das nicht.“ Und weiter: „Die Politik tut momentan nichts, um die Wohnungspreise zu unterstützen.“
💡 Industrierezession kostete 66.000 Arbeitsplätze. Im 4. Quartal 2022 zählte die Industrie (= Herstellung von Waren) noch rund 687.000 Beschäftigte, bis zum 3. Quartal 2025 sank die Zahl auf rund 621.000. Besonders hart traf es die Industriearbeiter (-63.000). In den ersten drei Quartalen 2025 stabilisierte sich die Beschäftigung leicht und stieg saisonbereinigt marginal – ein erstes Zeichen, dass der Talboden erreicht sein könnte. [Quellen: Statistik Austria, Neos Lab | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 LNK-Senkung: Finanzminister will Finanzierung durch Unternehmen. Finanzminister Markus Marterbauer sieht weiterhin keinen Spielraum für eine Senkung der Lohnnebenkosten. „Ich warte auf Gegenfinanzierungsvorschläge im Volumen von 10 Mrd. Euro von Seiten der Unternehmerinnen und Unternehmer und deren Interessenvertretungen. Das wird sportlich, aber ich lasse mich überraschen“, so Marterbauer in Hinblick auf die Forderung nach einer Senkung um 5 Prozentpunkte. Den Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) aus den LNK-Beiträgen auszunehmen, würde 8 Mrd. Euro kosten: „Die haben wir sicher nicht im Budget 2027/28“. Die Gegenfinanzierung müsse aus der Wirtschaft kommen: „Es kann nicht sein, dass die WKÖ eine LNK-Senkung will und zahlen sollen es die Pensionistinnen und Pensionisten“, so Marterbauer wohl in Hinblick auf strukturelle Reformen im Pensionsbereich, die häufig als Gegenfinanzierung ins Treffen geführt werden. Entsprechend auch die Reaktion der Industriellenvereinigung: „Einsparungs- und Effizienzpotenziale liegen insbesondere im Pensionssystem, im Gesundheitsbereich, in der öffentlichen Verwaltung sowie im Bildungssektor.“ [Quellen: Pressekonferenz BMF ab Min. 11:30, IV | Kommentar: Das Märchen von der Gegenfinanzierung | Grafik: Wer von einer Lohnnebenkostensenkung profitiert]
🇦🇹 Grüne wollen Erbschaftssteuer im Nationalrat einbringen. Die Grünen wollen sich weiterhin mit einer Erbschaftssteuer in die Verhandlungen zum nächsten Doppel-Budget einbringen und planen, am Mittwoch im Nationalrat einen „dringlichen Antrag“ einzubringen. Die Erbschaftssteuer sei eine Alternative zu Sparmaßnahmen. Die Industriellenvereinigung konterte erneut, dass diese Steuer insbesondere in der Unternehmensnachfolge ein großes Problem darstellt. In Österreich stehe jede 10. Firma vor einem Generationenwechsel. „Dieses erarbeitete Vermögen beim Generationenwechsel nochmals zu besteuern, ist nichts anderes als eine doppelte Belastung und ein fatales Signal an all jene, die Verantwortung übernehmen und zum Wirtschaftsstandort Österreich beitragen“, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. [Quellen: Pressekonferenz Grüne, IV | Interview: Meinl-Reisinger: „Erbschaftssteuer wird jedenfalls nicht kommen“ | Grafik: Österreich bei Vermögens- und Kapitalbesteuerung im EU-Schnitt]
🇦🇹 AK und ÖGB orten „schwaches Interesse an Lehrlingen“. Laut Arbeiterkammer und ÖGB suchen derzeit 24.506 Jugendliche eine Lehrstelle. Eingerechnet sind hier nicht nur alle Lehrstellensuchenden, die beim AMS vorgemerkt sind (9.493), sondern auch Jugendliche in Schulungen (15.013). Demgegenüber standen im Jänner laut AMS 5.963 offene Lehrstellen. Allgemein ist der Arbeitsmarkt derzeit durch Nachzieheffekte der Rezession von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geprägt. AK und ÖGB orten ein „schwaches Interesse der Firmen an Lehrlingen“. So seien vergangenes Jahr um 10.000 neue Lehrlinge weniger aufgenommen worden als noch vor 20 Jahren. Die Industriellenvereinigung verweist in einer Reaktion darauf, dass „die Leistungen der vielen guten Ausbildungsunternehmen“ die Lehre erfolgreich machen. „Dass die Anzahl der Lehrbetriebe zurückgeht – rezessionsbedingt sogar in der Industrie –, ist ein Fakt, dem man gemeinsam entgegenwirken muss“, so die IV. [Quellen: Presseunterlagen, IV | Reaktionen: SPÖ, FPÖ | Grafik: Die Lehrstellenlücke klafft wieder]
🇦🇹 214 Windräder „in der Pipeline“. Anlässlich des 4. Jahrestags der russischen Invasion drängt die IG Windkraft auf einen rascheren Windkraftausbau, der Österreich unabhängiger von Gasimporten machen soll. Zwei Drittel der Windstromproduktion fänden im Winter statt, wo auch 70 % des Gasverbrauchs anfallen. Derzeit sind weitere 214 Windräder mit 1.200 MW Leistung genehmigt, deren Umsetzung 1,5 bis 1,8 Mrd. Euro an Investitionen bedeuten würde. Hierzu brauche es aber mehr Verlässlichkeit, langfristige Verbindlichkeit und Planbarkeit, so IG-Windkraft-Präsident Josef Plank. Diese 214 Anlagen könnten im Winter 3,2 TWh Strom liefern, was etwa dem gesamten Stromverbrauch Vorarlbergs entspräche. „Die Windkraft ist die wesentliche Stromerzeugungstechnologie für den Winter“, so Franz Angerer, Geschäftsführer der österreichischen Energieagentur. Für Zeiten, wo kein Wind geht, werde man aber weiterhin auch Gas brauchen. [Quellen: Pressegespräch, IG Windkraft | Interview: „Europäisches Stromsystem ohne Atomkraft im Winter undenkbar“ | Grafik: Österreich im Winter von Strom-Importen abhängig]
🇦🇹 Keine offensichtliche Stellschraube bei Merit Order. Die österreichische Regierung will auf EU-Ebene einen neuen Vorstoß zur Reform der Merit Order versuchen, was Abhilfe bei den hohen Strompreisen in Österreich schaffen soll. Franz Angerer, Geschäftsführer der österreichischen Energieagentur, gibt zu bedenken, dass es in der Energiekrise 2022 ohne Merit Order partielle Abschaltungen von Industriebetrieben gegeben hätte. Die Marktmechanismen haben auch in der Energiekrise „halbwegs gut funktioniert“, das dürfe man derzeit nicht vergessen. Der Haupttreiber der hohen Preise in Österreich ist laut Angerer der noch viel höhere Preis in den östlichen Nachbarstaaten, die den „Strom aus Österreich und Deutschland absaugen“. Die eine offensichtliche Stellschraube bei der Merit Order gibt es nicht, so Angerer. [Quelle: Pressegespräch | Interview: „Die Merit-Order hat große Vorteile“]
🇦🇹 Strom- und Gas-Großhandelspreise gefallen. Der Strompreisindex auf Monatsbasis liegt für März 2026 bei 97,18 Euro/MWh und ist damit gegenüber dem Vormonat um 25,8 % gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt der Index um 13,3 % niedriger. Der Gaspreisindex auf Monatsbasis liegt für März bei 35,04 Euro/MWh und damit gegenüber dem Vormonat um 0,6 % und gegenüber dem Vorjahresmonat um 34,2 % niedriger. [Quelle: Österreichische Energieagentur]
🇪🇺 🇺🇸 EU-US-Zolldeal auf Eis gelegt. Der Ausschuss für internationalen Handel im EU-Parlament wird heute nicht wie geplant über das EU-US-Zollabkommen abstimmen. Dies bestätigte der Ausschussvorsitzende Bernd Lange gestern Nachmittag. Laut Lange bedarf es zunächst mehr Klarheit und Rechtssicherheit, um die Arbeit wieder aufnehmen zu können. Nächste Woche soll die Lage neu bewertet werden. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bezeichnet die Aussetzung des Zollabkommens als „die richtige Antwort“. „Jetzt braucht es vollen Fokus auf mehr Unabhängigkeit von den USA“, so der Minister. Die Priorität soll nun u. a. auf dem baldigen Abschluss der laufenden Freihandelsverhandlungen sowie der zeitnahen Ratifizierung und Umsetzung bereits abgeschlossener Abkommen der EU liegen. [Quelle: Bernd Lange auf X, EU-Parlament, BM Hattmannsdorfer | Reaktion: SPÖ | Service: Turnberry Agreement]
🇪🇺 🇭🇺 Ungarn und Slowakei blockieren 20. EU-Sanktionspaket. Ungarn und die Slowakei verhindern auf EU-Ebene die Verabschiedung des 20. Sanktionspakets gegen Russland sowie die Auszahlung des im Europäischen Rat und EU-Parlament beschlossenen 90-Mrd.-Euro-Kredits für die Ukraine. Als Grund nennt der ungarische Außenminister Péter Szijjártó den Stopp der ukrainischen Öllieferungen durch die Druzhba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei. Infolge dieser Entwicklungen hat der slowakische Präsident Robert Fico am frühen gestrigen Abend zudem die slowakische Nothilfe für das ukrainische Stromnetz gestoppt. Hinsichtlich der Ursache des Lieferstopps gibt es widersprüchliche Darstellungen: Nach Angaben der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, wurde die Pipeline durch einen russischen Angriff beschädigt. Aus Sicht der ungarischen Regierung liegt hingegen keine physische Beschädigung vor, weshalb sie von einer gezielten Unterbrechung ausgeht. Die Wiederaufnahme der Öllieferungen gilt als Bedingung zur Aufgabe der Blockadehaltung. [Quellen: PK Kallas – Teil 1, Teil 2; Doorstep Szijjártó, Robert Fico auf X | Reaktionen: Doorstep – Meinl-Reisinger, Wadephul]
🇪🇺 Präsentation des „Made in Europe“-Plans verschoben. Die für den 26. Februar geplante Vorstellung des „Made in Europe“-Plans wurde auf den 4. März verschoben. Grund für die Verzögerung sind Vorbehalte gegen den aktuellen Entwurf, die in der vergangenen Woche in insgesamt 9 Generaldirektionen der EU-Kommission geäußert wurden. [Quellen: Reuters, Politico]
🇩🇪 Deutschland bleibt auch 2025 drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mit einem BIP von rund 5,1 Bio. US-Dollar belegt Deutschland erneut den 3. Platz im globalen Ranking. An 1. Stelle stehen die USA mit einem BIP von 30,8 Bio. US-Dollar, gefolgt von China mit 19,5 Bio. US-Dollar. Japan, das den 3. Platz im Jahr 2024 an Deutschland verloren hatte, liegt mit einem BIP von 4,4 Bio. US-Dollar weiterhin auf dem 4. Platz. [Quelle: IW Köln | Service: Österreichs BIP]
🇩🇪 Deutscher Geschäftsklimaindex im Februar gestiegen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar auf 88,6 Punkte gestiegen, nach jeweils 87,6 Punkten im Jänner und Dezember. Die deutschen Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die Zukunft optimistischer. Während sich der Index in der Industrie, dem Dienstleistungssektor und dem Baugewerbe verbesserte, war im Handel ein Rückgang zu verzeichnen. Das Ifo-Institut spricht von „ersten Signalen einer Belebung“ der deutschen Wirtschaft. [Quelle: Ifo-Institut]
Selektive Agenda:
Heute: 4. Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine
Heute, Wien: Start der KV-Verhandlungen für den Finanzsektor
Heute, Wien: 4. KV-Verhandlungsrunde für die papierverarbeitende Industrie
Heute, Linz: 6. KV-Verhandlungsrunde für die Oberösterreichischen Ordensspitäler
Heute, Brüssel: EU-Ministerrat (Allgemeine Angelegenheiten) u. a. mit Europaministerin Claudia Bauer [Info]
Heute, Brüssel: Bekanntgabe des Europäischen Autohersteller-Verband ACEA der Pkw-Neuzulassungen im Jänner
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Fahrzeugbestand 2025
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat, anschließend Pressefoyer mit Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, Außenministerin Meinl-Reisinger und Forschungsministerin Holzleitner [Info]
10:15 Uhr, Brüssel: Außerordentliche Plenarsitzung des EU-Parlaments anlässlich des 4. Jahrestages des Kriegsbeginns in der Ukraine
16:45 Uhr, Wien: Bundespräsident Van der Bellen nimmt am interreligiösen Iftar der IGGÖ teil [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Elisabeth Bauer und Stefanie Miklos sind mit Jahresbeginn bei Deloitte Österreich aufgestiegen und zum Director ernannt worden. Eva Buchberger-Fröstl ist die neue Managerin von Wolfgang Ambros. Angelika Koch übernimmt die Leitung der Fröstl Management GmbH. Das Makler-Team der Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland im Burgenland wird durch Sophie Kühnel, Beatrice Sarközi und Marcel Feller verstärkt. Valentin Opfermann übernimmt die Geschäftsführung der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK). Amila Alavi ist seit Jahresbeginn verantwortlich für die Presse- und Medienarbeit von Bayer Austria.
Geburtstage: Wir gratulieren Stefan Dörfler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Wien: Eröffnung des „AI Factory Austria AI:AT Coworking Hub Solaris“ u. a. mit Peter Hanke, anschließend Abendveranstaltung im Marx Palast u. a. mit Peter Hanke, Christoph Knogler, Andreas Kugi, Henriette Spyra uvm. [invite only]
18:00 Uhr, Pressbaum: Das AIES lädt zur Diskussion mit Franz-Stefan Gady, Michael Zinkanell und Klaus Jenschik zum Thema „Ist es wirklich so schlimm? Gedanken zur aktuellen Sicherheitslage in Europa mit besonderem Fokus auf Österreich“ in das Gasthaus Steinerhof [invite only]
19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Management Guide Digitaler Humanismus“ von Martin Giesswein und Georg Krause im Management Club Wien [invite only]