Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Gas- und Strompreise stark gestiegen. Die Großhandelspreise für Strom und Gas für Februar sind im Vergleich zum Vorjahresmonat stark gestiegen – bei Strom um 38,3 Prozent, bei Gas um 57,6 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat sank der Strompreis um drei Prozent, der Preis um Gas stieg um 6,2 Prozent. Vor allem die Nervosität der Märkte nach dem Ende des Transits russischen Gases durch die Ukraine dürfte die Preissteigerungen anfachen. [Quelle: Energieagentur]
Kommentar: Die „Herdprämie“ ist derzeit ein eher symbolischer Beitrag zur Wahlfreiheit
von Sara Grasel
In Oberösterreich gibt es den von Linken zur „Herdprämie“ umbenannten Kinderbetreuungsbonus in seiner jetzigen Form seit 2009. Die Nachfrage ist überschaubar und das in einem Bundesland, das nicht gerade für eine gut ausgebaute Kindergarten-Landschaft bekannt ist. Grundsätzlich könnte man sich für diesen Beitrag zu mehr Wahlfreiheit – ja, es soll Menschen geben, die echt gerne daheim bei ihren Kindern sind – bedanken, auch wenn es sich um einen eher symbolischen Beitrag von 80 Euro pro Monat handelt. Sehr aufmerksam! Leiwand wären jetzt natürlich noch ein paar zusätzliche Kindergartenplätze für jene, die ihr Leben anders gestalten wollen.
Grafik (von Christoph Hofer): Heute ist Tag der Elementarbildung in Österreich. In den letzten Jahren nahm die Zahl der unter 3-Jährigen in formaler Kinderbetreuung deutlich zu – von 8,9 Prozent im Jahr 2010 auf mittlerweile 24,1 Prozent (2023). In West- bzw. Nordeuropa ordnet sich Österreich damit jedoch weiterhin auf den letzten Plätzen ein. Nur in Deutschland (23,3 Prozent) sind noch weniger Kleinkinder in Betreuung. Spitzenreiter sind Dänemark (69,8 Prozent) und die Niederlande (71,6 Prozent). Vom Barcelona-Ziel einer frühkindlichen Bildung und Betreuung unter 3-Jähriger von mindestens 45 Prozent ist Österreich noch weit entfernt. [Quelle: Eurostat, Barcelona-Ziele]

Koalitionsverhandlungen. Heute soll die erste Runde der Untergruppen mit den Themen Bildung, Pensionen und Gesundheit sowie Außen- und Europapolitik abgeschlossen werden. Vor dem Start der gestrigen Verhandlungen zu den Themen Steuern und Finanzen schlug WKÖ-Präsident und ÖVP-Verhandler Harald Mahrer ein Doppelbudget für 2025 und 2026 vor und forderte aufgrund der demografischen Entwicklung Anreize für Mehrarbeit – etwa eine Flat Tax von 20 Prozent auf Überstunden sowie auf Mehrarbeit in der Pension. Eine Entbürokratisierung des Steuersystems soll generell im Fokus stehen. Gestern tagte auch die Gruppe zu Kunst, Kultur und Medien. Berichten zufolge soll sich die Mediengruppe der FPÖ gestern aufgrund zäher Verhandlungen zwischenzeitlich für interne Beratungen zurückgezogen haben. [Quellen: Doorsteps vor den Regierungsverhandlungen, Medienberichte | Übersicht: Die Regierungsverhandler von FPÖ und ÖVP]
Zustimmung zu Erneuerbaren sinkt. Laut einer aktuellen Umfrage befindet sich die Akzeptanz erneuerbarer Energieträger auf einem 10-Jahres-Tief. 70 Prozent der Befragten würden ein erneuerbares Energieprojekt in der Nähe der eigenen Wohngemeinde akzeptieren. Vor zwei Jahren waren es noch 79 Prozent. Am beliebtesten sind Photovoltaik-Anlagen auf Dächern oder Fassaden, am unbeliebtesten sind Großwasserkraftwerke und Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen. Gleichzeitig sinkt auch das Interesse an Elektroautos, nach einem Hoch von 54 Prozent im Jahr 2018 zeigen im Jahr 2024 nur mehr 36 Prozent Interesse an der Anschaffung eines Elektroautos. [Quelle: Deloitte]
Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Anteil an Frauen in österreichischen Vorstandsetagen steigt langsam. 24 von 192 Vorstandsmitgliedern der 55 im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen, also 12,5 Prozent, sind Frauen. Seit August 2024 sind zwei Frauen hinzugekommen. In Aufsichtsräten ist der Frauenanteil von 31,8 Prozent im August 2024 auf aktuell 31,6 Prozent gesunken. [Quelle: EY Mixed Leadership Barometer]
133 Mio. Euro für Straßen in NÖ. Insgesamt 133 Mio. Euro investiert das Land Niederösterreich heuer in mehr als 510 Straßenbauprojekte. Die zwei Schwerpunkte dabei sind der Ausbau und die Sanierung des Landesstraßennetzes – samt Beseitigung der Hochwasserschäden des Vorjahres – sowie die Sanierung von Unfallhäufungsstellen, Ausbauten und Umfahrungen. 6,5 Mio. Euro fließen in den Ausbau das Radwegenetzes in Niederösterreich. [Quelle: Land Niederösterreich]
Italien will auf Atomenergie setzen. 47,5 Prozent des erzeugten Stroms in der EU kamen 2024 aus erneuerbaren Energien. Im Vergleich zu 2023 legte Solarstrom um 21,7 Prozent zu, was einem Gesamtanteil an der erzeugten Energie von 11 Prozent entspricht – und damit erstmals höher ist als Strom aus Kohle mit einem Anteil von 10 Prozent. Alle fossilen Energieträger gemeinsam kamen auf einen Anteil von rund 29 Prozent, der weiterhin im Sinken ist. Atomstrom kam im Vorjahr auf einen Anteil von knapp 24 Prozent. Italien will bis 2027 zur Atomenergie zurückkehren, um energieintensive Industrien ohne fossile Energiequellen versorgen zu können. [Quellen: Ember, Il Sole 24 Ore | Service: Studie zu Atomkraft-Comeback in Deutschland]
Trump liebt Europa, aber… US-Präsident Donald Trump drückte beim Weltwirtschaftsforum in Davos zwar seine Liebe zu Europa aus („I’m trying to be constructive because I love Europe“), pochte aber gleichzeitig darauf, dass die EU die USA unfair behandeln würden und weiter: „They have a large tax that we know about and a vat tax and it’s a very substantial one. They don’t take our farm products, and they don’t take our cars, yet they send cars to us by the millions.“ EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič signalisierte in einem Interview indes deutlich seine Verhandlungsbereitschaft mit den USA: „Our message is very clear: We are ready to engage. We want to put on the table a package of cooperation. And we are ready to discuss all the concerns of our American partners and take it from there.“ [Quellen: Trump-Rede, Politico]
Handelskrieg EU-China. Im Konflikt über staatliche Subventionen für chinesische E-Auto-Produzenten, haben mittlerweile einige betroffene Unternehmen Beschwerde gegen die Strafzölle der EU beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingelegt. Die EU-Kommission hat nun zwei Monate und zehn Tage Zeit für ihre Erklärung an das Gericht. [Quelle: Reuters]
Verstaatlichung deutscher Stromnetze? Angesichts einer Studie, die von steigenden Netzentgelten ausgeht, ließ die deutsche Metallergewerkschaft gestern mit einem Vorschlag zur Verstaatlichung der Stromnetze aufhorchen. [Quellen: IG Metall, Hans-Böckler-Stiftung]
Produktion in Deutschland. Deutschland dürfte seine Produktionskapazitäten mittelfristig nur gering ausweiten können. Die Wachstumsrate droht aufgrund des demografischen Wandels zwischen 2024 und 2029 auf 0,4 Prozent zu schrumpfen. Von 2015 bis 2023 lag das Produktionspotenzial noch bei durchschnittlich 1,2 Prozent. Bei einer Zuwanderung von 1,5 Mio. Menschen bis 2029 könnte das Potenzialwachstum auf 1,1 Prozent gehoben werden. Gleichzeitig sinken derzeit auch die Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – im dritten Quartal 2024 lagen sie preisbereinigt rund 9 Prozent unter dem Wert von Ende 2019, während sie in den USA und in der EU deutlich darüber lagen. Hohe Energie- und Lohnkosten, Fachkräftemangel und Bürokratie hielten Unternehmen von Investitionen ab. [Quellen: DIW, KfW]
US-Arbeitsmarkt. Stärker als von Analysten erwartet ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche nach oben gegangen. Mit einem Plus von rund 6.000 Anträgen wurden insgesamt 223.000 registriert, gerechnet wurde mit 220.000. [Quelle: Reuters]
Leitzins in Japan. Die Bank of Japan (BOJ) erhöhte diesen Freitag ihren kurzfristigen Leitzins auf 0,5 Prozent, zuvor lag er bei 0,25 Prozent. Das ist der erste Zinsschritt seit Juli 2024 und der höchste Stand seit der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise 2008. [Quelle: BOJ]
Selektive Agenda:
Heute, Davos: Fünfter und letzter Tag des Weltwirtschaftsforums WEF u.a. mit EZB-Präsidentin Lagarde, Regierungschef Schallenberg
Heute, Wien: Blau-schwarze Verhandlungsgruppen zu „Bildung, Pensionen und Gesundheit“ sowie „Außen- und Europapolitik“ tagen
16:30 Uhr, Wien: Innenminister Karner auf der Konferenz für interdisziplinäre Terrorismus- und Extremismusforschung (ICITES)
Sonntag, Niederösterreich: Gemeinderatswahlen in 568 Gemeinden
Sonntag, Linz: Bürgermeister-Stichwahl zwischen SPÖ-Kandidat Prammer und FPÖ-Kandidat Raml
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Bundeskanzler a.D. Karl Nehammer gründete die „Nehammer Consulting GmbH“, wie Die Presse zuerst berichtete. Hella Riedl-Rabensteiner wurde zur neuen Vorsitzenden der Jungen Industrie Steiermark (JI) gewählt. Sonia Dimogli ist neue Country Managerin von Coca-Cola Österreich. Josef Peer ist neuer Equity Partner der Rechtsanwaltskanzlei Fellner Wratzfeld & Partner, Tomislav Maros ist neuer Rechtsanwalt in den Bereichen Bankrecht und Finanzierungen sowie Dispute Resolution. Andreas Steinegger ist neuer Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer, Simone Schmiedtbauer neue Obfrau des steirischen Bauernbundes.
Geburtstage: Am Wochenende haben Ute Apfelbeck, Heinz P. Adamek (beide Samstag) und Erni Mangold, Rupert Ursin sowie Erika Stubenvoll (alle drei Sonntag) Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
20:00 Uhr, Wien: Ball der Wiener Wirtschaft in der Hofburg [Info]
20:00 Uhr, Going (Tirol): 32. Weißwurstparty beim Stanglwirt
Samstag, Wien: Wiener Ball der Wissenschaften 2025 [Info]
Samstag, Wien: 135. Ball der Industrie und Technik im Musikverein [Info]