Morning in Brief ・ 24.10.2025

Morning in Brief, 24. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Strom-Großhandelspreis steigt um ein Fünftel. Der Strompreisindex auf Monatsbasis steigt für November von 99,44 auf 119,61 Euro pro Megawattstunde. Sowohl gegenüber dem Vormonat als auch dem Vorjahresmonat ergibt das einen Anstieg um rund ein Fünftel. Der Gaspreisindex auf Monatsbasis fällt hingegen gegenüber dem Vormonat leicht um 1,3 % und liegt im November bei 34,09 Euro pro Megawattstunde. Gegenüber Oktober ergibt das einen Rückgang von 15,5 %. [Quelle: Österreichische Energieagentur]

Kommentar: Die Neutralität – Knien vor einem Mythos
von Alexander Purger

Alexander Purger Illustration

Vor 70 Jahren wurde eine Volksabstimmung über die Einführung der Neutralität 1955 aus dem Grund unterlassen, da sie mit einem glatten Nein geendet hätte. Heute ist es umgekehrt. Heute würde eine Volksabstimmung über die Abschaffung der Neutralität mit einem glatten Nein ausgehen, denn mittlerweile ist sie den Österreichern so ans Herz gewachsen, dass selbst die ÖVP, die immer wieder gerne an dem Mythos gekratzt hatte, kapituliert hat und den Mythos mit-anbetet. Tatsächlich befindet sich Österreich mit seiner zweideutigen Neutralsolidarität bzw. Solidarneutralität in einer komfortablen Situation.

💡 Österreichs Pensionssystem bei Nachhaltigkeit auf letztem Platz. Auch 2025 landet Österreich im Global Pension Index des Beratungsunternehmens Mercer mit 24 von 100 Punkten auf dem 52. Platz von 52 analysierten Ländern. Mit der Note E liegt Österreich gleichauf mit Italien, Spanien, Argentinien und der Türkei. Gegenüber dem Vorjahr konnte man sich um 2 Punkte leicht verbessern. Im Gesamtindex erreicht Österreich Platz 47. Mercer empfiehlt u. a. eine stärkere Einbindung von Arbeitnehmern in betriebliche Altersvorsorgesysteme und eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen. [Quelle: Mercer]

🇦🇹 Bundesrat gibt grünes Licht für Entlastung der Industrie. Der Bundesrat hat zwei Maßnahmen zur Unterstützung der Industrie in den Jahren 2025 und 2026 beschlossen. Energieintensive Betriebe – etwa in der Metall-, Stahl-, Papier-, Holz- oder Lederproduktion – erhalten 150 Mio. Euro Stromkostenausgleich für die auf Emissionszertifikate entfallenden Stromkosten. Gleichzeitig wird der Investitionsfreibetrag für Unternehmen vorübergehend von 10 auf 20 % erhöht, für ökologische Investitionen auf 22 %. Beide Schritte sollen die Wettbewerbsfähigkeit stärken, Investitionen fördern und Arbeitsplätze sichern. [Quelle: Parlament]

🇦🇹 Exportchancen für Österreich durch Ukraine-Wiederaufbau. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer wies gestern auf die „Jahrhundertchance“ für heimische Export-Unternehmen durch den Wiederaufbau der Ukraine hin. Unterstützung gibt es durch Exportgarantien und Förderungen von bis zu 15.000 Euro pro Projekt. Die Förderung wurde bereits 5-mal vergeben – ab 2026 soll die Maximalsumme auf 30.000 Euro verdoppelt werden. Die Garantien würden Geschäfte mit öffentlichen Abnehmern in der Ukraine bis zu 10 Mio. Euro absichern. Die heimischen Exporte in die Ukraine sind 2024 um 8 % auf mehr als 660 Mio. Euro gestiegen – in den ersten 7 Monaten des aktuellen Jahres legten sie erneut um knapp 8 % zu. Exportiert werden vor allem pharmazeutische Erzeugnisse (über 20 %), Maschinen und Fahrzeuge (17,5 %) sowie Kunststoffe, Papier und Pappe. [Quellen: BMWET, WKÖ]

🇦🇹 Österreichische Medienbranche „am Untergang“. Im laufenden Jahr werden laut Journalistengewerkschaft rund 300 Arbeitsplätze verloren gehen. Insgesamt sind damit etwa 1.000 Journalisten beim AMS arbeitslos gemeldet. Journalistengewerkschafts-Vorsitzende Ute Groß sprach davon, dass sich die Branche „am Untergang“ befindet und es bereits „5 nach 12“ ist. Sie forderte u. a. die Umsetzung des Vertriebsförderungsgesetzes (25 Mio. Euro) und die steuerliche Absetzbarkeit eines Medien-Abos pro Haushalt. Die Koalitionsparteien wollen im Rahmen einer wissenschaftlichen Analyse die heimischen Medienförderungen untersuchen und eine einheitliche Förderstrategie aufstellen. Die SPÖ stellte die Vertriebsförderung für nächstes Jahr in Aussicht, dann soll auch das „Meine Zeitung“-Abo (30 Mio. Euro) starten. Bereits am Mittwoch hat der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig dazu aufgerufen, Werbemittel verstärkt in heimischen Medien einzusetzen. Die grüne Mediensprecherin Sigrid Maurer sieht Medienminister Babler mit der aktuellen Situation „völlig überfordert“ und kritisiert die Gründung des SPÖ-Mediums „SPÖeins“. [Quellen: GPA/Concordia – Pressekonferenz, Aussendung, SPÖ, Ludwig auf X, Grüne, Parlamentskorrespondenz | Grafik: Werbeausgaben der Bundesregierung stark rückläufig]

🇦🇹 Brauer bekommen 2,55 % mehr Lohn. Die Brauindustrie konnte gestern in der 2. Verhandlungsrunde ein Ergebnis beim KV-Abschluss erzielen. Mindest- und Ist-Löhne sowie Lehrlingseinkommen steigen um 2,55 %. Der Bier-Absatz sank zuletzt um 8 %. [Quelle: GPA/Pro-GE]

🇦🇹 Mangels Erben gingen 18,6 Mio. Euro an den Staat. Aufgrund des demografischen Wandels haben immer mehr Österreicher keine Erben. 2024 sind aus diesem Grund 18,6 Mio. Euro an den Staat gegangen. 115 Mio. Euro wurden an Organisationen gespendet, was rund ein Zehntel des gesamten Spendenaufkommens ausmacht. [Quelle: Fundraising Verband Austria]

🇦🇹 WKÖ-Chef warnt vor Bürokratie trotz leichter Besserung. WKÖ-Präsident Harald Mahrer sieht eine leichte Erholung der österreichischen Wirtschaft. Trotz globaler Unsicherheiten seien viele Unternehmen wettbewerbsfähig und innovativ. Er warnt vor einer Übererfüllung europäischer Vorgaben, die zusätzliche Bürokratie und Kosten verursache, und fordert Reformen im Pensionssystem, um den demografischen Wandel zu bewältigen. Neue Vermögens- und Erbschaftssteuern lehnt Mahrer ab und sieht statt eines Einnahmen- ein Ausgabenproblem des Staates. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 NÖ streicht und vereinfacht Gesetze. Gestern ist im niederösterreichischen Landtag der Beschluss für ein Deregulierungsgesetz gefallen, das mit 1. Jänner 2026 in Kraft tritt. 3 Gesetze werden gestrichen, 33 vereinfacht. Jedes sechste der mehr als 180 Landesgesetze werde dadurch vereinfacht, so Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Mit der Abschaffung der Gebietsbauämter wird eine Verwaltungsebene gestrichen, digitale Einreichmöglichkeiten bei Behördenwegen werden ausgebaut und Betriebsanlagenverfahren durch zentrale Verfahrenskoordinatoren beschleunigt. Beschlossen wurde auch ein Nachtragsvoranschlag für heuer und 2026. Für heuer sind Mehrausgaben von 260 Mio. Euro und für 2026 von 315 Mio. Euro vorgesehen. [Quellen: VP NÖ, NÖ Landtag | Reaktionen: WK NÖ]

🇪🇺 19. Sanktionspaket der EU gegen Russland in Kraft. Im Rahmen des EU-Gipfels wurde ein Importverbot für russisches LNG ab Jänner 2027 vereinbart. Zudem wurden Sanktionen gegen chinesische Unternehmen – zwei Raffinerien und einen Öl-Händler – verhängt. China kritisierte die Maßnahmen scharf und sieht darin eine Beeinträchtigung der bilateralen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der EU und der Volksrepublik. Finanzielle Maßnahmen betreffen acht Banken aus Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kirgisistan und Tadschikistan sowie fünf weitere russische Banken. Darüber hinaus wurden 45 neue Unternehmen sanktioniert, die Russland mit Militär- und Dual-Use-Gütern beliefern, davon 17 in Drittstaaten wie China, Indien und Thailand. [Quelle: Europäischer Rat]

🇪🇺 Verbraucherstimmung leicht verbessert. Die von der EU-Kommission erhobene Verbraucherstimmung hat sich zum 2. Mal in Folge verbessert. Der Indikator stieg in der EU um 0,8 Punkte auf minus 13,5 Zähler und in der Eurozone um 0,7 Punkte auf minus 14,2 Zähler. Beide Werte befinden sich damit weiter im negativen Bereich und liegen unter dem langjährigen Durchschnitt. [Quelle: EU-Kommission]

🌐 Sanktionen treiben Ölpreise. Die US-Sanktionen gegen die 2 größten russischen Mineralölunternehmen haben gestern zu einem deutlichen Anstieg der Ölpreise geführt. Der Druck auf Indien, in Zukunft auf russische Öllieferungen zu verzichten, hat ebenfalls weiter zum Preisanstieg beigetragen. Auch erste chinesische Ölkonzerne sollen aus Sorge vor Sanktionen den Import von russischem Öl gestoppt haben. Die Preise für Öl der Sorte Brent stiegen seit gestern um 4,8 %, jene für WTI um 5,2 %. [Quellen: Investing.com – Brent, WTI, Reuters]

🇹🇷 Türkei senkt Leitzins auf 39,5 %. Die türkische Notenbank senkt die Leitzinsen auf hohem Niveau weiter. Nach einem Zinsschritt von 2,5 Punkten im September folgt jetzt eine Senkung um 1,0 Punkte von 40,5 % auf 39,5 %. Die Zentralbank sieht eine Verlangsamung des Disinflationsprozesses und zeigt sich insbesondere über die Preisentwicklung bei Lebensmitteln besorgt. „Die Geldpolitik wird gestrafft, falls die Inflationsaussichten erheblich von den Zwischenzielen abweichen“, so die Zentralbank in einer Aussendung. Mittelfristig liegt das türkische Inflationsziel bei 5 %. [Quelle: Türkische Zentralbank]

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs mit Bundeskanzler Stocker (letzter Tag) [Info]

10:00 Uhr, Frankfurt: Die EZB veröffentlicht den Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende und nicht-verarbeitende Gewerbe in Deutschland, der EU und der Eurozone für Oktober (1. Veröffentlichung).

14:30 Uhr, Washington D.C., USA: U.S. Bureau of Labor Statistics gibt US-Verbraucherpreise für September bekannt.

Sonntag, Österreich: Nationalfeiertag; 9:00 Uhr: Leistungsschau des Bundesheeres auf dem Heldenplatz

Sonntag, 8:00 Uhr, Wien: Ministerrat

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Lukas Brandweiner ist neuer Präsident des Hilfswerks Niederösterreich. Peter Reichmann wurde als neuer Kärntner Landesrat angelobt, auf Landtagspräsident Reinhart Rohr folgt Andreas Scherwitzl, 3. Präsidentin wird Marika Lagger-Pöllinger; Manuel Müller zieht neu in den Landtag ein. Christof Gattringer (FWF), Monika Köppl-Turyna (EcoAustria), Stefan Rohringer (Infineon), Eva Schulev-Steindl (Boku), Klaus Tochtermann, (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft), Werner Wutscher (St. Paul GmbH – New Venture Scouting) und Rudolf Zechner (BioTechMed-Graz) sind neu im Steirischen Forschungsrat, der die Landesregierung in der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik berät. Sonja Schneeweiss wird neue Geschäftsführerin der Buchhaltungsagentur des Bundes. Hans-Jörg Jenewein ist neuer Pressesprecher der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag.

Geburtstage: Wir gratulieren Julian Jäger zum Geburtstag. Am Sonntag hat Thomas Arnoldner Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: Karl-Popper-Lecture „Über die Differenz zwischen Handeln und Vollziehen. Plädoyer für die Rückeroberung der Spielräume“ von Hartmut Rosa an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften [Info]

Samstag, 19:30 Uhr, Wien: Verleihung des Negativpreises „Goldenes Brett vorm Kopf 2025“ im Stadtsaal Wien [Info]

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