Morning in Brief ・ 25.08.2025

Morning in Brief, 25. August 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Moody’s senkt Ausblick für Österreich. Die Ratingagentur Moody’s hat den Ausblick für Österreich von „stabil“ auf „negativ“ herabgestuft, das Rating selbst aber mit Aa1 bestätigt. Begründet wurde die Entscheidung mit einer schwächeren Entwicklung bei Schulden- und Fiskalindikatoren sowie erhöhten Risiken durch Zins- und Alterungskosten. Finanzminister Markus Marterbauer erklärte, die Entscheidung sei nicht überraschend und verwies auf bereits beschlossene Budget-Sanierungspakete. Österreich bleibe mit Aa1 hoch bewertet, zudem habe S&P das Rating AA+ mit stabilem Ausblick bestätigt. [Quellen: Moody’s, Marterbauer auf Bluesky

Kommentar: Ab in die Vollkasko-Gerontokratie
von Georg Renner

Sollten die Pensionen kommendes Jahr tatsächlich um den vollen Anpassungsfaktor steigen, wäre es der endgültige Beweis, dass wir in einer Vollkasko-Gerontokratie leben. Vollkasko, weil die Politik mit einer solchen Erhöhung die Idee der vergangenen Steigerungen konterkarieren würde: Wenn der Wohlstand der Gesellschaft wächst, sollen alle davon profitieren, auch die, die nicht mehr arbeiten – das ist ein fairer Gedanke. Aber dass dieselben Leute dann nicht mitzahlen sollen, wenn es einmal schlechter läuft, wenn die Wirtschaft schrumpft, die Produktivität stagniert und die Schulden steigen – das wäre weder gerecht noch nachvollziehbar.

Grafik (von Christoph Hofer): Während sich das heimische Bruttoinlandsprodukt aufgrund von Covid- und Energiekrise seit 2019 unterinflationär entwickelt, zogen die Pensionskosten deutlich davon. Von 2019 bis 2025 stiegen die Ausgaben für Sozialleistungen im Alter um rund 49 %. Im selben Zeitraum nahmen die Verbraucherpreise um 29,2 % zu und das nominelle BIP wuchs um lediglich 25,7 %. Dies ist zum einen auf vier Sondererhöhungen der Pensionen zwischen 2020 und 2023 sowie weitere kostspielige Maßnahmen wie den Pensionsbonus, den Wegfall der Wartefrist bei der 1. Pensionsanpassung, den Frühstarterbonus oder etwa die Schutzklausel für Pensionsantritte 2024 zurückzuführen. Zum anderen nahm die Zahl der Pensionsbezieher aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich zu – um 5,1 % allein von 2019 bis 2023. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II, Statistik Austria III, Wifo-Prognose

🇦🇹 Regierung soll an Mini-Konjunkturpaket arbeiten. Laut einem Bericht im Standard will die Regierung bei ihrer Klausur Anfang September eine Art „Mini-Wumms“ für die heimische Wirtschaft vorbereiten, der ein Volumen von 400 Mio. Euro haben soll. Der Investitionsfreibetrag könnte ausgeweitet werden, eventuell sogar die Lohnnebenkosten etwas sinken, so der Standard. Zur Gegenfinanzierung könnte der Beamtenlohnabschluss für 2026 aufgeschnürt werden. Auch die Pensionen könnten nicht für alle um den errechneten Anpassungsfaktor angehoben werden. [Quelle: Der Standard Montagsausgabe]

🇦🇹 Neos wollen Pensionserhöhung unter der Inflation. Neos-Sozialsprecher Johannes Gasser forderte vergangene Woche im ORF eine Pensionserhöhung von 2,2 % statt dem errechneten Anpassungsfaktor von 2,7 % und eine Staffelung – bei sehr hohen Pensionen soll die Erhöhung entfallen. Neos-Klubchef Yannick Shetty sagte in der Kleinen Zeitung, dass er 2,7 % Erhöhung für alle Pensionisten aktuell für nicht leistbar hält. Rückendeckung dafür gab es von der Industriellenvereinigung, Ablehnung kam vom ÖGB und von der Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec, die eine Anpassung um den vollen Faktor fordert. [Quellen: ORF/Vorarlberg heute, Kleine Zeitung, IV, ÖGB, Seniorenbund | Grafik: Pensionserhöhung 2026 kostet rund 2 Mrd. Euro]

🇦🇹 Klimagesetz-Entwurf ohne verbindliche Sektorziele. Der Standard zitierte gestern aus einem zwei Monate alten Entwurf für ein neues Klimagesetz von Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP). Laut APA-Informationen handelt es sich um keinen abgestimmten Vorschlag der Regierungsparteien. Gegenüber Entwürfen der Vorgängerregierung fehlen Elemente wie verbindliche Emissionspfade für einzelne Sektoren, automatische Maßnahmen bei Zielverfehlungen oder Institutionen wie ein Bürger-Klimarat. Stattdessen soll eine Steuerungsgruppe die Klimapolitik koordinieren und im Falle verfehlter EU-Vorgaben den Kauf von Zertifikaten aus dem Ausland vorbereiten. Laut Regierungsprogramm hält die Koalition am Ziel der Klimaneutralität bis 2040 fest. Ex-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) kritisierte den Entwurf scharf und warnte vor einem „massivem Schaden für Klima, Jobs und Wettbewerbsfähigkeit“. [Quellen: Der Standard, APA via Medienberichte, Gewessler

🇦🇹 Neuerungen zum Schulstart. Bildungsminister Christoph Wiederkehr stellte am Freitag seine Vorhaben für das neue Schuljahr vor. Bei der Hauptausschreibung für Lehrer haben sich auf 6.555 Stellen 16.000 Menschen beworben, davon 2.000 Quereinsteiger, die in Wien probeweise auch in Volksschulen zum Einsatz kommen. Wiederkehr sieht eine Renaissance des Lehrberufs. Die Planstellen in der Deutschförderung werden auf 1.300 verdoppelt, auch die Planstellen für Schulpsychologen steigen und Schulleiter bekommen pädagogisch-administrative Fachkräfte zur Seite gestellt. Ab September werden 80 % der Rundschreiben außer Kraft gesetzt, um Lehrer administrativ zu entlasten. Für Schüler und Lehrer kommen neue Lernangebote zum Thema KI. Erstmals gibt es Orientierungsklassen für Zuwanderer. [Quelle: BMB]

🇦🇹 Demografie belastet Gesundheitssystem. Das Gesundheitssystem Österreichs wird in den kommenden Jahren durch die demografische Entwicklung schwerer zu finanzieren, warnt Peter McDonald, der Vorsitzende des Dachverbands der Sozialversicherungsträger, im Gespräch mit der APA. Die Gruppe der über-65-jährigen Versicherten wächst von 1,2 Mio. im Jahr 2000 auf derzeit 1,8 Mio. (+50 %) und bis 2050 auf prognostizierte 2,7 Mio. (+50 %). Damit steigt die Zahl der leistungsintensiven Versicherten deutlich, während das Arbeitskräftepotenzial um 300.000 Personen sinken dürfte – was rund 1 Mrd. Euro weniger Beitragseinnahmen bedeutet. Über-65-Jährige gehen durchschnittlich 26-mal pro Jahr zum Arzt, doppelt so oft wie Jüngere. [Quelle: APA via Medienberichte | Grafik: Erwerbsbevölkerung geht rasant zurück]

🇦🇹 22 Windräder in OÖ haben wieder eine Chance. Das Windparkprojekt im oberösterreichischen Land im Sandl könnte nun doch realisiert werden. Bisher hatte die Landesregierung den Bau der 22 Windräder ausgeschlossen, da das Grundstück in einer künftigen Windkraft-Ausschlusszone liege. Die entsprechende Verordnung komme aber erst 2026, erklärte Landeshauptmann Thomas Stelzer in den Oberösterreichischen Nachrichten. Verfahren, die davor durchgeführt werden, seien davon nicht betroffen. Das UVP-Verfahren für Land im Sandl läuft bereits. Oberösterreich will noch vor der Ausweisung von Beschleunigungszonen für den Erneuerbaren-Ausbau Ausschlusszonen definieren, in denen nicht gebaut werden darf. Die Beschleunigungszonen sind Teil des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetzes (EABG), das damit die Red-III-Richtlinie der EU umsetzt. [Quelle: OÖN | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

🇦🇹 Rechnungshof-Kritik an „Stolz auf Wien“-Investments. Der Rechnungshof kritisiert die „Stolz auf Wien“-Beteiligungsgesellschaft, die von Stadt Wien und Wirtschaftskammer 2020 gegründet wurde, um in Wiener Unternehmen zu investieren, die durch die Pandemie unter Druck geraten waren. Man habe sich bei den Beteiligungen nicht an die eigenen Auswahlkriterien zu Wien-Verbundenheit und Mitarbeiteranzahl gehalten und auch in Unternehmen investiert, die bereits vor der Pandemie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren. Neben der Wien Holding und der WK Wien sind auch private Investoren Gesellschafter von „Stolz auf Wien“ – laut Rechnungshof ein potenzieller Interessenkonflikt. Von den verfügbaren 38,75 Mio. Euro wurden bis Ende Mai 2023 28 Mio. Euro in 30 Unternehmen investiert. Die Investitionsbedingungen waren laut Rechnungshof für viele Unternehmen nicht attraktiv. [Quelle: Rechnungshof]

🇪🇺 Von der Leyen verteidigt Zoll-Deal mit Trump. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnet die viel kritisierte Einigung mit den USA in einem Gastbeitrag im Kurier als „bewusste Entscheidung für Stabilität statt Eskalation“. Der Kompromiss habe einen teuren Handelskrieg verhindert. Wichtig sei jetzt, die Handelsbeziehungen der EU zu anderen Ländern zu stärken – etwa mit dem Mercosur-Raum oder Indien. [Quelle: Kurier

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft im 2. Quartal stärker geschrumpft. Das deutsche BIP ist im 2. Quartal 2025 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 % zum Vorquartal gesunken – stärker als in der ersten Schätzung (-0,1 %) angenommen. Im 1. Quartal gab es noch ein geringes Wachstum von 0,3 %. Vor allem Industrieproduktion, Bau und Exporte entwickelten sich schwächer, während die Konsumausgaben leicht zulegten. Ein Regierungssprecher sprach von einer Belastung durch höhere US-Zölle. „Entscheidend ist nun, zügig mutige Strukturreformen umzusetzen – etwa bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten, der Dämpfung der Lohnnebenkosten, dem Abbau bürokratischer Hürden und der Senkung der Energiepreise. Gleichzeitig müssen zusätzliche Belastungen für Unternehmen vermieden werden“, so Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. [Quellen: Destatis, Dt. Regierung, Dt. Wirtschaftsministerium

🇺🇸 Powell signalisiert mögliche Zinssenkung. Fed-Chef Jerome Powell stellte bei der Notenbankkonferenz in Jackson Hole eine Lockerung der US-Geldpolitik im September in Aussicht, ohne sich festzulegen. Er verwies auf zunehmende Risiken für den Arbeitsmarkt nach schwächeren Beschäftigungsdaten sowie auf Inflationsgefahren durch US-Zölle. Während Powell von „sichtbaren, aber möglicherweise kurzlebigen“ Preiseffekten sprach, warnte er zugleich vor einer möglichen dauerhaften Inflationsdynamik. Die nächste Zinssitzung der Fed findet am 16. und 17. September statt. Ende Juli hatte die Fed den Leitzins in der Spanne von 4,25 bis 4,50 % belassen. [Quelle: Fed | Grafik: Leitzins-Entwicklung in den USA und der Eurozone

Selektive Agenda:

Heute, Luxemburg: Finanzminister Marterbauer beim Treffen der deutschsprachigen Finanzminister (Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg und Schweiz) auf Schloss Senningen

10:00 Uhr, München: Ifo-Institut präsentiert „Geschäftsklima-Index August“

10:30 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Statistiken zur elementaren Bildung 2024/25, Präsentation im Bundeskanzleramt mit Familienministerin Plakolm

21:00 Uhr, Wien: Vizekanzler Babler im ORF-Sommergespräch

Wochenvorschau

Der Montag startet mit weiteren Neuigkeiten aus dem Bildungsbereich – von Bildungsminister Christoph Wiederkehr zum Lehramtsstudium für die Volksschule und von Familienministerin Claudia Plakolm zur Elementarbildung. Finanzminister Markus Marterbauer ist beim Treffen der deutschsprachigen Finanzminister in Luxemburg und Vizekanzler Andreas Babler am Abend im Sommergespräch des ORF.  

Am Dienstag werden in Alpbach die „Austria in Europe Days“ eröffnet – Bundespräsident Alexander Van der Bellen hält eine Rede. Der Weinbauverband gibt am Dienstag einen Ausblick auf die Weinlese 2025. Am Mittwoch veröffentlicht die Statistik Austria Tourismuszahlen (Ankünfte und Nächtigungen) für Juli. Am Donnerstag ist OeNB-Chef Holzmann auf der Bühne des Forums Alpbach – wohl sein letzter größerer Auftritt in dieser Rolle. 

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Lisa Neuhauser übernimmt mit 1. September als Pressesprecherin im Kabinett der Bundesministerin für Europa, Integration und Familie. Ihr Vorgänger, Edin Kustura, wird neuer Kommunikationsleiter der Oberösterreichischen Volkspartei.

Geburtstage: Wir gratulieren Herbert Eibensteiner zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

14:00 Uhr, Alpbach: Wanderung zum Thema „Vom Schachbrett zur Spielfigur: Europas Strategie in der neuen Wirtschaftsordnung“ u. a mit Gabriel Felbermayr [Info]

17:00 Uhr, Alpbach: Diskussion „Der strategische Aufbruch Europas: Sicherheit in einer fragmentierten Welt“ im Rahmen des Forums Alpbach mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Robert Brieger, Peter Wagner [Info]

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