Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Trumps „Deal“ mit der Ukraine. US-Präsident Donald Trump zeigt sich am dritten Jahrestag der russischen Invasion der Ukraine optimistisch: Ein Vertrag über kritische Rohstoffe und seltene Erden mit der Ukraine würde „hoffentlich bald“ unterzeichnet werden – hierzu soll es diese oder nächste Woche ein Treffen zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geben. Wirtschaftliche Zusammenarbeit wünscht sich Trump sowohl mit der Ukraine als auch Russland – die Gespräche hierzu würden „sehr gut“ laufen. Am Rande des Termins mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron verlautbarte Trump, dass der russische Präsident Wladimir Putin europäische Friedenstruppen in der Ukraine akzeptieren würde. Macron zeigte sich bereit, entsprechende Sicherheitsgarantien abzugeben und Friedenstruppen zu entsenden. [Quelle: Reuters, Trump auf Truth Social, Macron auf X]
Kommentar: Die ÖGK und der ewige Ruf nach mehr Geld
von Gerald Loacker
Die finanziellen Prognosen der österreichischen Sozialversicherungsträger sind am Beginn des Jahres immer dramatisch. In der Regel bessern sich die Zahlen im Jahresverlauf. Daher darf man die Nerven noch nicht wegschmeißen, wenn die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) diesen Februar ein Minus von 900 Mio. Euro für das Jahr 2025 prognostiziert.
Grafik (von Christoph Hofer): Seit mehr als einem Jahr befinden sich heimische Konjunkturprognosen im Sinkflug. Sah das Wifo im Dezember 2023 für das heurige Jahr noch ein BIP-Wachstum von 2,0 Prozent voraus, musste diese Prognose sukzessive auf zuletzt 0,6 Prozent (Dez. 24) revidiert werden. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Das dortige IfW Kiel sagte im Dezember 2023 ein Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahr 2025 von 1,4 Prozent voraus. Die letzte Prognose ging nur mehr von 0,1 Prozent Wachstum aus. Vor allem die anhaltend schwache Industrieproduktion und politische Unsicherheiten wie ein eskalierender Handelskrieg mit den USA drücken in den beiden Exportländern auf die Stimmung. [Quellen: Wifo, IfW Kiel]

Inflation in Österreich steigt. Im Jänner 2025 lag die Inflationsrate bei 3,2 Prozent (HVPI: 3,4 Prozent) und damit über der Euroraum-Inflation von 2,5 Prozent. In Österreich wurde die Teuerung vor allem durch das Auslaufen der Strompreisbremse, der Erhöhung der CO2-Steuer sowie gestiegenen Netzentgelten angefacht. Die niedrigste Inflationsrate innerhalb der EU verzeichnet im Jänner Dänemark mit 1,4 Prozent, die höchste Ungarn mit 5,7 Prozent. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]
Regierungsverhandlungen. Die Gespräche zwischen ÖVP, SPÖ und Neos für eine neue Regierung befinden sich in der Zielgeraden. Als möglicher Bildungsminister für Neos wird inzwischen auch deren Gründer Matthias Strolz genannt, da Christoph Wiederkehr Spitzenkandidat bei der Wiener Gemeinderatswahl im April ist. Die Krone berichtet, dass man eine neue Indexanpassung für Mieten schaffen will, auf Grundlage des Verbraucherpreisindex mit einer „Hälfteregelung“ zwischen Mietern und Vermietern bei einer Inflationsrate über drei Prozent. [Quellen: Medienberichte, Standard, Krone-Artikel]
Gaspreisindex steigt. Der Großhandelspreisindex für Gas steigt im März 2025 gegenüber dem Vormonat um 9,5 Prozent. Im Vergleich zum März 2024 liegt der Index mit einem Wert von 53,27 Euro/MWh um 96,1 Prozent höher. Der Strompreisindex liegt mit 112,06 Euro/MWh im Vergleich zum März 2024 um 67,5 Prozent höher, gegenüber dem Vormonat ist er um 11,2 Prozent gesunken. [Quelle: Austrian Energy Agency]
Bundesländer-Konjunktur-Bericht. 2024 konnte Wien als einziges Bundesland ein Wirtschaftswachstum mit plus 0,5 Prozent erzielen, in Tirol stagnierte die Konjunktur. In Salzburg (minus 0,4 Prozent), der Steiermark (minus 0,7 Prozent) und im Burgenland (minus 0,8 Prozent) war der Rückgang geringer als im Bundesschnitt (minus 0,9 Prozent), schlechter waren Vorarlberg (minus 1,4 Prozent), Niederösterreich (minus 1,6 Prozent), Kärnten (minus 2,1 Prozent) und Oberösterreich mit minus 2,5 Prozent. Industrie (-4 Prozent), Bauwirtschaft (-3 Prozent) sowie der Handel schrumpften im Vorjahr, positive Impulse gab es vom Tourismus und dem öffentlichen Sektor. [Quelle: Bank Austria]
Mehr Firmeninsolvenzen. Im Vorjahr stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen um 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2023 auf 6.693 an. Davon entfielen 1.199 auf den Handel, gefolgt von Unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit 1.091 und dem Bauwesen mit 1.062 Verfahren. Im Beherbergungs- und Gaststättenwesen gab es 827 Insolvenzen. Die Zahl der Privatinsolvenzen ging um ein Prozent auf 9.634 zurück. Für heuer ist mit erwarteten 6.700 bis 7.000 Insolvenzen keine Besserung in Sicht. [Quelle: Creditreform]
Weniger Vollzeit ausgeschrieben. Der Anteil an ausgeschriebenen Vollzeitstellen ist in den vergangenen 10 Jahren von 89 Prozent auf den historischen Tiefststand 74 Prozent gesunken. Umgekehrt steigt der Anteil von Teilzeitstellen im selben Zeitraum von 6 auf 16 Prozent stark an. Der Trend zur Teilzeit ist in allen Berufsfeldern wahrnehmbar. Laut einer aktuellen Umfrage ist er in der IT-Branche besonders ausgeprägt: Hier beobachten 62 Prozent der Befragten, dass Mitarbeitende vermehrt in Teilzeit arbeiten möchten. Branchenübergreifend sind es 53 Prozent. [Quelle: karriere.at]
🍺 Heimischer Biermarkt schwächelt. 2024 konnten die heimischen Brauereien 10,09 Mio. Hektoliter Bier (inklusive alkoholfreiem Bier) absetzen – ein Plus von 1,1 Prozent zu 2023. Das Wachstum beschränkte sich dabei lediglich auf den Export (plus neun Prozent), während die heimische Nachfrage um 0,17 Prozent zurückging. Der Absatz von Fass- und Tankbieren für die Gastronomie ging um drei Prozent zurück. [Quelle: Verband der Brauereien Österreichs]
Mietwohnungsmarkt – höhere Preise. Im Vorjahr sind die Quadratmeterpreise für Mietwohnungen in Österreich in allen bis auf drei Bezirken (Bludenz, Jennersdorf, Güssing) gestiegen. Den größten Anstieg gab es in den Bezirken Klagenfurt Land mit plus 19, 1 Prozent auf 16,2 Euro, Wien Alsergrund (18,6 Prozent), Eisenstadt-Umgebung und Oberpullendorf (beide 17,5 Prozent), sowie Wien Ottakring (16,2 Prozent). Die höchsten Quadratmeterpreise zur Miete gab es in Wien Innere Stadt (23,1 Euro), Innsbruck (23 Euro) und Kitzbühel (21,1 Euro) [Quelle: Willhaben]
16. EU-Sanktionspaket beschlossen. Die EU-Außenminister haben das 16. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Auf bisherige Umgehungsaktivitäten Russlands wurde reagiert und die Liste der Schiffe der Schattenflotte Russlands, mit denen weiterhin vor allem Öl und Gas exportiert werden, wurde fast verdoppelt. Gleichzeitig beschlossen die Minister die Aufhebung einiger Sanktionen gegen Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes im Bereich Energie, Verkehr und des Bankensektors. Damit soll der Aufbau des Landes erleichtert werden. [Quellen: EU-Kommission, Europäischer Rat]
Ausnahmen für EU-CO2-Zölle. Um den Verwaltungsaufwand für Unternehmen in der EU zu senken, soll die geplante CO2-Grenzabgabe auf Importe für einen Großteil der Bertriebe erlassen werden. Die EU-Kommission hat angekündigt, dass die Abgabe nur für Firmen schlagend werden soll, die mehr als 50 Tonnen pro Jahr importieren – damit würden immer noch 99 Prozent der Emissionen getroffen werden. [Quelle: Reuters]
Deutsche Konjunktur ohne Dynamik. Die Wirtschaft Deutschlands ist „nach wie vor in der Stagnation gefangen“, analysiert die Bundesbank. Für das erste Quartal wird allerdings ein leichtes Wachstum prognostiziert, da der Konsum und die Nachfrage nach Industrieprodukten anziehen sollten. Der Geschäftsklima-Index für deutsche Unternehmen stagnierte indessen bei 85,2 Punkten. [Quellen: Bundesbank, Ifo-Institut]
Selektive Agenda:
Österreich: 5. Jahrestag der ersten bestätigten COVID-19-Fälle in Tirol
Rom: Fortsetzung der UNO-Konferenz zu Biodiversität COP16 (2024 in Kolumbien abgebrochen) (bis 27.2.) [Info]
Washington, D.C.: EU-Außenbeauftragte Kallas trifft US-Außenminister Rubio
Brüssel: EU-Rat Allgemeine Angelegenheiten der Außen- und Europaminister
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Mit Ende April legt Claudia Kahr ihr Amt als Verfassungsrichterin zurück – das Vorschlagsrecht für die Nachbesetzung liegt bei der Bundesregierung. Armin Weickert übernimmt die Leitung des Salzburger Standorts von Schiefer Rechtsanwälte. Gloria Berger wird neue Leiterin des teamneunzehn-Vertriebs in der Steiermark. Sylvia Sperandio hat den militärischen Rang eines Generalmajors erhalten und die Leitung des militärischen Gesundheitswesens übernommen. Bernhard Achberger wurde als Vorstandsmitglied der bank99 für drei Jahre verlängert. Eduards Stiprais wurde zum neuen EU-Sonderbeauftragten für Zentralasien ernannt – er folgt ab 1. März 2025 Terhi Hakala nach.
Geburtstage: Wir gratulieren Andreas Babler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:00 Uhr, Leoben: MINT-Kongress an der Montanuniversität Leoben u.a. mit Wissenschaftsminister Martin Polaschek (bis 27.2.) [Info]
18:30 Uhr, Wien: Österreichisch-Amerikanische-Gesellschaft (ÖAG) lädt zur Diskussion „Drei Jahre Krieg in der Ukraine“ mit Othmar Karas, Eva Nowotny, Oksana Stavrou, Berthold Sandtner [Livestream]
19:00 Uhr, Wien: Eröffnung der Ausstellung „Japanisches Porzellan am Kaiserhof in Wien“ mit u.a. Außenministerin a.D. Ursula Plassnik und japanischem Botschafter Kiminori Iwama im Möbelmuseum Wien [Info Ausstelung]
19:00 Uhr, Wien: Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (vidc) lädt zur Diskussion „Nach dem Superwahljahr – Perspektiven aus Ost, West und Süd“ in die Diplomatische Akademie mit Toni Haastrup, Ivan Krastev, Wolfgang Petritsch [Info]