Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Forschungspakt mit Schwerpunkt auf Innovation in Unternehmen. Der gestern präsentierte FTI-Pakt für die Jahre 2027-2029 sieht Forschungsgelder im Umfang von 5,49 Mrd. Euro vor und damit etwas mehr als für die Periode davor, in der es 5,05 Mrd. Euro waren. Das Geld kommt aus den Ministerien für Wissenschaft, für Infrastruktur sowie aus dem Wirtschaftsministerium und soll über insgesamt 11 Förderagenturen und Forschungseinrichtungen verteilt werden – die konkrete Aufteilung wird bis Herbst verhandelt. Der Fokus soll laut Wirtschaftsministerium besonders auf dem Wissenstransfer in die Praxis und auf der betrieblichen Forschung liegen. Für letztere wurden durch Umschichtungen schon heuer zusätzliche Mittel bereitgestellt, wobei der größte Teil der freigemachten 76,6 Mio. Euro aus dem Wirtschaftsministerium kommt. Die IV würdigte diesen „persönlichen Einsatz des Wirtschaftsministers in den intensiven Verhandlungen der vergangenen Wochen“. Damit Österreich nicht nur bei Forschungsausgaben zu den Spitzenreitern zählt, sondern auch beim Output aufschließt, soll der Forschungsrat Forwit bis Herbst Empfehlungen für einen effizienten Mitteleinsatz ausarbeiten. [Quellen: Pressefoyer nach dem Ministerrat, Ministerratsvortrag | Reaktionen: SPÖ, FPÖ, Die Grünen, IV, WKÖ, ÖAW, Österreichischer Wirtschaftsbund, Forwit]
„Müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Bananenrepublik abdriften“
Interview mit Florian Maringer
IG-Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer sieht ein weiteres EU-Vertragsverletzungsverfahren auf Österreich zukommen, da die Frist zur Umsetzung der Renewable Energy Directive III (RED III) versäumt wurde. Das dafür nötige Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) lässt weiterhin auf sich warten. Maringer erwartet bei den Verhandlungen zur notwendigen Zweidrittelmehrheit einen „ähnlich zähen Prozess“ wie beim Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG).
💡 Viel Geld für F&E, aber wenig „Output“. Österreich liegt bei der Innovationsfähigkeit auf Platz 8 im European Innovation Scoreboard, das die Länder anhand verschiedener Indikatoren vergleicht und einen Index mit der Basis des EU-Schnitts bildet. Blickt man in die einzelnen Indikatoren, bestätigt sich der Befund, den der Forschungsrat Forwit seit Jahren beklagt: Österreich investiert sehr viel in Forschung und Entwicklung (Platz 2 bzw. 3), beim „Output“ sind andere Länder aber wesentlich besser. Die Verkaufserlöse, die in Österreich mit neuen Produkten erzielt werden, liegen deutlich unter dem EU-Schnitt. [Quelle: European Innovation Scoreboard 2025 | Grafik von Sara Grasel]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Österreichs Exporte 2025 durch US-Zollpolitik schwer getroffen. Durch die von US-Präsident Donald Trump seit April letzten Jahres erlassenen Zölle brachen die heimischen Ausfuhren in die USA um 21,4 % ein – ein Minus von rund 3,5 Mrd. Euro wie Die Presse berichtet. Die Gesamtexporte sanken um 1,2 % auf knapp 189 Mrd. Euro – was das zweite Minusjahr in Folge bedeutet. Inflationsbereinigt liegt das Exportvolumen nur knapp über dem Coronatief 2020. Die Ausfuhren nach Deutschland sanken um 1,9 % (-1,1 Mrd. Euro), jene nach Italien wuchsen um 7 % (+830 Mio. Euro). „Der zunehmende Protektionismus, die geopolitischen Spannungen und die wachsende Konkurrenz, insbesondere aus China, belasten unsere heimische Exportwirtschaft erheblich“, so WKÖ-Präsidentin Martha Schultz. [Quelle: Die Presse]
🇦🇹 OeNB schärft volkswirtschaftliche Agenda. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) richtet sich unter ihrem neuen Chefökonom Wolf Heinrich Reuter stärker auf langfristige Analysen und Szenarien aus. Man sieht sich als verlässliche Institution in unsicheren Zeiten, die als „Anwältin der langen Frist“ den Blick auf Themen wie die Folgen des demografischen Wandels, das sinkende Potentialwachstum oder die öffentlichen Verschuldung behält. Weitere Schwerpunkte liegen auf einer Stärkung der heimischen Finanzbildung sowie der laufenden Verbesserung von Prognosen. [Quelle: Pressekonferenz]
🇦🇹 Bierproduktion 2025 rückläufig. Der Gesamtausstoß (Bier inkl. alkoholfreiem Bier und Export) sank 2025 um 7,1 % auf 9,25 Mio. Hektoliter (2024: 10,09 Mio. hl). Die Inlands-Produktion betrug 7,88 Mio. hl (-6,1 %) der Export: 1,37 Mio. hl (-12,4 %). Währenddessen verzeichnet alkoholfreies Bier ein Wachstum von +6,1 % auf fast 300.000 hl (ca. 4 % Anteil an der Gesamtproduktion). Der Verband der Brauereien Österreich sieht einen strukturellen Konsumrückgang und appelliert an die Politik für Inflationssenkung und Zuversicht zu sorgen. [Quelle: Braubilanz 2025]
🇦🇹 Niederösterreich präsentiert Wirtschaftsstrategie 2030+. Die neue Wirtschaftsstrategie für Niederösterreich sieht vor, das Bruttoregionalprodukt (BRP) auf über 110.000 Euro pro Erwerbstätigen zu steigern und die Anzahl der Forschungsmitarbeiter in den Unternehmen auf 10.000 zu erhöhen. Im Jahr 2024 lag das niederösterreichische Bruttoregionalprodukt pro Erwerbstätigen bei rund 92.600 Euro. Primäres Ziel des Programms ist die langfristige Sicherung des Wohlstands durch Investitionen in Innovation und Forschung. In diesem Zusammenhang formulierte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner „klare Erwartungen an den Bund“ hinsichtlich einer Senkung der Lohnnebenkosten – dies sei das „Gebot der Stunde“. [Quelle: Land NÖ, Statistik Austria | Reaktionen: IVNÖ, WKNÖ, WBNÖ]
🇦🇹 Streik in oberösterreichischen Ordensspitälern. Da in der 6. KV-Verhandlungsrunde für die Ordensspitäler Oberösterreich erneut keine Einigung erzielt werden konnte, bereitet die Gewerkschaft für den 3. März einen Streik vor. Vida-Chefverhandlerin Martina Reischenböck fordert eine „spürbare Entlastung für die Beschäftigten“, diese gebe es nur „mit einer realen Arbeitszeitverkürzung“. Hierfür habe die Arbeitgeberseite aber bisher kein Gegenangebot vorgelegt. Die 7. Verhandlungsrunde soll am 12. März stattfinden. [Quelle: ÖGB]
🇦🇹 🇪🇺 1 % mehr Pkw in Österreich. Im Jahr 2025 waren 54.208 mehr Pkw in Österreich zum Verkehr zugelassen als im Jahr 2024, ein Anstieg um 1,0 %. Die Gesamtzahl aller Kfz erhöhte sich um 86.681 Stück bzw. 1,2 %. Verbrenner-Pkw machen 86,7 % des derzeitigen Bestands aus, Hybride 8,3 % und reine Elektroautos 4,9 %. Die meisten Pkw pro 1.000 Einwohner gibt es im Burgenland (702) und Niederösterreich (670), die wenigsten in Wien (363) – der Durchschnitt liegt bei 573 und damit etwas höher als im Jahr 2024 (569). Im Jänner 2026 stiegen die heimischen Pkw-Neuzulassungen um 12,1 %, während die EU ein Minus von 3,9 % verzeichnet. Mittlerweile machen Hybridfahrzeuge die größte Gruppe unter den Neuzulassungen aus (EU: 48,4 %, Ö: 36,1 %), rund jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug war im Jänner ein reines Elektroauto (EU: 19,3 %, Ö: 20,5 %). [Quellen: Statistik Austria, ACEA]
🇪🇺 Vereinfachung des EU-Lieferkettengesetzes final beschlossen. Der Rat der EU hat die Vereinfachung der Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) sowie der Sorgfaltspflichten für Unternehmen (CS3D) gestern förmlich beschlossen. Nachdem das EU-Parlament der Neuregelung bereits im Dezember 2025 zugestimmt hatte, tritt die Richtlinie nun endgültig in Kraft. Die Mitgliedstaaten haben nach dem Inkrafttreten der Richtlinie 1 Jahr Zeit, um diese in nationales Recht umzusetzen. Eine Ausnahme stellen die Sorgfaltspflichten dar, die erst bis 2028 umgesetzt werden müssen und ab 2029 greifen. [Quellen: Rat der EU, EU-Parlament | Reaktionen: AK | Service: Vereinfachte Richtlinien, Omnibus I Paket]
🇪🇺 Österreichs Forderungen für den kommenden Europäischen Rat. Gestern haben sich die Europaminister in Brüssel versammelt, um den Europäischen Rat am 19. und 20. März vorzubereiten. Europaministerin Claudia Bauer brachte dabei für Österreich u. a. die Forderung nach einer Reform des Merit-Order-Systems zur Senkung der Energiepreise sowie eine EU-weite Anerkennung von Berufsqualifikationen ein, was sie als ein „Bologna der Lehre“ bezeichnete. Zudem drängt Österreich auf die Vollendung der Kapitalmarktunion und fordert deutliche Einsparungen bei den Verwaltungsausgaben der EU-Kommission im Rahmen des neuen Mehrjährigen Finanzrahmens. [Quellen: Doorstep BM Claudia Bauer, Rat der EU, BM Claudia Bauer auf X]
🇪🇺 Europäischer Rechnungshof warnt vor Risiken im neuen EU-Haushalt. Der Europäische Rechnungshof warnt vor Risiken bei der Einführung des geplanten Europäischen Fonds und der Nachverfolgung von EU-Ausgaben im Rahmen des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) 2028-2034. Der mit 2 Bio. Euro dotierte Fonds soll künftig Bereiche wie Landwirtschaft, Verteidigung und Kohäsion auf Basis nationaler Pläne und erfüllter Zielwerte fördern, statt wie bisher angefallene Kosten zu erstatten. Die Prüfer kritisieren, dass dieser Systemwechsel die Komplexität sowie den Verwaltungsaufwand in den Mitgliedstaaten erhöhe und fordern ausreichende Schutzmechanismen. Zudem bemängelt der Rechnungshof die neue Methode zur Leistungsmessung, da die Gefahr bestehe, dass zwar Fortschritte bei der Umsetzung gemessen, aber nicht die tatsächliche Erreichung der EU-Ziele bewertet werde. [Quelle: Europäischer Rechnungshof, Stellungsnahme – Europäischen Fonds, Nachverfolgung der EU-Ausgaben]
🇪🇺 🇺🇦 EU ist wichtigster Handelspartner der Ukraine. Der russische Überfall vor 4 Jahren hat „zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Wirtschaft der Ukraine auf die Europäische Union geführt“, so eine Studie des Wiiw. Der Anteil der ukrainischen Exporte in die EU ist von 36 % im Jahr 2021 auf 57 % im Jahr 2024 gestiegen. In den Bereichen Drohnenproduktion und Verteidigungsindustrie, kritische Rohstoffe, Seltene Erden sowie erneuerbare Energien bestehen laut Wiiw die größten Chancen für die EU, die sich hier aber gegen die USA behaupten muss. „Um das volle Potenzial zu heben und gegenüber den USA nicht ins Hintertreffen zu geraten, täte die EU gut daran, in der Ukraine einen entschlossenen, koordinierten und umfassenden Ansatz zu verfolgen“, so Wiiw-Ökonomin Olga Pindyuk. [Quelle: Wiiw – Aussendung, Studie]
🇩🇪 Exporterwartungen deutscher Unternehmen steigen weiter. Die Exporterwartungen der deutschen Industrie haben sich im Februar weiter verbessert, wobei der entsprechende Ifo-Indikator von minus 0,8 Punkten im Januar auf plus 2,6 Punkte kletterte. Trotz dieses Anstiegs ist laut dem Ifo-Institut eine „breit angelegte und dynamische Erholung“ der Exportwirtschaft weiterhin nicht in Sicht. Als wesentlicher Grund für die verhaltene Prognose gilt u. a. die anhaltende Unsicherheit durch die unberechenbare US-Zollpolitik, welche die Planungssicherheit der Unternehmen belastet. [Quelle: Ifo-Institut]
🇩🇪 Deutsche Autoexporte nach China 2025 um ein Drittel gesunken. Die Ausfuhren deutscher Kraftfahrzeuge und Autoteile nach China sind im vergangenen Jahr um rund ein Drittel zurückgegangen. Seit dem Höchststand im Jahr 2022 summiert sich der Rückgang auf über 50 %; der Warenwert sank in diesem Zeitraum von knapp 30 Mrd. Euro auf weniger als 14 Mrd. Euro. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln führt diese Entwicklung auf eine „massive Wettbewerbsverzerrung“ zurück. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz ist gestern Abend zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach China aufgebrochen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert vom Kanzler im Rahmen dieser Reise u. a. die Thematisierung von Überkapazitäten, Wettbewerbsverzerrungen und Exportkontrollen bei kritischen Rohstoffen. [Quelle: IW Köln, dt. Bundeskanzleramt, BDI]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Sitzung des Nationalrates u. a. zum neuen Stabilitätspakt [Tagesordnung]
Heute, Nikosia: Informelle Tagung des Rates der EU auf Ministerebene (Gesundheit) [Info]
Heute, Wiesbaden: Bekanntgabe des deutschen BIP im 4. Quartal 2025.
3:00 Uhr, Washington D. C.: Rede zur Lage der Nation von US-Präsident Donald Trump
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Verbraucherpreisindex Jänner 2026 und die Geburtenbilanz 2025
10:00 Uhr, Wien: Bekanntgabe des Bank Austria Einkaufsmanagerindex Februar
11:00 Uhr, Luxemburg: Bekanntgabe der Verbraucherpreise in der Eurozone im Jänner durch Eurostat
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Volker Schaffler ist Leiter der Förderabteilung der Wirtschaftsagentur Wien. Rita Wittmann übernimmt das Generalsekretariat der UNIQA Insurance Group. Ferdinand Breitschopf ist neuer Präsident der Arbeitsgemeinschaft Musikpädagogik Österreich. Die Neue Oper Wien (NOW) hat mit Anna Sushon und Alexander Kaimbacher eine neue Leitung.
Geburtstage: Wir gratulieren Andreas Babler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
10:00 Uhr, Wien: Finanzmarktaufsicht-Vorstände Helmut Ettl und Mariana Kühnel im Klub der Wirtschaftspublizisten (nur für Klubmitglieder)
18:00 Uhr, Wien: Eröffnung der Ausstellung „Arnulf Rainer – Durch Galerien und Museen“ in der Galerie Ruberl [Info]
20:00 Uhr, Wien: Filmpremiere „Man of the house“ u. a. mit Fatmir Velaj in der Urania [Info]
20:00 Uhr, Brüssel: AT Economy x EU – Wirtschaftspolitischer Austausch mit Wolfgang Hattmannsdorfer in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU [invite only]