Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
12 Mrd. Euro – Finanzminister rechnet mit doppeltem Sparbedarf. Finanzminister Markus Marterbauer und Fiskalratspräsident Christoph Badelt gehen davon aus, dass das Defizit heuer bei bis zu 4,1 Prozent des BIP liegen könnte und damit deutlich über der 3-Prozent-Grenze der Maastricht-Kriterien, die für ein EU-Defizitverfahren ausschlaggebend sind. Um das zu verhindern, bräuchte es laut Marterbauer ein weiteres Sparpaket im Umfang des bereits beschlossenen und das würde die Konjunktur deutlich dämpfen. Der Sparbedarf könnte damit bis zu 12 Mrd. Euro betragen. Bankenabgabe, Energiekrisenbeitrag und die Abschaffung der Umsatzsteuerbefreiung für Photovoltaikanlagen hätten geringe bis keine Auswirkungen auf die Konjunktur, so Marterbauer. Die nächsten ausschlaggebenden Konjunkturprognosen folgen am Donnerstag von Wifo und IHS sowie im Mai von der EU-Kommission – auf Basis letzterer wird die Kommission die Budgetsituation Österreichs neu bewerten. Im Rahmen eines möglichen Defizitverfahrens erwartet Marterbauer keinen Risikoaufschlag auf Zinssätze, solange glaubhaft vermittelt werde, dass das Defizit abgebaut wird. [Quelle: Aussendung Budgetausschuss]
Kommentar: IPO? Nein, danke! Warum Startups lieber privat finanziert bleiben
von Laura Raggl
Ein Börsengang gilt für viele Gründerinnen und Gründer als der große Durchbruch – die ultimative Bestätigung ihres unternehmerischen Erfolgs. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Dynamik am Markt stark verändert. Seit dem Boomjahr 2021 herrscht eine regelrechte Flaute bei Tech-IPOs. Warum gehen Startups heute später oder gar nicht mehr an die Börse? Und was bedeutet das für Anleger?
Grafik (von Christoph Hofer): Seit 1. Jänner 2024 steigt das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen und soll bis 2034 an jenes der Männer angeglichen werden. Erste überwiegend positive Effekte zeichnen sich schon jetzt ab. Im Februar 2025 arbeiteten österreichweit 63.958 unselbstständig beschäftigte Frauen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren. Das bedeutet einen Anstieg um knapp 24.000 Personen (plus 60,4 Prozent) seit Februar 2023. Im selben Zeitraum stieg allerdings auch die Zahl der arbeitslosen Frauen in der betreffenden Altersgruppe von 1.212 auf 4.419 Personen. [Quellen: AMS, die.Substanz.at]

Erste Eckpunkte der Wirtschaftsstrategie der Regierung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Peter Hanke und Staatssekretär Sepp Schellhorn, die bis Ende des Jahres eine Wirtschafts- und Industriestrategie ausformulieren wollen, haben die ersten inhaltlichen Eckpunkte präsentiert. Preisstabilität und Versorgungssicherheit bei Energie, gezielte Anwerbung von Fachkräften, Entbürokratisierung, die Erleichterung von Investitionen und strategische Förderung von Zukunftsbranchen sind der Fokus. Genehmigungsverfahren sollen erleichtert und die Gewerbeordnung verschlankt werden. Ziel sei es, im Global Innovation Index von derzeit Platz 17 in die Top 10 zu gelangen. [Quelle: Aussendung, Hattmannsdorfer auf LinkedIn, Medienberichte]
OGH erklärt Kreditbearbeitungsgebühren für unzulässig. Der Oberste Gerichtshof (OGH) prüfte aufgrund einer Verbandsklage mehrere Klauseln eines Kreditinstituts, darunter auch die Kreditbearbeitungsgebühren i.H.v 1,5 Prozent des Kreditbetrags. Diese wurden als unzulässig und „gröblich benachteiligend“ eingestuft. Der Verbraucherschutzverein (VSV) will nun eine weitere Verbandsklage auf Unterlassung einbringen, um die Verjährung von Rückforderungsansprüchen hintanzuhalten. Branchenvertreter sehen eine „deutliche Abkehr von der bisherigen Rechtsprechung“ und betonen, dass es keinen Automatismus auf Rückzahlung gäbe und auf den Einzelfall abzustellen sei. [Quellen: VSV, OGH, WKO]
Katerstimmung bei Weinexporten. Österreichs Weinwirtschaft verzeichnete 2024 mit einem Exportwert von 233,3 Mio. Euro ein Minus von sechs Prozent, die Exportmenge ging um 1,7 Prozent auf 64,2 Mio. Liter zurück. Größter Exportmarkt bleibt trotz eines Minus von 4,4 Prozent Deutschland – 60,2 Prozent der gesamten heimischen Weinexports gehen in die Bundesrepublik sowie 42,3 Prozent des gesamten Exportwerts. Am zweiten Platz der Absatzmärkte rangieren die USA mit einem Plus von 6,5 Prozent. Die bisher zweitplatzierte Schweiz rutschte 2024 mit einem Minus von 33,1 Prozent bei Mengen und 18,2 Prozent bei Wert auf den dritten Platz. [Quelle: Österreichischer Wein]
Industrie in der Eurozone wächst wieder. Die Industrie in der Eurozone dürfte wieder in eine Phase des Wachstums eintreten – wenn auch auf niedrigem Niveau. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global ist in der Industrieproduktion im März auf 50,7 Zähler geklettert – im Februar lag er mit 48,9 noch unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Zum ersten Mal seit März 2023 wurde die Produktion ausgeweitet. Die deutsche Wirtschaft wächst so schnell wie seit Mai 2024 nicht mehr. Im März ist der Index für Deutschland auf 50,9 Punkte gestiegen. Damit liegt er drei Monate in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Der Index für die Industrieproduktion stieg sogar auf 52,1 Punkte nach 48,9 im Februar. „Angesichts des Willens Europas, massiv in Verteidigung und Infrastruktur zu investieren – in Deutschland wurde erst letzte Woche ein entsprechendes historisches Konjunkturpaket verabschiedet – scheint die Hoffnung auf eine nachhaltigere Erholung jedoch begründet zu sein“, so Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. [Quellen: PMI Eurozone, PMI Deutschland]
Weltweiter Energieverbrauch wuchs 2024 fast doppelt so schnell. Im Vorjahr wuchs der globale Energieverbrauch um 2,2 Prozent und damit erheblich stärker als im Jahrzehnt davor, als das jährliche Wachstum 1,3 Prozent ausgemacht macht. Erneuerbare Energien deckten dabei den größten Teil der erhöhten Nachfrage ab, gefolgt von Erdgas. Der globale Stromverbrauch stieg um 4,3 Prozent, getrieben durch steigenden industriellen Verbrauch, die Elektrifizierung des Verkehrs, das Wachstum von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz und Rekordhitze, die mehr Verwendung von Klimaanlagen gebracht hat. [Quelle: Internationale Energieagentur]
EU-US-Verhandlungen zu Zöllen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič reiste gestern nach Washington D.C., um dort US-Handelsminister Howard Lutnick und US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zu Verhandlungen zu treffen. Dem Vernehmen nach könnten die von US-Präsident Trump für 2. April angekündigten „wechselseitigen Zölle“ aufgeweicht werden. Zuvor hatte bereits die EU ihre angekündigten Gegenmaßnahmen um zwei Wochen verschoben. US-Präsident Donald Trump hat gestern sekundäre Zölle für Länder, die Öl oder Gas aus Venezuela beziehen angekündigt. Ab 2. April sollen in diesem Fall 25 Prozent Zölle auf Handel mit den USA fällig werden. [Quellen: EU-Kommission, Reuters, Trump auf Truth Social]
EZB-Direktor für Leitzinssenkung. In Anbetracht von zurückgehenden Energiepreisen und der Aufwertung des Euros gegenüber den USA spricht sich Piero Cipollone, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine weitere Senkung des Leitzinses aus. Die aktuellen Bedingungen machten eine weitere Lockerung der Geldpolitik denkbar, da die Aussichten weiterhin mit den Prognosen vom März übereinstimmten. Die EZB entscheidet am 17. April das nächste Mal über eine Änderung des Leitzinses. [Quelle: EZB]
Deutsche Regierungsverhandler bei Steuerpolitik uneins. Bei den deutschen Regierungsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD gibt es noch offene Punkte – gestern Abend legten die 16 Arbeitsgruppen intern ihre Ergebnisse vor, doch nicht in allen Bereichen gibt es Einigkeit. Der Fahrplan, bis Ostern eine Regierung zu fixieren, muss vielleicht gekippt werden. Strittige Punkte gibt es vor allem bei den Themen Migration und Finanzpolitik. Die Union pocht auf Steuerentlastungen, die SPD will solche aber nur für untere Einkommen mit einer Gegenfinanzierung durch Erhöhungen bei Besserverdienern. Weiterverhandelt wird nun in der Steuerungsgruppe. [Quelle: Welt.de]
Ein Viertel der Deutschen nutzt Homeoffice. 24,5 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nutzen zumindest teilweise Homeoffice, ein leichter Anstieg zum August 2024 als dieser Wert bei 23,4 Prozent lag. Damit ist die Homeoffice-Quote in Deutschland seit April 2022 stabil. In Österreich sind die Zahlen rückläufig, allerdings auf höherem Niveau. Im September 2024 nutzten 65 Prozent der Arbeitnehmer Homeoffice, im Unterschied zu 82 Prozent im Jahr 2022. [Quellen: Ifo-Institut, Deloitte]
EU bewilligt deutsche Staatshilfen für Industrie-Klimaprojekte. Die EU-Kommission genehmigt fünf Mrd. Euro an Staatshilfen der deutschen Bundesregierung für Klimaschutzprojekte der Industrie. Konkret können Unternehmen aus der chemischen Industrie, aber auch aus der Metall-, Baustoff- und Lebensmittelindustrie Geld für die Umstellung auf nachhaltigere Produktionsverfahren erhalten. [Quelle: EU-Kommission]
Wachstumsprognose für die Schweiz leicht gesenkt. Ökonomen rechnen heuer mit einem Schweizer BIP-Wachstum von 1,4 Prozent, um 0,1 Prozentpunkte weniger im Vergleich zur letzten Befragung. Für 2026 werden 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet. Die Inflationserwartungen für dieses Jahr sind mit 0,5 Prozent ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte niedriger als noch im Dezember, die Prognose für die Arbeitslosenquote mit 2,8 Prozent dagegen um 0,1 Prozentpunkte höher. [Quelle: KOF Consensus Forecast]
Selektive Agenda:
Berlin: Konstituierende Sitzung des neugewählten Deutschen Bundestages
Brüssel: EU-Rat „Landwirtschaft und Fischerei“ (letzter Tag) [Info]
Warschau, Polen: Staatssekretärin Königsberger-Ludwig beim informellen EU-Rat Beschäftigung, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (letzter Tag) [Info]
Washington D.C., USA: EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič trifft US-Handelsminister Howard Lutnick und US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zu Gesprächen über Zölle
10:30 Uhr, Wien: Bundespräsident Van der Bellen empfängt den Präsidenten der Republik Albanien Begaj, Empfang bei Bundeskanzler Stocker um 14:30 Uhr
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Manfred Fitz rückt in die Doppelspitze der Geschäftsführung für das Projektgeschäft von Rhomberg Sersa Rail auf. Thomas Haslinger wird neuer Market Access Director von Bristol Myers Squibb. Philipp Resl und Hans Peter Weiss wurden in das Präsidium der Vereinigung der österreichischen Projektentwickler gewählt. Rupert Reif wird Konzernsprecher der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG und der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien. Thomas Starlinger wird sicherheitspolitischer Berater von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger.
Geburtstage: Wir gratulieren Jürgen Czernohorszky zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
15:00 Uhr, Wien: TU Wien und eFuel Alliance Österreich laden zu „Energy Transition Talks“ in den Kuppelsaal der TU Wien u.a. mit Barbara Steffner (EU-Kommission in Wien), Johannes Konrad (TU Wien) und Jürgen Roth (eFuel Alliance). [Info]
16:00 Uhr, Linz: Gründungstag 2025 in der Wirtschaftskammer [Info]
18:30 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Allahs mächtige Influencer – Wie TikTok-Islamisten unsere Jugend radikalisieren“ von und mit Clemens Neuhold und Stefan Kaltenbrunner [Info, Anmeldung per Mail]
19:00 Uhr, Wien: Wiener Vorlesung mit Lisz Hirn „Der überschätzte Mensch“ im Rathaus [Info & Live]
Save the date, 12. bis 15. Juni 2025, Lech Zürs am Arlberg: Genetiker Markus Hengstschläger lädt wieder zum Symposium „Impact Lech“. Thema ist die „Zukunft des mobilen Menschen“ u.a. mit Lindsey Vonn, Jürgen Klopp, Stefan Ruzowitzky, Carmen Possnig, Sigrid Stagl, Patricia Neumann, Jochen Borenich, Michael Strugl, Silvia Angelo, Robert Machtlinger, Valerie Hackl, Karin Exner-Wöhrer, Sabine Herlitschka, Andreas Klauser, Robert Machtlinger, Karl-Heinz Strauss, Peter Umundum uvm. [Info]