Morning in Brief ・ 26.02.2025

Morning in Brief, 26. Februar 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Erste inhaltliche Details aus den Verhandlungen durchgesickert. Die Koalitionsverhandlungen dürften in der Zielgeraden sein, auch wenn laut Berichten noch einige Punkte offen sind. Programm und Ministerliste sollen am Donnerstag in einer Sondersitzung präsentiert werden. Fix dürfte sein, dass es 14 Ministerien werden – davon je 6 für ÖVP und SPÖ und 2 für Neos. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der 7 geplanten Staatssekretariate. Inhaltlich wollen „Krone“ und „Kurier“ einen unabhängigen Bundesstaatsanwalt in Form eines dreiköpfigen Gremiums in Erfahrung gebracht haben sowie ein Paket zu leistbarem Wohnen inklusive Einfrieren der Mieten. Gerungen wird noch über die Postenbesetzung, vor allem in der SPÖ, die am Freitag über Regierungsprogramm und ihr Personal abstimmen soll. Am Sonntag folgt die Abstimmung bei Neos und schon am Montag könnte die Angelobung angesetzt werden. Davor will Bundespräsident Alexander Van der Bellen noch mit allen Ministerkandidaten sprechen. [Quellen: Medienberichte, Krone Mittwochsausgabe, Kurier]

„Auf den Bergen ist noch viel Platz für Windräder“
Interview mit Barbara Schmidt

Die Regierungsverhandler von ÖVP und SPÖ haben eine Abgabe für Energieunternehmen angekündigt, um das Budget zu sanieren. „Sollte es gelingen, das wiederzubeleben, würde das dazu führen, dass nur Erneuerbaren-Erzeuger zum Handkuss kommen – also genau die, die in den Erneuerbaren-Ausbau investieren“, sagt die Generalsekretärin der Interessenvertretung Oesterreichs Energie. Im Interview geht es außerdem um den Ausbau von Photovoltaik und Windkraft in Österreich, die Notwendigkeit neuer, moderner Gaskraftwerke und das Comeback der Atomenergie in der EU.

Grafik (von Christoph Hofer): Das Budgetdefizit Wiens wird 2024 mit 1,7 Mrd. Euro geringer als erwartet (2,2 Mrd. Euro) ausfallen. Für 2025 wird jedoch statt ursprünglich 2,3 Mrd. Euro ein Defizit von 3,8 Mrd. Euro prognostiziert. Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) plant „interne Sparmaßnahmen“ und will den Finanzausgleich nachverhandeln. Im Jahr 2030 soll ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden. Die Wiener Opposition bezweifelt die Angaben Hankes. Die Verschuldung der Stadt Wien belief sich im Jahr 2023 auf 10,2 Mrd. Euro. Rechnet man wirtschaftliche Unternehmungen der Stadt (z.B. Wiener Wohnen, Wien Kanal) hinzu, steigen die Schulden auf 12,8 Mrd. Euro. Ausgelagerte Beteiligungen (Wien Holding und Wiener Stadtwerke) lassen die Verbindlichkeiten um weitere 3,7 Mrd. Euro auf insgesamt 16,5 Mrd. Euro ansteigen. [Quellen: APA-Interview via Medienberichte | Reaktionen: ÖVP Wien, FPÖ Wien, Grüne Wien | Wiener Rechnungsabschluss 2023]

Mehr Autos in Österreich. 2024 wuchs die Zahl der zugelassenen Autos in Österreich um 0,9 Prozent. Der Motorisierungsgrad stieg damit von 566 auf 569 Pkw pro 1.000 Einwohner. Zum Jahreswechsel fuhren erstmals mehr als eine halbe Mio. Autos mit alternativen Antrieben – darunter 200.603 E-Autos, 257.588 Benzin-Hybride und 72.347 Diesel-Hybride. 90 Prozent aller Pkw sind immer noch Verbrenner, mit Tendenz nach unten, vor allem Diesel-Autos gingen 2024 (-2,9 Prozent) zurück. [Quelle: Statistik Austria]

Nächtigungsrekord in Wien. Im Jänner 2025 verzeichnete Wien mit 1.101.000 Nächtigungen ein Plus von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Den stärksten Zuwachs gab es bei Gästen aus der Ukraine und Rumänien (jeweils +43 Prozent), ein leichtes Minus bei Gästen aus Österreich (-6 Prozent), dem Vereinigten Königreich (-2 Prozent) und Frankreich (-1 Prozent). Im Gesamtjahr 2024 lag der Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Beherbergungsbetriebe bei 1,38 Mrd. Euro, ein Plus von 12 Prozent. [Quelle: Stadt Wien

EU arbeitet an Plan für Stahlindustrie. Die EU-Kommission lädt Vertreter der Stahlbranche zu einem strategischen Dialog am 4. März. Noch im Frühjahr soll ein „Steel and Metals Action Plan“ ausgearbeitet und präsentiert werden. Als Herausforderungen zählt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „steigende Energiekosten, Probleme beim Zugang zu Rohstoffen, unfairer globaler Wettbewerb und neue US-Zölle“ auf. Die Stahlindustrie sei Grundlage für zahlreiche kritische Sektoren und sichere in der EU mehr als 2,5 Mio. Jobs. [Quellen: EU-Kommission, Konzept für den strategischen Dialog

Weniger neue Autos in der EU. Im Jänner 2025 sind die Auto-Neuzulassungen in der EU um 2,6 Prozent zurückgegangen. Das Plus von 34 Prozent bei Elektroautos konnte das Minus von 18,9 Prozent bei Verbrennern nicht ausgleichen. Laut dem Verband der europäischen Autohersteller (ACEA) läuft der E-Auto-Absatz zu langsam. Der ACEA befürchtet, dass aufgrund verfehlter CO2-Flottenziele Bußgelder von bis zu 16 Mrd. Euro drohen und will sich daher bei der EU-Kommission um einen Aufschub bemühen. [Quellen: Medienberichte, Reuters, ACEA]  

Wie hoch könnten US-Zölle steigen? Die von US-Präsident Trump angeordneten und derzeit in Ausarbeitung befindlichen wechselseitigen Zölle könnten den globalen effektiven Zollsatz der USA laut Allianz Trade um weitere 13 Prozentpunkte erhöhen. Der durchschnittliche Zollsatz für in die USA importierte EU-Produkte würde sich dann von 1 Prozent auf 14 Prozent erhöhen. In Österreich wären höhere Zölle „für viele Unternehmen nur schwer zu verkraften“, so Wifo-Ökonom Franz Sinabell. [Quellen: Allianz Trade, Franz Sinabell auf X | Service: U.S. Memorandum Reciprocal Trade And Tariffs

Lohnwachstum im Euroraum bremst auf hohem Niveau. Im vierten Quartal 2024 sind die Tariflöhne im Euroraum um 4,12 Prozent zum Vorjahresquartal gestiegen – im Quartal davor betrug das Plus 5,43 Prozent. Damit schwächt sich die Lohndynamik langsam in Richtung 3 Prozent ab, was als Zielwert für die Europäische Zentralbank gilt, da dieses Wachstum noch mit einer Inflationsrate von zwei Prozent kompatibel ist. [Quelle: EZB

Ukraine-Wiederaufbau soll 506 Mrd. Euro kosten. Einer Analyse der Weltbank zufolge belaufen sich die Wiederaufbaukosten für die kriegsgeplagte Ukraine über die nächsten 10 Jahre auf 506 Mrd. Euro – das 2,8-Fache des nominellen BIPs der Ukraine. Die Schätzung wurde im Vergleich zum Vorjahr um fast 8 Prozent nach oben revidiert. Der größte Posten ist der Wiederaufbau von Wohnungen (81 Mrd. Euro), danach folgen Verkehr (75 Mrd. Euro) und Energie (66 Mrd. Euro). Alleine die Entfernung und Entsorgung von Schutt und Trümmerteilen würde 12,6 Mrd. Euro kosten. [Quellen: Weltbank, Reuters

Rasant steigende LNG-Nachfrage. Die weltweite Nachfrage nach Flüssigerdgas (LNG) soll bis 2040 um rund 60 Prozent steigen. Das ist vor allem auf das Wirtschaftswachstum in Asien, Emissionsreduzierungen in der Schwerindustrie und im Verkehr sowie die Auswirkungen künstlicher Intelligenz zurückzuführen. Ein deutliches Wachstum der LNG-Versorgung werde vom größten Exporteur, den USA, ausgehen, die bis 2030 möglicherweise 180 Mio. Tonnen pro Jahr erreichen und damit ein Drittel der weltweiten Versorgung ausmachen werden. [Quelle: Shell LNG Outlook

Deutsche Rezession hält an. Die Konjunktur in Deutschland sank im 4. Quartal 2024 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Sommer hatte es noch ein geringes Wachstum von 0,1 Prozent gegeben. Der Konsum zog an, die Exporte schrumpften im letzten Quartal aber um 2,2 Prozent. 2024 ist die deutsche Wirtschaft damit erneut geschrumpft (-0,2 Prozent nach -0,3 Prozent 2023). Deutsche Industrieverbände rechnen auch für 2025 mit einer Rezession. Die Aufträge in der Baubranche wuchsen 2024 um 1,1 Prozent, deren Wert fiel real um 0,7 Prozent gegenüber 2023. Ein reales Wachstum gab es nur im Tiefbau mit 3,4 Prozent, gestützt durch öffentliche Aufträge im Straßenbau und für den Ausbau des Stromnetzes. Das Barometer für Exporterwartungen für heuer hellte sich inzwischen im Februar von minus 7,1 Punkten auf minus fünf Zähler auf – der beste Wert seit Juli 2024, aber noch im negativen Bereich. [Quellen: Statistisches Bundesamt I, Statistisches Bundesamt II, Ifo-Institut

Deutsches Staatsdefizit höher. Das Defizit lag in Deutschland 2024 bei 118,8 Mrd. Euro – um 15 Mrd. Euro mehr als 2023. Bisher war man für 2024 von einem Defizit von 113 Mrd. Euro ausgegangen. Das Defizit entspricht damit 2,8 Prozent des BIP und liegt unter dem Grenzwert der EU-Maastricht-Kriterien von 3 Prozent – 2023 lag es bei 2,5 Prozent. Die Staatseinnahmen legten im Jahresabstand um 4,8 Prozent auf rund 2 Bio. Euro zu – die Steuereinnahmen wuchsen um 3,5 Prozent, die Einnahmen aus Sozialbeiträgen um 6,5 Prozent. Die Staatsausgaben stiegen um 5,3 Prozent auf 2,13 Bio. Euro. Die Ausgaben für Sozialleistungen wuchsen um 7,0 Prozent. [Quelle: Destatis]

Einigung im Rohstoffdeal zwischen USA und Ukraine. Die Ukraine und die USA sollen sich auf ein Rohstoff-Abkommen geeinigt haben, nachdem die USA laut einem Vertreter der Ukraine nachteilige Klauseln entfernt haben. Der Deal gilt als Gegenleistung für bereits geleistete Militärhilfen der USA. Am Freitag soll das Abkommen in Washington unterzeichnet werden – der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj solle hierfür selbst anreisen. Indes hatte der russische Präsident Wladimir Putin im russischen Staatsfernsehen erwogen, den USA selbst einen Rohstoff-Deal anzubieten – inklusive Hinweis darauf, dass er im Donbass und „neuen“ Regionen große Vorkommen anzubieten habe. [Quellen: AFP, Via Politico]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Nationalratssitzung, Aktuelle Stunde der Neos (Ukraine), aktuelle Europastunde der ÖVP (EU-Binnenmarkt), Novelle zum Finanzstrafgesetz, Wahl weiterer Ausschüsse [Live]

10:00 Uhr, Wien: Bank Austria veröffentlicht den Einkaufsmanagerindex für Februar

11:00 Uhr, Wien: Verhandlungen zum Banken-Kollektivvertrag starten

12:00 Uhr, Brüssel: Vorstellung Clean Industrial Deal, erster „Omnibus“-Plan zum Bürokratieabbau, Action Plan on affordable energy [Live]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Michael Mertin wird per 1. Mai neuer Vorstandsvorsitzender (CEO) von AT&S. Der Vertrag von Helmut Sorger als Finanzchef von Semperit wurde bis 2028 verlängert. Horst Nussbaumer übernimmt die Nachfolge von Karl Stoss als Präsident des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC). Barbara Karl wird Sammlungsleiterin im Heeresgeschichtlichen Museum. Patrick Armand wird Direktor der Staatsopern-Ballettakademie. Vereinigte Bühnen Wien-Musical-Intendant Christian Struppeck und MusikTheater an der Wien-Intendant Stefan Herheim werden bis 2030 verlängert. Bernhard Kadlec wurde zu einem Mitglied des Vorstands der NÖ Landesgesundheitsagentur ernannt. Corinna Scharzenberger ist die erste Direktorin in der Geschichte des Österreichischen Bauernbundes. Carsten Schneider wird interimistischer Präsident und -Rektor der Central European University (CEU). 

Geburtstage: Wir gratulieren Martin Huber und Stefan Ströbitzer zum Geburtstag. 

Sehen & gesehen werden:

17:30 Uhr, Dornbirn: Die FH Vorarlberg lädt zum Technikforum „Exploring the Red Planet: Mars analog simulations“ mit Astrophysiker Gernot Grömer [Info]

18:30 Uhr, Wien: Diplomatische Akademie und Österreichische Forschungsgesellschaft laden zu „Europe in the Age of Energy Insecurity“ mit Thomas Zehetner in den Festsaal der Diplomatischen Akademie Wien. [Info & Livestream]

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