Morning in Brief ・ 26.03.2025

Morning in Brief, 26. März 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

OeNB prognostiziert für 2025 leichte Rezession. Laut Österreichischer Nationalbank wird die heimische Wirtschaft 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfen. Im Vergleich zur Prognose aus dem Dezember 2024 verschlechterten sich die Erwartungen für das Gesamtjahr 2025 um weitere 0,9 Prozentpunkte auf nun -0,1 Prozent. Die Inflation falle derweil mit 2,9 Prozent höher aus als erwartet. Das Budgetdefizit 2025 wird trotz Sparpaket der Regierung voraussichtlich 3,8 Prozent betragen. Um ein EU-Defizitverfahren zu vermeiden, müssten demnach zusätzliche 5-6 Mrd. Euro eingespart werden. Im zweiten Halbjahr 2025 rechne die OeNB mit einer beginnenden wirtschaftlichen Erholung. „In Österreich scheint der Tiefpunkt der Wirtschaftsentwicklung überwunden und die heimische Konjunktur wird sich 2025 stabilisieren“, so Notenbank-Gouverneur Robert Holzmann. Die Nationalbank schloß das Geschäftsjahr 2024 mit einem Verlust von 2,1 Mrd. Euro ab. Grund seien die geldpolitischen Maßnahmen der letzten Jahre. [Quelle: OeNB]

Kommentar: Auch die besten Fachkräfte kommen und gehen
von Markus Hengstschläger

Die Politik von US-Präsident Trump begünstigt die Abwerbung von in den USA ausgebildeten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Länder und Unternehmen, die sich in Zeiten von Fachkräftemangel, detailliert mit der Frage beschäftigen warum jemand wo hingeht um zu arbeiten, werden im globalen „War for talents“ die Nase vorne haben.

Defizitverfahren: Ökonom hält Vermeidung für unrealistisch. Ein Sparpaket von 6,4 Mrd. Euro wird heuer nach Ansicht des wiiw-Ökonomen Philipp Heimberger nicht ausreichen, um das Defizit unter 3 Prozent zu drücken. Er hält es für unrealistisch, dass die Regierung mit einem größeren Paket von mehr als 10 Mrd. Euro gegensteuern würde. Studien zeigen, dass hierdurch die Zustimmung zur Regierung sinkt, und sich der wirtschaftliche Abschwung verschärfen würde. Ein Defizitverfahren würde für Österreich mehr Berichtspflichten in Form von Quartalsberichten zu gesetzten Maßnahmen bedeuten und ermögliche ein Mindest-Sparsoll von 0,5 Prozent des BIP/Jahr (ca. 2,5 Mrd. Euro). Ein Vergleich mit anderen Ländern zeige zudem, dass es keinen Zusammenhang zwischen einem Defizitverfahren und höheren Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen gibt. In Ländern wie Polen oder Frankreich lassen sich höhere Zinsaufschläge durch gestiegene Verteidigungsausgaben bzw. erhöhte politische Instabilität erklären. Über die Empfehlung eines Defizitverfahrens entscheidet die EU-Kommission beim Ecofin-Treffen am 13. Mai – davor muss die Regierung einen mehrjährigen Budgetplan übermitteln. [Quelle: Pressekonferenz wiiw | Grafik: Christoph Hofer – Quelle: Eurostat]

Wirtschaftsleistung im Februar und März geringer. Der unbereinigte wöchentliche Wirtschaftsindikator des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo war im Februar um 0,75 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum. In der ersten Märzhälfte war die Wirtschaftsleistung um 0,25 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum. Das Wifo erwartet im güterproduzierenden Bereich im Februar eine um 5,25 Prozent geringere Wirtschaftsleistung als im Vorjahr, die auch in der ersten Märzhälfte weiter um 3,5 Prozent geschrumpft sein dürfte. [Quelle: Wifo]

Strom- und Gasgroßhandelspreise sinken. Der nahende Sommer sorgt für einen Preisrückgang bei Strom und Gas: Der Strompreisindex auf Monatsbasis sinkt im April 2025 gegenüber dem Vormonat um 29,1 Prozent auf 79,49 Euro pro Megawattstunde. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt er jedoch um 32,9 Prozent höher. Beim Gas sinkt der monatliche Preisindex um 18,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 43,49 Euro/MWh. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt der Index um 56,1 Prozent höher. [Quelle: Austrian Energy Agency

PV-Ausbau 2024 gesunken. Nach acht Jahren des Anstiegs und einem Rekordjahr 2023 ist der Photovoltaik-Ausbau 2024 erstmals wieder gesunken. Nach 2.474 zusätzlichen Mega-Watt (MW) im Jahr 2023 waren es im Vorjahr 2.225 MW, ein Rückgang von 11,1 Prozent. 2.000 Anlagen müssten jährlich gebaut werden, um die Zielvorgaben des ÖNIP zu erreichen. Die Branchenvertretung Photovoltaic Austria sieht aufgrund des Wegfalls der Mehrwertsteuer-Befreiung die Nachfrage im Kleinanlagensegment „sehr deutlich“ sinken. Im Vorjahr wurden 84.000 neue PV-Anlagen installiert, insgesamt gibt es nun 470.000 Anlagen in Österreich, die im Vorjahr 8,3 TWh Strom erzeugten (13 Prozent des Stromverbrauchs). [Quelle: Photovoltaic Austria]  

Weniger Immobilientransaktionen 2024. Im Vorjahr ging die Zahl der Transaktionen von Wohnimmobilien sowie Bauland auf 69.500 zurück, 2023 zählte man 83.000. Die hohen Zinsen für Kredite, die erst im zweiten Halbjahr schrittweise gesenkt wurden, sowie die strengeren Kreditvergaberegeln durch die KIM-Verordnung, die heuer ausläuft, haben die Nachfrage nach Eigentum sinken lassen. Für heuer wird mit einem Aufschwung der Nachfrage gerechnet. [Quelle: WKÖ Immobilienpreisspiegel

Erneuerbaren-Branche drängt auf Investitions-Verordnung. Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) kritisiert die fehlende Investitionszuschüsse-Verordnung zur Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG). Betroffen seien PV-anlagen, Kleinwasserkraftwerke, kleine Windkraftprojekte sowie Strom aus Biomasse durch Kraft-Wärme-Kopplung. Die Verordnung legt die Höhe der Fördersätze und Fördercall-Termine für ein Jahr fest und muss jedes Jahr erneut erlassen werden. „Ohne die Verordnung hängen Projekte in der Luft, weil keine sinnvolle Finanzierung aufgestellt werden kann“, so Martina Prechtl-Grundnig, EEÖ-Geschäftsführerin. [Quelle: EEÖ]

Debatte über e-Treibstoff-Pkw. Die eFuel-Interessensvertretung pocht auf Rechtssicherheit von Seiten der EU-Kommission über die genaue Ausgestaltung des Zieles, dass alle Neuwagen ab 2035 emissionsfrei laufen müssen. Sie kritisieren, dass aktuell nicht absehbar sei, ob Pkw die mit E-Treibstoff betrieben werden, unter die Regelung fallen werden. [Quelle: eFuel-Alliance

Zwei Drittel wünschen sich stärkere EU. Die EU-Bürger wünschen sich eine stärkere Rolle der EU beim Schutz vor globalen Krisen und Sicherheitsrisiken – im Schnitt sind es zwei Drittel, in Schweden fast 90 Prozent, in Rumänien etwas weniger als die Hälfte, in Österreich 56 Prozent. Mit 46 Prozent spricht sich fast die Hälfte der befragten Österreicher dafür aus, dass sich das Europäische Parlament prioritär dem Thema Inflation und Lebenserhaltungskosten widmen soll, danach folgen die Themen Armutsbekämpfung und Migration/Asyl. Ein Drittel der befragten EU-Bürger rechnet in den nächsten 5 Jahren mit sinkenden Lebensstandards, in Österreich sind es 40 Prozent. 74 Prozent der EU-Bürger sehen einen Vorteil in der EU-Mitgliedschaft, der höchste Wert seit 1983. In Österreich sind es knapp zwei Drittel (65 Prozent). [Quelle: Eurobarometer

EU schützt Stahlindustrie stärker. Die EU-Kommission hat die Stahl-Menge, die zollfrei in die EU eingeführt werden darf, weiter eingeschränkt – der Liberalisierungssatz wurde von 1 Prozent auf 0,1 Prozent gesenkt. Außerdem können ungenutzte Kontingente nicht mehr auf andere Länder oder das nächste Quartal übertragen werden. Die Kommission will die Stahlindustrie in Europa damit vor globalen Überkapazitäten schützen und ihr angesichts steigender Exporte aus China sowie den US-Zöllen mehr Luft verschaffen. Die meisten Maßnahmen treten mit 1. April in Kraft und bis 1. Juli alle. [Quelle: EU-Kommission]  

EU-Kommission definiert 47 strategische Rohstoff-Projekte. Die EU-Kommission hat erstmals eine Liste von 47 strategischen Projekten zur Stärkung der europäischen Rohstoffkapazitäten erstellt. Die Projekte sollen von deutlich beschleunigten Genehmigungsverfahren profitieren. Sie befinden sich in 13 EU-Staaten, Österreich ist nicht darunter. Es werden 14 von 17 der durch den Critical Raw Materials Act (CRMA) definierten „strategischen Rohstoffe“ erfasst, darunter u. a. Lithium (22 Projekte), Nickel (12), Grafit (11) Kobalt (10) und Mangan (7), welche für Batteriefertigung essenziell sind. Europa ist derzeit bei vielen der benötigten Rohstoffe von Importen aus Drittländern abhängig. „Wir müssen unsere eigene Produktion steigern, die externe Versorgung diversifizieren und Vorräte anlegen“, so EU-Industrie-Kommissar Stéphane Séjourné. [Quellen: EU-Kommission, interaktive Karte

EU einigt sich auf Führerschein-Reform. In Zukunft werden EU-weit Führerscheine 15 Jahre gültig sein. Ein verpflichtender Gesundheitscheck für ältere Lenker ist in der Entscheidungsgewalt der einzelnen Staaten, erstmals wird es EU-weit eine einheitliche Probezeit von zwei Jahren für Führerscheinneulinge geben. Das haben EU-Kommission, Parlament und die Mitgliedsländer für die Novellierung der Führerschein-Verordnung beschlossen. Das Mindestalter für den Lkw-Führerschein wird von 21 auf 18 Jahre und für den Busführerschein von 24 auf 21 Jahre gesenkt. Das begleitete Fahren von Lkw ab 17 wird ermöglicht. Die Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer reagierte positiv, die Novelle würde wichtige Maßnahmen gegen den Lenkermangel bringen. [Quellen: EU-Kommission, Bundessparte Transport und Verkehr

Bessere Wirtschaftsdaten in Deutschland. Trotz drohendem Handelskrieg mit den USA und nur schwachen Konjunkturprognosen ist der Geschäftsklimaindex für deutsche Betriebe im März auf 86,7 Punkte geklettert, nach 85,3 Zählern im Februar. Das Investitionspaket der im Werden begriffenen neuen Bundesregierung lässt den Ausblick der Unternehmen positiver werden. Indes konnte die Bauwirtschaft im Jänner ein Auftragsplus von 5,2 Prozent zum Vormonat verzeichnen, im Vergleich zum Vorjahresmonat ergab sich ein Plus von 10,3 Prozent. Der Umsatz im Baugewerbe wuchs im Jänner um 13,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 5,7 Mrd. Euro. [Quellen: Ifo-Institut, Statistisches Bundesamt

Indien will Zölle auf US-Importe senken. Indien plant 55 Prozent seiner Zölle zwischen 5 und 30 Prozent auf US-Importe zu senken oder abzuschaffen. Mit der Geste will Neu-Delhi die von US-Präsidenten Trump ab 2. April angekündigten länderspezifischen Zölle abwehren oder wenigstens mindern. [Quelle: Reuters

Selektive Agenda:

Wien: Frühjahrslohnrunde: KV-Verhandlungen Chemische Industrie (1. Runde)

Brüssel: Vizekanzler Babler trifft u.a. die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Ribera sowie den EU-Kommissar für Kultur und Sport Micallef

Brüssel: 30. Jahrestag des Inkrafttretens des Schengener Abkommens

8:00 Uhr, Wien: Sitzung des Ministerrats im Bundeskanzleramt, Pressefoyer um 8:30 Uhr

8:30 Uhr, Wien: Umweltauschuss des Nationalrates im Parlament

9:00 Uhr, Wien: Nationalratssitzung im Parlament [Info], u.a. Dringliche Anfrage der Grünen an Verkehrsminister Hanke bezgl. Lobautunnel

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Nächtigungen Februar 2025 und Soziale Krisenfolgen 4. Quartal 2024

10:00 Uhr, Wien: Parlamentarische Bundesheerkommission präsentiert Jahresbericht 2024

12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert Bilanz zur Reform der Kohäsionspolitik

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Robert Königsberg ist neuer Abteilungsvorstand der Inneren Medizin 2 im Göttlicher Heiland Krankenhaus. Roland Wallner verantwortet ab 1. April die Region Westeuropa bei Alpla, Ronald Tichelaar die Region Asia-Pacific. Erwin Mollnhuber wird Vorstandsmitglied für Vertrieb bei Zurich Österreich. Stephan Sharma und Reinhard Czerny wurden als Vorstände der Energie Burgenland verlängert. Roland Machtlinger wurde als CEO von FACC bis 2030 verlängert.

Sehen & gesehen werden:

Spotted. Bei der Präsentation des neuen Buchs „Allahs mächtige Influencer“ von Stefan Kaltenbrunner und Clemens Neuhold waren unter anderem Rainer Nowak, Erich Vogl, Christian Klar, Susanne Wiesinger, Kenan Güngör, Sascha Flatz und Gerald Karner vor Ort.

ab 9:00 Uhr, Wien: „MIT Europe Conference 2025 – The Future of Manufacturing“ in der WKO [Infos und Anmeldung]

15:00 Uhr, Wien: Vortrag und Diskussion „Stop & Go am Arbeitsmarkt – wie bringen wir Angebot und Nachfrage besser zur Deckung?“ der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG) im Haus der Industrie [Infos und Anmeldung]

17:30 Uhr, Wien: Das Institute for the Danube Region and Central Europe (IDM) lädt zur Podiumsdiskussion „European Security in the New Geopolitical Reality“ mit Paweł Kowal (ehemaliger polnischer Vize-Außenminister), ehemaliger Außenministerin Plassnik [Infos und Anmeldung]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?