Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Regierungsverhandlungen Heute treffen wieder Teams von ÖVP, SPÖ und Neos zu weiteren Verhandlungen zusammen. Medienberichten zufolge sollen die Parteichefs erst wieder am Montag dabei sein. ÖVP-Chef Karl Nehammer gab sich am Rande der ORF-Sendung „Licht ins Dunkel“ am Dienstag zuversichtlich, dass die Verhandlungen im Jänner abgeschlossen werden können. Es seien vor allem Details rund um das Budget im Umfang von 250 Mrd. Euro zu klären. Budgetäre Bewertungen und Berechnungen sind abgeschlossen, wie die APA am Donnerstag meldete. Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, sprach sich in einem Interview mit der APA gegen ein EU-Defizitverfahren aus, das seiner Meinung nach einer Selbstaufgabe gleichkäme. Sparpotenziale sieht er bei Pensionen, Föderalismus, Verwaltung, Bildung und Gesundheit. Laut einer Market-Umfrage im Auftrag des Standard sprechen sich nur 19 Prozent der Österreicher für eine Koalition von ÖVP, SPÖ und Neos aus. Bei Neuwahlen könnte die FPÖ laut der Umfrage 35 Prozent erreichen. [Quelle: APA via Medienberichte; Standard]
Kommentar: Innovationskraft – trotz KI müssen wir „am Werk sein“
von Markus Hengstschläger
Künstliche Intelligenz ist eine enorme Chance für die Wissenschaft, Medizin oder Wirtschaft. Dennoch: Das „am Werk sein“ ist die beste Voraussetzung für kreatives Denken, das Entstehen von Geistesblitzen, das zufällige Treffen auf neue Ansätze im Sinne von Serendipität und das Trainieren von Lösungsbegabung. Es ist daher auch in Zukunft unverzichtbar in Bildung und Ausbildung das Arbeiten am Werk, den Prozess des Entstehens, zu lehren.
Grafik (von Sara Grasel): Die direkten umwelt- bzw. klimapolitischen Förderungen des Bundes haben sich zwischen 2017 und 2024 mehr als verdreifacht. Ein starker Fokus liegt laut Wifo-Institut auf dem Klimaschutz, während Kreislaufwirtschaft und Biodiversität kaum ins Gewicht fallen. Direkte Förderungen sind in Österreich ein wichtiges Instrument der Klima- und Umweltpolitik. Das Wifo hat sich in einer aktuellen Analyse weitere mögliche Instrumente angesehen – darunter erhöhte Parkgebühren für SUV in Paris, ein Flächenhandelssystem, das als Planspiel in Deutschland versucht wurde, oder ein „Negativemissionsfonds“ für Industrien mit nicht-reduzierbaren Emissionen. [Quelle: Wifo]

Höhere Strom- und Gasrechnung. Ein durchschnittlicher Haushalt muss kommendes Jahr mit Mehrkosten für Strom und Gas von bis zu 980 Euro rechnen. Je nach Bundesland fallen die Zusatzkosten sehr unterschiedlich aus. Die Preise steigen durch höhere Gebühren und ausgelaufene staatliche Förderungen. Vor allem der Wegfall der Strompreisbremse dürfte spürbar ausfallen. [Quelle: Durchblicker]
Weniger Startup-Investments. Investments in Startups sind in Österreich erneut zurückgegangen. Die Zahl der Investmentrunden sank um 19 Prozent auf 149 – das Finanzierungsvolumen ging um 17 Prozent auf 578 Mio. Euro zurück. Das ist der niedrigste Wert seit 2020. Keine Runde lag über 100 Mio. Euro – erstmals seit vielen Jahren. [Quelle: EY Startup-Barometer]
Windkraft-Rekord. Der 24. Dezember fiel heuer windig aus und brachte einen Rekord von 79,34 Gigawattstunden Strom aus Windkraft. Am Heiligen Abend wurden damit rein rechnerisch 56,76 Prozent der heimischen Stromversorgung aus Windkraft abgedeckt. Auf das gesamte Jahr gerechnet geht die IG Windkraft von einem Windstrom-Anteil von 16 Prozent aus. [Quelle: IG Windkraft]
Pfandsystem-Investitionen. Mit 1. Jänner startet ein neues Pfandsystem für Dosen und Plastikflaschen. Supermärkte haben für die Umstellung rund 300 Mio. Euro investiert. Kosten verursachten neben neuen Automaten auch Anpassungen bei IT-Systemen und Schulungen von Mitarbeitern. [Quelle: APA via Medienberichte]
Uni-Gehälter steigen. Der Kollektivvertragsabschluss der Universitäten bringt für mehr als 50.000 Mitarbeiter ein Gehaltsplus von 3,8 Prozent mit 1. Februar 2025. Das entspricht der errechneten Teuerung und liegt etwas über dem Abschluss der Beamten mit 3,5 Prozent. [Quelle: ULV]
Russisches Gas. Russlands Präsident Wladimir Putin stellte gestern klar, dass es heuer kein neues Gastransit-Abkommen mit der Ukraine geben wird. Das sei zeitlich nicht mehr möglich. Über die Leitungen durch die Ukraine fließt russisches Gas in die Slowakei, nach Tschechien und Österreich. Die Gasexporte Russlands nach Europa sind nach russischen Angaben 2024 im Jahresvergleich um bis zu 20 Prozent gestiegen. [Quelle: TASS; Interfax]
„Besorgniserregende“ wirtschaftliche Lage. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine jährliche Umfrage unter den großen Branchenverbänden Deutschlands veröffentlicht: 31 von 49 Verbände bewerten die wirtschaftliche Lage ihrer Branche schlechter als vor einem Jahr. Besser schätzten die Lage lediglich die Bereiche Entsorgung, Versicherungen, Messen und Immobilien ein. 20 Verbände erwarten 2025 einen Produktionsrückgang in ihrer Branche, 16 rechnen mit einer Steigerung. 25 Verbände rechnen mit einem Stellenabbau. „Selten war die aktuelle wirtschaftliche Lage so besorgniserregend. Aus den vergangenen 100 Jahren kennen wir etliche Krisen, aber keine war so vielschichtig mit so vielen Ursachen wie die, in der wir jetzt stecken“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. [Quelle: IW]
Mittelstand ohne Nachfolge. In Deutschland sind 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen „reif für die Übergabe“, gehören also mindestens einem Inhaber, der älter ist als 60 Jahre. 145.000 Unternehmen sind einer Studie zufolge betroffen – insbesondere im Dienstleistungs-, Handels- und verarbeitendem Gewerbe. Laut Creditreform ist die Nachfolgesuche aufgrund von Demografie, Fachkräftemangel und sinkender Risikobereitschaft schwierig. [Quelle: Creditreform]
Chinas Wirtschaft. Die Weltbank hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in China für kommendes Jahr von 4,1 Prozent auf 4,5 Prozent angehoben. Für 2024 rechnet die Weltbank mit + 4,9 Prozent. Grund für den Optimismus seien die Exporte und staatliche Konjunkturmaßnahmen. Im November sind zudem die Industriegewinne in China weniger stark zurückgegangen. Sie sanken im Jahresabstand um 7,3 Prozent (Oktober: –10 Prozent). [Quelle: Weltbank; NBS]
„Schattenflotte“. Am Mittwoch kam es in der Ostsee zu einer Störung eines Stromkabels. Die Stromversorgung in Finnland ist laut Berichten derzeit stabil – die Stromverbindung nach Estland wurde durch die Störung unterbrochen. Derzeit wird untersucht, wie es zu dem Schaden kommen konnte. In diesem Zusammenhang wurde das Frachtschiff „Eagle S“ von Finnland festgesetzt. Es fährt unter der Flagge der Cookinseln, wird aber verdächtigt zur russischen „Schattenflotte“ zu gehören. Die EU-Kommission drohte am Donnerstag mit weiteren Sanktionen gegen diese Flotte, die Sanktionen gegen Russland umgehen soll. [Quelle: Medienberichte; EU-Kommission]
Selektives Networking:
Geburtstage: Wir gratulieren Hans Jörg Schelling und Dominik Wlazny zum Geburtstag! Am 28. Dezember haben Gerd Kühr und Oliver Polzer Geburtstag.
Heute, ab 9:00 Uhr, Wien: Die Sternsinger besuchen Kardinal Christoph Schönborn im Erzbischöflichen Palais.