Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Zweijahresabschluss im Metallgewerbe. Für die 120.000 Arbeiter im Metallgewerbe steigen die KV-Löhne ab 1.1.2026 um 2,2 % und die Ist-Löhne um 1,8 % (gedeckelt bei 85 Euro pro Monat). Mit 1.1.2027 werden die KV-Löhne dann um 2,2 % und die Ist-Löhne um 1,8 % angehoben. Die Einkommen der 19.000 Lehrlinge steigen in beiden Jahren um 2 %. Der Einstiegslohn nach abgeschlossener Lehre steigt mit 1.1.2027 auf mindestens 3.000 Euro. Die den Verhandlungen zugrunde liegende Inflationsrate betrug 2,82 %. In der Sicherheitsbranche konnte in der 1. KV-Verhandlungsrunde hingegen noch keine Einigung erzielt werden, am 11.11. soll weiterverhandelt werden. [Quellen: WKÖ, PRO-GE, ÖGB]
Kommentar: Land am Strome – Vom Ausbau zur Unabhängigkeit
von Barbara Schmidt
Bis 2040 soll der heimische Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Daran arbeiten die Unternehmen der Energiewirtschaft mit Hochdruck. Was noch fehlt, ist das rot-weiß-rote Mindset für den Umbau des Energiesystems, in dem die Kosten als Investitionen in unsere resiliente Zukunft und die Projekte weniger als Störung des Landschaftsbildes, sondern als Zeichen der Souveränität gesehen werden.
💡 Österreicher wandern aus, (EU-)Ausländer ein. Seit 2001 haben netto rund 129.000 Österreicher ihre Heimat verlassen. Im gleichen Zeitraum wanderten netto rund 600.000 Personen aus dem EU-EFTA-Raum und dem Vereinigten Königreich nach Österreich ein. Aus Drittstaaten verzeichnete Österreich eine Nettozuwanderung von etwa 674.000 Menschen. Besonders stark nahm der Zuzug aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak ab 2015 zu, während ab 2022 verstärkt Menschen aus der Ukraine einwanderten. Anfang 2025 lebten 2,085 Mio. Menschen mit ausländischem Geburtsort in Österreich, was 22,7 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Am größten ist der Anteil mit 40,9 % in Wien, am niedrigsten im Burgenland (13,7 %). [Quellen: ÖIF, Statistik Austria | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Bundesländer wollen mehr Schulden machen. Ländervertreter forderten auf der Landesfinanzreferentenkonferenz, zukünftig mehr Schulden machen zu dürfen. Die Bundesregierung möchte im Rahmen der Verhandlungen zum Stabilitätspakt die Schuldengrenze der Bundesländer herabsetzen. Derzeit trägt der Bund 78 % des Gesamtdefizits, Länder und Gemeinden 22 %. Der Bund will das Verhältnis auf 90-10 auf Kosten der Länder und Gemeinden abändern, während letztere das Verhältnis 68-32 fordern. „Es werden von den Ländern und Gemeinden viele Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger erbracht, die im aktuellen Verteilungsschlüssel des Stabilitätspaktes nicht berücksichtigt sind. Diese Schieflage gilt es nun zu korrigieren“, so der steirische Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer. [Quellen: ORF Steiermark, Land Steiermark]
🇦🇹 Forderung nach Verlängerung der Überstundenregelung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer spricht sich dafür aus, die aktuelle Regelung bezüglich der Freibeträge für Überstundenzuschläge zu verlängern. Derzeit sind die ersten 18 Überstunden pro Monat bis zu einer Grenze von 200 Euro lohnsteuerfrei; ab 2026 sinkt die Freibetragsgrenze auf 10 Stunden bzw. 120 Euro. „Wer mehr arbeitet, soll auch mehr davon haben“, fordert Hattmannsdorfer. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti schließt sich der Forderung an. Auch der steirische SPÖ-Vorsitzende Max Lercher spricht sich gegenüber der Kronen Zeitung dafür aus: „Das Budget darf nicht auf dem Rücken der Fleißigen saniert werden“. Das Finanzministerium hält gegenüber der Krone jedoch fest, dass eine Absenkung der Freibetragsgrenze im Regierungsprogramm festgehalten sei und diese daher 2026 auch umgesetzt werden wird. [Quelle: Kronen Zeitung]
🇦🇹 IV erneuert Forderung nach „industriellen Kooperationen“. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sprach sich erneut dafür aus, dass Österreich bei militärischen Beschaffungen auch Gegengeschäfte bzw. „industrielle Kooperationen“ eingeht. Diese seien europaweit üblich und Österreich wäre das einzige Land, dass dieses Potenzial nicht ausschöpft. Bei der Beschaffung der neuen Transportmaschinen für das Bundesheer seien so Kooperationsgeschäfte im Wert von „hunderten Millionen Euro“ entfallen. In der ZIB2 bekräftigte IV-Vizegeneralsekretär Peter Koren den Wunsch, dass der rechtliche Rahmen in Zukunft so gestaltet sein solle, „dass es in der notwendigen Zeit möglich ist, einen Bescheid zu erlassen, ist der Export in ein Land möglich oder eben nicht möglich.“ Die kommende Beschaffung von neuen Trainingsflugzeugen sieht Neumayer als „Lackmus-Test“. [Quellen: APA via Medienberichte, ZIB2 | Selektiv-Kommentar: Die Neutralität – Knien vor einem Mythos]
🇪🇺 EU-Gipfel spricht sich für eine Fortsetzung der Ukraine-Hilfen aus. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben die Kommission aufgefordert, einen Finanzplan für die kommenden 2 Jahre zu erarbeiten, um die Ukraine zu unterstützen. Die Ukraine soll über die notwendigen budgetären und militärischen Mittel verfügen, um ihr Recht auf Selbstverteidigung auszuüben, so das Ziel. EU-Ratspräsident António Costa erklärte, dass nun die technischen, rechtlichen und finanziellen Schritte bis Dezember geklärt werden müssen. [Quellen: Europäischer Rat, PK Antonio Costa | Grafik: Europa schultert Gros der Ukraine-Hilfe]
🇪🇺 Verwirrung um Einigung auf Mercosur-Abkommen. Nachdem der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Einigung der 27 EU-Mitgliedstaaten zum Mercosur-Freihandelsabkommen verkündet hatte, ruderten der franz. Präsident Emmanuel Macron und EU-Ratspräsident Antonio Costa zurück. Merz sagte nach dem EU-Gipfel: „Alle 27 haben zugestimmt, dass die ständigen Vertreter dann unterzeichnen können. Insofern ist das hier ein klares Mandat. Es gibt aus den Mitgliedstaaten jetzt keine Vorbehalte mehr. Das ist erledigt, das ist durch.“ EU-Außenbeauftrage Kaja Kallas sprach zuerst ebenfalls von einem „Mandat“ für das Mercosur-Abkommen, korrigierte sich aber darauf, dass der Prozess noch nicht abgeschlossen sei. Bundeskanzler Christian Stocker hielt fest, dass er bei einer Abstimmung durch einen Parlamentsbeschluss an ein „Nein“ gebunden wäre. Die Neos sprachen sich erneut für das Mercosur-Abkommen aus. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger will beim EU-Lateinamerika-Gipfel (9.-10. November) „die Zeit nutzen, um rot-weiß-rote Unternehmen stärker in diesen Märkten zu positionieren“. [Quellen: Pressekonferenz Merz, Euractiv, ZDF, Meinl-Reisinger auf X, Neos I, Neos II | Grafik: Welches Bundesland am meisten von Mercosur profitieren würde]
🇪🇺 EU-Kommission mit neuem Plan für kritische Rohstoffe. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat nach dem Vorbild des „REPowerEU“-Plans die Initiative „RESourceEU“ vorgestellt, mit der „der europäischen Industrie kurz-, mittel- und langfristig der Zugang zu alternativen Quellen für kritische Rohstoffe“ gesichert werden soll. Die Kreislaufwirtschaft soll „nicht aus ökologischen Gründen, sondern um kritische Rohstoffe aus Produkten zu nutzen, die bereits in Europa im Umlauf sind“ vorangetrieben werden. Weiters soll die Zusammenarbeit mit der Ukraine, Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan, Chile und Grönland intensiviert werden. Die EU habe ihre Abhängigkeit in Energiefragen „schmerzlich lernen“ müssen – „wir werden bei den kritischen Rohstoffen nicht den gleichen Fehler machen“, versprach von der Leyen. [Quelle: EU-Kommission]
🇩🇪 Deutsche Wirtschaft mit stärkstem Zuwachs in 2 Jahren. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global stieg im Oktober auf 53,8 Punkte, den höchsten Stand seit Mai 2023. Treiber war vor allem der Dienstleistungssektor, während das Verarbeitende Gewerbe weiterhin unter der Wachstumsschwelle blieb und Stellenabbau und Lieferengpässe verzeichnet. Auch das Gesamtwachstum der Eurozone stieg zu Beginn des 4. Quartals auf 52,2 Punkte. Gleichzeitig bremst die anhaltende Abwärtstrend in Frankreich die Erholung im Euroraum. Die Industrie stagniert seit einem halben Jahr, und die marginale Verbesserung lässt kaum Hoffnung auf eine Wende aufkommen, so Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. [Quellen: PMI Deutschland, PMI Eurozone]
🇫🇷 Ausblick für Frankreich auf „negativ“ gesenkt. Die Ratingagentur Moody’s hat das Aa3 Rating für Frankreich zwar beibehalten, den Ausblick jedoch von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Moody’s geht davon aus, dass „die Fragmentierung der politischen Landschaft des Landes weiterhin die Funktionsfähigkeit der französischen Gesetzgebungsorgane beeinträchtigen wird“. Im andauernden Haushaltsstreit forderten die französischen Sozialisten die Einführung von Steuern auf „Ultrareiche“ und Digitalkonzerne sowie auf große Erbschaften. Francois Villeroy de Galhau, Chef der französischen Nationalbank, sieht das Land „nicht vom Bankrott bedroht, sondern von einer schleichenden Erstickung“. Immer höhere Zinszahlungen – die von 30 auf 100 Mrd. Euro pro Jahr ansteigen sollen – würden den Gestaltungsrahmen schmälern und Investitionen in den ökologischen Wandel oder in Verteidigung erschweren. [Quellen: Moody’s, Le Monde, La Croix]
🇺🇸 US-Wirtschaft wächst auch im 4. Quartal. Die US-Wirtschaft ist im Oktober weiter gewachsen, der Einkaufsmanagerindex von S&P Global stieg um 0,9 Punkte auf 54,8 Zähler. „Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor hat die Geschäftstätigkeit zu Beginn des 4. Quartals an Dynamik gewonnen. Die Daten stehen im Einklang mit einem Jahreswirtschaftswachstum von 2,5 %“, so S&P-Global Ökonom Chris Williamson. Die Inflation fiel im September mit 3,0 % im Jahres- und 0,3 % im Monatsabstand geringer als erwartet aus. Laut der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wird für Oktober keine offizielle Inflationsberechnung erfolgen können, da die Bundesverwaltung weiterhin stillsteht. Der aktuelle „Government Shutdown“ ist mit 27 Tagen bereits der zweitlängste der US-Geschichte. Die Ratingagentur Scope hat den Ausblick für die USA von „negativ“ auf „stabil“ verbessert, das Kreditrating jedoch von AA auf AA- herabgestuft. [Quellen: S&P Global, Bureau of Labor Statistics, Karoline Leavitt auf X, Reuters, Scope]
🇺🇸 🇨🇳 Einigung im US-China-Zollstreit in Sicht. Im Vorfeld des für Donnerstag geplanten Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping bahnt sich eine Einigung im Zollstreit an. „Ich denke, wir haben einen erfolgversprechenden Rahmen für das Gespräch der Präsidenten am Donnerstag gefunden“, so US-Finanzminister Scott Bessent. „Ich denke, wir werden einen Deal mit China haben“, so US-Präsident Trump selbst. Die zusätzlichen Zölle in Höhe von 100 %, die US-Präsident Trump als Reaktion auf die chinesischen Ausfuhrbeschränkungen von seltenen Erden ausgerufen hatte, wären mit 1. November in Kraft getreten und sollen mit der Einigung nun fallen. Finanzminister Bessent erwartet im Gegenzug von China, von diesen Exportbeschränkungen abzusehen. Die USA schlossen darüber hinaus gestern mit Kambodscha und Malaysia Handelsverträge ab, auch mit Brasilien soll laut Präsident Lula da Silva rasch eine Lösung gefunden werden. [Quellen: Reuters, White House Factsheet, Lula auf X]
Selektive Agenda:
Heute, Österreichweit: Beginn der Herbstferien (bis 31.10.)
Heute, Vaduz, Liechtenstein: Justizministerin Sporrer nimmt am Treffen der deutschsprachigen Justizministerinnen und Justizminister teil. [Info]
Heute, Helsinki, Finnland: Innenminister Karner trifft finnische Amtskollegin Rantanen
Heute, Luxemburg: EU-Rat „Landwirtschaft und Fischerei“ (auch 28.10.) [Info]
10:00 Uhr, Frankfurt: Europäische Zentralbank gibt Kreditvergabe in der Eurozone sowie Geldmenge M3 im September bekannt [Info]
10:00 Uhr, München: Ifo-Institut gibt Geschäftsklimaindex für Oktober bekannt [Info]
Wochenvorschau:
Am heutigen Montag beginnen österreichweit die Herbstferien. Justizministerin Anna Sporrer trifft ihre deutschsprachigen Amtskollegen in Vaduz. Beim EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei sollen die Fangmöglichkeiten in der Ostsee für 2026 ausgelotet sowie die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027 besprochen werden.
Am Dienstag wird der EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei in Luxemburg fortgesetzt und SPÖ-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig nimmt in Kopenhagen an der 75. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa teil.
Am Mittwoch veröffentlicht Statistik Austria Frühschätzungen zu Industrie und Bau sowie Ankünfte und Nächtigungen im September. Die Bank Austria gibt die Entwicklung des Einkaufsmanagerindex im Oktober bekannt. Trotz der Unsicherheiten aufgrund des weiterhin andauernden „Government Shutdown“ wird die US-Notenbank Federal Reserve aller Erwartung nach die Leitzinsen senken. Die Entscheidung wird um 19:00 Uhr bekanntgegeben, die Pressekonferenz mit Fed-Präsident Jerome Powell findet um 20:30 Uhr statt.
Die Europäische Zentralbank tritt dann am Donnerstag zu einer zinspolitischen Sitzung zusammen. Das Ergebnis wird um 14:15 Uhr verkündet, es wird jedoch keine weitere Senkung der Leitzinsen erwartet. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Entwicklung des deutschen BIP im 3. Quartal sowie eine Schnellschätzung zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Oktober. Eurostat liefert dann die Entwicklung des BIP in EU und Eurozone für das 3. Quartal. Mit Spannung erwartet wird das Gipfeltreffen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump – hier könnte es zu einer Einigung im Zoll-Streit kommen.
Am Freitag veröffentlicht Statistik Austria um 9 Uhr die Schnellschätzung des Verbraucherpreisindex im Oktober, von Eurostat folgen um 11 Uhr die Schätzungen für die Eurozone. Die Banken feiern am Freitag den 100. Weltspartag.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat drei Hauptabteilungen neu besetzt: Gabriela de Raaij wird Direktorin der Hauptabteilung Europäische Großbanken- und IT-Aufsicht, Regina Fuchs Direktorin der Hauptabteilung Statistik und Wolf Heinrich Reuter Direktor der Hauptabteilung Volkswirtschaft. Dieter Dehoorne wird neuer Audi Beschaffungsvorstand. Anthony Grünsteidl ist neuer Generalsekretär der Jungen ÖVP.
Geburtstage: Wir gratulieren Waltraud Klasnic zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
19:00 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion von Unique Relations „Sichtbar. Sicher. Selbstbestimmt – Frauen im Fokus“ mit Eva-Maria Holzleitner, Karin Zipperer, Michaela Fritz und Doris Wendler im Ringturm