Morning in Brief ・ 28.08.2025

Morning in Brief, 28. August 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Erholung der Industrie nimmt Fahrt auf. Der Bank Austria Einkaufsmanagerindex steigt im August um 0,9 Zähler auf 49,1 Punkte – der höchste Stand seit 3 Jahren. Österreich profitiert von „kräftigem Rückenwind“ aus der Eurozone und aus Deutschland. Die Produktion wurde ausgeweitet – jedoch nur durch die Aufarbeitung von Auftragsrückständen, das Neugeschäft war weiterhin rückläufig. Die Ertragslage der heimischen Betriebe wird durch den starken Kostenanstieg weiter belastet, auch der Beschäftigtenabbau hält trotz fortgesetzter Bemühungen um eine Verbesserung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit weiter an. Die heimische Industrie dürfte nach 2 Rezessionsjahren dennoch wieder „in Schwung kommen“, das Jahr 2025 könnte mit einem realen Produktionsplus von 1,5 % abgeschlossen werden. [Quelle: Bank Austria]

Verpflichtende Sommerschule kostet 10 Mio. Euro
Interview mit Christoph Wiederkehr

Ab kommendem Jahr soll die Sommerschule für Schüler mit Defiziten in Deutsch und Mathe verpflichtend werden. Bildungsminister Christoph Wiederkehr rechnet damit, dass sich die Zahl der Sommerschüler dadurch verdoppeln wird. Budgetiert sind dafür „10 Millionen Euro extra“. Für die AHS-Oberstufe werden derzeit die Lehrpläne überarbeitet – mehr Demokratiebildung, Medienbildung sowie Wirtschaftsbildung. Um dafür Raum zu schaffen, sollen andere Themen reduziert werden: „Nicht immer nur on top – modernisieren heißt auch, Sachen loszulassen“, so Wiederkehr.

Grafik (von Christoph Hofer): Im Q1 2025 wurden rund 790.000 m² (Netto-)Wohnnutzfläche in neuen Wohngebäuden bewilligt – ein Anstieg von 9,5 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Gegenüber Q1 2022 zeigt sich jedoch ein Rückgang von 45,4 %. Im Gesamtjahr 2024 wurde zuletzt ein historischer Tiefstwert an bewilligter Wohnfläche verzeichnet. Ursachen sind die steigenden Zinsen nach der EZB-Zinswende Mitte 2022 sowie gestiegene Baukosten, die die Wohnbautätigkeit gedämpft haben. In den kommenden Jahren sei deswegen mit einem deutlichen Rückgang neuer Wohnungen auf dem Markt zu rechnen, bei gleichzeitig steigender Bevölkerungszahl. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Hattmansdorfer fordert „Plan B“ für Schwerindustrie. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer verteidigt den EU-USA-Handelsdeal zwar als „notwendig“, fordert aber „endlich eine Lösung in den offenen Zollfragen der Stahl- und Aluminiumindustrie“ – ansonsten brauche es einen „Plan B, einen Schutzschirm für die Schwerindustrie.“ Die EU müsse selbstbewusster auftreten und die Kommission bei den offenen Fragen rasch handeln. Laut einem Bloomberg Bericht plant die EU-Kommission noch diese Woche Gesetzgebung zur Abschaffung aller Zölle auf US-Industriegüter auf den Weg zu bringen. Dies sei nötig, um die US-Zölle auf EU-Autos rückdatiert mit 1. August auf 15 % zu senken. Auf die Durchführung einer Folgenabschätzung – das in solchen Situationen übliche Verfahren – soll aufgrund des Zeitdruckes verzichtet werden. [Quellen: APA via Medienberichte, Bloomberg]

🇦🇹 ÖVP bestätigt: Mietpreisbremse „abgesprochen“. Der Vorstoß von SPÖ-Chef Andreas Babler, eine Mietpreisbremse auch im frei finanzierten Bereich bereits im Jahr 2026 umzusetzen, ist mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) abgesprochen. Das bestätigte eine Sprecherin der APA, dass es bereits „Anfang 2026“ so weit sein könnte jedoch nicht. Nach dem ORF-Sommergespräch hatte ÖVP-Wohnbausprecher Norbert Sieber zuerst ablehnend reagiert, diese Maßnahme wäre noch „nicht akkordiert“ gewesen. [Quellen: APA via Medienberichte, Babler im ORF-Sommergespräch, Sieber im Standard]

🇦🇹 IV warnt vor Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Zwischen 2011 und 2023 sind 170.000 Fachkräfte – darunter viele aus wohlhabenden EU- und OECD-Staaten – wieder aus Österreich ausgewandert. Es handle sich dabei um kein Integrationsproblem, sondern um den Ausdruck struktureller Standortnachteile, so IV-Präsident Georg Knill. Hochqualifizierte Österreicher würden das Land überproportional häufig wieder verlassen, während weniger gut integrierte Menschen länger in Österreich blieben. Knill fordert eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie eine Beschleunigung und Vereinfachung der Verfahren für die Rot-Weiß-Rot-Karte, um international qualifizierte Arbeitskräfte länger im Land halten zu können. [Quelle: Industriellenvereinigung]

🇦🇹 Nächtigungsrekord für bisherige Sommersaison. Mit 40,55 Mio. Nächtigungen hat der Fremdenverkehr in Österreich in den ersten 3 Monaten der Sommersaison von Mai bis Juli einen neuen Rekord verbucht. Auch die Zahl der Ankünfte stieg mit 13,4 Mio. Gästen auf einen neuen Rekordwert. In Niederösterreich (-1,5 %), Kärnten (-0,6 %), Oberösterreich (-0,5 %) und der Steiermark (-0,3 %) gab es in der bisherigen Sommersaison jedoch ein Übernachtungs-Minus. Im verregneten Juli gab es im Jahresvergleich ein Minus von 1,3 %. Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner kündigte an, Österreich stärker als Ganzjahresdestination positionieren zu wollen. Ihre Vorgängerin Susanne Kraus-Winkler, jetzt wieder Bundesspartenobfrau in der WKÖ, verlangte in einer Reaktion weniger bürokratische Belastungen für Tourismusbetriebe. [Quelle: Statistik Austria, Reaktion Zehetner, Reaktion Kraus-Winkler]

🇦🇹 Österreich profitiert zu 60 % von Bundesheer-Investitionen. Von den seit 2020 vom Bundesheer investierten 24,8 Mrd. Euro sind rund 60 % im Inland verblieben. Insbesondere bei Investitionen in neue Infrastruktur profitiert die heimische Wertschöpfung (99 %). Am geringsten fällt der Anteil der heimischen Wertschöpfung bei der Munitionsproduktion aus (30 %). Das Bundesheer kann somit in besonderer Weise zur Wirtschaftsbelebung in herausfordernden Zeiten beitragen, so Verteidigungsministerin Tanner. Eine Taskforce lotet derzeit die Potenziale für Industriekooperationen aus. Ein großes Beschaffungsprojekt in dieser Legislaturperiode stellt die Nachfolgelösung der Eurofighter dar, hier verspricht Tanner eine transparente und rasche Umsetzung. [Quelle: Pressekonferenz, Tanner auf X]

🇪🇺 EU-Automobilherstellerverbände fordern Kurskorrektur bei CO2-Zielen. Die Präsidenten der beiden großen Automobilherstellerverbände ACEA und CLEPA fordern in einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Überdenken der strikten CO2-Ziele für die Jahre 2030 und 2035. Diese seien „nicht mehr machbar“. Man sei gewillt, die Netto-Null-Emissionen bis ins Jahr 2050 zu erreichen und will mehr als 250 Mrd. Euro in die grüne Wende investieren, jedoch fehle ein ganzheitlicher und pragmatischer Plan für die Transformation der Autoindustrie. Europa sei fast vollständig von Batterie- und Akkutechnologie aus Asien abhängig und auch die Ladeinfrastruktur sei nicht flächendeckend ausgebaut. ACEA und CLEPA fordern Technologieneutralität sowie Flexibilität bei den CO2-Zielen für Pkw sowie Lkw. Am 12. September findet das nächste Treffen im Rahmen des „Strategischen Dialogs“ zwischen EU-Kommission und Autoherstellern statt, bei dem die Forderungen behandelt werden sollen. [Quelle: ACEA]

🇩🇪 Bundesbank-Vorstandsmitglied: Deutschland muss Schuldenquote reduzieren. Michael Theurer, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, bereiten die hohen staatlichen Schuldenquoten Sorgen. Zweifel darüber, ob ein Staat seine Schulden bedienen kann, würden zu Marktturbulenzen und Staatsschuldenkrisen führen. Weiters würden hohe Staatsschulden den staatlichen Spielraum einschränken und das Finanzsystem unter Stress geraten. Deutschland würde zwar seinen Ruf als „sicherer Hafen“ noch nicht verlieren, aber steigende Zinszahlungen den fiskalischen Spielraum „erheblich einengen“ – denn die Schuldenquote würde auf absehbare Zeit weiter steigen. Daher ist es für Theurer wichtig, dass Deutschland „die hohen Defizite wieder verlässlich zurückführt“. [Quelle: Theurer im Handelsblatt]

🇩🇪 Deutsche Konsumstimmung sinkt zum 3. Mal in Folge. Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im August erneut abgeschwächt, der Konsumklima-Indikator sinkt im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Zähler auf -23,6 Punkte. Die geopolitische Lage, Inflationsängste sowie die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz führen zu Verunsicherung bei den Konsumenten. Auch die Einkommensaussichten sind im August erstmals wieder gesunken, der entsprechende Indikator verliert 11,1 Zähler und liegt mit 4,1 Punkten am niedrigsten Stand seit März 2025. „Eine zunehmende Angst vor Jobverlust sorgt dafür, dass viele Konsumenten gerade mit größeren Anschaffungen weiterhin vorsichtig bleiben“, so NIM-Ökonom Rolf Bürkl. [Quelle: NIM]

🇩🇪 Deutsche Wettbewerbsfähigkeit leidet unter hohen Arbeitskosten. Im Jahr 2024 lagen die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie laut einer IW-Köln-Studie 22 % über dem Schnitt von 27 Industriestaaten. „Der Fachkräftemangel treibt die Löhne weiter nach oben, die Kosten am Standort Deutschland dürften in den kommenden Jahren weiter steigen“, so IW-Ökonom Christoph Schröder. Derzeit bauen deutsche Unternehmen Arbeitsplätze ab, in allen zentralen Industriebranchen gab es im August mehr Entlassungen als Neueinstellungen. Deutsche Unternehmen empfinden den US-EU-Handelsdeal auch überwiegend als Belastung und wollen sich daher auf den EU-Binnenmarkt umorientieren. Hierzu müsse die EU aber „überbordende Bürokratie etwa in Form von Berichtspflichten abbauen, um die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Binnenmarkts zu stärken“, mahnt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. [Quellen: IW Köln: Aussendung, Studie; Ifo-Institut, DIHK]

🇮🇳 Verdoppelte US-Zölle auf indische Importe in Kraft. Die von 25 % auf 50 % verdoppelten US-Zölle gegen Indien sind gestern in Kraft getreten. US-Präsident Trump begründet die Strafzölle damit, dass Indien weiterhin russisches Öl beziehe und somit den Krieg gegen die Ukraine finanziere. Einige Produktgruppen wie pharmazeutische Erzeugnisse oder auch Smartphones sind von den Zöllen ausgenommen – bis zu 55 % der indischen Exporte in die USA könnten von den Strafzöllen betroffen sein. Sollte es zu keiner Einigung zwischen den USA und Indien kommen und die hohen Zölle über einen längeren Zeitraum in Kraft bleiben, könnten bis zu 2 Mio. indische Arbeitsplätze gefährdet sein, so Ökonom Sujan Hajra zu Reuters. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Kopenhagen: Interparlamentarische Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der EU (letzter Tag)

Heute, Kopenhagen: Informeller Rat der EU-Verteidigungsminister (bis 29.8.)

6:00 Uhr, Brüssel: Europäischer Autohersteller-Verband ACEA veröffentlicht Pkw-Neuzulassungen für Juli

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone im August

14:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht seinen „Konjunkturtest“

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Armin Weger folgt Wolfgang Neussner als CEO der Leder & Schuh AG. Schindler Österreich besetzt drei Führungspositionen neu: Gottfried Jung wird New Installation Director, Thomas Javornik wird Existing Installation & Modernization Director und Jeannine Graf wird Field Operations Director. Sonja Hammerschmid wird Aufsichtsrätin im Bundesrechenzentrum.

Geburtstage: Wir gratulieren Michael Strugl und Peter Assmann zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Spotted. Gestern Abend lud die Industriellenvereinigung im Rahmen des Forums Alpbach zum „Café Industrie goes Alpbach“ in den Böglerhof. Gesehen wurden neben den Gastgebern Georg Knill, Sabine Herlitschka und Christoph Neumayer u. a. Othmar Karas, Florian Tursky, Magnus Brunner, Hermann Hauser, Christoph Knogler, Claudia Plakolm, Florian Gross, Holger Bonin, Dominik Futschik, Corinna Milborn, Gerad Holzinger-Burgstaller, Dejan Jovicevic, Antonella Mei-Pochtler, Ulrich Streibl, Lukas Unger, Esther Mitterstieler, Harald Pfannhauser und Patricia Neumann.


9:00 Uhr, Alpbach: Wanderung mit Holger Bonin zum Thema „Das alternde Europa: Kann es sich Europa leisten, alt zu werden?“ im Rahmen des Forums Alpbach [Info]

10:30 Uhr, Alpbach: Diskussion führender Zentralbanker zu „Die Zukunft der Geldpolitik und Finanzmärkte in Europa“ im Rahmen des Forums Alpbach mit Axel van Trotsenburg, Robert Holzmann, Klaas Knot, Irena Radović, Fritzi Köhler-Geib, Clara Raposo [Info]

17:00 Uhr, Alpbach: Diskussion „Haushalt im Gleichgewicht: Kann sich Europa seine Zukunft leisten?“ im Rahmen des Forums Alpbach mit Axel van Trotsenburg, Gerda Holzinger-Burgstaller, Maria Luís Albuquerque und Damita Pressl (Moderation) [Info]

18:00 Uhr, Wien: Notte Italiana – Aperitivo & Amore im Landtmann Schanigarten [Info]

19:00 Uhr, Wien: Afterwork im „Organics Sky Garden“ [Info]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?