Morning in Brief ・ 28.11.2025

Morning in Brief, 28. November 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 WKÖ-Reform passiert Wirtschaftsparlament. Interimspräsidentin Martha Schultz will das „ramponierte“ öffentliche Bild der Wirtschaftskammer korrigieren. Ein von allen Fraktionen beschlossenes Reformpaket sieht die Einrichtung einer Gruppe vor, die Aufgaben-, Struktur-, Wahlrechts- und Transparenzreformen sowie eine Finanzierungsreform erarbeiten soll. Ein Zwischenbericht ist für das 1. Halbjahr 2026 geplant. „Keine Revolution, aber eine Reform“, so Schultz. Die WKÖ soll „moderner, effizienter und kostengünstiger“ werden – die geschaffenen Spielräume sollen direkt an die Mitglieder fließen. Dringlichkeitsanfragen zur Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft und der Kammerumlage 2 wurden abgelehnt. Der Budgetvoranschlag 2026 sieht Einnahmen von insgesamt 327,2 Mio. Euro und Ausgaben von 332,6 Mio. Euro vor. Die WKÖ rechnet für 2026 mit stabilen Kammerumlagen – 100 Mio. Euro aus der von der Vorsteuer abhängigen Kammerumlage 1 und 159 Mio. Euro aus der Kammerumlage 2. [Quellen: Rede Martha Schultz, WKÖ, ZIB2 | Grafik: Wachstum der Kammerumlagen in der WKÖ]

Kommentar: Mehr Staatskonsum bringt weniger Wohlstand und spaltet die Gesellschaft
von Martin Rhonheimer

Martin Rhonheimer Illustration

Der Staat kann gut verwalten, wenn er das im Rahmen des Gesetzes tut. Aber er schafft nichts wirklich Neues – nicht das Neue, das Wohlstand schafft und erhält. Maßt er sich hingegen an, das zu können, dann wird er das Gegenteil bewirken. Deshalb ist der Politik zu raten: Hände weg von der Wirtschaft! Der Staat soll sie nicht „ankurbeln“, sondern vielmehr von ihren Fesseln befreien, die er ihr immer wieder anlegt. Dann wird auch wieder investiert und Wachstum erzeugt werden und damit der Wohlstand wachsen. Die Reichen und Superreichen werden allerdings bleiben, ja vielleicht sogar mehr und reicher werden. Solange wir nicht komplett verdummen, werden wir nicht übersehen, dass das nicht zu unserem Nachteil geschieht.

💡 Österreich schert bei Pensionsantrittsalter aus. Während Österreich derzeit keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters plant, wird dieses in den meisten EU-Ländern weiter ansteigen. Für Personen, die 2024 neu in den Arbeitsmarkt eintreten, liegt das reguläre Pensionsalter im EU-Schnitt bei 66,7 Jahren – ein Anstieg um 2 Jahre gegenüber den aktuellen 64,7 Jahren. Den mit Abstand stärksten Anstieg verzeichnet Dänemark: Dort wird das Alter für den sanktionsfreien Pensionsantritt planmäßig von derzeit 67 auf künftig 74 Jahre steigen – ein Plus von 7 Jahren. [Quelle: OECD | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Hohe Ausgaben und frühes Pensionsalter. Österreichs öffentliche Pensionsausgaben lagen 2024 bei 14 % des BIP und damit an 3. Stelle unter den OECD-Ländern. In Deutschland waren es 10,8 % in der Schweiz 6,8 % und der OECD-Durchschnitt lag bei 8,1 %. Österreicher gehen früher in Pension als im OECD-Schnitt, Männer im Schnitt mit 62,7 Jahren (OECD: 63,7 Jahre), Frauen mit 61,2 Jahren (OECD: 62,8 Jahre). Die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen beträgt 2024 35,6 % und liegt damit an 4. Stelle unter den OECD-Ländern. Seit 2007 ist die Lücke in Österreich gestiegen, während sie im OECD-Durchschnitt gesunken ist. „Länger und mehr zu arbeiten ist auch eine der besten Maßnahmen, um den Gender Pension Gap zu verringern. Ein verpflichtendes Pensionssplitting mit Opt-out-Regelung wäre hier ein logischer nächster Schritt“, so Heike Lehner, Generalsekretärin der Aktion Generationengerechtigkeit. [Quelle: OECD | Reaktionen: IV, Aktion Generationengerechtigkeit, ÖGB]

🇦🇹 Warnstreiks in der Sozialwirtschaft. Die 3. KV-Verhandlungsrunde in der Sozialwirtschaft ist nach 16 Stunden erfolglos zu Ende gegangen. Für die Gewerkschaft ist das Arbeitgeberangebot von durchschnittlich 1,71 % auf KV- und 1,3 % auf Ist-Gehälter für 2026 sowie 1,65 % für KV- und Ist-Gehälter für 2027 „unzureichend“. GPA-Chefverhandlerin Eva Scherz will nun den „Druck erhöhen“ und kündigt Warnstreiks für den Zeitraum vom 2. bis 4. Dezember an. Die 4. Verhandlungsrunde findet dann am 11. Dezember statt. [Quelle: ÖGB | Grafik: Zwischenstand in den Herbstlohnrunden]

🇦🇹 Bund und Länder nähern sich beim Stabilitätspakt an. Der Stabilitätspakt muss im Rahmen der EU-Vorgaben noch heuer im Nationalrat beschlossen werden und bei der heutigen Verhandlungsrunde sieht es gut aus für eine Einigung. Als möglicher Kompromiss wird eine Verringerung des Bundesanteils bei den Verschuldungsmöglichkeiten auf 75 % gehandelt, bisher liegt er bei 78 %. Erwartet werden zudem neue Transparenzregeln zur Entwicklung der Länderbudgets. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Harald Mahrers Rücktritt als Nationalbank-Präsident offiziell. Mahrers Kündigungsschreiben ist gestern im Finanzministerium eingelangt. Darin kündigt er an, sein Amt mit Ablauf des 30.11.2025 niederzulegen. Interimistisch wird OeNB-Vizepräsidentin Ingrid Reischl übernehmen. [Quelle: Kurier]

🇦🇹 Burgenland und OÖ planen strengeren Budgetvollzug. Der Schuldenstand des Landes Burgenland liegt bei rund 660 Mio. Euro, bis Ende 2026 sollen dieser auf 460 Mio. Euro sinken. Durch ein „Haushaltsstabilitätsgesetz“ will Landeshauptmann Hans Peter Doskozil die Verschuldung bis 2028 auf 600 Mio. Euro begrenzen. „Unser Grundsatz dabei: Nicht mehr ausgeben als einnehmen“, so Doskozil. Für 2026 erwartet das Burgenland ein Defizit von 100 Mio. Euro, das durch „strikten Budgetvollzug“ verringert werden soll. Das Land Oberösterreich erwartet für 2026 einen Nettofinanzierungssaldo von minus 255,1 Mio. Euro, bis zum Jahr 2029 soll dieser auf minus 82,1 Mio. Euro gedrückt werden. „Unser Ziel ist, dass wir in absehbarer Zeit das Minus auf Null reduzieren“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer. [Quellen: Burgenland, Oberösterreich]

🇦🇹 Nulllohnrunde für die Bundespolitik. Der Gesetzesantrag von Vertretern der ÖVP, SPÖ und Neos wurde im Verfassungsausschuss auch von der FPÖ und den Grünen mitgetragen. Der Antrag sieht vor, dass die Bezüge von Spitzenpolitikern auf Bundesebene nicht an die Inflation angepasst werden. Dies umfasst u. a. den Bundespräsidenten, den Bundeskanzler, Bundesminister, Nationalratsabgeordnete und die Mitglieder des Bundesrates. [Quellen: Parlament, Gesetzesantrag]

🇦🇹 Nulllohnrunde für ORF-Spitzenverdiener. Die Gehälter im ORF steigen nächstes Jahr um 1,85 % und im Jahr 2027 um 1,4 %, weiters gibt es heuer und nächstes Jahr Einmalzahlungen von jeweils 400 Euro. Für Mitarbeiter in den obersten beiden Gehaltsstufen sowie allen Personen, deren Jahresgehalt über 170.000 Euro brutto liegt, gibt es in beiden Jahren Nulllohnrunden. Weiters werden im nächsten Jahr 50 Stellen „dauerhaft abgebaut, weil sie nicht nachbesetzt werden“, so ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Der ORF müsse 2026 überdies 100 Mio. Euro einsparen. [Quellen: APA via Medienberichte, Der Standard]

🇪🇺 Bessere Bedingungen für Startups würden Wettbewerbsfähigkeit stärken. Der Produktivitätsrückstand Europas gegenüber den USA könnte laut EcoAustria durch bessere Wachstumsbedingungen für Startups und Scale-ups aufgeholt werden. Derzeit gibt es in Europa weniger Startups als in den USA und diese wachsen auch langsamer. Die wachstumsstärksten US-Jungfirmen erreichen so einen 6-fach höheren Beschäftigungsanteil als vergleichbare europäische Jungunternehmen. Die Reformvorschläge von EcoAustria umfassen u. a. eine Vollendung des EU-Binnenmarkts, der das EU-BIP um 480 Mrd. Euro erhöhen könnte, eine europäische Kapitalmarktunion sowie leichteren Zugang zu Risikokapital durch Beseitigung regulatorischer Hürden. [Quelle: EcoAustria]

🇪🇺 Rekordbudget für Europäische Weltraumagentur. Das Budget der European Space Agency (ESA) steigt für die Periode 2026 bis 2028 um 5 Mrd. Euro auf 22,1 Mrd. Euro. Der österreichische Beitrag wird dabei von 260 auf 340 Mio. Euro erhöht. Dieter Grebner, Sprecher der Weltraumbranche in Österreich, hätte eine Erhöhung auf 500 Mio. Euro begrüßt, da der Sektor mit 14 bis 15 % pro Jahr wachse und in der Raumfahrt „die Arbeitsplätze der Zukunft“ zu finden sind. Deutschlands Anteil am ESA-Budget steigt von 3,5 auf 5 Mrd. Euro. [Quellen: Ö1, ESA]

🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in EU und Euroraum stabil. Der Economic Sentiment Indicator stieg um 0,2 Punkte auf 96,8 in der EU bzw. auf 97 Punkte in der Eurozone, liegt damit aber weiterhin unter dem langfristigen Durchschnitt von 100. Einzig in der Industrie ging das Vertrauen zurück (-0,7 Punkte), aufgrund schlechterer Produktions- und Auftragserwartungen. Die Beschäftigungserwartungen stiegen in beiden Regionen (EU: +1,1 Punkte auf 98,8, Eurozone: +0,8 Punkte auf 97,8 Punkte). [Quelle: EU-Kommission]

🇮🇳 Indien will stärker bei Seltenen Erden mitmischen. Indien will sich als globaler Player für Dauermagneten aus Seltenen Erden ins Spiel bringen. Bisher ist das Geschäft mit den für E-Fahrzeuge, erneuerbare Energie und Luftfahrt wichtigen Materialien auf China konzentriert. Indien will die Produktion mit umgerechnet 700 Mio. Euro fördern. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Moskau: Ungarischer Ministerpräsident Orbán bei russischem Präsidenten Putin

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Frühschätzungen zu Industrie
und Bau im Oktober, Erzeugerpreisindex Produzierender Bereich Oktober und „Tourismuszahlen Oktober – Sommerhalbjahr“

13:00, Wien: Nächste Runde der Verhandlungen des Stabilitätspakts im Finanzministerium

14:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht seinen Konjunkturtest

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Thomas Königstorfer ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Wiener Volkstheaters. Cornelia Schneider übernimmt ab Mai 2026 die Leitung des IT-Departments an der FH Salzburg. Erich Pürgy ist neuer Leiter des Verfassungsdiensts im Bundeskanzleramt. Christian Pawle ist neuer Leiter der Staatsanwaltschaft St. Pölten.

Geburtstage: Wir gratulieren Gerald Loacker, Barbara Kolm, Julia Herr, Hermann Strasser und Ernest Kaltenegger zum Geburtstag. Am Samstag hat Andreas Goldberger Geburtstag und am Sonntag Horst Felbermayr junior.

Sehen & gesehen werden:

11:00 Uhr, Wien: Charity-Weihnachtsmarkt Annemarie-Imhof-Komitee für das Wiener Hilfswerk in den Schlumberger Kellerwelten [Info]

17:00 Uhr, Salzburg: Eröffnung der Charity-Ausstellung zugunsten des Salzburg Institute for Arts in Medicine in der Galerie Thaddaeus Ropac [invite only]

17:00 Uhr, Wiener Neustadt: Verleihung des Bauherr:innenpreises 2025 in den Kasematten [invite only]

18:00 Uhr, Kitzbühel: „KURIER ROMY Gala 2025 – Der Österreichische Film- und Fernsehpreis“ [invite only]

Samstag, 19:30 Uhr, Wien: Veranstaltungsreihe „Unbequeme Wahrheiten – 55 Jahre profil“ zu den Themen Ibiza, Casinos, Kurz, KTM u. a. mit Anna Thalhammer im Theater Akzent [Info]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?