Morning in Brief ・ 28.10.2024

Morning in Brief, 28. Oktober 2024

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Staatsschulden. Österreich muss bis Jahresende einen Fiskalplan nach Brüssel liefern. Die Regierung muss darin darlegen, wie Österreich in den kommenden Jahren die EU-Schuldenregeln einhalten will: Staatsschulden unter 60 Prozent des BIP und jährliches Budgetdefizit unter drei Prozent des BIP. Derzeit liegt der Schuldenstand bei 78,6 Prozent und die Defizitprognose von Wifo und IHS liegt für heuer bei 3,7 Prozent bzw. 3,5 Prozent. Der Fiskalplan hätte eigentlich bis 20. September vorgelegt werden müssen – die Verspätung wird mit der Nationalratswahl begründet. Die neue Regierung soll über die Maßnahmen entscheiden. [Quelle: EU-Kommission; Statistik Austria; Wifo; IHS; Medienberichte]

Kommentar: Arbeit in Zukunft – länger? Mehr oder weniger? Anders.
von Markus Hengstschläger

Der Homo sapiens, als „Produkt“ von „Survival of the fittest“ und „Survival of the friendliest“ ist grundsätzlich sozial, vernunftbegabt, lösungsbegabt und will sich mit seinen Ideen auch einbringen. Es muss daher besser gelingen, Arbeit als viel mehr als reine Geldbeschaffungsmaßnahme, nämlich als unverzichtbares, produktives, kreatives, kollektives Beitragen zur Erarbeitung von Lösungen verständlich zu machen.

Grafik (von Christoph Hofer): Die Fertilitätsrate in der Europäischen Union betrug 1,46 Lebendgeburten per Frau im Jahr 2022. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (1,53). Spitzenreiter in Europa sind Frankreich (1,79) und Rumänien (1,71). Schlusslichter: Spanien (1,16) und Malta (1,08). Österreich liegt mit einer Fertilitätsrate von 4,1 knapp unter dem EU-Schnitt. Eine Reproduktionsrate von ca. 2,1 wäre nötig, um die Bevölkerungszahlen langfristig ohne Migration stabil zu halten.

Erste Sondierungsrunde. Die ersten Sondierungsgespräche der ÖVP mit SPÖ, NEOS und Grünen brachte am Freitag noch keine Ergebnisse. Man war sich lediglich einig, dass es „nicht weiter gehen“ solle wie bisher. ÖVP-Chef Karl Nehammer sprach nach der Runde mit der SPÖ von einem langen und wohl steinigen Weg, der Austausch sei professionell gewesen. SPÖ-Chef Andreas Babler zeigte sich optimistisch, betonte aber, dass die erste Runde vor allem „atmosphärisch“ war. FPÖ-Chef Herbert Kickl sagte am Samstag erneut, dass die Hand für Verhandlungen ausgestreckt sei. Heute kommen die „operativen Teams“ zusammen – auf höherer Ebene wird offiziell am 4. November weitersondiert. [Quelle: Pressekonferenzen; Medienberichte; Kickl-Rede]

Bonin zu Konjunktur. In den eineinhalb Jahren seit Anfang 2023 ist Österreichs Wirtschaft um 1,7 Prozent geschrumpft – der zweitschlechteste Wert in der EU nach Irland, betonte IHS-Chef Holger Bonin am Freitag. Die nächste Regierung müsse das Budget sanieren, für ein Konjunkturpaket fehle derzeit Zeit und Geld. Mit dem durch Sparmaßnahmen entstehenden Spielraum könne man dann etwa die Kosten auf Arbeit senken. [Quelle: Ö1-Mittagsjournal]

Löhne I. Unternehmen gehen laut einer aktuellen Umfrage für nächstes Jahr in Österreich von einem Reallohnzuwachs von 1,3 Prozent und einer durchschnittlichen Gehaltserhöhung von 4,2 Prozent aus. In Österreich wurden 1.258 Unternehmen befragt. Reallohnplus D: 1,6 Prozent, CH: 0,2 Prozent, IT: 0,9 Prozent. [Quelle: Kienbaum]

Löhne II. Beim Reinigungs-KV gab es auch in der zweiten Gesprächsrunde keine Einigung. Die Arbeitgeber bieten für vier von sechs Lohngruppen 3,3 Prozent und damit weniger als die rollierende Inflation (3,9 Prozent). Am 12. November wird weiterverhandelt. [Quelle: Aussendung]

Orban in Wien. Der neue Nationalratspräsident Walter Rosenkranz empfängt am Donnerstag den ungarischen Regierungschef Viktor Orban im Parlament. Ein Treffen mit FPÖ-Vertretern war schon länger vereinbart – Orban ist auf Einladung einer Zeitung in Wien. [Quelle: ORF-„Hohes Haus“]

Unternehmenskredite. Banken in der Eurozone haben im September im Jahresvergleich um 1,1 Prozent mehr Unternehmenskredite vergeben. Im August lag das Plus bei 0,8 Prozent. Die Geldmenge M3 (Bargeld, Einlagen auf Girokonten sowie Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen) stieg um 3,2 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Gleichzeitig ist die mittelfristige Inflationserwartung der Verbraucher in der Eurozone auf 2,4 Prozent für die kommenden zwölf Monate gesunken. Im August lag die Erwartung noch bei 2,7 Prozent. EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks sagte in einem Interview mit Reuters, dass die EZB das Inflationsziel von 2 Prozent vielleicht früher erreiche als angenommen und damit eventuell die Zinsen im Dezember stärker – um einen halbe Prozentpunkt – gesenkt werden könnten. [Quelle: EZB; EZB; Reuters]

Künstliche Energieinsel. Die EU unterstützt über die Europäische Investitionsbank (EIB) den Bau der künstlichen Energieinsel „Princess Elisabeth“ vor der belgischen Küste mit einem Darlehen von 650 Mio. Euro. Die Insel soll als Stromdrehscheibe für die umliegenden Off-Shore-Windparks dienen und zusätzlich 3,5 Gigawatt nach Belgien liefern, um mehr als drei Mio. Haushalte mit sauberer Energie zu versorgen. Bis 2027 soll das Projekt als wichtiger Schritt Richtung Unabhängigkeit von fossiler Energie der EU abgeschlossen sein. [Quelle: EIB]

Wegen Bürokratie ins Ausland. Eine Befragung unter deutschen Unternehmen ergab, dass 46 Prozent aufgrund bürokratischer Hürden in den letzten zwei Jahren Investitionen zurückgestellt haben. 18 Prozent wollen deshalb Investitionen ins Ausland verlagern – bei großen Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern sind es rund 25 Prozent und bei den 57 größten deutschen Familienunternehmen erwägen sogar 42,6 Prozent eine Verlagerung ins Ausland. Die größten bürokratischen Ärgernisse sehen die Befragten im deutschen Lieferkettengesetz und im komplizierten deutschen Steuerrecht. [Quelle: Ifo/Stiftung Familienunternehmen]

Deutsche Stagnation. Deutsche Unternehmen beurteilten im Rahmen des Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden Monate optimistischer als zuletzt. Das Konjunkturbarometer stieg überraschend von 85,4 auf 86,5 Zähler. Die Bundesbank geht für das vierte Quartal jedoch von einer Stagnation aus. Der Internationale Währungsfonds prognostizierte zuletzt für 2024 eine Stagnation und für 2025 ein schwaches Wachstum von 0,8 Prozent. Das deutsche Baugewerbe verzeichnete indes im August im Monatsvergleich um 14,2 Prozent mehr Aufträge. Die Lohnrunde der Metaller gestaltet sich hingegen schwierig – es stehen Streiks ab Dienstag im Raum. Die Gewerkschaft IG Metall fordert ein Plus von 7 Prozent innerhalb eines Jahres, die Arbeitgeber bieten 3,6 Prozent in 27 Monaten. [Quelle: Ifo; Bundesbank; IMF; Dt. Statistikamt; Gewerkschaft IG Metall, Arbeitgebervertreter]

Industriegewinne China. Die Gewinne der chinesischen Industrie fielen im September im Jahresvergleich um 27,1 Prozent. Von Jänner bis September gingen die Gewinne im Jahresvergleich um vergleichsweise geringe 3,5 Prozent zurück. [Quelle: Nationales Statistikamt China]

Selektive Agenda:

Herbstferien in ganz Österreich – bis inkl. 31. Oktober.

10:30 Uhr, Horn: Wirtschaftsminister Kocher bei der Vorstellung der Holzskulptur für den Österreich-Pavillon zur EXPO 2025 in Japan bei Graf Holztechnik u.a. mit Landeshauptfrau Mikl-Leitner und japan. Botschafter Mizuuchi

Ganztägig, Cali, Kolumbien: Klimaministerin Gewessler bei der 16. Biodiversitätskonferenz Cop16 (bis 1.11.)

Ganztägig, Budva, Montenegro: EU-Kommission trifft Vertreter der Westbalkan-Staaten (bis 29.10.)

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn wird Präsident der Aufsichtskommission der Vatikanbank IOR. Peter Edelmann wird neuer Intendant der operklosterneuburg.

Geburtstage: Wir gratulieren Peter Pacult zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

Spotted. Die Raiffeisenlandesbank OÖ lud vergangene Woche zum Weltspartagsempfang ins RaiffeisenForum in Linz. Neben den Gastgebern Heinrich Schaller und Michaela Keplinger-Mitterlehner wurden u.a. gesehen: Thomas Stelzer, Leonhard Schitter, Alexander Kirchner, Andreas Kolar, Herbert Eibensteiner, Gerald Mayer, Peter Halatschek, Joachim Haindl-Grutsch, Harald Gindl, Josef Siligan, Karl und Kristine Egger, Clemens Schindler, Florian Heindl, Othmar Nagl, Kathrin Kühtreiber-Leitner, Meinhard Lukas, Otto Hirsch, Werner Pamminger, Doris Hummer, Leo Jindrak, Hans Pum uvm.

Heute, 15 Uhr, Wien: ASEP lädt zum Expertengespräch „Strategische Herausforderungen der EU auf Basis Draghi-Report“ in die WKÖ – Impuls-Statement von ASEP Senior Expert Erich Unterwurzacher (EU und OECD); Experten-Gespräch mit Karlheinz Kopf (Generalsekretär WKO), Gertrude Eder und Erich Unterwurzacher. [invite only]

Heute, 18:30 Uhr, Wien: Der Marketing Club Österreich lädt zum Clubaband ins The Hoxton mit Studienpräsentation und Podiumsdiskussion. [Info]

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