Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
AA+ für Österreich. Die Ratingagentur Scope bewertet Österreich mit der Bonitätsnote AA+ und einem stabilen Ausblick, mahnt allerdings Reformen ein. Vor allem im Pensions-, Gesundheits- und Pflegebereich müsse angesetzt werden. Durch Anreize für eine höhere Erwerbsbeteiligung soll das Produktionspotenzial erhöht werden. Deutschland und die Schweiz werden von Scope weiterhin mit der Höchstnote AAA bewertet. Die Ratingagentur Fitch hatte bei gleicher Benotung den Ausblick für Österreich Anfang Jänner auf „negativ“ gesenkt. [Quellen: Scope, Fitch]
„Die Dinge können sich aktuell sehr schnell ändern“
Interview mit IHS-Chef Holger Bonin
Holger Bonin, Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Gespräch über volatile Prognosen, den Ausblick für die heimische Wirtschaft, dringend notwendige Strukturreformen und was auf EU-Ebene getan werden muss, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Grafik (von Stephan Frank): Das Kaufinteresse für E-Autos (BEV und PHEV) geht in Österreich seit Jahren zurück, vom Höchstwert von 54 Prozent im Jahr 2018 ist man mit nur 36 Prozent im Jahr 2024 mittlerweile weit entfernt. Ein chinesischer Hersteller erwartet für heuer dennoch eine Verdoppelung des E-Auto-Absatzes in Österreich. Analysten erwarten vor allem für das zweite Halbjahr 2025 eine „Rabattschlacht“ bei Elektroautos, da aufgrund der Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte mehr E-Autos verkauft werden müssen. [Quellen: Deloitte, BYD]

Debatte über Bankenabgabe. Die von der FPÖ am Wochenende in den Regierungsverhandlungen eingebrachte Forderung einer Bankenabgabe wird von Raiffeisen-Research-Leiter Gunter Deuber scharf kritisiert. Eine solche Abgabe würde die ohnehin schon eingeschränkte Kreditvergabe weiter drosseln. Oberbank-Chef Franz Gasselsberger betont, dass eine solche Abgabe inmitten der derzeit schwierigen Wirtschaftslage mit geringen Investitionen kontraproduktiv sei. Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann sieht einer Bankensteuer gelassener entgegen. Diese sei zwar eine „politische Entscheidung“, könne aber dabei helfen, Haushaltslücken zu schließen. FPÖ-Burgenland-Chef Norbert Hofer sprach sich für eine entsprechende Abgabe aus, ebenso die Arbeiterkammer und das gewerkschaftsnahe Momentum Institut. In der ZiB 2 betonte Momentum-Institut-Senior-Economist Oliver Picek, dass Banken durch variable Zinsen zuletzt mehr Gewinne gemacht haben, die besteuert werden könnten. Der stv. Direktor der Agenda Austria, Hanno Lorenz, meinte, dass Österreich vor allem ein Ausgabenproblem habe. Eine Bankenabgabe würde Leistungen für Kunden teurer machen. [Quellen: Medienberichte, FPÖ auf Puls 24, Arbeiterkammer, ZiB 2]
Forschungsfinanzierung. 2025 steht die Halbzeitevaluierung der Forschungs-, Technologie- und Innovations-Strategie 2030 (FTI) an. Damit verbunden muss der FTI-Pakt 2027-2029 erstellt und beschlossen werden. In der aktuell von 2024 bis 2026 laufenden Periode wurde den zentralen Forschungsförderagenturen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen 5,05 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Der Forschungsrat (FORWIT) betont in einer Aussendung: „Forschung, Technologie und Innovation sind machtentscheidende Faktoren. Es muss darum gehen, die globale Relevanz und den Einfluss der Europäischen Union auf das Niveau der erstarkenden Blöcke zu heben“.
Eine entsprechende nachhaltige Finanzierung müsse auch in Hinblick auf den Beitrag der Forschung zur Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden. [Quelle: FORWIT]
Kreditvergaben. Die vierteljährliche Erhebung des Kreditgeschäfts der europäischen Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt für Österreich auch im vierten Quartal eine sinkende Nachfrage nach Unternehmenskrediten – ein Trend, der sich seit 2022 fortsetzt. Die Geldhäuser im Euroraum verschärften zuletzt im Zuge der anhaltenden Konjunkturschwäche ihre Vergabestandards für Unternehmenskredite. Im gesamten Euroraum stieg die Nachfrage nach Firmenkrediten leicht. [Quelle: EZB Bank Lending Survey]
Generative KI übertrifft Erwartungen. Laut einer neuen Deloitte-Umfrage unter 2.800 Führungskräften übertrifft der Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (KI) die Return-on-investment-Erwartungen der Unternehmen. 38 Prozent berichten jedoch von Sorgen bezüglich gesetzlicher Vorschriften und Regulatorien. Laut Deloitte besteht die größte Herausforderung darin, dass eine Technologie reguliert werden soll, deren Anwendungsgebiete und Fähigkeiten sich ständig verändern. [Quellen: Deloitte Studie, Deloitte Aussendung]
Bürokratieabbau. Die Vereinigung österreichischer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer fordert von einer neuen Bundesregierung Bemühungen bei der Entbürokratisierung, Digitalisierung sowie die Vereinfachung des Steuerrechts samt Steuersenkungen. Ziel in der aktuell negativen Wirtschaftsphase müsse es sein, Unternehmen, vor allem KMUs, zu stärken und damit nachhaltig Betriebe und Jobs zu sichern. [Quelle: Vereinigung österreichischer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer]
Lehre: Jobeinstieg und Gehalt. Absolventen einer Lehre gelingt mit durchschnittlich 1,9 Monaten der rascheste Berufseinstieg, danach folgen BMS-Absolventen (2,8 Monate), BHS-Absolventen (4,2 Monate) und AHS-Absolventen (7,2 Monate). Knapp zwei Drittel der Absolventen einer Lehre und einer BMS behalten diesen Job anschließend für mindestens ein Jahr, bei den BHS-Absolventen liegt der Wert mit 72 Prozent leicht darüber, bei AHS-Absolventen mit 50,3 Prozent sind es deutlich weniger. Lehrabsolventen weisen mit durchschnittlich 2.615 Euro Bruttomedianeinkommen nach 18 Monaten auch das höchste Gehalt auf. In Wien werden derzeit knapp 15.000 Lehrlinge ausgebildet. Trotz schwieriger konjunktureller Lage sind die Zahlen stabil geblieben. Das Gewerbe und Handwerk stellt die größte Lehrlingssparte. Die stärksten Zuwächse gab es 2024 in der Veranstaltungstechnik, im Tiefbau und der Kälteanlagentechnik. [Quellen: WKO, Statistik Austria]
Exportbilanz Österreich-Afrika. Nach 2022 und 2023 wurde die Zwei-Milliarden-Marke bei Afrika-Exporten österreichischer Unternehmen wahrscheinlich auch 2024 überschritten. Das ergeben Berechnungen der WKO. Von Jänner bis Oktober 2024 wurden Waren im Wert von 1,8 Mrd. Euro aus Österreich nach Afrika exportiert. Besonders stark entwickelten sich die Ausfuhren nach Ägypten, Marokko und Kenia. Aktuell machen die heimischen Exporte nach Afrika rund ein Prozent der gesamten Exportleistung aus. Laut Analysen des International Trade Center (ITC) bestünde ein zusätzliches Exportpotenzial von rund zwei Milliarden Euro. [Quelle: WKO]
EU: Nutzfahrzeug-Absatz gestiegen. 2024 wurden in der EU mehr Nutzfahrzeuge registriert. Die Zulassungen von Kleinlastern/Vans stiegen um 8,3 Prozent, jene von Bussen um 9,2 Prozent – LKW-Zulassungen gingen hingegen um 6,3 Prozent zurück. Diesel ist weiterhin der Antrieb der Wahl, wobei große Unterschiede bestehen: Kleinlaster sind zu 84,5 Prozent dieselbetrieben, 6,1 Prozent sind rein elektrisch betrieben. LKWs fahren zu 95,1 Prozent mit Diesel, hier beträgt der Elektro-Anteil 2,3 Prozent. Busse werden hingegen bereits zu 18,5 Prozent elektrisch betrieben, zu fast 10 Prozent hybrid und nur mehr zu 63,1 Prozent mit Diesel. [Quelle: European Automobile Manufacturers’ Association]
Globale Logistik-Bilanz. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 199 Unternehmensfusionen und -übernahmen im Wert von mindestens 50 Mio. US-Dollar in der Transport- und Logistik-Branche angekündigt – ein leichtes Plus gegenüber 2023 mit 193. Der Deal-Wert stieg im Schnitt auf 483,8 Mio. Dollar nach 393,2 Mio im Jahr zuvor. Europa war mit 51,8 Mrd. Dollar die Region mit dem höchsten Transaktionswert (2023: 35,4 Mrd.). Nordamerika verzeichnete dagegen einen Rückgang bei der Anzahl der Deals um 28 Prozent, der Gesamtwert der Deals brach um 43 Prozent ein. In Asien und Ozeanien nahm die Anzahl der angekündigten Deals im Jahresvergleich zu und der Gesamtwert der Deals stieg um 90 Prozent. Vor allem China versuchte seinen Einfluss auf Häfen im südostasiatischen Raum auszuweiten. [Quelle: PWC-Analyse]
US-Industrieaufträge im Minus. Im Dezember 2024 gingen die Aufträge für die Industriebranche in den USA um 2,2 Prozent zurück, so das US Census Bureau. Experten hatten mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet. Im November gingen die Aufträge bereits um 2 Prozent zurück. Insgesamt verzeichnete man in vier der letzten fünf Monate des Vorjahres einen Rückgang der Industrieaufträge. Auch die Verbraucherstimmung ging im Jänner um 5,4 Punkte auf 104,1 Zähler zurück, besonders die Bewertung der aktuellen Situation trübte sich stark ein. [Quelle: US Census Bureau, The Conference Board, Medienberichte]
Deutsche Wirtschaft. Der deutsche Industrieverband BDI rechnet 2025 mit einem weiteren Rezessionsjahr für die deutsche Wirtschaft. Die Wirtschaftsleistung dürfte heuer um 0,1 Prozent schrumpfen, während die Weltwirtschaft wohl um 3,2 Prozent wachse und die Eurozone noch um 1,1 Prozent. Die Exporterwartungen sind lauf Ifo-Institut um 6,1 Punkte auf minus 7,3 Zähler im Dezember gesunken. Vor allem die Sorge vor einem Handelskrieg mit den USA unter Donald Trump drücke die Stimmung. [Quellen: BDI, Ifo-Institut]
Selektive Agenda:
Heute, Straßburg: Tagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (bis 31. Jänner)
Heute, Warschau: Informeller Rat der EU-Innenminister, mit Innenminister Karner
12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen stellt EU-Wettbewerbskompass vor (Competitiveness Compass)
12:30 Uhr, Brüssel: Sondersitzung des Europäischen Parlaments zum Internationalen Holocaust-Gedenktag
20:00 Uhr, Washington D.C.: US-Notenbank Federal Reserve gibt Zinsbeschluss bekannt
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Thomas Krahofer übernimmt die Geschäftsführung der efko Gruppe. Peter Riedler wurde für weitere vier Jahre als Rektor der Universität Graz bestätigt. Markus Köberle ist neuer Landesgeschäftsführer der Vorarlberger Grünen. Alvarez & Marsal ernennt Stefan Rathausky zum Senior Director im Bereich Corporate Transformation Services in Österreich. Gerhard Dafert wurde gestern zum Mitglied des Vorstandes der NÖ Landesgesundheitsagentur bestellt und wird diese Funktion mit 1. März antreten.
Geburtstage: Wir gratulieren Maresa Hörbiger, Peter Cornelius, Julia Stemberger und Florian Gschwandtner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Spotted. Am Montag fand in der Wiener Hofburg der 102. Jägerball statt. Gesehen wurden u.a.: Gerhard Karner, Klaudia Tanner, Johanna Mikl-Leitner, Wolfgang Hesoun, Alexander Schallenberg, Christian Rainer, Josef Pröll, Harald Mahrer, Peter Hanke, Sebastian Kurz, Johannes Schmuckenschlager, Marlene Svazek, Roland Weißmann, Claudia Plakolm, Walter Rosenkranz, Toni Faber, Thomas Schäfer-Elmayer, Johannes Hahn, Susanne Riess-Hahn, Florian Gschwandtner, Stephan Pernkopf uvm. [Fotos]
19:00 Uhr, Wien: Austrian School of Economics Meetup/Salon C – „Freihandel“ mit u.a. Senior Fellow am Hayek Institut Martin Gundinger [Info]