Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Sparmaßnahmen. Der Thinktank Agenda Austria hat in „Presse“, „Krone“ und „Standard“ Vorschläge für Sparmaßnahmen der nächsten Bundesregierung vorgerechnet. Eine Einschränkung des Klimabonus könnte jährlich 400 Mio. Euro sparen, die Abschaffung der Bildungskarenz 500 Mio. Euro, eine geringere Subvention des Klimatickets brächte 400 Mio. Euro, bei Unternehmensförderungen im Bereich „grüne Transformation“ seien mindestens 500 Mio. Euro zu heben, die Aliquotierung der ersten Pensionsanpassung könnte 200 Mio. Euro bringen und eine Reduktion des Finanzausgleichs auf Vorkrisenniveau rund eine Mrd. Mittelfristig kann eine Steigerung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters um ein Jahr jährlich 2,5 Mrd. Euro sparen. [Quelle: Presse, Montagsausgabe; Krone Dienstagsausgabe; Standard online]
Markt & Mäche: Was das Ergebnis der US-Wahl für Europa bedeutet
mit Niko Jilch und Sara Grasel
Welche Auswirkungen hat der Ausgang der US-Wahl auf auf wichtige globale Entwicklungen, die Handelspolitik der USA und die geopolitische Stabilität der Welt? Finanzexperte Niko Jilch stellt in „Markt & Mächte“ eine provokante These dazu auf. Außerdem in dieser Folge: die Rolle des Dollars als Weltwährung. Mit Trumps „America First“-Strategie wurde versucht, die Industrie in den USA wieder zu stärken und Produktionsstätten zurück ins Land zu holen. Dieser Ansatz signalisiert, dass die USA möglicherweise ihre Rolle als „Dollar-Drucker“ auf globaler Ebene nicht mehr so intensiv verfolgen wollen. Die BRICS-Staaten suchen bereits nach Alternativen.

Grafik (von Stephan Frank): Im Vorjahr wurden 85 Prozent des in Österreich verkauften Stroms mit Herkunftsnachweisen (HKN) aus erneuerbaren Quellen belegt (2022: 83 Prozent). Der Großteil der in Österreich eingesetzten HKN stammt mit knapp 62 Prozent aus Wasserkraft. Stromlieferanten sind verpflichtet, die Herkunft von Energielieferungen offenzulegen – HKN können aber getrennt vom Strom selbst gehandelt werden, auch Österreich exportiert HKN. [Quelle: E-Control-Bericht]

Jobmarkt trotzt Rezession. 127.600 Jobs wurden im dritten Quartal 2024 österreichweit kommerziell ausgeschrieben – nur 1 Prozent weniger als im zweiten Quartal. Noch befindet sich der allgemeine Stellenmarkt unter dem Vorjahresniveau, aber immer noch deutlich über der Zeit vor der Pandemie (plus 12 Prozent gegenüber Q3 2019). Besonders im Einzelhandel ist der Bedarf nach Arbeitskräften mit 4.637 Positionen sehr groß. Auch im Gastgewerbe, am Bau und im Gesundheitssektor wird mehr Personal gesucht. [Quelle: Stepstone]
Projektentwickler. Die Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE) hat bei ihrer Herbsttagung ihre Forderungen an die nächste Bundesregierung formuliert. Nach deutschem Vorbild soll es ein Wohnraum-Gremium geben, das die Regierung berät, zudem wurden u.a. schnellere Verfahren und eine einheitliche Definition für Bodenversiegelung gefordert. [Quelle: VÖPE]
Strompreise EU. Die Rücknahme von Steuerbegünstigungen und das Auslaufen von Hilfsprogrammen lässt die Haushaltspreise für Strom in der EU wieder leicht ansteigen. Der Durchschnitt liegt jetzt bei 28,9 Cent/kWh nach 28,3 Cent/kWh im Vorjahr (Vergleich 2. HJ 2023). Im ersten Halbjahr 2024 war Strom in Deutschland am teuersten (39,5 Cent/kWh), in Ungarn am günstigsten (10,9 Cent/kWh) – Österreich liegt mit 27,3 Cent/kWh im Mittelfeld. [Quelle: Medienberichte, Eurostat]
Chips. Getrieben von Künstlicher Intelligenz wird der globale Halbleitermarkt 2024 um fast 19 Prozent auf 629,8 Mrd. Dollar wachsen und 2025 knapp 14 Prozent auf 716,7 Mrd. Dollar. Die Nachfrage aus Automobilbranche und Industrie bleibt schwach. [Quelle: Gartner.com]
Industriegipfel in Deutschland. Heute lädt der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz zu einem Industriegipfel ins Bundeskanzleramt. Das Treffen ist als vertrauliches Arbeitsgespräch mit Gewerkschaften, Verbänden, Wirtschaftsvertretern und Politik angesetzt – die Teilnehmerliste wird nicht veröffentlicht. Im Vorfeld forderte die Chemie- und Pharmabranche ein Maßnahmenpaket zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, vor allem im Bereich der Energiepreise. Den Netzkostenzuschuss wieder aus dem Bundeshaushalt zu bezahlen, würde eine rasche Entlastung bringen. Die Unternehmen beurteilen die aktuelle Lage pessimistisch und rechnen mit einer weiteren Verschlechterung in den kommenden Monaten, hieß es vom Branchenverband. [Quelle: dt. Bundesregierung; Verband der chemischen Industrie I; VCI II]
Deutsche Exporte. Das Stimmungsbarometer der deutschen Exporteure ist im Oktober um 0,2 Punkte auf minus 6,7 Zähler gesunken – eine Verschlechterung den fünften Monat in Folge. Die stärksten Einbußen erwarten Metallindustrie und Automobilbranche. Die deutschen Exporte sind von Jänner bis August 2024 im im Jahresvergleich um 0,9 Prozent auf 1.061 Mrd. Euro gesunken. Die Inflation dürfte laut ersten Prognosen im Oktober wieder etwas höher – bei 1,8 Prozent liegen (September: 1,6 Prozent). Die Daten dazu sollen am Mittwoch veröffentlicht werden. [Quelle: Ifo; Deutsche Bundesbank]
Arbeitsmarkt Deutschland. Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verzeichnet im Oktober den ersten Rückgang seit einem halben Jahr. Im Vergleich zum Vormonat sinkt der Frühindikator 0,4 Punkte und liegt damit bei 100,3 Punkten (neutral – Skala von 90 bis 110). Beschäftigungsaussichten bleiben weiterhin gedämpft. [Quelle: IAB]
Vermögensteuer in Frankreich. Das französische Parlament stimmte am Freitag für Steuern in der Höhe von 2 Prozent auf Vermögen von mehr als einer Mrd. Euro. Die Steuer soll jährlich 13 Mrd. Euro einbringen. Gleichzeitig wurde am Wochenende ein Sparpaket im Volumen von 5,2 Mrd. Euro beschlossen, um das Budgetdefizit nächstes Jahr unter 5 Prozent zu drücken. Für 2024 wird ein Defizit von etwas mehr als 6 Prozent erwartet. [Quelle: Le Monde; Politico]
China investiert in Serbien. In Serbien sind die ausländischen Direktinvestitionen von Jänner bis Juli im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro angestiegen. Ein Viertel davon entfiel auf den Bergbau (2023: 16 Prozent) und 30 Prozent der Investitionen kamen aus China. [Quelle: EY Serbia]
Selektive Agenda:
11:30 Uhr, Klagenfurt: Justizministerin Zadic beim Spatenstich zur Neuerrichtung der Justizanstalt Klagenfurt
Ganztägig, Wien: Fortsetzung der KV-Verhandlungen Eisenbahnbeschäftigte (2. Runde)
Ganztägig, Kopenhagen: BM Rauch nimmt an der WHO-Regionalkonferenz für Europa teil (auch Mittwoch) – Treffen mit WHO-Regionaldirektor Kluge, EU-Gesundheitskommissarin Kyriakides, Gesundheitsministern aus Belgien und Dänemark, ECDC-Direktorin Rendi-Wagner geplant.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Markus Baldinger wurde einstimmig als Vorsitzender des Verbands der Maschinen- und Anlagenbauer Österreichs (VDMA) wiedergewählt. Sophie Wotschke wurde mit 92,4 Prozent als JUNOS-Bundesvorsitzende bestätigt. Rainer Höltschl leitet ab 2025 den Wiener Amalthea Verlag und übernimmt in dieser Rolle von Katarzyna Lutecka, die das Unternehmen verlässt. Die Geschäftsführerin der Kulturbetriebe Burgenland GmbH Barbara Weißeisen-Halwax wechselt zur Forschung und Innovation Burgenland. Francine Dammholz leitet ab sofort das neugegründete Advisory Board der Digicust GmbH.
Sehen & gesehen werden:
18:30 Uhr, Wien: Die Wirtschaftskammer Wien lädt zu einem Talk mit dem ehem. CDU-Vorsitzenden Armin Laschet – Titel: „Europa unter Druck“. [invite only]
19:30 Uhr, Wien: Abschlussgala der Viennale. [invite only]