Morning in Brief ・ 29.10.2025

Morning in Brief, 29. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 600 Vorschläge zur Entbürokratisierung. Laut Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn liegen ihm derzeit 600 Vorschläge zur Entbürokratisierung vor, die abgearbeitet werden. 140 konkrete gesetzlich ausformulierte Maßnahmen sollen für einen Ministerratsvortrag Anfang Dezember vorbereitet werden, müssen aber noch regierungsintern koordiniert werden. Bisher sprach Schellhorn davon, dass ein solcher Ministerrat noch „im Herbst“ stattfinden würde. Über die kürzlich gestartete „Servicestelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen“ (Seda) sind laut Schellhorn bereits 670 Beiträge eingegangen, einige davon wären „sehr vernünftig“. [Quellen: Salzburger Nachrichten, BKA | Service: Seda]

„Langsame Exportbewilligungen ‘No-Go’ für Standort“
Interview mit Erwin Hameseder

Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisenbank NÖ-Wien, betont die Dringlichkeit, überschießende Bürokratie bei Beschaffungen im heimischen Verteidigungssektor abzubauen. Neben „einfacheren und deutlich schnelleren Genehmigungsverfahren“ brauche es u. a. „Präzisierungen im Neutralitätsgesetz“. Dass Geschäfte – wie bereits geschehen – an zu langsamen Exportbewilligungen scheitern, sei „aus Standort-Sicht ein No-Go“, so Hameseder. Was Erleichterungen für Finanzierungen angeht, habe „Brüssel den Weckruf gehört“. Bei dem oft versprochenen Bürokratieabbau „sehen wir die großen Würfe aber noch nicht“.

💡In Österreich wächst nur noch der Staat. Während der heimische Staatskonsum (u. a. Ausgaben für Pensionen, Spitäler, neue Straßen) seit 2020 stetig steigt und derzeit knapp 15 % höher liegt, stagnieren die Unternehmensinvestitionen (in neue Maschinen, Fabriken etc.) seit Jahren. Aktuell liegen sie unter dem Niveau von Q4 2019. Die Wirtschaftsleistung legte seitdem preisbereinigt nur leicht um 3,0 % zu. „Der öffentliche Sektor kann auf Dauer nicht deutlich schneller expandieren als der Rest der Wirtschaft, sonst frisst er die Privatwirtschaft auf“, führte Ifo-Chef Clemens Fuest in der ZIB2 aus. Der österreichischen Regierung würde er raten: „Ausgaben überprüfen und Ausgaben kürzen.“ [Quellen: Statistik Austria, Felbermayr auf X, ZIB2 | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Kreditnachfrage von Unternehmen steigt wieder. Nach einer fast 3 Jahre dauernden Abwärtsentwicklung bei der Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist der „lange Abwärtstrend gestoppt“. Im 3. Quartal 2025 kam es zu einer gestiegenen Nachfrage und auch für das 4. Quartal wird ein Anstieg erwartet. Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten wächst bereits seit dem 1. Halbjahr 2024 und hat sich im 1. Halbjahr 2025 verstärkt. Für das 4. Quartal wird jedoch kein starkes Wachstum mehr erwartet. Gemäß OeNB-Kreditstatistik wurden von Jänner bis August 2025 monatlich durchschnittlich 1,4 Mrd. Euro an neuen Wohnbaukrediten vergeben, ein Plus von 44 % im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt. [Quelle: OeNB]

🇦🇹 Wohnungsneubau 2024 auf niedrigem Niveau. Seit 2021 stagniert der Neubau von Wohnungen in Österreich. Mit 51.500 baubewilligten Wohneinheiten, 34 % unter dem 10-Jahresschnitt, blieb das auch im Vorjahr so. Im Vergleich zu 2023 gab es einen Zuwachs bei den Neubauförderungen (+13 %) und den Wohnbauförderungen (+14 %). Wichtig sei es, die Bauproduktion mithilfe der Wohnbauförderung zu stabilisieren, um dadurch das Angebot an leistbarem Wohnraum zu erhöhen, so Robert Schmid vom Fachverband der Stein- und keramischen Industrie. [Quelle: IIBW | Grafik: Baubewilligungen weiter auf Dauertief]

🇦🇹 Österreich bei „Digital Entrepreneurship“ im EU-Mittelfeld. Österreich erreichte 2022 den 11. Platz innerhalb der EU im Digital Entrepreneurship Index des VIGS-Institutes. Die heimische digitale Infrastruktur ist gut ausgebaut, doch es mangelt an unternehmerischer Aktivität. Spitzenreiter des Index ist zum 3. Mal in Folge Dänemark, gefolgt von dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden. Im Vergleich zum EU-Schnitt hinkt Österreich vor allem im Bereich „Digital Openness“ hinterher, während man bei „Digital Freedom“ und „Digital Rights“ überdurchschnittlich abschneidet. Verbesserungen könnten durch eine stärker innovationsorientierte Bildung sowie einen flexibleren Arbeitsmarkt erreicht werden. In der gesamten EU wird die Entwicklung des digitalen Unternehmertums durch begrenztes Risikokapital und mangelnde Kapitalmarkttiefe gebremst. Im Dezember plane die EU-Kommission die Veröffentlichung eines Maßnahmenpakets, welches Startups besseren Zugang zu Risikokapital ermöglichen soll, wie Politico berichtet. [Quellen: VIGS Institute, Politico]

🇪🇺 Kfz-Neuzulassungen in der EU steigen. Im September 2025 wurden EU-weit um 10 % mehr Autos neu zugelassen als im Vorjahresmonat. Von Jänner bis September ergibt sich ein leichtes Plus von 0,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Neuzulassungen von batterieelektrischen Autos stiegen im laufenden Jahr um 24,1 %, in Österreich sogar um 41,4 %. Auch in Deutschland, dem EU-weit größten Automarkt, legten E-Auto-Zulassungen mit plus 38,3 % deutlich zu. Im zweitgrößten Markt Frankreich gab es im laufenden Jahr hingegen ein leichtes Minus von 0,2 %. Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen verzeichneten von Jänner bis September EU-weit einen Rückgang von rund einem Viertel, Benziner von knapp einem Fünftel. Den größten Anteil unter den Neuzulassungen hatten Hybridfahrzeuge mit 34,7 % (Jänner-September 2025). [Quelle: Acea]

🇪🇺 Von der Leyen ortet „Schatz“ an kritischen Rohstoffen in der Arktis. Bei ihrer Eröffnungsrede des 77. Nordischen Rates kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein stärkeres europäisches Engagement in der Arktis an. Die Erderwärmung brächte zwar große Risiken, aber auch neue Chancen: In Grönland würde ein „Schatz“ unter Eis und Gestein vergraben liegen – 25 der 34 in Europa benötigten kritischen Rohstoffe seien dort zu finden. Die Kommissionspräsidentin will daher neue Industrien, Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze vor Ort schaffen. „Die wirtschaftliche Stärke der Arktis ist ein Schlüssel für die strategische Unabhängigkeit Europas“, so von der Leyen. [Quellen: EU-Kommission, Von der Leyen auf X]

🇪🇺 Inflationserwartungen leicht gesunken. Die europäischen Konsumenten erwarten für die nächsten 12 Monate im Mittel eine Inflation von 2,7 %, ein leichter Rückgang von zuvor 2,8 %. Die Inflationserwartungen für die nächsten 3 Jahre blieben mit 2,5 % gleich, auch die Erwartungen für 5 Jahre blieben unverändert bei 2,2 %. Jüngere Befragte gaben niedrigere Inflationswahrnehmungen und -erwartungen an als ältere Befragte. [Quelle: EZB]

🇩🇪 Deutsche Konsumstimmung sinkt. Das deutsche Konsumklima sinkt für November um 1,6 Punkte auf minus 24,1 Zähler. Verantwortlich dafür ist ein Einbruch der Einkommenserwartungen im Oktober um 12,8 Punkte auf 2,3 Zähler. Gründe dafür sind die weiterhin angespannte geopolitische Lage, zunehmende Inflationsängste sowie wachsende Sorgen um den Arbeitsplatz. Der Konjunkturindikator hingegen ist um 2,2 Punkte auf 0,8 Zähler gestiegen. Das derzeitige Niveau des Indikators signalisiere, dass in den kommenden Monaten keine durchgreifende Erholung der Konjunktur in Deutschland zu erwarten ist. In der Exportwirtschaft sind die Erwartungen im Oktober von 3,4 auf 2,8 Punkte gesunken. „Eine echte Erholung ist nicht in Sicht“, so Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. [Quellen: NIM (Konsumklima), Ifo (Exporterwartungen)]

🇩🇪 Deutsche Pharmabranche erwartet Wachstum. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen erwartet entgegen dem deutschen Trend einen Zuwachs bei Beschäftigung (2025: +0,2 %, 2026 +1,1 %), Investitionen (2025: +2,7 %, 2026: +3,0 %) und in der Produktion (2025: +3,2 %, 2026: +1,0 %). Der wichtigste Absatzmarkt der deutschen Pharmaindustrie sind mit rund einem Viertel der Exporte die USA. Aufgrund der erwarteten Zölle konnte die Branche von Vorzieheffekten profitieren. Dennoch droht jetzt kein Absatzeinbruch, denn zunächst in die USA umgelenkte Lieferungen würden nun in die ursprünglichen Empfängerländer nachgeholt werden. [Quelle: Vfa]

🇺🇸 🇯🇵 USA und Japan unterzeichnen Vereinbarung zu Seltenen Erden. US-Präsident Donald Trump und die neue japanische Premierministerin Sanae Takaichi haben die Umsetzung des Abkommens „Toward a NEW GOLDEN AGE for the U.S. – Japan Alliance“ bekanntgegeben. Laut dem Weißen Haus soll die Vereinbarung, neben der Bekräftigung früherer Handelsabkommen, die Versorgung der USA und Japans mit kritischen Mineralien und Seltenen Erden sichern. Ziel ist es, Lieferketten stabiler und diversifizierter zu gestalten sowie Investitionen, Handel und Recycling-Technologien in beiden Ländern zu fördern. [Quellen: The White House I, The White House II]

🌐 China und Asean-Staaten erweitern Freihandelsabkommen. Die neue „Version 3.0“ soll angesichts globaler Spannungen im regelbasierten internationalen Wirtschafts- und Handelssystem ein gemeinsames Bekenntnis zu Multilateralismus und freiem Handel darstellen, erklärte ein Vertreter des chinesischen Handelsministeriums. Der bilaterale Handel zwischen China und den 11 Asean-Staaten belief sich 2024 auf 982,3 Mrd. Euro. In der neuen Version wird die Zusammenarbeit in bestehenden Bereichen intensiviert. Darüber hinaus werden neue Felder wie die digitale und grüne Ökonomie, die Lieferkettenvernetzung und der Verbraucherschutz ergänzt. [Quelle: Staatsrat der Volksrepublik China]

🌐 Globaler M&A-Markt erreicht 1,9 Bill. US-Dollar Transaktionsvolumen. Laut dem aktuellen Jahresbericht der Boston Consulting Group entspricht dies einem Plus von 10 % gegenüber dem Vorjahr. Die USA bleiben das Zentrum der globalen M&A-Aktivitäten und machen 62 % des weltweiten Transaktionswerts aus. Regionen wie Afrika, der Nahe Osten und Zentralasien verzeichnen einen Zuwachs von 6 %. Europa (-5 %) und die Asien-Pazifik-Region (-19 %) hingegen verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr rückläufige Zahlen. [Quelle: BCG]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Frühschätzungen zu Industrie und Bau, Ankünfte und Nächtigungen sowie Arbeitslosigkeit nach internationaler Definition (jeweils für September 2025).

9:00 Uhr, Wien: Verteidigungsministerin Tanner, Staatssekretär Leichtfried und Klubobmann Shetty präsentieren Drohnenabwehrstrategie (Ministerratsbeschluss per Umlauf) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Bank Austria gibt Einkaufsmanagerindex für Oktober bekannt.

19:00 Uhr, Washington D.C., USA: US-Notenbank Federal Reserve gibt Zinsbeschluss bekannt; 20:30 Uhr Pressekonferenz mit Fed-Präsident Powell

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Daniel Hiesberger ist International Sales Manager bei Murexin. Christian Wurzberger verantwortet die Verkaufsleitung für Almdudler in Österreich. Der Kärntner SPÖ-Landtagsabgeordnete Ervin Hukarevic hat sein Mandat zurückgelegt, auf ihn soll mit 13. November Armin Geißler folgen.

Geburtstage: Wir gratulieren Johanna Setzer und Cornelia Hütter zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: „Gleichstellungspolitiken auf dem Prüfstand“ mit Anna Sporrer, Natascha Fürst, Sandra Konstatzky, Amelie Muthsam und Barbara Hofmann am Renner Institut [Info]

19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Der unterschätzte Kontinent“ von und mit Gerald Karner in der Bücherwelt Wollzeile [Info]

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