Morning in Brief ・ 29.09.2025

Morning in Brief, 29. September 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Rückschlag für die Industrie durch schwache Nachfrage. Nach dem Aufwärtstrend im Sommer hat sich die Lage in der heimischen Industrie wieder eingetrübt – der Einkaufsmanagerindex der UniCredit Bank Austria sank im September um 1,5 Punkte auf 47,6 Zähler. Auch in Europa hat sich die Industriekonjunktur verschlechtert, v. a. in Deutschland und Frankreich. Der Index für den Euroraum rutschte knapp unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten zurück. Von europäischen Handelspartnerländern seien zumindest kurzfristig kaum frische Impulse für die österreichische Industrie zu erwarten. Durch die schwache Nachfrage sank auch die Produktionsleistung wieder unter die Wachstumsschwelle und der Beschäftigungsabbau beschleunigte sich. „In der Sachgütererzeugung arbeiten derzeit rund 620.000 Personen, das sind knapp 26.000 weniger als im Frühjahr 2023“, so Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. [Quelle: UniCredit Bank Austria]

Bildungskarenz: „Viel Geld ausgegeben ohne ernsthafte Kontrolle“
Interview mit Carmen Treml

Als eine ihrer ersten Maßnahmen schaffte die schwarz-rot-pinke Regierung die Bildungskarenz ab. „Bei der Bildungskarenz sind die Kosten derart in die Höhe geschossen, dass jedem klar wurde, man muss etwas tun“, so Agenda-Austria-Ökonomin Carmen Treml. Durch das Nachfolgemodell, die Weiterbildungszeit, wurden nun „ein paar grundlegende Fehler im System behoben“, so Treml. In Zukunft sollen etwa 26 Wochen zwischen Elternkarenz und Weiterbildungszeit vorgewiesen werden müssen.

Grafik (von Christoph Hofer): Im Jahr 2024 erreichten die Ausgaben für Bildungskarenz mit 634 Mio. Euro einen Rekordwert. Im Vergleich zu 2021 (297 Mio. Euro) bedeutet dies mehr als eine Verdopplung der Kosten innerhalb von vier Jahren. Zwei Drittel der Ausgaben entfielen auf das Weiterbildungsgeld für Bezieher der Bildungskarenz, ein Drittel auf die vom AMS überwiesenen Sozialversicherungsbeiträge. Der Anstieg der Kosten ist vor allem auf eine gestiegene Inanspruchnahme zurückzuführen, insbesondere durch Frauen, die seit 2020 vermehrt direkt im Anschluss an eine Elternkarenz eine Bildungskarenz beantragten. [Quelle: Agenda Austria]

🇦🇹 Kriegsmaterialgesetz soll novelliert werden. Damit Österreich von den 20 Mrd. Euro des insgesamt 800 Mrd. Euro schweren „ReArm Europe Plan 2030“ profitieren kann, soll das Kriegsmaterialgesetz „an die Notwendigkeiten unserer Zeit angepasst“ und novelliert werden, so Staatssekretär Schellhorn. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer lässt weiters eine Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes erarbeiten, um Dual-Use-Güter leichter exportieren zu können. [Quelle: Kurier]

🇦🇹 Reformpartnerschaft will Gemeinden entlasten. Die Reformpartnerschaft zwischen Bund, Ländern, Städte- und Gemeindebund soll „sehr bald ein signifikantes Paket“ mit Erleichterungen bringen, so Staatssekretär Sepp Schellhorn. Die rechtlichen Grundlagen von Gemeindekooperationen sollen vereinfacht werden, die Umsatzsteuer bei Leistungserbringung zwischen Gemeinden vereinfacht und eine gemeindeübergreifende Datenplattform geschaffen werden. Auch soll ein bundesweit einheitliches Verwaltungsstrafregister eingeführt werden. Der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek spricht sich für eine größere Verwaltungsreform im Zuge der „Reformpartnerschaft“ aus – einer „wischiwaschi“-Reform will er nicht zustimmen. [Quelle: Bundeskanzleramt, Kunasek in der Pressestunde]

🇦🇹 Tourismus-Rekord: 116 Mio. Nächtigungen. Von Jänner bis August wurden in Österreich 116,02 Mio. Nächtigungen verzeichnet, für die ersten 8 Monate ist das ein neuer Nächtigungsrekord. Im August, dem traditionell nächtigungsstärksten Monat, sind die Nächtigungen um 0,7 % gestiegen, drei Viertel der Gäste waren aus dem Ausland. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zeigt sich ob des Nächtigungsrekordes für die kommende Wintersaison optimistisch: „Ein guter Sommer gibt Zuversicht für eine starke Wintersaison.“ Im Vorjahr wurden insgesamt 154,3 Mio. Nächtigungen verzeichnet, der Tourismus-Anteil am BIP lag bei 6,2 %. Quellen: Statistik Austria, BMWET I, BMWET II]

🇦🇹 Unterinflationäre Abschlüsse in Sozialwirtschaft „gar nicht vorstellbar“. „Abschlüsse unter der Inflationsrate können wir uns gar nicht vorstellen“, hält GPA-Chefverhandlerin Eva Scherz fest. Die Sozialwirtschaft sei mit der Metallindustrie nicht vergleichbar, man orientiere sich nicht am Export und man leide nicht an Auftrags- sondern an Arbeitskräftemangel. Die Arbeitgeberseite verweist auf den österreichweiten Spardruck der öffentlichen Hand. Vor der Forderungsübergabe am Mittwoch (1. Oktober) wollte keine Seite eine konkrete Zahl aussprechen. Im Vorjahr wurde der Kollektivvertrag in der Sozialwirtschaft um 4 % erhöht. [Quellen: APA via Medienberichte, GPA]

🇪🇺🇺🇸 EU soll vor neuen Pharma-Zöllen verschont bleiben. Ab 1. Oktober will US-Präsident Trump Zölle in Höhe von 100 % auf Pharma-Importe einheben, außer das jeweilige Unternehmen baut bereits eine Fabrik in den USA. Weiters werden Küchenmöbel mit 50 % und Polstermöbel mit 30 % Zoll belegt, auf Importe von Lkw und Trucks sollen 25 % gelten. Die Europäische Union soll laut Auskunft eines Kommissionsprechers sowie eines Beamten des Weißen Hauses von den Pharma-Zöllen ausgenommen und die Zölle weiterhin mit 15 % begrenzt sein. Die Schweiz und Großbritannien hingegen nicht. Für die anderen Bereiche sieht das EU-US-Zollabkommen keine expliziten Zollgrenzen vor. Kommissionsprecher Olof Gill geht dennoch davon aus, dass durch „die pauschale Zollobergrenze von 15 % für EU-Exporte […] für europäische Wirtschaftsakteure keine höheren Zölle anfallen werden“. [Quellen: Reuters, Euronews, Politico, Trump auf Truth Social: ad Pharma, ad Möbel, ad Trucks]

🇪🇺 EU-Wettbewerbsrat berät Österreich-Aufschlag und Verbrenner-Aus. Ab heute tagt in Brüssel der EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit. Den Start machen die Themen Binnenmarkt und Industrie, dazu ist am Montag auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer in Brüssel und will sich für ein Ende des „Österreich-Aufschlags“ einsetzen. Laut einem Bericht der Kronen Zeitung wird Hattmannsdorfer hierzu ein Positionspapier vorliegen, das auch die Unterstützung von Tschechien, Kroatien, Griechenland, Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Slowenien haben soll. Weiteres Thema beim Wettbewerbsrat wird auch das in der EU geplante Ende für Neuzulassungen von Verbrenner-Autos ab 2035 sein. [Quellen: Agenda Montag, Agenda Dienstag, Kronen Zeitung]

🇪🇺 Verbraucher erwarten höhere Inflation. Die Inflationserwartungen in der Eurozone für die nächsten 12 Monate sind auf 2,8 % (+0,2 Prozentpunkte) gestiegen. Die Erwartungen der Verbraucher für die nächsten 3 Jahre blieben unverändert bei 2,5 %, während die erwartete Inflation für die nächsten 5 Jahre auf 2,2 % (+0,1 Prozentpunkte) gestiegen ist. Die wahrgenommene Inflationsrate der letzten 12 Monate lag im August bei unverändert 3,1 %. [Quelle: EZB]

🇩🇪 43 Mio. Tonnen Lithium entdeckt. In Sachsen-Anhalt wurde mit 43 Mio. Tonnen einer der weltweit größten Lithium-Vorräte entdeckt. Bei einem Pilotversuch wurde batteriefähiges Lithium hergestellt, in einem der weiteren Schritte soll auch die kommerzielle Produktion erprobt werden. Lithium ist ein zentraler Rohstoff für die Akkus von Elektroautos. [Quellen: MDR, Neptune Energy]

🇪🇸 Spanische Wirtschaft wächst stärker. Die spanische Wirtschaftsleistung ist vom 1. auf das 2. Quartal um 0,8 % gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergibt sich ein Plus von 3,1 %. Die geleisteten Arbeitsstunden stiegen im Jahresvergleich um 1,3 %, die Beschäftigung stieg um 3,5 %. Die Ratingagentur Fitch hob daraufhin das Rating Spaniens auf „A“ an, Moody’s stufte die Bonität mit „A3“ ein. [Quellen: INE, Fitch, Moody‘s]

🇮🇷 „Snapback“: Iran-Sanktionen wieder in Kraft. Die UNO-Sanktionen gegen den Iran sind im Rahmen des „Snapback“-Mechanismus nach 10 Jahren wieder in Kraft getreten. Dadurch werden unter anderem Vermögenswerte eingefroren, die weitere Urananreicherung verboten sowie ein Waffenembargo wieder in Kraft gesetzt. Auslöser waren Bedenken über die iranische Urananreicherung, die über zivile Zwecke hinausgeht. Die USA fordern direkte Verhandlungen mit dem Iran, auch der deutsche Außenminister Wadephul hält eine diplomatische Lösung noch für möglich: „Wir bleiben offen für Verhandlungen über eine neue Vereinbarung“. Die iranische Währung ist nach dem Wiedereinsetzen der Sanktionen auf ein Rekordtief gefallen – für 1 US-Dollar müssen nun über 1,2 Mio. iranische Rial aufgebracht werden. [Quelle: Reuters, Statement der Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens, Auswärtiges Amt]

🇺🇸 USA droht „Government Shutdown“ – Stimmung verschlechtert. Sollte bis Mittwoch kein neues Budgetgesetz verabschiedet werden, droht den USA der Stillstand der Bundesverwaltung. In der Zeit des „Government Shutdown“ sind viele Bundesbehörden nicht verfügbar, die meisten Beschäftigten und Beamten werden unbezahlt zwangsbeurlaubt. Die Trump-Administration plant dieses Mal jedoch stattdessen Massenentlassungen. Der Shutdown würde in eine bereits eingetrübte Stimmungslage fallen – im September ist das Konsumklima in den USA stärker als erwartet gesunken. Mit 55,1 Punkten wurden gegenüber dem Vormonat 5,3 % eingebüßt, gegenüber dem Vorjahresmonat sogar 21,4 %. [Quellen: Politico, Reuters I, Reuters II, University of Michigan]

Selektive Agenda:

Heute, New York City: Generalversammlung der Vereinten Nationen (letzter Tag)

9:00 Uhr, Brüssel: Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer beim EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit (Binnenmarkt und Industrie) (bis 30.9.)

11:00 Uhr, Luxemburg: Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens in der Eurozone für Wirtschaft und Industrie für September

Wochenvorschau:

Am heutigen Montag jährt sich die Nationalratswahl 2024 zum ersten Mal. In Brüssel tagt der EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will sich dort für ein Ende des sogenannten „Österreich-Aufschlags“ einsetzen. Am Abend findet in Wien das Trendforum zum Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) von Oesterreichs Energie statt.

Am Dienstag starten in Wien die Nachverhandlungen für die Gehälter im Öffentlichen Dienst. Der bereits beschlossene Abschluss von 3,3 % für 2026 soll aufgeschnürt werden. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner reist für den EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit (Forschung und Weltraum) nach Brüssel.

Der Mittwoch wird der ereignisreichste Tag der Woche: Am Vormittag veröffentlicht die Statistik Austria ihre Schnellschätzung zur Inflation im September, weiters tritt die Bundesregierung zu einem Ministerrat zusammen. Die Sozialpartner übergeben ihre jeweiligen Forderungen zu den Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft; für die Bahn-Beschäftigten gehen die KV-Verhandlungen bereits in die 2. Runde. An den österreichischen Universitäten beginnt das Wintersemester mit einigen Neuerungen, so startet etwa das Elementarpädagogik-Grundstudium. Bundeskanzler Christian Stocker nimmt am informellen EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen teil. US-Präsident Donald Trump will ab Mittwoch unter anderem 100 % Zoll auf Pharma-Importe einheben, gleichzeitig drohen den USA ein „Government Shutdown“ und Massenentlassungen im öffentlichen Dienst.

Ab Donnerstag treffen sich Vertreter von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden beim 71. Österreichischen Gemeindetag in Klagenfurt.

Am Samstag lädt der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt zum „Munich Meeting on Migration“, neben EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sollen weitere europäische Innenminister zu Gast sein.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Thomas Prunner ist neuer Moderator von „Burgenland heute“. David Pototschnig wird neuer Kärntner SPÖ-Landesgeschäftsführer. Uta Kogler-Maier folgt im Juni 2026 auf Gert Spanz als Vorständin für Risikomanagement und Banksteuerung an der Raiffeisen Landesbank Kärnten. Peter Ernst Gaugg wird neues Aufsichtsratsmitglied bei Zumtobel. Markus Figl wurde mit 86,1 % zum neuen Landesparteiobmann der ÖVP Wien gewählt. Gerald Fleischmann macht sich als PR-Berater selbstständig.

Geburtstage: Wir gratulieren Philip Kucher und Ivica Vastić zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, München: Start der „Bits & Pretzels“-Konferenz (bis 1.10.) u. a. mit Dorothee Bär, Karsten Wildberger. [Info]

Ab 9:00 Uhr, Salzburg: 21. Salzburg Europe Summit u. a. mit Karoline Edtstadler, Magnus Brunner und Claudia Plakolm [Info]

13:00 Uhr, Wien: e-commerce Logistic Day in den „Twin Towers“ am Wiener Berg [Info]

18:00 Uhr, Wien: Trendforum zum Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) von Oesterreichs Energie im Belvedere 21 mit Elisabeth Zehetner, Michael Strugl und Barbara Schmidt [invite only, Liveübertragung]

18:00 Uhr, Klagenfurt: Markus Marterbauer besucht Klagenfurt im Rahmen der SPÖ-Tour „Gemeinsam auf Kurs“ [Info]

19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Macht und Kontrolle“ von und mit Martin Thür im ORF-Radiokulturhaus [Info]

19:30 Uhr, Wien: Kreisky-Forum „Ins Rampenlicht – Persönlichkeiten der SPÖ zu Beginn der Zweiten Republik“ – Robert Misik im Gespräch mit Heinz Fischer, Hilde Hawlicek und Wolfgang Greif [Info]

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