Morning in Brief ・ 03.02.2026

Morning in Brief, 3. Februar 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 IHS senkt Inflationsprognose für 2026. Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat seine Inflationserwartungen für heuer von 2,5 % auf nunmehr 2,2 % gesenkt. Der Großteil des Rückgangs sei darauf zurückzuführen, dass das Auslaufen der Energiepreisbremse Anfang 2025 nun nicht mehr in der Inflationsberechnung berücksichtigt werde. Dieser Basiseffekt macht laut IHS rund 0,8 Prozentpunkte des Rückgangs aus. 0,7 Prozentpunkte entfallen auf die Entlastungsmaßnahmen der Regierung im Energiebereich – darunter die Senkung der Elektrizitätsabgabe, die Preissenkungen von Verbund und EVN sowie der Sozialtarif im „Günstiger-Strom-Gesetz“. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Nahrungsmittel soll die Teuerung um 0,2 Prozentpunkte drücken, die Mietpreisbremse um 0,13 Prozentpunkte. IHS-Ökonom Sebastian Koch betont jedoch die verbleibenden Risiken vor allem durch geopolitische Unsicherheiten, die die Öl- und Gaspreise wieder in die Höhe treiben könnten. [Quelle: IHS via Medienberichte | Reaktionen: SPÖ, ÖVP, Hattmannsdorfer auf Linkedin]

„Wirtschaftliche Katastrophe, dass so viel Güterverkehr weiterhin auf der Straße stattfindet“
Interview mit Sebastian Kummer

Sebastian Kummer, der Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien, ortet in Österreich „bei der Bahnpolitik insgesamt ein Problem“. Das Verkehrsmittel Bahn sollte konsequent dort eingesetzt werden, wo es seine Stärken ausspielen kann. Dass es statt Fortschritten sogar Rückschritte bei der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene gibt, bezeichnet er als „wirtschaftliche Katastrophe“. Jeder Gütertransport über 500 Kilometer Strecke müsste daher „jedenfalls auf der Schiene stattfinden“, fordert Kummer.

💡 Arbeitnehmer wären Hauptgewinner einer Lohnnebenkostensenkung. Laut einer EcoAustria-Studie würde eine Reduktion des FLAF-Beitrags um 1 Prozentpunkt mittelfristig die realen Nettolöhne um 0,37 Prozentpunkte steigern. Arbeitgeber profitieren von 0,34 Prozentpunkten geringeren Lohnkosten, und durch dynamische Rückflüsse (mehr Beschäftigung, höhere Abgaben) fließen 0,28 Prozentpunkte zurück an den Staat – die Maßnahme finanziert sich damit teilweise selbst. „Eine Reduktion der Lohnnebenkosten würde die Kosten der Unternehmen dämpfen, die Erwerbseinkommen stärken und wäre über die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit ein Schritt zur Belebung der Wirtschaft“, so EcoAustria-Ökonom Johannes Berger. Im Regierungsprogramm ist eine Senkung der Lohnnebenkosten erst ab 2027 vorgesehen, Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) drängt jedoch gegenüber der Kronen Zeitung auf ein Vorziehen von Entlastungsschritten. [Quellen: EcoAustria, Kronen Zeitung | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 Arbeitslosigkeit steigt auf 8,8 %. Im Jänner 2026 waren österreichweit 456.192 Menschen arbeitslos oder in Schulungen des AMS gemeldet, ein Anstieg um 10.679 Personen im Vergleich zum Jänner 2025. Fast die Hälfte des Anstiegs geht auf Personen mit akademischer Ausbildung zurück (+4.905). Die Arbeitslosenquote lag mit 8,8 %, um 0,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahresmonat. Die Talsohle am Arbeitsmarkt ist noch nicht zur Gänze durchschritten, so AMS-Vorständin Petra Draxel. Die Zahl der sofort verfügbaren Stellen ist um 10,5 % gesunken, jene der offenen Lehrstellen um 14,8 %. [Quellen: AMS, BMASGPK | Reaktionen: SPÖ, Grüne, IV]

🇦🇹 Sanierungsbonus kann nicht mehr beantragt werden. Im Rahmen der im November gestarteten „Sanierungsoffensive Neu“ entfielen zwei Drittel der Anträge auf den Sanierungsbonus für eine thermisch-energetische Sanierung und nur ein Drittel auf den Tausch des Heizkessels. Da der Kesseltausch jedoch deutlich höhere CO2-Einsparungen ermögliche, können nun keine neuen Anträge mehr für den Sanierungsbonus gestellt werden. Um den Heizkesseltausch weiterhin zu forcieren, stehen bis 2030 insgesamt 360 Mio. Euro zur Verfügung. Gefördert werden maximal 30 % der förderungsfähigen Investitionskosten. Beim alten Modell waren es bis zu 75 % gewesen. [Quelle: BMLUK | Reaktionen: EEÖ, FBI]

🇦🇹 Salzburg stellt Beschleunigungsgebiete nur für Photovoltaik. Das Land Salzburg wird die im Rahmen der RED-III-Richtlinie der EU geforderten Beschleunigungsgebiete für erneuerbare Energien ausschließlich für Photovoltaikanlagen ausweisen. Vorgesehen sei eine Fläche von 135 Hektar entlang von Autobahnen, so der Salzburger Landesrat für Raumordnung Martin Zauner (FPÖ). Ausgenommen sind etwa Natur-, Europa- und Landschaftsschutzgebiete. Projekte für Wind- und Wasserkraft sowie PV-Anlagen außerhalb der festgelegten Gebiete müssen weiterhin durch Prüfverfahren. In Salzburg gibt es bisher keine Windkraftanlagen. [Quelle: Land Salzburg | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

🇪🇺 🇦🇹 Industrie-Stimmung steigt in der Eurozone und sinkt in Österreich. Die Stimmung der Industrie in der Eurozone hat sich im Jänner verbessert. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global für die Industrie stieg zwar im Monatsabstand auf 49,5 Punkte, liegt jedoch weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Für Österreich fiel der Wert auf 47,2 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 7 Monaten. Deutschland verzeichnete mit 49,1 Zählern den höchsten Wert seit 3 Monaten. Über der Wachstumsschwelle liegen Griechenland mit 54,2 Punkten, Frankreich mit 51,2 Punkten – dem höchsten Wert seit 43 Monaten – und die Niederlande mit 50,1 Punkten. [Quellen: S&P Global – Eurozone, Deutschland, Griechenland, Frankreich]

🇪🇺 🇦🇹 Jobabbau in der Autoindustrie weitet sich aus. Laut einer aktuellen Analyse sind in der europäischen Automobilindustrie in den letzten 2 Jahren rund 166.000 Arbeitsplätze verlorengegangen, während nur rund 15.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Hierzulande gingen demnach in den Jahren 2024 und 2025 rund 4.900 Jobs in der Automobilindustrie sowie bei Zulieferern verloren. Österreich liegt damit auf Platz 5 im Europa-Vergleich, Deutschland ist mit einem Minus von fast 110.000 Jobs am stärksten betroffen. Die eFuel alliance zeigt sich mit dem Automotive Paket der EU-Kommission unzufrieden, dieses zementiere das „E-Auto-Monopol“ weiter ein und würde durch die Einführung verpflichtender Beschaffungsquoten für weitere Belastungen sorgen. Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance, erneuert seine Forderung nach Technologieoffenheit: „Ohne echte Öffnung für alle Technologien droht der weitere Niedergang der europäischen Autoindustrie“. [Quelle: eFuel alliance, Pressegespräch]

🇪🇺 EU-Industriekommissar fordert mehr „Made in Europe“. Unternehmen, die mit öffentlichen Geldern unterstützt werden, müssen einen bedeutenden Teil ihrer Produktion in Europa erbringen, fordert Stéphane Séjourné, EU-Kommissar für Wohlstand und Industriestrategie. Vor dem Hintergrund einer „von Machtgefügen bestimmten Welt“, in der der internationale, regelbasierte Wettbewerb an Bedeutung verliere, sei die Zeit gekommen, in der nach dem Motto „Made in Europe“ mehr und strategischer in Europa produziert werden müsse. „Wann immer europäische öffentliche Gelder eingesetzt werden, müssen sie zur europäischen Produktion und zu hochwertigen Arbeitsplätzen beitragen“, schreibt Séjourné. Neben Séjourné wurde der Aufruf von 1.141 europäischen CEOs, Wirtschafts- und Gewerkschaftsführern unterzeichnet. Nächste Woche findet ein Sondergipfel des Europäischen Rates statt, der sich u. a. mit der Nutzung des Potenzials des EU-Binnenmarktes befasst. [Quellen: Handelsblatt, Séjourné auf X, Europäischer Rat]

🇪🇺 🇸🇬 Digital-Handelsabkommen zwischen der EU und Singapur in Kraft getreten. Das digitale Handelsabkommen zwischen der EU und Singapur soll den digitalen Handel erleichtern und Verbraucher besser schützen. Zudem soll es Unternehmen durch klare Regeln, papierlosen Handel und den Abbau protektionistischer Maßnahmen mehr Rechtssicherheit geben. Das digitale Handelsabkommen baut auf dem 2019 abgeschlossenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Singapur auf. Im Jahr 2024 betrug das Handelsvolumen zwischen der EU und Singapur 131 Mrd. Euro, davon entfielen 83 Mrd. auf den Dienstleistungs- und 48 Mrd. Euro auf den Warenhandel. Mehr als die Hälfte des Dienstleistungsverkehrs wird digital abgewickelt. [Quellen: Maroš Šefčovič auf X, Handelsministerium Singapur, EU-Kommission]

🇪🇺 EuRH warnt vor Rohstoff-Abhängigkeit von China. Der Europäische Rechnungshof (EuRH) ortet eine drohende Abhängigkeit der EU von China bei kritischen Rohstoffen. Derzeit bezieht die EU fast ihren gesamten Bedarf an Seltenen Erden, die vor allem in der Autoindustrie sowie für Windräder und Photovoltaik benötigt werden, aus China. Bis 2030 sollen zumindest 10 % des EU-Bedarfs aus eigener Förderung gedeckt und die Recyclingquote gesteigert werden – diese Ziele werde man laut EuRH aber verfehlen. Aktuell würden kritische Rohstoffe in der EU kaum oder gar nicht wiederverwertet werden. China halte einen Großteil der Patente für die Verarbeitung von Seltenen Erden und nutze dies als Druckmittel in Handelskonflikten. Mehr Recycling sei mit einem deutlichen Mehraufwand für Unternehmen verbunden, wofür es derzeit keine Anreize gebe. US-Präsident Trump kündigte gestern die Einrichtung einer US-Reserve an kritischen Rohstoffen an. [Quellen: EuRH, Exim | Grafik: China dominiert Seltene Erden Reserven]

🇩🇪 Deutscher Einzelhandel verzeichnet Umsatzplus. Der Einzelhandel in Deutschland konnte seinen Umsatz 2025 gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 2,7 % steigern. Im 1. Halbjahr war noch ein Plus von 3,8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu beobachten, ehe sich die Umsatzentwicklung in der 2. Jahreshälfte mit einem Zuwachs von 1,7 % etwas abschwächte. Die Erwartungen der Einzelhandelsunternehmen bleiben aber verhalten: 49 % rechnen heuer mit einem Umsatzrückgang, nur 23 % erwarten steigende Erlöse. 29 % der Einzelhändler gehen davon aus, dass die Umsätze auf dem Niveau von 2025 liegen. [Quellen: Statistisches Bundesamt, HDE]

🇨🇳 Chinas Industrie wächst schneller. Der chinesische RatingDog-Einkaufsmanagerindex hat von Dezember auf Jänner um 0,2 Punkte auf 50,3 Zähler zugelegt. Aufgrund einer Zunahme bei den Neuaufträgen konnten Produktion und Beschäftigung leicht ausgeweitet werden, gleichzeitig ist aber das Geschäftsklima aufgrund steigender Kosten auf ein 9-Monats-Tief gesunken. „Die Gewinnmargen werden weiterhin unter Druck stehen, wenn der Kostendruck anhält und sich die Nachfrage nur begrenzt erholt“, so RatingDog-Gründer Yao Yu. [Quelle: S&P Global]

🇺🇸 🇮🇳 USA und Indien schließen „Deal“ ab. Laut US-Präsident Donald Trump hat Indien sich bereit erklärt, auf russisches Öl zu verzichten. Stattdessen werde Indien vermehrt Öl aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela beziehen, so Trump. Daher werde der Strafzoll von 25 % gestrichen und der allgemeine Zollsatz für Indien von 25 auf 18 % gesenkt. Wann die neuen Zollsätze in Kraft treten sollen blieb vorerst offen. [Quellen: Trump auf Truth Social, Modi auf X, Reuters]

🌐 Globaler M&A-Transaktionswert steigt 2025 auf 4,9 Bio. US-Dollar. Der weltweite M&A-Transaktionswert stieg von 2024 auf 2025 um 40 % auf 4,9 Bio. US-Dollar. Ein höherer Wert wurde nur im Jahr 2021 mit 5,6 Bio. US-Dollar erreicht. Alle Regionen und Branchen verzeichneten im Jahresvergleich zweistellige Zuwächse. Innerhalb der Eurozone fanden Fusionen und Übernahmen im Wert von 379 Mrd. US-Dollar statt, was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von 50 % entspricht. [Quelle: Bain & Company – Bericht, Regionen]

Selektive Agenda:

Heute, Nikosia, Zypern: Informeller EU-Rat Wettbewerbsfähigkeit (Binnenmarkt und Industrie) [Info]

14:30 Uhr, Europäische Union: Informelle Videokonferenz der für Wohnraum zuständigen Ministerinnen und Minister [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Verena Knogler ist neue Landesgeschäftsführerin der Wiener Grünen. Alexander Hohl ist neu in der Geschäftsführung von Fresenius Kabi Austria und übernimmt die Funktion des Site Head am Standort Graz. Martin Kernthaler ist neuer Head of Marketing bei Payback Österreich. Julia Kröll wurde mit Anfang Februar 2026 zur neuen Landesgeschäftsführerin des AMS Salzburg bestellt.

Geburtstage: Wir gratulieren Ulrike Nittmann, Petr Baxant, Katia Wagner und Anton Nigl zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

18:30 Uhr, Innsbruck: Eröffnung des „Campus Tivoli West“ u. a. mit Wolfgang Sobotka [Info]

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