Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Christoph Hofer und David Schima – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Budgetdefizit 1 Mrd. Euro höher als erwartet. Gegenüber den Prognosen bei der Erstellung des Doppelbudgets 2025/26 im April wird das Defizit in Österreich um 1 Mrd. Euro höher ausfallen. Finanzminister Markus Marterbauer rechnet mit einem Minus von 23,2 Mrd. Euro – das entspricht 4,54 % statt den ursprünglich prognostizierten 4,51 % des BIP. Das Defizitziel von 4,5 % würde damit weiterhin knapp eingehalten werden. Dies liegt vor allem an den leicht verbesserten BIP-Prognosen für 2025. Im Bund sei das Minus geringer als noch im April und werde rund 3,2 % des BIP (16,4 Mrd. Euro) betragen, so Marterbauer. Die Verschlechterung zur Prognose liege vor allem an den Ländern und Gemeinden sowie der Sozialversicherung – diese würden das geplante Defizit um rund 1,4 Mrd. bzw. 440 Mio. Euro überschreiten. Die Gemeinden hatten zuletzt einen Anteil der Staatseinnahmen aus Bankenabgabe und CO2-Steuer gefordert, beides lehnte Marterbauer ab. [Quellen: Pressekonferenz Marterbauer via OE24, APA | Reaktionen: FPÖ, Grüne]
„Deutschland wird keine Alternative zu Atomkraft haben“
Interview mit Johannes Benigni
Wenn Deutschland in seinen neuen Gaskraftwerken in Zukunft grünen Wasserstoff verheizt, wird es teuer. Während Österreich für die Grundlast Wasserkraft hat, habe Deutschland praktisch keine Alternative als zu Atomkraft zurückzukehren, sagt Johannes Benigni. Er rechnet damit, dass der Gaspreis in Österreich weiter steigen wird – schon jetzt ist er höher als in Nachbarländern.
Grafik (von Christoph Hofer): Im August 2025 betrug der Preis für europäisches Erdgas (TTF) 10,95 US-Dollar pro mmBTU (Million British Thermal Units). Das entspricht einem Rückgang von 1,24 US-Dollar im Vergleich zum Vorjahrsmonat. Dennoch bleibt der Gaspreis in Europa fast viermal so hoch wie in den USA, wo der Preis am Henry Hub im August bei 2,89 US-Dollar pro mmBTU lag. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 schnellten die europäischen Gaspreise zeitweise auf bis zu 70 US-Dollar pro mmBTU in die Höhe. Zuletzt lag der Preis für US-Gas im Jahr 2006 über dem von europäischem Gas. Der Fracking-Boom in den USA, der um 2005 begann, führte zu einer erheblichen Verbilligung von US-Erdgas. [Quellen: IWF, Neos Lab]

🇦🇹 Netzbetreiber drängen auf Verfahrensbeschleunigung. Die im Forum Versorgungssicherheit zusammengeschlossenen Verteilernetzbetreiber fordern erneut schnellere Verfahren und die rasche Umsetzung von ElWG und EABG ein. „Wir können uns keine jahrelangen Verfahren mehr leisten“, betont Michael Haselauer, Geschäftsführer von Netz Oberösterreich. Die Netzbetreiber würden seit dem Jahr 2013 auf den nötigen Ausbau hinweisen, aber der gesetzliche Rahmen sei nicht rechtzeitig geändert worden. „Der Netzausbau wurde nicht verschlafen – aber Netzausbau auf Vorrat ist nicht möglich, sondern nur nach Vorgabe der Regulierung“, so Haselauer. [Quelle: Hintergrundgespräch, Forum Versorgungssicherheit]
🇦🇹 Erbschaftsteuer für Gesundheitssystem „Tropfen auf heißem Stein“. Gesundheits-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig will die steigenden Kosten des Gesundheitssystems laut Kurier mit einer Erbschaftsteuer abfedern. 2024 lagen die Ausgaben für den Bereich Gesundheit bei 42,9 Mrd. Euro. Das Steueraufkommen der 2008 in Österreich abgeschafften Erbschaft- und Schenkungssteuer lag damals bei rund 150 Mio. Euro pro Jahr. Die WKÖ geht von einem möglichen Volumen von bis zu 800 Mio. Euro bei Wiedereinführung aus und sieht Betriebe besonders belastet. „Eine Erbschaftsteuer wäre also bloß ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentiert Ökonom Peter Brezinschek den Vorschlag von Königsberger-Ludwig. [Quellen: Kurier, Brezinschek auf LinkedIn, Statistik Austria, WKÖ]
🇦🇹 Leichter Rückgang bei Strom- und Gasverbrauch, Preise etwas gestiegen. Der Stromverbrauch in Österreich ist im August auf 5,03 Terawattstunden (TWh) gesunken – ein Minus von 0,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Mit 3,02 TWh (-1,0 %) verzeichnete in diesem Zeitraum auch der Gasverbrauch einen Rückgang. Die Stromerzeugung hingegen zog mit 6,56 TWh ordentlich an und lag um 8,3 % höher als im August des Vorjahres. Mit einem Minus von 12,5 % sank die Gasproduktion auf 0,47 TWh, während der Speicherinhalt mit 81,5 TWh deutlich unter dem Vorjahreswert von 93,7 TWh lag. Der Energiepreisindex (EPI) der Energieagentur ist im August im Monatsvergleich zwar insgesamt um 0,4 % gesunken – Strom und Gas wurden aber etwas teurer, Heizöl und Treibstoffe günstiger. Im Jahresabstand sind die Preise um 5,9 % höher. [Quellen: E-Control, Energieagentur]
🇦🇹 Regierung schlägt Überbrückungsförderung für Biogasanlagen vor. Bis zu einer gesetzlichen Reform der Förderung von Biogasanlagen schlugen die Regierungsfraktionen im gestrigen Wirtschaftsausschuss des Nationalrats, eine Überbrückungslösung für Anlagen vor, deren Vertrag 2026 endet. Für 18 Monate sollen die bestehenden Förderungen verlängert werden. Da es sich um eine Zweidrittelmaterie handelt, müssten diesem Vorschlag FPÖ oder die Grünen zustimmen. Die Grünen zeigten sich verhandlungsbereit, die FPÖ stand dem Anliegen zunächst ablehnend gegenüber. [Quellen: Parlamentsaussendung, Presseaussendung ÖVP-Klub]
🇦🇹 Förderung für „Raus aus Öl und Gas“-Programm soll halbiert werden. Wie die Krone berichtet sollen ab 2026 um 1,8 Mrd. Euro weniger Förderungen für den energetischen Umstieg aus Öl und Gas zur Verfügung stehen (bisher: 3,6 Mrd. Euro). Statt einer Förderquote von zuletzt bis zu 75 % würde dies im Bereich der Fassadendämmung und Fenster eine Reduktion auf 30 % bedeuten. Heute tagt dazu die Kommission „Umwelt Förderung Inland“ – am Nachmittag präsentiert Umweltminister Norbert Totschnig Ergebnisse. [Quelle: Krone Freitagsausgabe, Livestream 14:00 Uhr]
🇦🇹 Tourismus: Trotz Übernachtungsrekord sinkende Einnahmen. Es ist „nicht alles Gold, was glänzt“, warnt die Bank Austria in ihrer aktuellen Tourismus-Analyse. Trotz eines Rekords von 154,3 Mio. Übernachtungen im Vorjahr lagen die preisbereinigten Einnahmen 2024 um 15,5 % unter dem Wert von 2019. Weiters sind die Einnahmen 2024 gegenüber 2023 geringfügig gesunken, was sich auch im 1. Halbjahr 2025 fortgesetzt hat. Die Einnahmen pro Übernachtung sind auf 85 % des Niveaus von 2019 gesunken. Die Bank Austria sieht die hohe Bedeutung des Tourismus für die österreichische Wirtschaft (BIP-Anteil 4,4 %) als „bedroht“ an. Der Kostennachteil soll durch Produktivitätsfortschritte schrittweise wieder wettgemacht werden und durch ein höheres Qualitätsangebot stärker auf überdurchschnittlich zahlungskräftige Touristen abgezielt werden, so die Empfehlungen. [Quelle: Bank Austria]
🇦🇹 🇪🇺 IV erneuert Forderung, Mercosur-Abkommen umzusetzen. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer pocht auf die rasche Umsetzung des Mercosur-Abkommens. Es sei nicht nur ein politisches Signal, sondern biete auch konkrete Wachstumschancen für die heimische Industrie. Laut einer Bank-Austria-Analyse könnte die Industrie von einem zusätzlichen Wertschöpfungseffekt von rund 300 Mio. Euro profitieren sowie 2.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze geschaffen werden. Die Abkommen mit Mexiko und Indonesien sollten ebenfalls rasch umgesetzt, jenes mit Indien zügig abgeschlossen werden, so Neumayer. [Quellen: IV, Bank Austria | Grafik: Welches Bundesland am meisten von Mercosur profitiert]
🇩🇪 Flugbetrieb in München vorübergehend eingestellt. Aufgrund einer Drohnensichtung wurde der Flugbetrieb am Flughafen München gestern um 22:18 Uhr eingeschränkt und etwas später ganz eingestellt. 17 Flüge konnten dadurch am Abend nicht mehr starten, knapp 3.000 Passagiere waren davon betroffen. 15 ankommende Flüge wurden umgeleitet. In den frühen Morgenstunden lief der Flugbetrieb wieder wie gewohnt. [Quelle: Flughafen München]
🇩🇪 Deutsches Wachstum von schwacher Industrie gedrückt. In den letzten 50 Jahren ging das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich zurück – von etwa 3 % pro Jahr in den 1970er-Jahren auf rund 1,5 % in den Jahren vor der Pandemie. Dieses Minus ist vor allem durch die schwache Dynamik in der deutschen Industrie zu erklären. Die Automobilindustrie, der Maschinenbau sowie eng mit der Industrie verflochtene Dienstleistungen wirkten sich negativ auf die Wachstumsrate der Gesamtwirtschaft aus. In den nächsten Jahren ist mit einer weiteren Abschwächung zu rechnen – vor allem durch fehlende Arbeitskräfte aufgrund des demografischen Wandels. [Quelle: Ifo-Institut]
🇺🇸 „Shutdown“ dämpft US-Wachstum. Da beim Bundeshaushalt für das kommende Fiskaljahr zuletzt keine Einigung erzielt werden konnte, stehen die US-Regierungsbehörden still. Dieser „Shutdown“ soll das Wirtschaftswachstum der USA pro Woche seiner Dauer um bis zu 0,2 Prozentpunkte dämpfen. Zudem steigt die wirtschaftliche Unsicherheit, da die frei verfügbaren Bundesausgaben vorübergehend gekürzt werden müssen. Hunderttausende Bundesbedienstete wurden bereits in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Eine weitere Folge des „Shutdowns“: Staatliche Statistikbehörden haben die Erhebung und Verkündung von wichtigen Konjunkturdaten bis auf Weiteres eingestellt. [Quellen: S&P Global, U.S. Bureau of Labor Statistics]
🇨🇭 Fast ein Fünftel mehr Firmeninsolvenzen in der Schweiz. In den ersten 9 Monaten des Jahres gingen in der Schweiz 8.387 Unternehmen in Konkurs. Das entspricht einem Plus von 19,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Am stärksten betroffen waren das Baugewerbe (1.192), die Gastronomie (872) und der Einzelhandel (606). Aber auch die Firmengründungen blieben mit 40.867 Unternehmen und einem Plus von 4,3 % gegenüber den ersten 3 Quartalen des Vorjahres hoch. [Quelle: CRIF]
Selektive Agenda:
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die Erzeugerpreise für August
Samstag, 14:15 Uhr, München: „Munich Meeting on Migration“ mit EU-Migrationskommissar Brunner, dt. Innenminister Dobrindt und weiteren europ. Innenministern [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Andrea Kdolsky übernimmt die Leitung des Maggie’s Centres im Burgenland. Christian Sajowitz wird neuer Leiter des Private Bankings der Steiermärkischen Sparkasse am Wiener Standort.
Geburtstage: Wir gratulieren Olga Voglauer zum Geburtstag! Am Samstag haben Franz Vranitzky und Christoph Waltz Geburtstag, am Sonntag Marcus Wadsak.