Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel – wir melden uns aus Bad Gastein.
News – das müssen Sie heute wissen:
Bewegung in der Pensionsdebatte. Im Vorfeld des erneuten Treffens der Parteispitzen von ÖVP, SPÖ und Neos am Montagvormittag haben sich Pensionistenvertreter gegen Änderungen im Pensionssystem in Stellung gebracht. Der Österreichische Seniorenbund mahnte eine „Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter statt einer Erhöhung“ ein. Der Pensionistenverband Österreichs ließ wissen, dass die Pensionisten die Rechnung des „Budgetdesasters“ nicht begleichen werden und die „Existenzgrundlage für 2,5 Mio. Menschen kein abstrakter Budgetposten“ sei. Die „Krone“ berichtete am Sonntag, dass in den Verhandlungen ein Schrauben an der Korridorpension und Steuererleichterungen zur Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters ein Thema sei. Ab 2030 könnte das gesetzliche Antrittsalter schrittweise steigen. Für Motorboote und Privathubschrauber soll ein Steuerschlupfloch geschlossen werden, berichtete die „Krone“ auch. [Quelle: PVÖ; ÖSB; Krone]
Kommentar: Über Geld spricht man nicht
von Heike Lehner
Mittlerweile ist es eine alte Leier: Die Österreicher lassen zu viel Erspartes auf Girokonten und Sparbüchern liegen. Dadurch entgehen ihnen Millionen Euro. Vermögensaufbau ist unmöglich. Auch wenn immer mehr Österreicher ihr Geld klug investieren, sind es trotzdem noch viel zu wenige. Dafür fehlt auch noch das nötige Finanzwissen. Und vor allen Dingen der klare Blick dafür, was uns eigentlich verwehrt bleibt, wenn wir es nicht tun.
Grafik (von Christoph Hofer): Gemessen am BIP investieren Herr und Frau Österreicher nur 6,8 Prozent (rund 33 Mrd. Euro) in private und betriebliche Pensionspläne. Vor allem im nördlicheren Europa (Dänemark: 198,1 Prozent, Niederlande: 147,1 Prozent, Schweden: 106,6 Prozent) fließt ein Vielfaches in diese. [Quellen: OECD; Agenda Austria]

Mehr Ministerien. „Heute“ will eine erste mögliche Ressort-Verteilung unter ÖVP-SPÖ-Neos in Erfahrung gebracht haben. ÖVP angeblich: Innenministerium, Finanzen, Außenministerium, Landwirtschaft, Umwelt, EU und Verfassung; SPÖ angeblich: Arbeit und Soziales, Verteidigung, Verkehr, Gesundheit, Frauen und Famile; Neos angeblich: Bildung, Zukunft. Laut einem Bericht der „Krone“ kursieren in den Parteien Pläne, die Zahl der Ministerien von 14 auf mindestens 16 zu erhöhen. Das soll geplanten Leuchtturmprojekten genug Raum geben. Denkbar seien eigene Ministerien für Wohnbau, Migration und Zukunft. Arbeit und Wirtschaft könnten wieder getrennt werden. Als sicher gelte die Aufteilung des Superministeriums von Leonore Gewessler für Klima, Energie, Verkehr und Infrastruktur. Klimaschutz könnte zur Landwirtschaft wandern. [Quelle: Heute; Krone]
Rechnungshof rügt Klimapolitik. Der Rechnungshof (RH) hat die Klimapolitik Österreichs untersucht – die letzte Prüfung fand 2021 statt. Nur die Hälfte von 20 Empfehlungen des RH seien umgesetzt worden. 2 Empfehlungen wurden vollständig und 8 teilweise umgesetzt. Die CO2-Emissionen im Nicht-Emmissionshandelsbereich (z.B. Verkehr, Landwirtschaft, Gebäude) sind 2022 um 5,0 Prozent und 2023 um 5,3 Prozent zurückgegangen. Der RH geht von einem geringeren Rückgang 2024 und 2025 aus und warnt vor hohen Zahlungen, wenn die EU-Vorgaben nicht erreicht würden. [Quelle: RH]
Industrierezession. Die Industriekonjunktur trübt sich zum Jahreswechsel erneut ein, es gibt keine Trendwende. Der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria sinkt im Dezember auf 43,3 Punkte – der Rückgang der Industrieproduktion hat sich beschleunigt. 2023 ist die Industrieproduktion um 1,1 Prozent zurückgegangen. 2024 rechnet die Bank Austria mit einem Rückgang von real 4,0 Prozent. Seit zweieinhalb Jahren befinde sich die Industrie in einer Rezession. Die Arbeitslosenquote in der Industrie liegt 2024 durchschnittlich bei 3,8 Prozent – für 2025 ist mit 4,5 Prozent zu rechnen. Im Verlauf des kommenden Jahres dürfte eine Trendwende einsetzen. [Quelle: Aussendung; UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex]
Förderungen. Die Förderung „Raus aus Öl und Gas“ ist ausgeschöpft. Derzeit sind keine Anträge mehr möglich – die zuständige Kommunalkredit Personal Consulting verweist auf die nächste Regierung. Im Rahmen der Sanierungsoffensive sind für Kesseltausch und Haussanierung in den vergangenen 4 Jahren 2,2 Mrd. Euro in 200.000 Projekte geflossen, so eine Bilanz von Anfang Dezember. Das bis 2027 in Aussicht gestellte Budget betrug 4 Mrd. Euro. Für den Handwerker-Bonus wurden bisher 65,4 Mio. Euro ausbezahlt, Anträge sind noch bis Ende Februar möglich – insgesamt stehen 300 Mio. Euro zur Verfügung. [Quelle: KPC; BMK; BMWA]
Weniger EU-Befürworter. Laut einer aktuellen Befragung sind nur 60 Prozent der Österreicher der Meinung, dass ihr Land EU-Mitglied bleiben soll – im Juni waren es noch 76 Prozent. Nur im Sommer 2008 gab es mit 59 Prozent einen niedrigeren Wert – der historische Tiefststand. 25 Prozent der Befragten sind für einen EU-Austritt. [Quelle: Österreichische Gesellschaft für Europapolitik]
Preis für Erdgas steigt. Am Freitag stieg der Preis für Erdgas in Europa gemäß dem Terminkontrakt TTF mit 48,02 Euro pro Megawattstunde beinahe auf das Jahreshoch, das Mitte November mit 49,55 Euro pro MWh erreicht wurde. Der Markt dürfte auf Berichte reagiert haben, laut derer Russlands Präsident Wladimir Putin eine Verlängerung des Gastransit-Abkommens mit der Ukraine noch heuer als zeitlich nicht machbar bezeichnet hatte. Die „Presse“ berichtet, dass der slowakische Premier Robert Fico der Ukraine damit droht, benötigte Stromlieferungen zu kappen, wenn der Gastransit mit Ende des Jahres gestoppt wird. In der frühen Phase des Ukraine-Kriegs 2022 lag der Gaspreis höher als 300 Euro pro MWh. Gazprom hat indes bekannt gegeben, mit Anfang Jänner die Gaslieferungen nach Moldau aufgrund angeblicher Schulden von Moldovagaz vorerst einzustellen. [Quelle: TTF-Kurs; Die Presse; AGGM; Medienberichte]
Nur noch USB-C. Seit Samstag müssen neue Smartphones, Tablets, Lautsprecher, Kopfhörer, Navigationssysteme, Mäuse und Drucker in der EU einen einheitlichen USB-C-Anschluss zum Laden haben. Ab dem Frühjahr 2026 umfasst die Regelung auch alle neuen Laptops. [Quelle: EU-Kommission]
Weniger Gewinn. Der Erlös der 100 umsatzstärksten Börsenunternehmen Deutschlands ist von Jänner bis September um vier Prozent zurückgegangen. Der operative Gewinn sank durchschnittlich um 19 Prozent. Am stärksten sank der Umsatz bei Energieversorgern (-26 Prozent) gefolgt von der Chemiebranche (-5 Prozent). Die Autobranche ist bei Umsatz und Gewinn nach wie vor Spitzenreiter, verzeichnet aber einen Rückgang von 2 Prozent. Mehr als 30.000 Jobs gingen in den neun Monaten verloren. [Quelle: EY]
China senkt Zölle auf bestimmte Rohstoffe. Mit 1. Jänner senkt China Importzölle auf Ethan und einige recycelte Kupfer- und Alurohstoffe. Damit soll die Binnennachfrage nach hochwertigen, CO2-armen Produkten ausgeweitet werden [Quelle: Reuters]
Selektive Agenda
9:00 Uhr, Wien: Die Sternsinger besuchen Verteidigungsministerin Tanner in der Rossauer Kaserne.
10:15, Wien: Innenminister Karner bei einem Lokalaugenschein des Einsatzstabs Wiener Silvesterpfad
ca. 11:00 Uhr, Wien: Parteichefs von ÖVP, SPÖ und Neos treffen sich zu weiteren Verhandlungen
13:00 Uhr, Wien: Die Sternsinger besuchen Bundespräsident Van der Bellen in der Präsidentschaftskanzlei.
14:15 Uhr, Wien: Schlussauktion der Wiener Börse zum Ende des Börsejahrs
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Brigadier Reinhard E. Bösch wird ab 1. Jänner die Stelle des amtsführenden Vorsitzenden der Parlamentarischen Bundesheerkommission übernehmen.
Geburtstage: Wir gratulieren Daniel Froschauer zum Geburtstag!