Morning in Brief ・ 30.12.2025

Morning in Brief, 30. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Industriebetriebe rechnen 2026 mit höherer Produktion. Obwohl der Einkaufsmanagerindex (EMI) der Bank Austria für Dezember einen Rückgang der Industriekonjunktur signalisiert, blicken die Unternehmen so zuversichtlich auf das kommende Jahr wie seit 4 Jahren nicht mehr. Nach dem Überschreiten der Wachstumsschwelle von 50 Punkten im November fiel der EMI im Dezember wieder auf 49,3 Punkte. Ausschlaggebend sind vor allem rückläufige Auslandsaufträge, die die Produktion dämpfen. Für 2026 rechnen die Unternehmen aber mit einer Ausweitung der Produktion – der Erwartungsindex stieg mit 59,8 Punkten auf den Höchststand seit 4 Jahren. Für 2026 erwartet die Bank Austria eine Arbeitslosenquote in der Industrie von durchschnittlich 4,3 % und einen realen Produktionszuwachs von rund 2 %. [Quelle: UniCredit Bank Austria | Grafik: Industrie kratzt an Wachstumsschwelle]

Kommentar: Wettbewerb wirkt – wie Strom wirklich billiger werden kann
von Christian Tesch

Im Jahr 2001 schließlich wurde der Telekom-Markt liberalisiert. Echter Wettbewerb zog ins Land, telefonieren wurde billiger und billiger. Gleichzeitig wurde auch der Strom-Markt liberalisiert. Mit ganz anderen Ergebnissen. Der Kampf um Kunden blieb zurückhaltend. Bis heute. Service und kundenorientierte Angebote sind Mangelware, Innovationen überschaubar, Preise hoch. Beim Handy hat sich das anders entwickelt. Der Grund? Ganz einfach: echter Wettbewerb. Der hat sich am Strommarkt nie eingestellt.

💡 Netzentgelte seit 2024 deutlich gestiegen. Mit 1. Jänner steigen die Netzentgelte für Gas im Österreich-Schnitt um 18,2 %. Seit 2024 ergibt sich laut einer aktuellen Analyse jedoch eine durchschnittliche Preissteigerung um 38 % oder 137 Euro – Niederösterreich (57 %) und Burgenland (53 %) weisen die kräftigsten Steigerungen auf. Die Netzentgelte für Strom steigen kommendes Jahr nur leicht (+1,3 %) und sind in manchen Bundesländern sogar rückläufig – seit 2024 ergibt sich aber auch hier eine durchschnittliche Steigerung um 25 %. [Quelle: Durchblicker | Grafik von Stephan Frank]

🇦🇹 Massiver Einbruch bei Risikokapital für Startups. 2025 schrumpfte das Finanzierungsvolumen von Startup-Investments in Österreich das 4. Jahr in Folge im Jahresabstand um 56 % auf 253 Mio. Euro. Bereits im Jahr davor wurde ein Rückgang um 17 % verzeichnet. Erstmals seit 2020 gab es zudem keinen Deal in der Größenordnung zwischen 50,1 Mio. und 100 Mio. Euro. 148 Deals wurden 2025 abgeschlossen – der höchste Abschluss lag bei 50 Mio. Euro, durchschnittlich waren es 2,3 Mio. Euro. 38 % des gesamten Risikokapitals flossen an KI-Startups. [Quelle: EY-Startup-Barometer | Grafik: Startup-Investitionen in Österreich seit 2015]

🇦🇹 Für den Forschungspakt fehlt noch Geld. Der FTI-Pakt für die Jahre 2027-2029 hätte eigentlich bis Jahresende fertig sein sollen, verzögert sich aber. Wie die Presse berichtet, hakt es derzeit noch an der Finanzierung. Von 3 zuständigen Ministerien hätte bisher nur das Wissenschaftsministerium einen entsprechenden Plan an das Finanzministerium gemeldet. Das Wirtschaftsministerium hofft auf eine Einigung Anfang des neuen Jahres und das Infrastrukturministerium auf neue Möglichkeiten durch die Industriestrategie, die für Mitte Jänner erwartet wird. [Quelle: Die Presse]

🇦🇹 Erster Entbürokratisierungs-Schritt in Begutachtung. Die Regierung hat gestern mit einer Novelle der Gewerbeordnung einen ersten Teil des Entbürokratisierungspakets in Begutachtung geschickt. Neu ist ein One-Stop-Shop für Genehmigungsverfahren, es genügt also eine einmalige Einreichung von Unterlagen. Für PV-Anlagen und E-Ladestationen braucht es keine Genehmigung mehr, der nachträgliche Einbau von Lüftungs- und Klimaanlagen wird erleichtert. Für die Betriebsnachfolge ist eine verlängerte Übergangsfrist vorgesehen. Die Begutachtung läuft bis 20. Februar – WKÖ, Wirtschaftsbund und IV reagierten gestern positiv auf den Gesetzesentwurf. [Quelle: Begutachtungsentwurf | Reaktionen: WKÖ, Wirtschaftsbund, IV]

„Senkung der Elektrizitätsabgabe ist Placebo-Politik“
Interview mit Holger Bonin

Die IHS-Wifo-Winterprognose zeigt einen zaghaften Aufschwung, doch die Unsicherheiten bleiben groß. „Wir sind raus aus dem langen Rezessionstal, aber wir sind noch nicht über den Berg“, so IHS-Direktor Holger Bonin. Während private Investitionen in der Breite überraschend anziehen, warnt er vor zu viel Optimismus: „Die große Entwarnung wäre verfrüht.“ Im Interview beleuchtet Bonin zentrale Risiken – von außenwirtschaftlichem Druck über chinesische Exportoffensiven bis hin zum strukturellen Defizit – und plädiert für mutige, nachhaltige Reformen, um den sanften Aufschwung nicht zu ersticken.

🇦🇹 Erzeugerpreise für Dienstleistungen steigen erstmals seit einem Jahr wieder. Im 3. Quartal sind die Erzeugerpreise für Dienstleistungen im Jahresabstand um 2,3 % und im Quartalsabstand um 0,3 % gestiegen. Es ist der erste Anstieg seit mehr als einem Jahr. Verkehr und Lagerei sind mit +2,9 % Hauptpreistreiber. Im Quartalsvergleich sind die Preise bei Beherbergung und Gastronomie (+0,6 %) sowie in Verkehr und Lagerei (+0,4 %) am stärksten gestiegen. Erzeugerpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Tirol übernimmt Bundesrats-Vorsitz. Mit 1. Jänner übernimmt das Land Tirol den Vorsitz im Bundesrat und in der Landeshauptleutekonferenz von der Steiermark. Der Tiroler ÖVP-Bundesrat Markus Stotter übernimmt als Bundesrats-Präsident von dem steirischen FPÖ-Bundesrat Peter Samt. Vizepräsidentin wird die Vorarlbergerin Christine Schwarz-Fuchs. Der inhaltliche Schwerpunkt soll auf der Stärkung der Regionen liegen. [Quelle: ÖVP Parlamentsklub]

🇦🇹 Haushaltsenergiepreise im November gestiegen. Im November sind die Preise für Haushaltsenergie laut dem Energiepreisindex der Energieagentur im Jahresabstand um 10,9 % gestiegen. Gegenüber Oktober stiegen die Preise um 1,5 %. Strom wurde im Jahresabstand um 41,4 % teurer, im Monatsvergleich nur um 0,4 %. [Quelle: Energieagentur]

🇦🇹 Rekordjahr für Meisterprüfungen. Die Meister- und Befähigungsprüfungen für Gewerbe und Handwerk sind im letzten Bildungsjahr 2024/25 um 4,5 % auf 5.655 Zeugnisse gestiegen. Laut WKÖ handelt es sich um einen Rekordwert seit der Datenerfassung 2016. Seit 2 Jahren ist der Antritt zu diesen Prüfungen gebührenfrei. [Quelle: WKÖ]

🇩🇪 Deutsche Aktivrente startet zum Jahresbeginn. Wer in Deutschland über das gesetzliche Pensionsalter (67 Jahre, ab Jahrgang 1964) hinaus arbeiten möchte, kann ab dem 1. Jänner 2.000 Euro steuerfrei dazuverdienen. Der darüberliegende Betrag wird besteuert und es müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden. Dies gilt unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer seine Pension bezieht oder diese aufschiebt. Das Ziel der deutschen Regierung ist es, einen Anreiz zu schaffen, um mehr Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt zu halten, und den Fachkräftemangel abzufangen. [Quelle: Deutsche Bundesregierung]

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft geht pessimistisch ins neue Jahr. Die deutsche Wirtschaft rechnet für 2026 in weiten Teilen mit weiterem Stellenabbau. 22 von 46 vom Institut für deutsche Wirtschaft (IW Köln) befragten Wirtschaftsverbänden gehen von einem Abbau und 15 von einer stabilen Entwicklung aus. Erstmals seit Jahren rechnen die Verbände unterm Strich aber mit einer steigenden Produktion, bei Investitionen herrscht jedoch noch große Unsicherheit. „Wer auf ein baldiges und umfassendes Ende der Wirtschaftskrise gehofft hat, wird auch 2026 enttäuscht“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Im deutschen Mittelstand hat sich das Geschäftsklima laut KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer im Dezember wieder etwas eingetrübt. Die Stimmung bleibt mit minus 15 Punkten im negativen Bereich. [Quellen: IW Köln, KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer]

🇷🇺 Russische Industrie schrumpft weiter. Der Einkaufsmanagerindex für das russische verarbeitende Gewerbe sank im Dezember auf 48,1 Punkte nach 48,3 im November, wie S&P Global berichtet. Ein Wert unter 50 zeigt eine rückläufige Geschäftstätigkeit an. Die Produktion ging zum 10. Mal in Folge zurück, und so stark wie seit März 2022 nicht mehr. Ursache sind vor allem schwache Nachfrage und sinkende Auftragseingänge. Die Unternehmen reduzierten ihre Beschäftigtenzahlen moderat, während die Inputkosten stiegen und Verkaufspreise leicht angehoben wurden. Die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate erreichten den niedrigsten Stand seit Mai 2022. [Quelle: PMI S&P Global]

Erratum. Die japanische Staatsschuldenquote wird 2026 Schätzungen zufolge 250 % betragen und nicht, wie gestern an dieser Stelle vermerkt, 24,1 %. Wir danken für den Hinweis!

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Öffentlichen Schuldenstand im 3. Quartal 2025, die Konjunkturstatistik (Produktion einschl. Bauwesen) für September 2025 und Frühschätzungen zu Industrie und Bau im November 2025 sowie den Erzeugerpreisindex für den produzierenden Bereich im November 2025

14:15 Uhr, Wien: Schlussauktion an der Wiener Börse zum Ende des Börsejahres

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Geburtstage: Wir gratulieren Gertraude Steindl und Daniel Froschauer zum Geburtstag.

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