Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Industrie-Rezession. Im produzierenden Bereich in Österreich sind die Umsätze im September im Jahresvergleich um 0,1 Prozent gesunken. Die geleisteten Arbeitsstunden gingen um 1,2 Prozent zurück, der Beschäftigtenindex um 0,6 Prozent. Das Transportaufkommen österreichischer Unternehmen im weltweiten Straßengüterverkehr sank im dritten Quartal um 3,0 Prozent. Laut Einkaufs-Manager-Index der UniCredit Bank Austria ist der Index der Produktionserwartungen im Oktober auf 46,3 Punkte gesunken – der bisher niedrigste Wert 2024. In den letzten eineinhalb Jahren ist die Beschäftigung in der Sachgütererzeugung um rund 12.500 Arbeitskräfte auf knapp 635.000 Personen zurückgegangen. Vor allem die Auslandsnachfrage ist gering; im Oktober gab es deutlich weniger Neu- und Folgeaufträge. [Quelle: Statistik Austria; UniCredit Bank Austria]
Kommentar: Equal Pay Day – wer rettet endlich die armen Frauen?
von Sara Grasel
Statistisch berechnete Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen rufen jährlich das Care-Arbeits-Inspektorat herbei. Man muss schließlich planwirtschaftlich in Familien eingreifen, um dort für Gleichheit und Gerechtigkeit zu sorgen, oder? Nein, natürlich nicht. Freiheiten schafft man nicht mit Zwängen und Verboten – auch nicht für Frauen.
Grafik (von Stephan Frank): Die Geburt des ersten Kindes reduziert die Beschäftigungsquote von Frauen gegenüber Männern deutlich. Österreich liegt hierbei hinter Vorzeigenationen wie Schweden oder Dänemark und erst ab einem Alter von 7 Jahren knapp über dem Europaschnitt. Der Einbruch der Beschäftigung im ersten Jahr nach der Geburt ist besonders in Österreich (-70 Prozent) und Deutschland (-84 Prozent) sehr stark und erholt sich selbst nach 10 Jahren nur auf -22 Prozent bzw. -31 Prozent. [Quellen: Child Penalty Atlas, Agenda Austria]

Wettbewerbsfähigkeit. Eine Studie, für die über 100 Führungskräfte von Industrieunternehmen befragt wurden, zeigt, dass der Standort Österreich massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Im Vorjahr hatten noch zwei Drittel der Befragten ihre Wettbewerbsfähigkeit als gut oder sehr gut eingestuft – heuer waren es nur noch 36 Prozent. Der Fachverband der Metalltechnischen Industrie warnt vor Abwanderungen ins Ausland. Schlechter eingeschätzt wurde auch die Geschäftslage. Außerdem zeigt die Studie, dass der Automatisierungsrad in Österreich erstmals leicht zurück gegangen ist. [Quelle: Studie „Made in Austria: Zukunft Produktionsarbeit Österreich“]
Netzzutritt. In Österreich wurden laut einem OGH-Urteil Betreibern von Photovoltaik-, Windkraft- und anderen Erzeugungsanlagen in vielen Fällen unzulässigerweise Netzzutrittsentgelte verrechnet. Die Netzbetreiber beginnen noch heuer mit der Rückzahlung. [Quelle: Branchenverband Oesterreichs Energie]
Ökonom gegen schnelles Sparpaket. Der Ökonom Kurt Bayer hat sich in einem Mediengespräch gegen ein rasches Sparpaket ausgesprochen. Geringere Staatsausgaben könnten die Rezession verschärfen und Einsparungen würden meist bei öffentlichen Investitionen und den Sozialstaat treffen. Er würde erst 2026 mit einem Sparpaket ansetzen. [Quelle: Diskurs; Medienberichte]
Neue Technologien, höhere Löhne? Der Einsatz neuer Technologien in Unternehmen hat laut einer neuen Studie offenbar positive Effekte auf die Löhne von Frauen. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hat dafür den Einsatz von Robotern, 3D-Druck sowie diverser Softwareservices und die Lohnentwicklung in den betroffenen Unternehmen analysiert. Positive Effekte gab es vor allem bei Frauen – mit Ausnahme des Einsatzes von Chatservices. Allgemein ist das Bild der Auswirkungen auf Löhne aber sehr heterogen – es gibt auch negative Effekte. [Quelle: wiiw]
E-Auto-Zölle. Die EU-Kommission hat gestern die umstrittenen Ausgleichszölle auf chinesische E-Autos in Kraft gesetzt. Die Zölle erhöhen sich je nach Hersteller unterschiedlich von zehn Prozent auf bis zu 45,3 Prozent. Das Handelsministerium in China kritisierte die Zölle und signalisierte weitere Verhandlungsbereitschaft. Die deutsche Autoindustrie (VDA) warnte gestern vor Preissteigerungen und der Gefährdung von Arbeitsplätzen und forderte, weiter zu verhandeln. [Quelle: EU-Kommission; VDA; Medienberichte]
Globaler Markt für saubere Energie. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) könnte der globale Markt für saubere Energietechnologien von 2023 bis 2035 von 650 Mrd. Euro auf über 1,85 Bio. Euro anwachsen, was in etwa dem Wert des Ölmarktes der letzten Jahre entspricht. Der Bericht „Energy Technology Perspectives 2024“ (ETP-2024) untersucht das Potenzial der sechs wichtigsten Technologien – darunter Solarenergie, Windkraft, Elektroautos, Batterien und Wärmepumpen. Der Handel mit diesen Technologien soll sich in in den nächsten zehn Jahren mehr als verdreifachen und knapp 530 Mrd. Euro erreichen. [Quelle: IEA]
Deutsche Industrie. Gestern am späten Nachmittag fand im deutschen Kanzleramt ein Industriegipfel statt, der ohne Ergebnis endete – am 15 November soll es weitere Gespräche geben. Wirtschaftsminister Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner veranstalten heute Vormittag einen eigenen Wirtschaftsgipfel im Reichstag. Im Vorfeld veröffentlichte die Deutsche Industrie- und Handelskammer ihr aktuelles Konjunkturbarometer – die Geschäftslage hat sich laut der Umfrage unter 25.000 Unternehmen von fünf Punkten im Sommer auf nur einen Punkt verschlechtert. Schuld seien vor allem die schwache Inlandsnachfrage und die hohen Arbeitskosten. Die DIHK rechnet mit einem weiteren Jahr der Stagnation in Deutschland und ist damit pessimistischer als die deutsche Regierung, die für 2025 von einem schwachen Wachstum von 1,1 Prozent ausgeht. Laut Deloitte sehen in fünf Jahren in Deutschland nur noch 54 Prozent für eine Studie befragter Unternehmen aus den Kernindustrien Automobil, Chemie und Maschinenbau ihren Investitionsschwerpunkt in Deutschland. [Quelle: Dt. Bundesregierung; DIHK; Deloitte]
Metallerstreik in Deutschland. Die IG Metall setzt heute ihre am Montag gestarteten Warnstreiks in rund 370 Betrieben fort. Die Gewerkschaft fordert in den Tariflohnverhandlungen um 7 Prozent mehr binnen eines Jahres und die Arbeitgeber bieten 3,6 Prozent in 27 Monaten. Gestern wurden die Verhandlungen nach einer Stunde abgebrochen, heute und morgen wird weiterverhandelt. [Quelle: Niedersachsen Metall, IG Metall]
Automobilfonds Italien. Italien kürzt den ursprünglich mit 8,7 Mrd. Euro dotierte Automobilfonds um 4,6 Mrd. Euro. Die Förderung sollte die grüne Transformation der Branche unterstützen und hat nun bis 2030 nur noch ein Volumen von 1,2 Mrd. Euro oder 200 Mio. Euro pro Jahr. Das Geld soll stattdessen Verteidigungsausgaben finanzieren. Die italienische Autoindustrie (ANFIA) bezeichnete die Kürzung als inakzeptabel. [Quelle: Medienberichte; ANFIA]
Selektive Agenda:
12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert Erweiterungspaket 2024.
Ganztägig, Kopenhagen: Gesundheitsminister Rauch nimmt an der 74. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa teil (2. und letzter Tag).
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Othmar Karas ist zum Präsidenten des Europäischen Forums Alpbach gewählt worden. Zu seinem Team gehören Christian Kern, Sabine Herlitschka und Peter Oberlechner. Karas folgt auf Andreas Treichl. Die Rektorin der Kunstuni Linz Brigitte Hütter übernimmt den geschäftsführenden Vorsitz der Universitätenkonferenz (uniko), nachdem Oliver Vitouch als Rektor der Universität Klagenfurt ausschied. Am 9. Dezember wird die neue uniko-Spitze bis Ende 2025 gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Josef Pühringer zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
Heute, Wien: Erster Tag des zweitägigen Schweizerhaus-Closings vor der Winterpause mit Live-Musik.