Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Industrie startet besser ins 4. Quartal. Der Einkaufsmanagerindex der UniCredit Bank Austria stieg im Oktober um 1,2 Zähler auf 48,8 Punkte, der zweitbeste Wert der letzten 3 Jahre. Der Indikator liegt damit aber weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Finanzminister Markus Marterbauer nennt die Entwicklung „sehr erfreulich“. Auftragseingänge und die Produktion sind im Oktober gestiegen, am deutlichsten verbesserten sich aber die Produktionserwartungen. Diese stiegen um 6 Zähler auf 59,7 Punkte und erreichten damit den höchsten Stand seit fast 4 Jahren. „Die Konjunkturlage in der heimischen Industrie war im Oktober weiter sehr fragil, aber die Anzeichen für eine Stabilisierung haben sich verfestigt und geben Hoffnung auf eine Verbesserung der Industriekonjunktur 2026“, so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckberger. Der Job-Abbau in der Industrie hat sich im Oktober weiter beschleunigt, der Beschäftigungsindex sank um 0,7 Zähler auf 43,7 Punkte. „Österreich ist ein starker Industriestandort, wir tun alles für gute Arbeitsplätze“, so Marterbauer zur Entwicklung in der Beschäftigung. [Quellen: UniCredit Bank Austria, Marterbauer auf Bluesky]
Kommentar: Kanzler Babler und welche Steuern 2027 erhöht werden
von Rainer Nowak
Ein bisschen frühsommerliches Rasenmähen und Sparefroh-Konzentration in den Ministerien werden nicht reichen, fast alle in der Regierung wissen, dass weitere echte Einschnitte notwendig sein werden. Damit nicht genug, schon mehrmals wurde rein informell über höhere oder neue Steuern gesprochen, um das ausgedehnte Budgetloch zuzuschütten. Es könnte sich ein Kompromiss abzeichnen, der für die Neos und einen Teil der ÖVP keiner ist: die temporäre Wiedereinführung der Kalten Progression.
💡 Lohnquote auf Rekordniveau gestiegen. 2024 stieg der Anteil der heimischen Arbeitnehmerentgelte am Nettonationaleinkommen auf einen Rekordwert von 74,8 %. Dies geht vor allem auf in der Krise stark eingebrochene Betriebsüberschüsse zurück. Hohe KV-Abschlüsse sicherten die Kaufkraft der Löhne – während Unternehmen in der Rezession Verluste hinnehmen mussten. [Quelle: OeNB | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Industrieumsatz im September gestiegen. Die Frühschätzung zu den Umsätzen im produzierenden Bereich zeigen im Jahresvergleich einen Anstieg von 5,0 %. Die nominellen Umsätze sind dabei in der Industrie um 6,2 % gestiegen, im Baubereich jedoch um 1,2 % gesunken. Die geleisteten Arbeitsstunden stiegen jeweils um 1,5 %, die Beschäftigung sank in der Industrie um 1,6 % und im Bau um 1,1 %. Im August zeigte der Vorjahresvergleich mit minus 5,6 % für die Industrie und minus 3,5 % noch deutliche Umsatzrückgänge. „Die Entwicklung der Umsätze im produzierenden Bereich ist weiterhin von starker Volatilität geprägt“, resümiert Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Zweijahresabschluss auch für Angestellte im Metallgewerbe. Nach dem erfolgreichen KV-Abschluss für die 120.000 Arbeiter gibt es auch für die 98.000 Angestellten im Metallgewerbe eine Einigung: 2026 und 2027 werden die Ist-Gehälter um jeweils 1,8 % erhöht, gedeckelt bei 95 bzw. 100 Euro im Monat. Die KV-Mindestgehälter steigen 2025 um 2,2 % und 2026 um 2,0 %. Grundlage der Verhandlungen war eine rollierende Inflation von 2,82 %. [Quelle: WKÖ]
🇦🇹 Firmen reduzieren Nachhaltigkeitsaktivitäten. Seit der Omnibus-Verordnung haben 36 % der österreichischen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten komplett (1 %), deutlich (13 %) bzw. etwas (22 %) reduziert. Die größten Rückgänge gab es hier in der Bau- und Immobilienbranche (50 %) sowie in der Automotive- und Logistikbranche (48 %). Im Vorjahr gaben noch 15 % der Unternehmen an, dass ihr Handeln „sehr stark“ von Klimaschutz und Nachhaltigkeit beeinflusst ist – heuer waren es nur mehr 3 %. Der Anteil der Unternehmen, die sich ein 1,5°C-Ziel gesetzt haben, ging im Jahresvergleich von 30 % auf 2 % zurück.„Nachhaltigkeitsthemen haben an Präsenz verloren und beschränken sich zunehmend auf einzelne Unternehmensbereiche, anstatt ganzheitlich integriert zu werden“, so Peter Linzner von EY. [Quelle: EY]
🇦🇹 128 Mio. Nächtigungen seit Jahresbeginn. Im September 2025 stiegen die Nächtigungen um 7,2 % auf 12,18 Mio. und liegen damit nur knapp unter dem Rekordwert aus dem September 2023 (12,21 Mio. Nächtigungen). Im laufenden Jahr wurden bisher insgesamt 128,28 Mio. Nächtigungen verzeichnet – ein Anstieg von 1,0 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bis dato entfielen drei Viertel der Nächtigungen auf Gäste aus dem Ausland und ein Viertel auf Gäste aus dem Inland. In der Sommersaison (Mai bis September 2025) wurden insgesamt 74,1 Mio. Nächtigungen gemeldet, das sind um 2,1 % mehr als Vorjahreszeitraum. „Die erfreulichen Septemberzahlen zeigen, dass Österreich als Urlaubsdestination weiter an Stärke gewinnt“, so Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, die sich auch für die Wintersaison zuversichtlich zeigt. [Quellen: Statistik Austria, BMWET]
🇦🇹 Sparen für Österreicher wichtig, Risikobereitschaft steigt. Vor dem morgigen Weltspartag macht eine Studie der Erste Bank auf die Bedeutung des Sparens in Österreich aufmerksam. Der monatliche Sparbetrag ist demnach seit letztem Jahr von 308 auf 320 Euro gewachsen. Sparen 8 von 10 Österreichern „sehr“ oder „ziemlich wichtig“. Innerhalb von 10 Jahren ist der Anteil jener, die in Wertpapiere investieren von 28 % auf 38 % gestiegen. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der risikobereiten Anleger von 8 % auf 24 % – unter den Jüngeren sind es 39 %. Die Sparquote ist im Verlauf des letzten Jahres deutlich gestiegen und lag im 1. Quartal 2025 hierzulande bei 11,9 % und damit deutlich über dem Euroraum-Schnitt (8,4 %) und EU-Schnitt (8,2 %). [Quellen: Erste Bank, Statistik Austria]
🇩🇪 Verstärkter Chipmangel in der Industrie. Im Oktober meldeten 10,4 % der deutschen Industrieunternehmen Lieferengpässe bei Mikrochips (April: 3,8 %, Juli: 7 %). Bei anhaltendem Trend könnte das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt werden, so Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Abgesehen von Chips sind 5,5 % der Unternehmen von Lieferproblemen betroffen (langfristiger Durchschnitt: 15 %). Für Österreich erwartet IHS-Chef Holger Bonin vorerst keine größeren Auswirkungen, mögliche Effekte könnten aber ab 2026 auftreten. [Quellen: Ifo-Institut, APA via Medienberichten]
🇩🇪 Maschinenbauverband fordert Nachverhandlung der US-Zölle. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) kritisiert die zusätzlichen Zölle auf Aluminium- und Stahlanteile exportierter Maschinen, da sie die Kosten für deutsche und europäische Unternehmen deutlich erhöhen. Neben dem Basiszoll von 15 % fallen für rund 40 % der Maschinen Extrazölle an; im Dezember werden laut Verbandsberechnungen bereits 56 % der Maschinen betroffen sein – „so gut wie alle Fachzweige des Maschinenbaus“. VDMA-Präsident Bertram Kawlath fordert die EU zu Nachverhandlungen auf und warnt zugleich die USA vor negativen Folgen für deren Rüstungsproduktion, die auf europäische Maschinen angewiesen ist. [Quelle: VDMA]
🇺🇸 Fed senkt Leitzins erneut. Die US-Notenbank hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 % bis 4 % gesenkt, begründet mit Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt. Das Wirtschaftswachstum wird als stabil eingeschätzt; die Inflation liegt bei rund 3 %. Durch den Regierungsstillstand ist die Datengrundlage eingeschränkt, sodass unklar ist, welche Informationen der Federal Reserve für die Dezembersitzung vorliegen werden. Fed-Chef Jerome Powell geht davon aus, dass genügend Daten verfügbar sein werden, um wesentliche wirtschaftliche Veränderungen zu erkennen. Er wies aber darauf hin, dass hohe Unsicherheit eine vorsichtige Vorgehensweise nötig machen könnte. [Quelle: Federal Reserve]
🇺🇸 🇨🇳 Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi. Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Flughafen von Busan in Südkorea dauerte rund 1 Stunde und 40 Minuten. Die aufgrund der Fentanyl-Krise erlassenen Strafzölle sollen von 20 auf 10 % reduziert werden. Das allgemeine Zollniveau für chinesische Importe soll laut US-Handelsbeauftragtem Jamieson Greer dann ungefähr 45-47 % betragen, einige Produktgruppen werden weiterhin von 100-prozentigen Zöllen betroffen sein. China habe sich außerdem bereiterklärt, wieder US-amerikanische Sojabohnen zu importieren. Die Probleme bezüglich seltener Erden seien bei dem Treffen ebenfalls ausgeräumt worden. Davon würden nicht nur die USA profitieren, sondern die ganze Welt, so Trump. Greer ergänzte, dass China die angekündigten Exportkontrollen nicht einführen werde. Ob tatsächlich alle Einschränkungen aufgehoben werden, blieb vorerst offen. Trump kündigte an, dass er im April 2026 nach China reisen werde, um Xi erneut zu treffen. Der chinesische Präsident soll dann „eine gewisse Zeit später“ auch die USA besuchen, so Trump. [Quelle: Trump-Pressebriefing an Bord der Air Force One]
🌐 Rohstoffpreise sollen 2026 auf 6-Jahres-Tief fallen. Die weltweiten Rohstoffpreise sollen das 4. Jahr in Folge zurückgehen und nächstes Jahr auf den tiefsten Stand seit 6 Jahren fallen. Sowohl heuer als auch nächstes Jahr wird ein Preisrückgang von 7 % erwartet. Gründe dafür sind das weltweit schwache Wirtschaftswachstum, Unsicherheiten bezüglich der Handelspolitik sowie ein weiter steigender Öl-Überschuss. Preise für Energie sollen heuer um 12 % und nächstes Jahr um weitere 10 % zurückgehen, Lebensmittelpreise heuer um 6,1 % und 2026 um 0,3 %. „Sinkende Energiepreise haben zum Rückgang der weltweiten Verbraucherpreisinflation beigetragen. Diese Atempause wird jedoch nicht von Dauer sein. Die Regierungen sollten sie nutzen, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen, die Wirtschaft für Unternehmen fit zu machen sowie Handel und Investitionen anzukurbeln“, fordert der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill. [Quelle: Weltbank]
Selektive Agenda:
Heute, Brüssel: Verhandlungen auf technischer Ebene zwischen EU-Kommission und China bezgl. seltener Erden
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt den vorläufigen Erzeugerpreisindex für den Produzierenden Bereich im September 2025 sowie den endgültigen Erzeugerpreisindex für den Produzierenden Bereich im August 2025 bekannt; weiters vorläufige Schnellschätzung für Erwerbstätigkeit im 3. Quartal 2025 und die Straßenverkehrsunfälle im 1. Halbjahr 2025.
9:00 Uhr, Frankfurt: Zinspolitische Sitzung des EZB-Rats; Ergebnis um 14:15 Uhr, Pressekonferenz um 14:45 Uhr
10:00 Uhr, Wiesbaden: Statistisches Bundesamt veröffentlicht Entwicklung des deutschen BIP im 3. Quartal sowie Schnellschätzung für Verbraucherpreisindex im Oktober
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Schnellschätzung der BIP-Entwicklung in EU und Eurozone im 3. Quartal, Arbeitsmarktdaten für September 2025 sowie Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen für Oktober 2025.
16:45 Uhr, Wien: Zukunftsforum ID Austria mit Digitalisierungsstaatssekretär Pröll [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Nemanja Pucarevic wird General Manager von JTI Austria. Mario Hochgerner ist Football Agent bei Feelsoccer. Carina Bauer übernimmt die Kommunikationsleitung bei Land Schafft Leben.
Geburtstage: Wir gratulieren Josef Pühringer und Thomas Morgenstern zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
18:30 Uhr, Wien: Vortrag „30 Years of Democratic Security and the New Pact for Democracy: The Road Ahead“ u. a. mit Alain Berset in der Diplomatischen Akademie Wien [Info]