Morning in Brief ・ 30.09.2025

Morning in Brief, 30. September 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Österreich bildet Allianz gegen hohe Lebensmittelpreise. Im Rahmen des EU-Wettbewerbsrates gab Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Gründung einer Allianz gegen territoriale Lieferbeschränkungen zusammen mit Tschechien, Slowenien, Kroatien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Griechenland bekannt. Binnenmarktkommissar Stéphane Séjourné wurde aufgefordert, bis Ende des Jahres Vorschläge vorzulegen, mit denen unlautere Wettbewerbspraktiken abgestellt und eine bessere Zusammenarbeit den nationalen Wettbewerbsbehörden erreicht werden können. Die Abschaffung des „Österreich-Aufschlags“ soll die Lebensmittelpreise um rund 8 % drücken können. Handelsverband und WKÖ zeigen sich erfreut: „Solche Lieferbeschränkungen sind erhebliche Preistreiber, die letztlich die Konsumentinnen und Konsumenten beim täglichen Einkauf spüren“, so WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik. „Es ist höchste Zeit, diese Form der Wettbewerbsbehinderung zu verbieten“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Hattmannsdorfer sprach sich beim Wettbewerbsrat zudem für einen „Schutzschirm für Stahl und Aluminium“ aus, sollte es mit den USA keine Einigung im Zollstreit geben. [Quellen: Doorstep Hattmannsdorfer, Pressegespräch, Ergebnisse Wettbewerbsrat | Reaktionen: WKÖ, Handelsverband]

Shrinkflation im Sozialstaat
Kommentar von Gerald Loacker

Große Aufregung in Österreich: Lebensmittelhersteller verkleinern ihre Verpackung, aber der Preis bleibt gleich: Die Kunden kaufen um denselben Preis weniger Gegenleistung ein. Dasselbe Vorgehen, das beim Lebensmittelhersteller zu heller Empörung führt, lässt alle kalt, wenn es die öffentliche Hand wählt. Die fährt nämlich auch Leistungen zurück, lässt aber den Preis gleich.

Grafik (von Christoph Hofer): Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sind in Österreich mit 5,9 % des Bruttoeinkommens mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (2,6 %) und fast dreimal so hoch wie in der Schweiz (2,2 %). In Dänemark ist die Arbeitslosenversicherung überhaupt optional. Die höheren Kosten in Österreich haben mehrere Ursachen: Zwar liegt das Arbeitslosengeld mit 55 % des letzten Nettoeinkommens unter dem vieler anderer Länder, es sinkt jedoch im Gegensatz zu diesen kaum mit der Zeit. Einzigartig in Europa ist zudem die zeitlich unbegrenzte Notstandshilfe. Hinzu kommen kostspielige Zusatzleistungen wie die 2025 eingestellte Bildungskarenz. [Quellen: BMASGPK, Destatis, AHV, STAR]

🇦🇹 Industrie im September weiter schwach, Bau verliert an Dynamik. Laut dem Wifo-Konjunkturtest vom September verharrt die Wirtschaft in einer Seitwärtsbewegung (Gesamtindex -2,5 Punkte). Besonders die Sachgütererzeugung bleibt unter Druck: Der Lageindex fiel auf -12,7 Punkte, nur 54 % der Betriebe meldeten ausreichende Auftragsbestände. Der Erwartungsindex für die Industrie verharrt mit -5,3 Punkten klar im negativen Bereich. Auch die Bauwirtschaft zeigte Rückschritte: Der Lageindex sank um 3,6 auf 0,9 Punkte – der niedrigste Wert seit 5 Monaten. Während 72 % der Bauunternehmen noch ausreichende Auftragsbestände meldeten, verschlechterte sich die Einschätzung zur Bautätigkeit deutlich. Besser entwickelte sich der Einzelhandel, dessen Lageindex auf +3,4 Punkte stieg, während die Erwartungen im negativen Bereich blieben. [Quelle: Wifo]

🇦🇹 Tausche Pensionsreform gegen Energiepreisbremse. Wie der Trend berichtet, soll es Überlegungen innerhalb der Regierung geben, schmerzhafte Reformmaßnahmen gegeneinander abzutauschen. Ein Beispiel, das laut Trend in Regierungskreisen genannt wird, ist der Tausch einer Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters (ÖVP- und Neos-Forderung) gegen die Einführung einer Strompreisbremse (SPÖ-Forderung). „Wenn der Schmerz gerecht verteilt ist, gehen weitaus mehr Wähler mit, als dadurch verprellt werden“, soll die Devise aus Sozialpartnerkreisen lauten. [Quelle: Trend]

🇦🇹 Keine Anfragenflut durch Informationsfreiheitsgesetz. Laut Gemeindebund hat die Abschaffung des Amtsgeheimnisses und die Einführung des Informationsfreiheitsgesetzes in den ersten Wochen zu keinem Ansturm auf die Gemeinden geführt. Es gäbe nicht mehr Anfragen als zuvor, nur in Einzelfällen spezifische Anfragen zu Spezialthemen. Markus Hametner, Vorstandsmitglied des Forum Informationsfreiheit, kritisiert die teils langsamen Beantwortungen. Die 4 Wochen Beantwortungsfrist würden in vielen Fällen ausgeschöpft, obwohl „ohne unnötigen Aufschub“ zu antworten wäre. [Quelle: APA via Medienberichte | Service: Forum Informationsfreiheit, Frag Den Staat

🇦🇹 Mieten in Österreich stärker gestiegen als in Deutschland. In Österreich sind die Wohnungsmieten seit Jahresbeginn um durchschnittlich 3,5 % gestiegen, in Deutschland hingegen nur um 1,8 %. Seit 2023 war hierzulande ein Anstieg um insgesamt 19 % zu beobachten, in Deutschland hingegen nur um 6,2 %. Der durchschnittliche Anteil der Wohnausgaben an den äquivalisierten Haushaltseinkommen liegt in Österreich seit Jahren stabil bei rund 18 %. [Quellen: Kreutzer, Fischer & Partner, Eurostat | Grafik: Heimische Wohnausgaben entwickeln sich stabil]

🇦🇹 Mietpreisbremse drückt BIG-Gewinn um 83 %. Die Bundesimmobiliengesellschaft verzeichnet zum Halbjahr einen Gewinn-Rückgang von 513,4 auf 85,4 Mio. Euro. Die staatlichen Eingriffe in die Mietpreisbildung hinterlassen „sichtbaren Spuren“. Unsicherheiten bezüglich „künftig drohender hoheitlicher Eingriffe“ und die in Zukunft niedriger ausfallenden Mieten führen zu einem negativen Bewertungseffekt von über 1 Mrd. Euro. Die BIG verwaltet in Österreich 2.028 Liegenschaften mit einem Wert von 18,15 Mrd. Euro. [Quelle: BIG]

🇦🇹 🇪🇺 Österreich erhält 1,6 Mrd. Euro aus EU-Aufbauplan. Österreich hat die 2. Tranche i. H. v. 1,6 Mrd. Euro aus der Aufbau- und Resilienzfazilität „NextGenerationEU“ erhalten. Bisher wurden 2,8 Mrd. Euro an Österreich ausbezahlt, insgesamt werden es 4 Mrd. Euro sein. Die 67 Etappenziele zur Auszahlung der 2. Tranche haben u. a. die Einführung einer CO2-Steuer, die Reform der Pensionen, die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sowie Investitionen in nachhaltige Mobilität umfasst. [Quelle: EU-Kommission | Service: Österreichischer Aufbauplan]

🇪🇺 Klima-Schäden werden immer teurer. Im 5-Jahres-Bericht der EU-Umweltagentur EEA wird festgehalten, dass die durchschnittlichen jährlichen
wirtschaftlichen Verluste im Zusammenhang mit wetter- und klimabedingten Extremen von 2020 bis 2023 zweieinhalbmal so hoch waren wie im vorangegangenen Jahrzehnt von 2010 bis 2019. Allein von 2020 bis 2023 sollen Schäden von 162 Mrd. Euro entstanden sein. Bis 2030 soll die EU ihr gestecktes Klimaziel von 55 % weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 jedoch erreichen können. In der Industrie fiel der Anteil der CO2-Emissionen von 2005 bis 2023 bereits um mehr als 35 %. Im Bereich Cleantech machen die EU und andere europäische Länder fast 27 % der internationalen Patentfamilien von 2017 bis 2021 aus. [Quelle: EEA]

🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in der EU leicht verbessert – Deutschland schwächer. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg im September 2025 in der EU um +0,6 Punkte auf 95,5 Zähler, ebenso in der Eurozone (+0,2 auf 95,5 Zähler). Beide Werte liegen weiter unter dem Langzeitdurchschnitt von 100. In den größten Volkswirtschaften zeigt sich ein gemischtes Bild: Spanien verzeichnete mit +3,0 Punkten den stärksten Zuwachs, Italien legte leicht zu (+0,7), Frankreich (+0,3) und Polen (+0,1) blieben stabil. Dagegen sanken die Werte in den Niederlanden (-0,7) und in Deutschland (-0,4). [Quelle: EU-Kommission]

🇩🇪 Deutsche Internetwirtschaft vor Wachstumsschub. Die deutsche Internetwirtschaft soll laut einer aktuellen Studie in den nächsten 5 Jahren jährlich um durchschnittlich 9,7 % wachsen. Der Umsatz soll von derzeit 245 Mrd. Euro bis 2030 auf 389 Mrd. Euro steigen. Das Wachstum geht einerseits von einer fortschreitenden Digitalisierung und andererseits von der steigenden Anwendung von Künstlicher Intelligenz aus. Der Branchenverband Eco warnt trotz der starken Prognose vor strukturellen Defiziten und einem weiteren Zurückfallen im internationalen Wettbewerb, insbesondere gegenüber den USA. [Quellen: Eco, Medienberichte]

🇨🇳 Chinesische Industrieproduktion geht weiter zurück. Die Produktion der chinesischen Industrie ist den 6. Monat in Folge geschrumpft. Mit 49,8 Punkten legt der offizielle Einkaufsmanagerindex im Monatsabstand zwar um 0,4 Punkte zu, bleibt aber weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50,0. [Quelle: Reuters]

🇺🇸 Neue US-Zölle auf Holzimporte. Ab 14. Oktober wollen die USA 10 % Zoll auf Holz und Schnittholz sowie 25 % auf Küchenmöbel, Waschtische und gepolsterte Holzmöbel einheben. Ab 1. Jänner 2026 sollen die Zollsätze für gepolsterte Holzmöbel dann auf 30 % angehoben werden, jene für Küchenmöbel und Waschtische auf 50 % verdoppelt werden. Importe aus der EU und Japan werden aufgrund der erreichten Abkommen jedoch maximal mit 15 % verzollt. [Quellen: Reuters, Präsidentielle Proklamation]

🌐 Sorge vor US-„Government Shutdown“ treibt Goldpreis auf Rekord. Der Preis für eine Feinunze Gold hat in US-Dollar gemessen erneut einen Rekord eingestellt. Mit über 3.865 US-Dollar pro Feinunze ist der Preis im letzten Monat über 13 % gestiegen, seit Jahresbeginn sogar um über 47 %. Zu den Unsicherheiten im Welthandel, dem schwachen US-Dollar und möglichen weiteren Zinssenkungen gesellen sich derzeit auch Sorgen vor einem Stillstand der US-Bundesverwaltung („Government Shutdown“). [Quellen: Reuters, Tradingview | Video: Goldpreis –  Höhenflug oder Blase? | Grafik: Goldpreisentwicklung seit 2000]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Brüssel: Wissenschaftsministerin Holzleitner beim EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit (Forschung und Weltraum)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt und Hauptaggregate 2024 sowie die Frühschätzungen zu Industrie und Bau und den Erzeugerpreis der Industrie im August

10:30 Uhr, Wien: Start der neuerlichen KV-Verhandlungen im öffentlichen Dienst

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Bernd Grubinger verstärkt ab 1. Oktober 2025 die Geschäftsführung von KPMG am Standort Linz. Daniela Uhlik-Kliemstein folgt auf Georg Viktor Dax als neue Leiterin des Privatkundengeschäfts von Raiffeisen Capital Management.

Geburtstage: Wir gratulieren Bettina Glatz-Kremsner zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Oslip, Burgenland: Vergabe des Innovationspreis 2025 der Wirtschaftsagentur Burgenland [invite only]

18:00 Uhr, Wien: „Quo vadis, USA?“ – Super Tuesday der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft mit Eugen Freund, Peter Fritz, Hanno Settele, Hannelore Veit, Thomas Langpaul und Barbara Wolschek [Info]

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