Morning in Brief ・ 31.10.2024

Morning in Brief, 31. Oktober 2024

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Österreichische Exporte. Die heimische Exportmenge dürfte heuer nur um 0,7 Prozent wachsen. Vor allem die schwache internationale Konjunktur und die dadurch verhaltene Nachfrage nach Industriegütern würden das geringe Wachstum verursachen. Bremsender Faktor sei aber auch der Preisunterschied zu anderen Exportländern durch die hohen Energiepreise und hohen Lohnabschlüsse. Für 2025 wird mit einem Plus von 3,8 Prozent gerechnet, allerdings sorgen die US-Wahl und globale Konflikte für Unsicherheit. [Quelle: Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft]

Kommentar: Wirtschaft und Sicherheit – De-risk, no fun!
von Bernhard Seyringer

Bernhard Seyringer Illustration

Heute treten die Importzölle der EU für aus China produzierte Elektroautos in Kraft. Eines sollte uns aber bewusst sein: Über die Frage, ob es einen Wirtschaftskonflikt zwischen EU und China gibt, wird nicht 2024 in Brüssel abgestimmt, sondern das hat man bereits vor Dekaden in Peking entschieden.

Grafik (von Christoph Hofer und Stephan Frank): Die EU-Industriestimmung sinkt aufgrund negativer Einschätzung der Gesamtauftragslage, Lagerbeständen und Produktionserwartungen im Oktober auf -12,6 Punkte (minus 1,8 Punkte im Vergleich zum Vormonat). Österreich (-20,4) und Deutschland (-23,4) landen auf den letzten Plätzen. Das Vertrauen in den Dienstleistungssektor bleibt mit 0,1 Punkten Anstieg nahezu unverändert; das Verbrauchervertrauen steigt um 0,5 Punkte.

Wirtschaftsleistung Österreich. Die heimische Konjunktur schwächelt im 3. Quartal, das BIP blieb real erneut unter dem Vorjahr (minus 0,1 Prozent). Gegenüber dem 2. Quartal gab es nur eine leichte Steigerung der Wirtschaftsleistung von 0,3 Prozent. Industrie und Bauwirtschaft stecken weiterhin in der Rezession: In beiden Sektoren sank die Wertschöpfung jeweils um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie stagnieren. Der private Konsum ist weiterhin sehr schwach und liegt unter dem Vorjahresquartal. [Quelle: WIFO

Energieversorgung. Im September konnte Österreich seinen eigenen Strombedarf bilanziell zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie abdecken, vor allem die Stromerzeugung durch Laufkraftwerke stieg durch die massiven Regenfälle stark an. Im Vergleich zum September des Vorjahres stieg die Menge der Energie aus PV-Anlagen um 76 Prozent. Insgesamt: Wasserkraft 70 Prozent, Windkraft 17 Prozent, Photovoltaik 10 Prozent, Sonstige (u. a. Biogas) 4 Prozent. [Quelle: Austrian Power Grid]  

Sinkende Erzeugerpreise. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Erzeugerpreise im produzierenden Bereich im September um 2,6 Prozent gesunken. Damit ist der September der 15. Monat in Folge mit einem Rückgang. Vor allem Energiepreise sanken deutlich (-13,5 Prozent), während die Preise für Vorleistungsgüter (0,7 Prozent), Investitionsgüter (2,5 Prozent) und Konsumgüter (2,2 Prozent) gestiegen sind. [Quelle: Statistik Austria

Wirtschaftsleistung EU und Eurozone. Im dritten Quartal hat das BIP in der Eurozone im Vergleich zum 2. Quartal 2024 saisonbereinigt um 0,4 Prozent zugelegt und in der gesamten EU um 0,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergibt sich ein Zuwachs von 0,9 Prozent für sowohl Eurozone als auch EU. [Quelle: Eurostat

E-Auto-Handelskrieg. Als Reaktion auf die von der EU verhängten Strafzölle auf E-Autos soll Peking chinesische Autobauer angewiesen haben, Investitionen nur in jenen EU-Ländern zu tätigen, die gegen die Zölle sind. Ein Reuters-Artikel zitiert Insider die berichten, dass damit ein Keil in die EU getrieben werden soll. Geplante Produktionsstätten in der EU sollen nicht in Ländern gebaut werden, die sich für die Strafzölle ausgesprochen haben, etwa Frankreich. [Quelle: Reuters | Kommentar: Handelskrieg oder De-Risking?]

Goldpreis-Rekord. Erneut hat der Goldpreis mit 2.789,10 Dollar für eine Feinunze am Mittwochvormittag einen neuen Rekord erreicht. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis bereits um über 34 Prozent zugelegt. Zu den stärksten Preistreibern werden die sinkenden Zinsen sowie der unsichere Ausgang der US-Wahl nächste Woche gezählt. [Quelle: aktueller Goldpreis | Grafik: Goldpreisentwicklung seit 1979 | Video: Was hinter der Goldpreis-Rallye steckt

Wirtschaftsleistung Deutschland. In Deutschland ist das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent gewachsen. Das ist zwar besser als erwartet, jedoch wurde der Wert für das 2. Quartal 2024 nachträglich von minus 0,1 Prozent auf minus 0,3 Prozent nach unten korrigiert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergibt sich ein BIP-Rückgang von 0,2 Prozent. Staatliche und private Konsumausgaben haben leicht zugelegt. Arbeitsmarkt: Saisonbereinigt hat die Zahl der Arbeitslosen im Monatsvergleich um 27.000 zugenommen. Verglichen mit Oktober 2023 liegt die Zahl der Arbeitslosen mit 2.791.000 Personen um 183.000 höher. Darüber hinaus stieg im Oktober die Inflationsrate auf 2 Prozent. [Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit

Wirtschaftsleistung Frankreich. Das reale BIP wächst in Frankreich im 3. Quartal um 0,4 Prozent nach 0,2 Prozent Wachstum im 2. Quartal, begünstigt durch die Olympischen Spiele in Paris. Die Inlandsnachfrage steigt durch einen Aufschwung beim Konsum der privaten Haushalte (plus 0,5 Prozent). Dagegen waren die Bruttoanlageinvestitionen weiter rückläufig (-0,8 Prozent). [Quelle: Insee

Wirtschaftsleistung USA. Das BIP-Wachstum in den USA betrug im dritten Quartal annualisiert 2,8 Prozent zum Vorquartal. Das entspricht einem leichten Nachgeben der Konjunkturdynamik, im zweiten Quartal verzeichneten die USA noch ein Wachstum von 3 Prozent. [Quelle: Department of Commerce

Budget Großbritannien. Die britische Schatzkanzlerin Rachel Reeves (Labour) präsentierte gestern ihr erstes Budget, das 40 Mrd. Pfund (knapp 48 Mrd. Euro) einbringen soll. Unter anderem werden Kapitalertragssteuern, Tabak- und Alkoholsteuern, Flugticketabgaben und Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherung teilweise deutlich angehoben, letzteres soll über fünf Jahre 25 Mrd. Pfund einbringen. Ausgaben für u. a. Militär, Bildung, Forschung und Elektromobilität werden erhöht. Reeves prognostiziert ein Budgetdefizit von 26,2 Mrd. Pfund im Jahr 2026, für 2027-2028 wird jedoch mit einem Budgetüberschuss von 10,9 Mrd. Pfund gerechnet. [Quellen: Reuters, The Guardian

Selektive Agenda:

09:30 Uhr, Wien: Nationalratspräsident Rosenkranz empfängt den ungarischen Ministerpräsidenten Orbán im Parlament. Ein Treffen zwischen FPÖ-Chef Kickl und Orbán ist ebenfalls geplant. [Info

Heute, ganztägig: 100 Jahre Weltspartag 

ab Freitag: EU-Außenbeauftragter Borrell in Japan (31.10.-2.11.) [Info]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: John Philip Weiland wird neuer CCO der Kommunalkredit. Josef Cser wurde für weitere fünf Jahre als Geschäftsführer der Wohnservice Wien bestätigt.

Geburtstage: Wir gratulieren Siegfried Wolf, Roland Düringer und Roland Neuwirth zum Geburtstag! Am Wochenende haben August Wöginger (Samstag) und Juliane Bogner-Strauß (Sonntag) Geburtstag. 

Sehen & gesehen werden:

Heute, 16 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion des Wochenmagazins Weltwoche: „Geopolitischer Abend in Wien mit Viktor Orbán und Gerhard Schröder“ [Info

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