Morning in Brief ・ 31.10.2025

Morning in Brief, 31. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Maximilian Kern und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Träge Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal. Die heimische Wirtschaftsleistung ist vom 2. auf das 3. Quartal um 0,1 % gewachsen. Gegenüber dem 3. Quartal 2024 ergibt sich ein Anstieg um 0,6 %. Die Wertschöpfung in der Industrie stagnierte im 3. Quartal, die Bauwirtschaft setzte ihre negative Entwicklung mit minus 0,5 % weiter fort. Auch der Dienstleistungssektor (Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie) verzeichnete ein Minus von 0,2 %. Wirtschaftliche Dienstleistungen und die öffentliche Verwaltung legten jeweils um 0,2 % zu. Die Bruttoanlageinvestitionen schrumpften um 0,3 %, Exporte um 0,4 %. „Es zeigte sich eine träge Dynamik auf breiter Basis“, so Wifo-Ökonom Marcus Scheiblecker. „Seit Ende 2024 gibt der Staat real um 1,6 % mehr aus, während die gesamte Wirtschaftsleistung kaum vom Fleck gekommen ist (+0,2 %). Ohne das satte Plus beim staatlichen Konsum wäre 2025 ein weiteres Rezessionsjahr für Österreich“, analysiert Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith. [Quellen: Wifo, Selektiv | Grafik: Der Staat konsumiert, niemand investiert]

Kommentar: Warum der Weltspartag seinen Sinn verloren hat
von Gerhard Jelinek

Vor genau hundert Jahren wurde erstmals ein „Weltspartag“ gefeiert und die Österreicherinnen und Österreicher scheinen die Mahnung aus dem vergangenen Jahrhundert verinnerlicht zu haben. Statt die gestiegenen Realeinkommen in den Konsum zu stecken oder zu investieren, legen die Österreicher ihr Geld lieber aufs Sparbuch und schauen zu, wie das Geld inflationsbedingt jedes Jahr an Wert verliert.

💡 Gender Pay Gap: Berufswahl prägt Gehaltslücke. Die Brutto-Einstiegsgehälter in den fünf beliebtesten Lehrberufen für Männer lagen auch 2024 deutlich höher als in den Top-Berufen für Frauen. Laut AMS-Gehaltskompass können Elektrotechniker mit mindestens 2.920 Euro rechnen, während der weiblich dominierte Einzelhandel nur 2.190 Euro bietet. Zu den beliebtesten Männerberufen zählen zudem Metalltechnik, Kraftfahrzeugtechnik sowie Installations- und Gebäudetechnik. Frauen erreichen hingegen als Bürokauffrau, Friseurin, Verwaltungsassistentin oder PKA maximal 2.210 Euro Einstiegsgehalt. Dies spiegelt sich neben anderem im Equal Pay Day wider, der dieses Jahr auf den 2. November fällt: Laut Statistik Austria verdienten vollzeitbeschäftigte Männer im Jahr 2023 im Schnitt 63.451 Euro brutto jährlich, Frauen 53.128 Euro – ein Unterschied von 16,3 % bzw. rund 60 Tagen. [Quellen: WKO I, WKO II, AMS Gehaltskompass, AMS Equal Pay Day, Agenda Austria | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Industriestrategie soll erst 2026 präsentiert werden. In einem Interview im Kurier gab Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer an, dass die inhaltlichen Gespräche zur Industriestrategie in diesem Jahr abgeschlossen werden sollen. Ziel sei es, die Strategie „Anfang 2026 zu präsentieren.“ [Quelle: Kurier]

🇦🇹 KV-Handel: Gewerkschaft fordert „Kaufkraftsicherung“. Zwar will die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) im Vorfeld der KV-Verhandlungen keine konkrete Prozentzahl als Zielwert nennen, sie fordert aber jedenfalls „einen Beitrag zur Kaufkraftsicherung“. Die den Verhandlungen zugrunde liegende Inflationsrate beträgt 3,01 %. Gewerkschaftsvertreter stehen einem neuen Zweijahresabschluss kritisch gegenüber, ein gestaffelter KV-Abschluss sei zwar möglich aber nicht die Idealvorstellung. Einmalzahlungen lehnt die Gewerkschaft ab. Arbeitgeber-Chefverhandler Rainer Trefelik sieht zwar eine gute Gesprächsbasis mit der Gewerkschaft, dämpft aber die Erwartungen auf einen schnellen Abschluss. Die 1. Verhandlungsrunde findet am 6. November statt. [Quelle: APA via Medienberichte | Grafik: Gehaltserhöhungen im Handel seit 2015]

🇦🇹 Fast ein Drittel weniger Windkraftproduktion. Die Produktion aus Windkraft ging im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 32,3 % zurück. Insgesamt ist die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen in Österreich um 10,9 % gesunken, Österreich musste daher 511 Gigawattstunden Strom importieren. Nur an 5 Tagen konnte bilanziell Strom exportiert werden. Im September 2024 konnte noch an 16 Tagen bilanziell Strom in Höhe von 232 Gigawattstunden exportiert werden. „Erhebliche Schwankungen in der Produktion von klimafreundlichem Strom und wiederkehrende Import-Abhängigkeit belegen die dringende Notwendigkeit für ein ausreichend dimensioniertes Stromnetz“, so APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner. [Quelle: Austrian Power Grid]

🇦🇹 OGH-Urteile zu unzulässigen Kreditbearbeitungsentgelten. Kreditbearbeitungsgebühren dürfen den tatsächlichen Aufwand der Banken nicht „grob überschreiten“ und müssen transparent sein. In den aktuellen Fällen wurden die betroffenen Banken verpflichtet, bereits gezahlte Gebühren zurückzuerstatten. Das Urteil gilt rückwirkend. Ansprüche verjähren erst nach 30 Jahren, was weitere Rückforderungen ermöglichen könnte. Stefan Schleicher, Vorstand des Prozessfinanzierers Jufina, rechnet mit einer „Klageflut in Milliardenhöhe“. [Quelle: Jufina]

🇪🇺 Europäische Wirtschaft wächst – Deutschland stagniert. Die Wachstumszahlen für das 3. Quartal zeigen im europäischen Vergleich ein gemischtes Bild. Vom 2. auf das 3. Quartal legte das BIP im Euroraum stärker als erwartet um 0,2 % zu. Die EZB hatte Stagnation prognostiziert, von Reuters befragte Ökonomen nur 0,1 % Wachstum. In der EU gab es einen Anstieg von 0,3 %. Im Vergleich zum 3. Quartal 2024 legte der Euroraum um 1,3 % und die EU um 1,5 % zu. Schweden wuchs im Quartalsabstand mit 1,1 % am stärksten, dahinter folgten Portugal (+0,8 %) und Tschechien (+0,7 %). Rückgänge gab es in Irland (-0,1 %), Finnland (-0,1 %) und Litauen (-0,2 %). Italien und Deutschland stagnierten im 3. Quartal; das deutsche BIP-Minus im 2. Quartal wurde jedoch von minus 0,3 % auf minus 0,2 % leicht nach oben revidiert. [Quellen: Eurostat, Reuters, Statistisches Bundesamt]

🇪🇺 Arbeitslosigkeit in EU stabil. Im September lag die Arbeitslosenquote im Euroraum bei 6,3 % und damit unverändert gegenüber Vor- und Vorjahresmonat. Auch in der EU blieb die Arbeitslosigkeit mit 6,0 % gegenüber dem Vormonat stabil und stieg geringfügig gegenüber dem Vorjahresmonat (+0,1 Prozentpunkte). Laut ILO-Konzept lag die Arbeitslosenrate im September in Österreich bei 5,5 % und in Deutschland bei 3,9 %. Die höchste Arbeitslosigkeit verzeichneten Spanien (10,5 %), Finnland (9,8 %) und Schweden (8,7 %). [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 EZB-Leitzins bleibt unverändert – digitaler Euro ab 2029 geplant. Die Zentralbank belässt die Zinssätze für Einlagefazilität, Hauptrefinanzierungssatz und Spitzenrefinanzierungssatz zum 3. Mal in Folge unverändert bei 2,0 %, 2,15 % bzw. 2,4 %. Mit einer jährlichen Inflationsrate von 2,2 % im September liegt die Teuerung nahe am EZB-Zielwert von 2,0 %, und die Notenbank rechnet damit, dass sie sich mittelfristig weiter in diese Richtung bewegt. Außerdem wurde beschlossen, in die nächste Phase der Einführung des digitalen Euros überzugehen. 2026 sollen die diesbezüglichen Rechtsvorschriften in Kraft treten, 2027 ein Pilotprojekt starten und 2029 das Eurosystem bereit für eine mögliche Erstausgabe sein. [Quellen: EZB I, EZB II, EZB Press Conference | Grafik: Leitzins-Entwicklung in USA und Eurozone]

🇩🇪 Inflation leicht gesunken – Arbeitsmarkt stagniert. Die Inflation in Deutschland ist im Oktober 2025 auf 2,3 % gefallen (September: 2,4 %), die Verbraucherpreise stiegen zum Vormonat um 0,3 %. Die Arbeitslosigkeit ging weiter zurück, die Beschäftigungsentwicklung verläuft jedoch nur langsam und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern ist gering, so Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Agentur für Arbeit. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der Arbeitslosen um 120.000 Personen höher, die Arbeitslosenquote beträgt 6,2 %. [Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Arbeitsagentur]

🇺🇸 🇰🇷 Südkorea und USA beschließen Handelsabkommen. Ein hochrangiger südkoreanischer Regierungsbeamter teilte mit, dass sein Land Investitionen in Höhe von 350 Mrd. Dollar in den USA plant. Im Gegenzug würden die Vereinigten Staaten ihre Zölle auf südkoreanische Importe senken. US-Präsident Trump ergänzte, dass Südkorea zudem zugestimmt habe, große Mengen an Öl und Gas aus den USA zu beziehen sowie weitere Investitionen im Umfang von insgesamt 600 Mrd. Dollar zu tätigen. Zuletzt ist die südkoreanische Wirtschaft stärker als erwartet gewachsen. Das BIP ist im 3. Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal um 1,2 % gestiegen und hat damit die Erwartungen von 0,9 % übertroffen. Für das Gesamtjahr wird ein Wirtschaftswachstum von 1 % erwartet. [Quellen: APA via Medienberichte, Trump via Truth Social, Bank of Korea, Reuters]

🇺🇸 „Government Shutdown“ kostet bis zu 14 Mrd. US-Dollar. Laut dem Budgetdienst des US-Kongresses (CBO) wird der Stillstand der Bundesverwaltung den USA zwischen 7 und 14 Mrd. US-Dollar kosten. Das CBO hat Szenarien für einen 4-, 6- und 8-wöchigen Shutdown berechnet: Im 4. Quartal 2025 würde das annualisierte Wirtschaftswachstum demnach um 1,0, 1,5 bzw. 2,0 Prozentpunkte niedriger ausfallen, während Nachholeffekte im 1. Quartal 2026 dann zu einem Plus von 1,4, 2,2 bzw. 3,1 Prozentpunkten führen würden. „Die kumulativen Auswirkungen des Shutdowns auf das reale BIP würden leicht negativ bleiben“, so die Analyse des CBO. Das reale BIP würde im 4. Quartal 2026 dann um 7, 11 bzw. 14 Mrd. US-Dollar niedriger ausfallen als ohne Shutdown. Mit 31 Tagen ist der derzeitige „Government Shutdown“ bereits der zweitlängste der US-Geschichte. [Quelle: CBO]

🇨🇳 Chinas Industrie schrumpft weiter. Der offizielle Einkaufsmanagerindex der chinesischen Industrie verharrt seit 7 Monaten unterhalb der Wachstumsschwelle. Von September auf Oktober verliert der Indikator mit 0,8 Zählern stärker als erwartet. Mit 49,0 Punkten sinkt er auf den niedrigsten Stand seit April. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Wert von 49,6 Punkten erwartet. Auch der Indikator für die Industrieproduktion ist mit 49,7 Punkten (-2,2 Zähler) erstmals seit April wieder unter die Wachstumsschwelle gerutscht. Einzig der Lieferzeitindex konnte sich mit 50,0 Punkten (-0,8 Zähler) noch exakt an der Schwelle halten. [Quellen: Chinesisches Statistikamt, Reuters]

Selektive Agenda:

Heute: Weltspartag

Heute und Samstag, Kairo, Ägypten: Außenministerin Meinl-Reisinger in Ägypten, Treffen mit Amtskollegen Abdel-Atti

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Schnellschätzung des Verbraucherpreisindex im Oktober sowie Energiebilanzen 1970-2024. [Info]

10:00 Uhr, Frankfurt, Deutschland: EZB gibt Wachstums- und Inflationsprognosen bekannt [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Schnellschätzung des Verbraucherpreisindex für die Eurozone im Oktober.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Josef Rottenaicher wurde zum neuen Chief Financial Officer (CFO) der Rosenberger-Gruppe berufen.

Geburtstage: Wir gratulieren Siegfried Wolf und Roland Düringer zum Geburtstag. Am Samstag hat Josef Riegler Geburtstag, am Sonntag August Wöginger.

Sehen & gesehen werden:

Samstag, 10:15 Uhr, Wien: Allerheiligen-Gottesdienst mit Josef Grünwidl und Toni Faber im Stephansdom [Info]

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