Morning in Brief ・ 04.12.2025

Morning in Brief, 4. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 113 Maßnahmen zur Entbürokratisierung. Die gestern beim lange erwarteten „Entbürokratisierungsministerrat“ vorgestellten 113 Maßnahmen reichen von „1. Einsatz von Amtssachverständigen verbessern“ bis hin zu „113. Entfall des Flaschegebindezwangs bei Almwirtschaften“. Weiters werden die Schwellenwerte für die Buchführungspflicht von 700.000 auf 1 Mio. Euro bzw. auf 1,5 Mio. Euro erhöht. PV-Anlagen und E-Ladestationen sind künftig vollständig genehmigungsfrei. Ein Auto muss muss künftig erst ab dem 10. Jahr jährlich zur Pickerl-Überprüfung. Erste Gesetzesentwürfe, etwa jene zur Gewerbeordnungsreform, sollen bereits nächste Woche in Begutachtung gehen. Weitere 600 konkrete Vorschläge befinden sich laut Staatssekretär Schellhorn „in der Pipeline“, das vorgestellte Entbürokratisierungspaket daher nur der „Beginn eines großen Reformschritts“. [Quellen: Pressefoyer nach Ministerrat, 113 Maßnahmen im Überblick, Infobroschüre Entbürokratisierungspaket | Reaktionen: IV, WKÖ, Wirtschaftsbund, Junge Wirtschaft, Austrian Startups, Oesterreichs Energie, HV, FPÖ, SPÖ]

„Die Industriestrategie ist fertig“
Interview mit Sepp Schellhorn

Die Beschleunigung der UVP-Verfahren und die Entlastung der Sachverständigen sind für Staatssekretär Sepp Schellhorn die wichtigsten Maßnahmen im ersten Entlastungspaket. Verärgert zeigt sich Schellhorn über den Rückzieher bei der Abschaffung des Pflegebonus in Salzburg: „Das erachte ich als ein schlechtes Signal und ein falsches Zeichen“, so der Staatssekretär im Interview. Zur Industriestrategie kann Schellhorn hingegen Erfreuliches berichten, sie ist „fertig“ und wird am 15. Jänner 2026 präsentiert.

„Sepp Schellhorn auf den Spuren von Kaiser Franz Josef“
ZeitGeschichten von Gerhard Jelinek

Vergleiche mit der Monarchie mögen ein bisschen polemisch sein, aber sind sie deshalb falsch? In absoluten Zahlen begnügte sich die Habsburger-Monarchie mit einer vergleichsweise bescheidenen Zahl von Ministerialen. Die „Steirische Alpenpost“ zitiert am 1. Februar 1913 den damaligen Minister des Inneren, seine Exzellenz Freiherr von Haerdtel: Demnach zählte das „Ackerbauministerium“ 197 öffentlich Bedienstete. Heute? 925 (ohne die ausgegliederten Bereiche). Damals lebte gut die Hälfte der Bevölkerung vom Ackerbau und Forstwirtschaft. Heute? Ungefähr zwei Prozent.

💡 Die Lohnstückkosten galoppieren in Österreich der Produktivität davon. Von 2016 bis 2024 legten die Lohnstückkosten um 34,6 % zu – während die heimische Arbeitsproduktivität lediglich um 5,1 % wuchs. Dadurch gerät die preisliche Wettbewerbsfähigkeit exportstarker Industrien zunehmend unter Druck. Zwischen 2012 und 2024 lag die Wachstumsrate der Produktivität in Österreich mit 0,7 % leicht unter dem EU-Schnitt. 2023 und 2024 ging die Arbeitsproduktivität sogar um rund 1,1 % zurück. Die Lohnstückkosten stiegen in Österreich zwischen 2020 und 2024 hingegen jährlich im Durchschnitt um 1,2 Prozentpunkte stärker als beim wichtigsten Handelspartner Deutschland. [Quelle: Produktivitätsbericht 2025 | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 „Am unteren Rand der EU“. Der Produktivitätsrat hat gestern seinen jährlichen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit Österreichs vorgelegt. Der Schwerpunkt des Produktivitätsberichts 2025 liegt auf dem Strukturwandel von der Produktion hin zu wissens- und technologieintensiven Tätigkeiten. Die Arbeitskosten pro produzierte Einheit seien gegenüber Haupthandelspartnern stark gestiegen, während die Produktivität nicht mehr stark gewachsen ist. „Die Unternehmensdynamik liegt am unteren Rand der EU“, urteilt der Produktivitätsrat. Bei digitalen Kompetenzen, Unternehmensdigitalisierung und Infrastruktur liege Österreich nur im EU-Mittelfeld. „Das Ziel, bis 2030 zu den Innovationsführern aufzuschließen, dürfte verfehlt werden“. Eine Stärkung der Innovationskraft sei zentral, um die Arbeitsproduktivität wieder anzukurbeln und die Senkung der Energiekosten wesentlich für die Wettbewerbsfähigkeit. Der Bericht enthält detaillierte Handlungsempfehlungen für die Politik. [Quelle: Produktivitätsbericht 2025 | Grafik: Heimisches Produktivitätswachstum im Sinkflug]

🇦🇹 8 % der Wirtschafts-Wahlversprechen umgesetzt. Die Regierung hat im Bereich Wirtschaft 19 von 185 Wahlversprechen teilweise oder vollständig umgesetzt. 8 % wurden vollständig und 3 % teilweise umgesetzt – das sind die niedrigsten Werte aller Ressorts. Das geht aus einer Analyse der Uni Graz hervor. Darunter die Strompreiskompensation für die Industrie, eine Senkung der Berichtspflichten, Investitionsanreize, Strommarktreform oder Mietrechtsreform. Über alle Ressorts hinweg wurden 5 % aller objektiv überprüfbaren 1.674 Wahlversprechen teilweise und 14 % vollständig umgesetzt. Am höchsten liegt der Wert im Themenfeld Außenpolitik (30 % vollständig und 5 % teilweise umgesetzt). [Quelle: Politikmonitor]

🇦🇹 Auch Badelt für Mercosur-Ja Österreichs. Noch vor 20. Dezember müssen die EU-Mitgliedsstaaten über das Mercosur-Abkommen abstimmen, das dann unterzeichnet werden soll. Österreichs Stimme könnte unter Umständen entscheidend sein und so riet auch Fiskalratspräsident Christoph Badelt gestern zu einer Zustimmung, nachdem sich am Tag davor bereits das Wifo dafür aussprach. „Wir können uns einfach nicht erlauben, auf Mercosur zu verzichten“, so Badelt. „Es herrscht das Gefühl, österreichische Politiker wollen, dass wir Mercosur bekommen, aber sie daran dann nicht schuld sind“. [Quelle: Pressekonferenz | Grafik: Oberösterreich profitiert am meisten von Mercosur]

🇦🇹 Ökonomen hoffen 2026 auf Österreichs Inlandsnachfrage. Die Erholung der österreichischen Wirtschaft wird 2026 nach Einschätzung der Bank-Austria-Ökonomen maßgeblich von der Inlandsnachfrage abhängen. Die Leitzinssenkungen sollten sich positiv auf die Investitionstätigkeit auswirken und der Rückgang der Inflation könnte den privaten Konsum ankurbeln. Der Außenhandel werde die Konjunktur aufgrund struktureller Schwächen und der US-Handelspolitik hingegen weiter belasten. [Quelle: Bank Austria Konjunktureinschätzung 2026/27]

🇦🇹 Weiterhin zähe Herbstlohnrunden. Die Herbstlohnrunden im Handel und in der IT geraten ins Stocken. Die Verhandlungen für die 140.000 Handels-Arbeiter blieben gestern auch in der 3. Runde ergebnislos. Die Arbeitnehmer-Vertreter fordern 3,5 % Lohnerhöhung, die Arbeitgeber-Vertreter bieten 2,55 %, die auch bereits für die Handels-Angestellten ausgehandelt wurden. Auch in der IT-Branche blieb die 3. Runde gestern ergebnislos. Die Gewerkschaft lehnt das Angebot von 1,9 % Lohnerhöhung ab und startet mit Betriebsversammlungen. Die Arbeitgeber sehen eine Annäherung, da die Forderung von 4,5 % auf 4,0 % gesenkt wurde. Eine Einigung gab es hingegen für die Beschäftigten der ausländischen Luftverkehrsgesellschaften – die Mindest- und Ist-Gehälter steigen im Durchschnitt um 3,25 %. [Quellen: WKÖ-Handel, ÖGB-Handel, GPA-IT, WKÖ-IT, Luftverkehr | Grafik: Zwischenstand in den Herbstlohnrunden]

🇦🇹 Politikerbezüge würden um 2,7 % steigen, gäbe es keine Nulllohnrunde. Der Rechnungshof hat für Politikerbezüge für 2026 einen Anpassungsfaktor von 2,7 % berechnet. Für Bundespräsident, Regierungsmitglieder, Nationalratsabgeordnete und Bundesratsmitglieder hat die Regierung allerdings bereits eine Nulllohnrunde auf den Weg gebracht. Die Obergrenzen für die Bezüge von Landespolitikern steigen um den Faktor 2,7 %. 8 Länder haben ebenfalls Nulllohnrunden angekündigt – in Oberösterreich steigen die Politikerbezüge um 3,3 %. [Quelle: Rechnungshof]

🇦🇹 250.000 E-Autos in Österreich. 2025 wird in Österreich die Marke der Viertelmillion E-Autos erreicht, allein heuer werden 60.000 neue E-Autos zugelassen werden. Das öffentliche Ladenetz ist in den vergangenen 12 Monaten um 37 % auf 35.000 Ladepunkten angewachsen, die Schnelladepunkte um 119 % auf 3.500. [Quelle: Austriatech]

🇪🇺 EU-Kommission präsentiert Vorschläge zu Ukraine-Finanzierung. Die EU-Kommission hat zwei mögliche Optionen zur Finanzierung der Ukraine präsentiert. Der 1. Vorschlag sieht die Finanzierung über EU-Kredite aus dem EU-Budget vor, der 2. Vorschlag die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte als „Reparationsdarlehen“. Belgien protestiert weiterhin gegen den Zugriff auf eingefrorenes russisches Vermögen. Der Finanzbedarf der Ukraine beträgt laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds in den nächsten 2 Jahren 135 Mrd. Euro, die EU will 90 Mrd. davon übernehmen. [Quellen: EU-Kommission – Aussendung, Statement Von der Leyen u. Dombrovskis; Politico]

🇩🇪 Deutsche Industrie rechnet mit 4. Rezessionsjahr. Der Chefökonom des deutschen Industrie-Verbands BDI, Klaus Günther Deutsch, rechnet für das verarbeitende Gewerbe mit einem weiteren Rezessionsjahr. 2025 werde die Produktion voraussichtlich um 2,0 % zurückgehen – bisher rechnete der BDI mit nur minus 0,5 %. „Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg“, kommentiert BDI-Präsident Peter Leibinger. Für die EU geht der BDI von plus 1,0 % aus, nach bisher minus 1,0 %. [Quellen: BDI, Industriebericht Dezember]

🇨🇭Schweizer Wirtschaft wächst schwächer. Die durch globale Unsicherheiten und US-Zölle belastete Schweizer Wirtschaft wird in den kommenden Jahren schwächer wachsen. Nach einem erwarteten Wachstum von 1,2 % im laufenden Jahr wird für 2026 nur mehr 1,0 % erwartet. Im November lag die Schweizer Inflation bei 0 %, 2026 soll die Jahresinflation von 0,2 % auf 0,4 % steigen. Der Wechselkurs Franken-Euro wird von 0,93 auf 0,91 sinken. Der Arbeitskräftemangel soll sich entspannen, die Arbeitslosigkeit leicht von 2,8 auf 3,0 % steigen. [Quellen: Economiesuisse, BFS]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Warnstreiks in der Sozialwirtschaft [Info]

Heute, Brüssel: EU-Rat (Verkehr, Telekommunikation und Energie) [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht u. a. Daten zu BIP und Hauptaggregaten sowie zur Arbeitszeit im 3. Quartal, den Einzelhandel-Umsatzindex für Oktober 2025, Energiepreise und -steuern 2024

11:00 Uhr, Wien: OeNB veröffentlicht „Finanzsituation und Finanzverhalten der österreichischen Haushalte“ [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Der ehemalige EU-Kommissar Johannes Hahn wird neuer Präsident des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank. Das hat der Ministerrat am Mittwoch beschlossen. Alexander Schallenberg ist Leiter des neu gegründeten Think-Tanks Europe’s Futures Initiative (EFI). Horst Rode ist neuer kaufmännischer Geschäftsführer der FH Technikum Wien. Ines Eschbacher, Stephan Siller und Roland Dessovic übernehmen ab 1. Jänner die Geschäftsführung von valantic Austria. Die Wietersdorfer Gruppe besetzt die Position Head of Group Communications neu und begrüßt Karoline Kurmann in dieser Funktion. Michael Helm ist neuer Finanzvorstand der STUWO Gemeinnützige Studentenwohnbau AG in Wien.

Geburtstage: Wir gratulieren Franz Hörl und Peter Kaiser zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, Wels: Grüngas-Kongress (letzter Tag) [Info]

Ab heute, Seefeld: Europäischer Mediengipfel u. a. mit Magnus Brunner, Gabriel Felbermayr, Kai Diekmann, Anna Thalhammer, Rainer Nowak, Alexandra Föderl-Schmid, Lars Feld, Martin Kocher, Konrad Paul Liessmann, Heinz Lederer, Hans Mahr, Florian Tursky, Anita Zielina, Maria Scholl, u.v.m. (bis 6.12.) [Info]

17:30 Uhr, Wien: Podiumsveranstaltung „Dauerbrenner Stromkosten: Innovative Konzepte zur Senkung der Energiepreise“ im Parlament, u. a. mit Karin Doppelbauer, Wolfgang Anzengruber, Gerhard Roiss, Walter Boltz, Johannes Berger und Lukas Sustala [Info]

19:00 Uhr, Wien: Verleihung des Staatspreises für freiwilliges Engagement 2025 im Rathaus [invite only, Live]

19:30 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Unternehmensvertretung in der Krise – Wirtschaftskammerreform, jetzt!“ von „Aufschwung Austria“ im Parlament, u. a. mit Yannick Shetty, Rebecca Kirchbaumer, Michael Bernhard und Markus Hofer [Info]

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