Morning in Brief ・ 04.02.2026

Morning in Brief, 4. Februar 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Kreditnachfrage österreichischer Unternehmen steigt erstmals seit 2022. Die Kreditnachfrage heimischer Unternehmen ist im 4. Quartal 2025 erstmals seit dem 3. Quartal 2022 wieder gestiegen. Aufgrund hoher Energiepreise sowie struktureller Probleme bleibt die Kreditnachfrage bei energieintensiven Industrieunternehmen und in der Automobilbranche jedoch weiter rückläufig. Anzeichen zunehmender Investitionstätigkeit lassen die heimischen Banken für das 1. Quartal 2026 mit einer weiteren Zunahme der Kreditnachfrage rechnen. Ausschlaggebend ist laut OeNB, ob sich die positive Entwicklung auch auf jene Sektoren ausdehnt, die bislang noch keine Belebung zeigen. [Quelle: OeNB]

„Die Börse war wieder ein Werk des Teufels“
Interview mit Peter Brezinschek

Peter Brezinschek, ehemaliger Chefökonom bei Raiffeisen Research, übt scharfe Kritik an der aktuellen Ausgestaltung der betrieblichen Vorsorgekassen. Die Rendite von 3,6 Prozent im Jahr 2025 sei zwar solide, werde jedoch durch politisch erzwungene Vorsicht – Kapitalgarantien und Entnahmemöglichkeit – massiv gebremst. Ein 30- bis 45-jähriger Anlagehorizont würde deutlich höhere Erträge und einen echten Vermögensaufbau für Arbeitnehmer ermöglichen. Brezinschek fordert eine mutige Reform ohne Kapitalgarantien, mit professioneller Asset-Allokation, höheren Aktienquoten und lebenslanger Bindung des Kapitals.

💡 Betriebliche Vorsorgekassen rutschen in Verlustzone. Seit 2004 betrug die Performance der betrieblichen Vorsorgekassen (Abfertigung neu) 56,7 % – damit performen diese deutlich unterhalb der Inflation im selben Zeitraum in Höhe von 72,3 %. Die Hochinflationsphase seit 2022 sowie die konservative Veranlagungsstrategie mit einer Kapitalgarantie, einem hohen Anleihenanteil und vorzeitigen Entnahmemöglichkeiten schmälert die Rendite der Vorsorgekassen. Zum Vergleich: Der MSCI World Index nahm seit 2004 um knapp 550 % zu. [Quellen: Statistik Austria, oeKB, WKÖ, Curvo | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 Mehr Grundwehrdiener, Sorge um Zivildiener. Im Jahr 2024 haben sich von 28.778 als tauglich eingestuften Männern 16.361 bzw. knapp 57 % für den Grundwehrdienst entschieden, im Jahr 2023 waren es 54 %. Der Anteil der Freiwilligenmeldungen ist 2024 auf 8 % gestiegen. Die für Zivildienst zuständige Ministerin Claudia Bauer zeigte sich indes besorgt, dass die Zahl der Zivildiener aufgrund demografischer Entwicklungen sinken wird. Im Jahr 2025 leisteten fast 15.000 Männer Zivildienst – künftig könnte es aber jährlich rund 2.000 Zivildiener weniger geben, während der Bedarf aufgrund der alternden Bevölkerung um ein Viertel steigen würde, so Bauer. Eine „Stellschraube“ sei die Dauer des Grundwehrdienstes und die damit verbundene Dauer des Wehrersatz- bzw. Zivildienstes. Eine längere Dienstdauer würde auch den gesellschaftlichen Nutzen deutlich erhöhen, so Bauer. [Quellen: BMLV, Pressekonferenz Bauer | Reaktion: Samariterbund]

🇦🇹 Wasserversorgung generiert Wertschöpfungseffekt von 12,8 Mrd. Euro. Investitionen in die heimische Trinkwasserversorgung sowie deren laufender Betrieb hatten im Jahr 2024 einen Bruttowertschöpfungseffekt von 12,8 Mrd. Euro, so eine Analyse des Economica Instituts im Auftrag der Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW). „Die Förderung als Kofinanzierung der Wasserversorgung ist nicht nur eine zentrale öffentliche Aufgabe, sondern auch ein wirtschaftlich höchst wirksames Instrument“, so Studienautor Christian Helmenstein. Bis 2030 sind laut ÖVGW weitere Investitionen von etwa 4,3 Mrd. Euro nötig, die langfristig zu einer Bruttowertschöpfung von knapp 3 Mrd. Euro führen und rund 30.000 Jobs sichern bzw. schaffen würden. Die ÖVGW fordert daher die jährliche Kofinanzierung der Trinkwasserversorgung i. H. v. mindestens 150 Mio. Euro seitens des Bundes sowie zusätzliche Mittel für Klimawandelanpassungsmaßnahmen. [Quelle: ÖVGW]

🇦🇹 Mieten in Wiener Bezirken am stärksten gestiegen. Von den 10 Bezirken mit der prozentual höchsten Preissteigerung für Neumieten pro Quadratmeter in Österreich liegen 8 in Wien, die anderen beiden im Burgenland. In Wien-Brigittenau stiegen die Neumieten im Vergleich zum Vorjahr um 20,6 % auf 20,12 Euro pro Quadratmeter. Dicht dahinter folgen die Bezirke Mariahilf mit einem Anstieg von 19,9 % und Neubau mit 17,9 %. In rund 10 % der österreichischen Bezirke sind die Neumieten zurückgegangen. Unter anderem in Mattersburg um 3,3 % auf 10,40 Euro pro Quadratmeter und in Deutschlandsberg um 2,8 %. Die höchsten Neumieten wurden mit 25,58 Euro pro Quadratmeter im Wiener Bezirk Innere Stadt verzeichnet, die niedrigsten mit 8,76 Euro pro Quadratmeter im südburgenländischen Güssing. [Quelle: Willhaben – Bericht, Interaktive Karte]

🇦🇹 Journalismusförderkommission soll über Medienförderung entscheiden. Eine von Medienminister Andreas Babler beauftragte Analyse empfiehlt die Einrichtung einer neuen Journalismusförderkommission, die von unabhängigen und politikfernen Experten besetzt werden soll. Diese sollen dann „auf Grundlage gesetzlich definierter Kriterien“ über die Förderwürdigkeit von Medien entscheiden. Dabei sollen auch Qualitätskriterien wie „Unabhängigkeit, Professionalität, gesellschaftliche Relevanz und verantwortungsvolles Handeln“ in die Bewertung mit einbezogen werden. [Quelle: SPÖ | Grafik: Inseratemillionen: Der Bund spart, die Länder nicht]

🇦🇹 Fast 1.000 Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit von Ministerien, Ländern und Städten. Laut einer Recherche des Standard sind österreichweit 968 Mitarbeiter bei Ministerien, Landesregierungen und großen Städten für Öffentlichkeitsarbeit im weiteren Sinne beschäftigt. Etwas mehr als die Hälfte (498) geht auf Mitarbeiter des Bundeskanzleramts und der Bundesministerien zurück, mehr als ein Drittel auf jene der Landesregierungen (384). Kommunikationsaufträge an externe Agenturen und Berater wurden in der Erhebung nicht berücksichtigt. Kommunikationswissenschafter Andy Kaltenbrunner ortet gegenüber dem Standard eine „Hangschräglage“, da immer weniger Journalisten immer mehr PR-Mitarbeitern gegenüberstehen würden. [Quelle: Der Standard]

🇩🇪 Deutschland hat die älteste Arbeitsbevölkerung der EU. 24 % der Erwerbstätigen in Deutschland sind zwischen 55 und 64 Jahre alt. Damit nimmt Deutschland den Spitzenplatz in der EU ein. Im EU-Durchschnitt sind 20,1 % der Erwerbstätigen zwischen 55 und 64. In Österreich sind es 18,2 %, am niedrigsten ist der Anteil in Malta (10,8 %). [Quelle: Destatis]

🇩🇪 Jedes 3. deutsche Industrieunternehmen sieht Wettbewerbsfähigkeit schwinden. Knapp ein Drittel der deutschen Industrieunternehmen berichtet von einem Rückgang der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. 31,2 % der Unternehmen sehen sich gegenüber Nicht-EU-Ländern weniger wettbewerbsfähig, innerhalb der EU sind es 17,2 %. In fast allen Branchen wird ein Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit gemeldet. Vor allem im Bereich der Metallerzeugung und -bearbeitung (47 %), in der chemischen Industrie (45 %) und im Maschinenbau (rund 40 %) hat sich die Lage verschlechtert. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 „Historisch niedrige“ Gasspeicherstände in Deutschland. Die rund 40 deutschen Gasspeicher waren zu Jahresbeginn noch zu 56,19 % gefüllt, bis Anfang Februar sank der Stand auf 31,97 %. Zum gleichen Zeitpunkt 2025 lag er bei 54,43 %. Trotz der „historisch niedrigen“ Speicherstände sieht Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, derzeit keine Gasmangellage, da die Gasimporte aus Norwegen und den Niederlanden sowie die LNG-Einfuhren stabil seien. Müller befürwortet jedoch eine nationale Gasreserve zur Absicherung gegen exogene Schocks. Auch in Österreich ist der Speicherstand niedriger als im Vorjahr. Am 2. Februar lag der Füllstand bei 45 % – rund 17 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Seit dieser Woche ist auch das EU-Verbot des Imports von russischem Gas rechtlich verankert: Bis zum 30.9.2027 sollen alle Pipeline- und LNG-Importe aus Russland schrittweise eingestellt werden. [Quellen: Gasspeicherstandorte, AGSI, Bundesnetzagentur, Müller zu Politico, AGGM, EU-Energiekommissar auf X | Grafik: Gasspeicher leeren sich schneller als in den Vorjahren]

🇺🇸 „Government Shutdown“ in den USA beendet. Mit einer Mehrheit von 217 zu 214 hat das US-Repräsentantenhaus einen Budgetkompromiss verabschiedet. Der teilweise Stillstand der Bundesverwaltung kann damit beendet werden, sobald US-Präsident Trump das Gesetz unterzeichnet. Mit 4 Tagen war dieser „Shutdown“ deutlich kürzer als der vorherige im Herbst 2025, der sich über 43 Tage erstreckte. Auch waren dieses Mal weniger Bundesbehörden vom vorübergehenden Stillstand betroffen. [Quellen: CBS]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Wiiw veröffentlicht die Winter-Konjunkturprognose für 23 Staaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa (inkl. Russland und Ukraine)

Heute, Oberösterreich: KV-Verhandlungen in den Oberösterreichischen Ordensspitälern [Info]

7:00 Uhr, Brüssel: Veröffentlichung der neuen Eurobarometer-Umfrage [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Schnellschätzung zur Inflation im Jänner

10:00 Uhr, Deutschland: Bekanntgabe des Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindex für Deutschland und die EU

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Schnellschätzung zur Inflation in der Eurozone im Jänner

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Max Decker wird neuer Sales Director Online der oe24 Media Group. Markus Ulram wurde einstimmig als Kandidat für die Funktion des burgenländischen Gemeindebundpräsidenten nominiert. Christine Weigand ist mit zur Koordinatorin der Vereinten Nationen im Iran ernannt worden. Wolfgang Gratz leitet die externe Expertenkommission im Auftrag des Justizministeriums.

Sehen & gesehen werden:

19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Blumen in der Wüste“ von Andrea Kdolsky im Thalia Wien Mitte [Info]

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