Morning in Brief ・ 04.03.2025

Morning in Brief, 4. März 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Wirtschaftsleistung ging um 1,1 Prozent zurück. Es ist kein leichter Start für die neue Regierung. Kurz vor der Angelobung war klar, dass die Rezession 2024 nicht nur verlängert wurde, sondern auch tiefer ausfiel als 2023. Das BIP ist 2024 um 1,1 Prozent zurückgegangen, nach 1,0 Prozent im Jahr davor und etwas stärker als zunächst erwartet. Es ist die längste Schwächephase seit die Statistik Austria diese Berechnungen veröffentlicht. Im 4. Quartal ist die Wirtschaftsleistung erneut zurückgegangen – durchgehend in allen Wirtschaftsbereichen außer in der öffentlichen Verwaltung, Gesundheit und Bildung. Für das laufende Jahr wird offiziell noch mit einem geringen Wachstum gerechnet, wobei es bereits erste Zweifel gibt, ob nicht doch ein drittes Rezessionsjahr droht. Die nächste Mittelfrist-Prognose des Wifo kommt am 27. März. [Quellen: Statistik Austria, Felbermayr auf X]

Kommentar: CEE-Region im Fadenkreuz der Zölle
„Wohin mit dem Geld“ von Monika Rosen

Einige Analysten haben bereits Schätzungen abgegeben, nach denen ein Zoll in Höhe von 25 Prozent auf alle EU-Exporte in die USA das Wachstum der CEE-Länder um rund 0,5 Prozent dämpfen würde. Diese zusätzliche Hürde kommt zur Unzeit für eine Region, die schon jetzt massiv betroffen ist vom Anstieg der Inflation und von der Rezession in Deutschland. Dazu kommt noch eine weitere Bedrohung.

Grafik (von Stephan Frank): Österreich lag im Jahr 2008 mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,1 Stunden pro Woche und Vollzeitarbeitskraft noch auf Platz 3 in der EU. Im Jahr 2023 reichte es mit 37,6 Stunden nur mehr für Platz 12. Damit liegt Österreich mittlerweile unter dem EU-27-Schnitt von 38,1 Stunden. Gleichzeitig steigt die Beschäftigung trotz Rezession weiter an. Der Umstand, dass in Österreich immer mehr Menschen in weniger Stunden weniger leisten, ist laut AMS-Vorstand Johannes Kopf aber „alles andere als eine gute Nachricht“. [Quellen: Eurostat, AMS]

Inflation steigt. Im Februar liegt die Inflationsrate (VPI) in Österreich laut Schnellschätzung bei 3,3 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat Jänner steigt das Preisniveau um 0,6 Prozent. Weiterhin tragen Dienstleistungen und Energiepreise überdurchschnittlich zur Teuerung bei. In der Eurozone hat Österreich die sechsthöchste Inflationsrate – der Eurozonendurchschnitt fällt im Februar auf 2,4 Prozent, Österreich liegt mit 3,5 Prozent (HVPI) deutlich darüber. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]

Arbeitslosigkeit steigt. 429.940 Personen sind derzeit beim AMS als arbeitslos oder in einer Schulung vorgemerkt, ein Plus von 27.643 Personen bzw. 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenrate steigt somit um 0,5 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent. Der Anstieg der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer ist mit 14,9 Prozent in der Industrie am stärksten ausgefallen. Das am stärksten betroffene Bundesland ist Oberösterreich mit 15,2 Prozent mehr Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern. Die offenen Stellen gingen österreichweit um 11,1 Prozent zurück. [Quelle: AMS]

Regierung angelobt. Gestern wurden Bundeskanzler Christian Stocker, 13 Minister und 7 Staatssekretäre angelobt. Die neue Regierung wird sich am Freitag um 9 Uhr in einer Regierungserklärung im Nationalrat präsentieren. Ein Übermäßiges-Defizit-Verfahren will die neue Regierung trotz der sich verschlechternden Konjunkturindikatoren weiterhin verhindern. Sobald konkrete Zahlen vorliegen, wird die Lage aber neu bewertet werden müssen, so Bundeskanzler Stocker. [Quellen: ORF: Angelobung, „Das Interview“; Stocker auf X | Grafik: Die Minister und Staatssekretäre von Türkis-Rot-Pink]

Arbeit & Soziales: Das halten Experten vom Regierungsprogramm

Auf den 211 Seiten des Regierungsprogramm wird 175-mal „evaluiert“, bemängelt der ehemalige Neos-Nationalratsabgeordnete Gerald Loacker. Der „Nachhaltigkeitsmechanismus“ bei den Pensionen ist sowohl für ihn als auch für die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, nicht konkret genug. Loacker kritisiert weiters die teilweise Rücknahme der Abschaffung der „Kalten Progression“, dem schließt sich auch Agenda-Austria-Ökonomin Carmen Treml an. Hanna Lichtenberger von der Volkshilfe vermisst Vermögens- und Erbschaftssteuer für „Superreiche“. Der Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner, sieht im Regierungsprogramm „Grund zur Hoffnung und Zuversicht“ und appelliert: „Wir werden den Weg bewältigen, auch wenn er steiler wird.“

Arbeitnehmer-Prioritäten. Jobsicherheit ist für 79 Prozent der heimischen Arbeitnehmer die höchste Priorität im Berufsleben, dahinter kommen Gehalt (75 Prozent) und Work-Life-Balance (71 Prozent). Damit schlägt erstmals seit 22 Jahren in dieser Erhebung der Motivationsfaktor Jobsicherheit das Gehalt. Gleichzeitig betonten 55 Prozent die Bereitschaft zur Kündigung, sollten die Umstände im Job nicht passen. [Quelle: Workmonitor 2025]

Jahresbilanz Versicherungen. Das Ergebnis der heimischen Versicherungsbranche fiel im vergangenen Jahr trotz steigendem Prämieneinkommen um 6,7 Prozent auf 1,64 Mrd. Euro, während Einnahmen um 5,5 Prozent auf 23,15 Mrd. Euro stiegen. Die Versicherungen mussten aber – vor allem wegen Naturkatastrophen – mit 18,8 Mrd. Euro um 5,9 Prozent mehr ausschütten als ein Jahr zuvor. Die Leistungen aus Schaden- und Unfallversicherungen allein gingen um 15 Prozent auf knapp 10 Mrd. Euro in die Höhe. [Quelle: Finanzmarktaufsicht]

Aufschub für Autobranche bei EU-Klimavorgaben. Anstelle einer jährlichen Einhaltung der CO2-Grenzwerte der Neuwagenflotten sollen die Unternehmen drei Jahre Zeit für das Erreichen der Klimavorgaben bekommen, kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an. In Zukunft soll der Mittelwert der produzierten Autos von 2025 bis 2027 berücksichtigt werden. Somit dürften die drohenden Strafzahlungen für die Nichterreichung der Ausstoßziele für 2025 ausfallen. [Quelle: EU-Kommission, Von der Leyen auf X]

Industriestimmung der Eurozone hellt sich auf. Der HCOB Einkaufsmanagerindex für die Eurozone von S&P Global erreicht im Februar ein Zwei-Jahres-Hoch von 47,6 Punkten (plus 1,0 Punkt). Österreich liegt mit einem Indexwert von 46,7 Zählern vor Deutschland (46,5) und Frankreich (45,8). Zwar verharrt damit die Industrie im Februar weiterhin im rezessiven Bereich, das Minus bei Auftragseingängen und Exporten fiel aber so klein aus wie seit drei Jahren nicht mehr. Der Stellenabbau beschleunigte sich jedoch weiter. [Quelle: S&P Global]

US-Zölle und Stopp der Ukraine-Zahlungen. Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle von 25 Prozent gegen die Nachbarstaaten Mexiko und Kanada sind heute in Kraft getreten. Nach einem einmonatigem Aufschub der Zölle gebe es nun keine Möglichkeit mehr, die Zölle abzuwenden, so Trump. Auch China soll nochmals mit 10-prozentigen Zöllen belegt werden. Kanada, Mexiko und China haben ihrerseits mit Zöllen auf US-Importe reagiert. Weiters kündigte Trump via „Truth Social“ Zölle unbekannter Höhe auf Agrarimporte ab 2. April an. Darüberhinaus werden die Militärhilfen der USA an die Ukraine vorerst eingestellt.[Quellen: Reuters, CSPAN, Trump auf Truth Social, Executive Order, NPR]

Deutsche Industrie im globalen Wettbewerb. 24 Prozent der Manager in Deutschland sehen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in der Bundesrepublik gegenüber Ländern außerhalb der EU sinken. Im Verhältnis zu den EU-Ländern sehen 21 Prozent die Wettbewerbsfähigkeit leiden. Am schlechtesten bewerteten Vertreter der Auto-, sowie der Metall- und Chemieindustrie die Lage. [Quelle: Ifo-Institut]

US-Industriestimmung schwächt sich ab. Der Industrie-Einkaufsmanagerindex von ISM sinkt im Februar um 0,6 Punkte auf 50,3 Zähler. Damit liegt der Indikator trotz Rückgang den zweiten Monat in Folge leicht im positiven Bereich. Unsicherheiten aufgrund der angekündigten Zölle belasten die Stimmung. [Quelle: Institute for Supply Management (ISM)]

Selektive Agenda:

Österreich: Auktionstermin für österreichische Bundesanleihe

Nordamerika: US-Zölle auf Importe aus Kanada und Mexiko treten in Kraft

Brüssel: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen lädt Vertreter der Stahlbranche zu einem strategischen Dialog; Ankündigung des „Steel and Metals Action Plan“

9:00 Uhr, Warschau: Informelle Ministertagung „Telekommunikation“ (bis 5. März) [Info]

Vorschau:
Freitag, 7. März, 9:00 Uhr, Wien: Nationalratssitzung mit Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers anlässlich des Amtsantrittes der neuen Bundesregierung [Info]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Selma Arapovic ist neue Klubobfrau von Neos Wien im Rathaus, nachdem die bisherige Klubchefin Bettina Emmerling Christoph Wiederkehr als Bildungsstadträtin nachgefolgt ist. Im SPÖ-Rathausklub folgt Astrid Pany auf Mireille Ngosso. Eva Prischl wird neue SPÖ-Landesrätin in Niederösterreich, sie folgt Ulrike Königsberger-Ludwig nach – Elvira Schmidt wird wiederum Eva Prischls Nachfolgerin im Landtagspräsidum. Die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend (SJ) in Niederösterreich, Amelie Muthsam, rückt in den Bundesrat nach – sie folgt auf Doris Hahn, die in den Landtag wechselt.

Geburtstage: Wir gratulieren Margot Klestil-Löffler, Gabriele Binder-Maier, Claudia-Sofie Jelinek, Lisa Kaltenegger, Wolfgang Rosam, Karl Mahrer, Georg Dornauer, Franz Löschnak und Michael Rosecker zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Barcelona, Spanien: Zweiter Tag Mobile World Congress (bis 6.3.)

14:00 Uhr, Wien: AIES-Diskussion „Syria at the crossroads“ mit Vertretern der Österreichisch-Arabischen Handelskammer Louai Kuzbari und Mouddar Khouja an der Diplomatischen Akademie Wien [Infos]

18:30 Uhr, Wien/online: Die Österreichisch-Amerikanische-Gesellschaft (ÖAG) lädt im Rahmen der Salzburger-Nachrichten-Reihe „Super Tuesday“ zur Hybrid-Diskussion „60 Jahre The Sound of Music – Das Vermächtnis eines Film-Klassikers“ mit Wolf Osthaus (Netflix), Johanna II und Shela Gobertina von Trapp, Austrian Business Agency-Geschäftsführer Rene Tritscher und der design. Salzburger Landeshauptfrau Edtstadler (angefragt) [Info & Livestream]

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