Morning in Brief ・ 04.11.2024

Morning in Brief, 4. November 2024

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Schlechte Unternehmensstimmung. Der aktuelle Konjunkturtest des WIFO bleibt schlecht: Die momentane Lage der Betriebe in Österreich wird mit einem Rückgang um 1,3 Zähler auf minus 8,7 Punkte skeptischer betrachtet, die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung hat sich um 0,2 Zähler auf minus 5,3 Punkte leicht verringert. Nach Branchen hat sich die Einschätzung der Lage überall, außer im Bau, verschlechtert: dort wird die Lage um 1,6 Zähler besser bewertet, der Saldo landet auf minus 1,5 Punkten. Die zukünftige Entwicklung ist mit minus 0,6 Punkten nur mehr knapp im negativen Bereich. [Quelle: WIFO

Kommentar: Nvidia verdrängt Intel im Dow Jones
von Monika Rosen

Am 8. November steigt Nvidia in den Dow Jones auf und nimmt den Platz von Intel ein. Damit kommt es quasi zu einer Wachablöse der Chiphersteller. Mit Intel muss ein Pionier der ersten Stunde weichen und dem neuen KI-Star Nvidia den Vortritt lassen. Aber kann die Rochade auch ein Warnsignal für Nvidia sein?

Grafik (von Christoph Hofer): Die weltweiten Militärausgaben stiegen im Jahr 2023 zum neunten Mal in Folge und erreichten insgesamt den historischen Höchststand von 2.443 Milliarden Dollar (etwa 2.255 Mrd. Euro). Die USA bleiben mit 916 Mrd Dollar (845 Mrd. Euro) deutlich Erster vor China mit geschätzten 296 Mrd. Dollar (273 Mrd. Euro). Russlands Militärausgaben stiegen 2023 um 24 Prozent auf geschätzt 109 Mrd. Dollar (101 Mrd Euro), was 5,9 Prozent des BIPs entspricht.

Koalitionsverhandlungen. In die Regierungsverhandlungen kommt diese Woche nach den Herbstferien wieder Bewegung: Am Dienstag treffen sich die Teams von ÖVP und SPÖ unter Karl Nehammer und Andreas Babler wieder, auch am Mittwoch soll verhandelt werden. Der zweite Nationalratspräsident Peter Haubner (ÖVP) hat sich unterdessen für die NEOS als dritten Koalitionspartner ausgesprochen. Die Verhandlungen sollen von einer Expertengruppe für die Budgetsituation begleitet werden, auf die sich die Parteien geeinigt haben. Mit dieser Gruppe soll eine fundierte und unstrittige Datenbasis für politische Entscheidungen geschaffen werden. Die Mitglieder der Gruppe wollen ÖVP und SPÖ nicht nennen. [Quellen: Medienberichte, APA]  

Noch-Regierungs-Personalie. Die noch amtierende Verfassungsministerin Karoline Edtstadler strebt in der nächsten Regierung kein Amt mehr an, wie sie am Wochenende bekanntgab. Sie will in Salzburg eine Rechtsanwaltskanzlei aufbauen, ihr Nationalratsmandat aber wahrnehmen. Kanzler Nehammer bedankt sich für ihren Einsatz und die gemeinsame Arbeit. [Quellen: Kronen Zeitung, Nehammer auf X]   

Inflation unverändert. Im Oktober ist die Teuerung in Österreich mit 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gleich geblieben. Im Vergleich zum September 2024 stieg die Inflation um 0,3 Prozent. Die stärksten Preistreiber sind die Dienstleistungen, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,6 Prozent zulegten. Den größten inflationsdämpfenden Effekt hatten die Energiepreise. Lebensmittel, Tabak und Alkohol wurden mit 3 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich teurer. [Quelle: Statistik Austria]   

Lkw-Maut-Anpassung. 2025 dürfte die Lkw-Maut in Österreich für die sauberste Fahrzeugkategorie um 7,7 Prozent auf einen Kilometertarif von 21,86 Cent ohne Umsatzsteuer steigen, das sieht der Verordnungsentwurf des Verkehrsministeriums vor, das Finanzministerium muss auch noch zustimmen. Für 2024 würde eine Erhöhung wegen der hohen Inflation ausgesetzt, die Frächter fordern auch heuer eine Pause der Maut-Anpassung. [Quellen: Verkehrsministerium, Aussendung Frächter]   

Westbahnstrecke. Die ÖBB können ab heute den Bahnhof Tullnerfeld an der „neuen“ Westbahnstrecke wieder für Pendlerzüge von und nach Wien wieder öffnen. Weitere Verbindungen müssen weiterhin über die „alte“ Strecke durch den Wienerwald geführt werden, die ÖBB rechnen damit, dass die Aufräum- und Reparaturarbeiten nach dem Hochwasser im September bis 15. Dezember abgeschlossen werden können. [Quelle: ÖBB]   

Heimische Kfz-Zulieferer. Die taumelnde deutsche Autowirtschaft hat auch Auswirkungen auf die heimischen Kfz-Zulieferer. Der Branchenexperte Günther Apfalter sprach sich auf Ö1 für Gegenmaßnahmen aus: um den Standort attraktiv zu halten, würden nur mehr moderate Lohnsteigerungen möglich sein. Lohnnebenkosten müssten genauso wie Energiepreise gesenkt und Kooperation mit chinesischen Autobauern gestärkt werden. [Quelle: Ö1 Interview]   

US-Wahlen und Welthandel. Egal wie die Wahlen in den USA morgen ausgehen, die Europäische Union muss in Zukunft vorrangig den multilateralen Handel und die globale Zusammenarbeit verteidigen, empfiehlt eine aktuelle Analyse des WIFO. Beides ist gegenüber den bilateralen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten entscheidender für den Wohlstand der Union. Denn die Kosten eines Zusammenbruchs des multilateralen Systems könnten um ein Vielfaches höher sein als die Folgen höherer Zölle, die nach einem Trump-Sieg drohen würden. [Quelle: WIFO-Bericht

Deutscher Koalitionsstreit um Wirtschaft. Nachdem ein internes Positionspapier des deutschen Finanzministers Lindner (FDP), das die Wirtschaftspolitik der Koalition massiv kritisiert, öffentlich wurde, streitet sich die Regierung in Berlin massiv über die zukünftige Ausrichtung. In dem Papier fordert Lindner mehr Bemühungen beim Bürokratieabbau, weniger Vorschriften, weniger Vehemenz im Klimaschutz und Einsparungen im Sozialbereich. Laut Spiegel lädt Kanzler Olaf Scholz die Minister Lindner und Habeck nun zu klärenden Gesprächen. [Quelle: FDP-Positionspapier, Medienberichte, Der Spiegel]   

Präsidentschafts-Stichwahl Moldau. Die amtierende Präsidentin Maia Sandu konnte die Stichwahl mit 55,4 Prozent zu 44,6 Prozent für sich entscheiden. Die proeuropäische Präsidentin spricht in einem ersten Statement von einer „Entscheidung für eine würdige Zukunft“ und dass sie stolz ist, den Moldauern zu weiterhin dienen zu können. [Quellen: Wahlkommission Moldau, Sandu auf X]

Kühlere US-Industrie. Der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie ist im Oktober um 0,7 auf 46,5 Zähler zurückgegangen. Damit ist die Branche seit mehr als einem halben Jahr unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das Barometer für die Entwicklung der Aufträge ging gleichzeitig um einen Zähler auf 47,1 Punkte nach oben. [Quelle: PMI USA]   

Chinesische Industrie. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die chinesische Industrie stieg im Oktober um 1,0 Punkte auf 50,3 Zähler. Damit erholte sich der Stimmungsindikator vom Dämpfer im September, als er auf den tiefsten Wert seit über einem Jahr gefallen war. Der Indexwert kletterte zudem über die sogenannte Wachstumsschwelle von 50 Punkten, was auf eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivitäten hindeutet. [Quelle: PMI China]   

Selektive Agenda:

Ganztägig, Wien: Nächste Verhandlungsrunde für KV-Abschluss der Eisenbahnbeschäftigten 

Ganztägig, Brüssel: Erster Tag der Hearings der EU-Kommissionskandidaten vor dem Europäischen Parlament (bis 12.11.)

Ganztägig, Brüssel: Treffen der Finanzminister der Eurogruppe 

Morgen, 18:30 Uhr, Brüssel: Hearing designierter EU-Migrationskommissar Brunner vor Europäischem Parlament [Info & Livestream]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Geschäftsführer Stefan Weiss erhält mit Viktor Vogler Unterstützung in der Leitung der Schieneninfrastruktur Dienstleistungsgesellschaft. 

Geburtstage: Wir gratulieren Beatrice Bilgeri zum Geburtstag. 

Sehen & gesehen werden:

Heute, 9 Uhr, Wien: „Vienna Economic Forum (VEF) – Regional economy as part of the European and global economy“ im Haus der Ingenieure [Info & Livestream]   

Heute, ab 10 Uhr, Graz: „12. Symposium der Business Doctors“ u.a. mit Kornhäusel (Business Doctors) [Info]   

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