Morning in Brief ・ 04.09.2025

Morning in Brief, 4. September 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇪🇺 Mercosur-Abkommen auf der Zielgeraden. Die EU hat gestern den Ratifizierungsprozess für das Mercosur-Abkommen gestartet. Mit einem Freihandelsraum von 715 Mio. Menschen ist es das größte Handelsabkommen, das die EU bisher geschlossen hat. Der Handelsteil des Abkommens soll schon 2026 in Kraft treten – dafür ist im Rat eine qualifizierte Mehrheit notwendig (15 von 27 Ländern) – blockiert werden kann das Abkommen von 4 Ländern, die mindestens 35 % der EU-Bevölkerung repräsentieren. Sowohl Polen als auch Frankreich haben gestern bereits ein Einlenken signalisiert und auch Bundeskanzler Christian Stocker zeigte sich offen für eine Neubewertung. Dem Widerstand gegen das Abkommen aus der Landwirtschaft will die EU mit neuen Schutzmechanismen begegnen, die ein halbjährliches Monitoring der Importe umfassen und im Falle gröberer Abweichungen Maßnahmen ermöglichen werden – für Unterstützungsmaßnahmen sind im EU-Finanzrahmen 6,3 Mrd. Euro budgetiert. Der politische Teil des Abkommens wird gesondert ratifiziert – das war bereits bei dem Kanada-Abkommen CETA so, bei dem der Handelsteil seit 2017 in Kraft ist und der politische Teil noch nicht. [Quellen: Pressekonferenz Maroš Šefčovič, Aussendung EU-Kommission, Q&A EU-Kommission, Medienberichte | Reaktionen: IV, Grüne, Bauernbund, Neos, Neos II, Landwirtschaftskammer, NÖ Bauernbund, FPÖ OÖ | Service: BusinessEurope Hintergrundpapier]

„Das Eigenthum ist unverletzlich“ – von wegen
ZeitGeschichten von Gerhard Jelinek

Man könnte beinahe Sehnsucht bekommen nach der „guten alten Zeit“, in der ein Satz galt: „Das Eigenthum ist unverletzlich“. Die politischen und rechtlichen Entwicklungen der letzten paar Jahre und der letzten Wochen, lassen diese Sehnsucht nach der liberalen Phase der k.u.k Monarchie wachsen: Grundlegende Rechte und grundlegende Prinzipien einer freien Gesellschaft werden angegriffen, von bekennenden Marxisten sowieso, aber auch unter Zutun vermeintlich bürgerlicher Parteien. 

Grafik (von Christoph Hofer): Im vergangenen Jahr exportierte Österreich Waren im Wert von rund 1,3 Mrd. Euro in den Mercosur-Raum, während die Importe aus dieser Region etwa 576 Mio. Euro betrugen. Seit 2007 verzeichnet Österreich einen Handelsbilanzüberschuss mit den Mercosur-Staaten, der sich bis 2024 auf insgesamt rund 7,4 Mrd. Euro belief. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Maschinen, Elektrogeräte, Arzneimittel, Chemikalien, Papierwaren und Softdrinks. Im Gegenzug importiert Österreich vor allem Rohstoffe, die für die heimische Industrie essenziell sind, darunter Lithium, Hafnium, Magnesium, Niobium, Siliciummetall und seltene Erden. [Quellen: Statistik Austria, WKÖ]

🇦🇹 Konjunkturpaket kein „Gamechanger“. Für Ökonom Philipp Heimberger ist das präsentierte Konjunkturpaket i. H v. 1 Mrd. Euro kein „Gamechanger“. Kurzfristig seien davon keine messbaren Effekte zu erwarten, Verbesserung würde sich erst mittelfristig ergeben. Auch EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna erwartet nicht, dass das Paket „enorm großen Schwung bringt“. Die für niedriges Wachstum und hohe Inflation verantwortlichen Strukturprobleme würden nicht adressiert, auch sei die Summe von 1 Mrd. Euro „an sich nicht riesengroß“. Größere Summen ließen sich durch ein Entflechten der Förderungen oder höheres Pensionsantrittsalter mobilisieren. WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun sieht zwar „gute Ansätze“, aber das Potenzial des Pakets bewertet er als „überschaubar“. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sieht ebenfalls die „ersten richtigen Schritte“, aber „der große Befreiungsschlag fehlt“. [Quellen: APA via Medienberichte, Heimberger auf X, Köppl-Turyna im Ö1 Morgenjournal, Hesoun im Ö1 Mittagsjournal, Neumayer im Kurier]

🇦🇹 Allzeithoch bei Studentenzahl. An öffentlichen und privaten Universitäten, Pädagogischen Hochschulen sowie Fachhochschulen waren im Wintersemester 2024/25 354.639 Studenten gemeldet, ein Anstieg von 1,5 % zum Wintersemester 2023/24. Inklusive Lehrgangsstudenten wurden sogar 401.934 Studenten verzeichnet. Bis auf ein kleines Minus bei den Privathochschulen legten die Studentenzahlen an allen anderen Hochschulen zu. [Quellen: Medienberichte, Statistik Austria]

🇦🇹 Elektroindustrie kämpft mit Auftragsrückgängen. Im Jahr 2024 sind in der Elektro- und Elektronikindustrie die Auftragseingänge (-5 %), der Produktionswert (-4,4 %) sowie der Personenstand (-2,2 % bzw. 1.600 Personen) zurückgegangen. Fachverbandsobmann Wolfgang Hesoun wünscht sich „mehr Flexibilität“ und eine Deckelung bei den Lohnabschlüssen. [Quellen: Pressekonferenz, FEEI]

🇦🇹 Österreicher blicken kritisch auf das Gesundheitssystem. Die Hälfte der Österreicher ist derzeit mit dem Gesundheitssystem zufrieden. 82 % erwarten in Zukunft Leistungskürzungen seitens der Krankenversicherung, 80 % erwarten politische Sparmaßnahmen und 75 % halten künftig eine private Zusatzversicherung für notwendig. 69 % der Österreicher bewerten den eigenen Gesundheitszustand als gut bzw. sehr gut. Diese Werte sind zwar mittlerweile wieder besser als während der Corona-Pandemie, aber liegen noch unter den Vor-Corona-Werten. [Quelle: Austrian Health Report]

🇦🇹 NÖ: Corona-Hilfsfonds hat 4,6 Mio. Euro ausgeschüttet. Aus dem niederösterreichischen Corona-Hilfsfonds wurden 6.785 Personen mit insgesamt 4,6 Mio. Euro unterstützt. Darunter waren 2.368 Fälle psychischer Belastung (1,9 Mio. Euro), Unterstützungsleistungen für Freizeitaktivitäten von 1.200 Kindern und Jugendlichen sowie Nachhilfeförderungen für 1.000 Schüler. Weiters wurden 480 verhängte Strafen zurückerstattet und 153 Fälle von Impfbeeinträchtigungen anerkannt. Der Corona-Hilfsfonds wurde mit 1. September 2025 geschlossen, zur Verfügung gestanden wären insgesamt 31,3 Mio. Euro. Die übrige gebliebene Summe soll ins Landesbudget zurückfließen. [Quellen: Land Niederösterreich, COVID-Hilfsfonds]

🇪🇺 90 % für mehr EU-Zusammenarbeit – Österreicher skeptisch. Um weltweite Krisen besser bestehen zu können, wünschen sich 90 % der EU-Bürger und 83 % der Österreicher eine geschlossener auftretende EU. 77 % wollen der EU hierzu auch mehr Mittel zugestehen – hierzulande wollen das nur 65 % der Befragten, Österreich teilt sich somit mit Tschechien den letzten Platz. 52 % der EU-Bürger attestieren der EU ein positives Image, in Österreich sind es nur 38 % (drittniedrigster Wert). 73 % der Befragten denken, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert hat – in Österreich nur 60 % (zweitniedrigster Wert). [Quelle: Eurobarometer]

🇪🇺 Dienstleistungssektor bremst Wachstum in der Eurozone. Die Eurozonen-Wirtschaft blieb im August zwar auf Wachstumskurs, der schwächere Dienstleistungssektor bremste den Gesamtindex jedoch trotz wachsender Industrie ein. Der zusammengefasste Einkaufsmanagerindex lag im August mit 51,0 Punkten nur marginal über dem Juli Wert von 50,9 Punkten. Der Dienstleistungsindex ging um 0,5 Zähler zurück, blieb mit 50,5 Punkten aber noch über der Wachstumsschwelle. Laut S&P Global stehen die Zeichen bei den Dienstleistern derzeit eher auf Stagflation statt auf Erholung. [Quelle: S&P Global]

🇩🇪 Deutschland senkt Stromsteuer und Übertragungsnetzentgelte. Deutschland senkt die Stromsteuer für Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft auf den EU-Mindeststeuersatz – im Jahr 2026 soll das Entlastung i. H. v. 1,5 Mrd. Euro bringen, 2027 dann 3 Mrd. Euro. Über einen Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten i. H. v. 6,5 Mrd. Euro sollen darüber hinaus alle Stromverbraucher entlastet werden. „Wettbewerbsfähige Energiepreise sind und bleiben entscheidend für einen starken Standort Deutschland“, so der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil. [Quelle: Bundesfinanzministerium]

🇩🇪 Autoindustrie im Aufwind, Dienstleister mit Gegenwind. Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie ist von -23,0 auf -15,5 Punkte gestiegen, der Indikator für die Geschäftslage stieg von -26,8 auf -16,9 Punkte. Auch die Geschäftserwartungen konnten von -19,2 auf -14,1 Punkte zulegen, einzig die Exporterwartungen haben sich verschlechtert. Der Dienstleistungsindex drehte nach 50,6 Punkten im Juli wieder in den negativen Bereich und notiert im August bei 49,3 Punkten. „Die konjunkturelle Entwicklung verläuft schleppend und das Wachstum in der Gesamtwirtschaft war über die Sommermonate nur marginal positiv“, so Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. [Quellen: Ifo-Institut, S&P Global]

🇩🇪 Chemieproduktion auf dem niedrigsten Wert seit 1991. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie lag im Q2 2025 nur mehr bei 71,7 % und damit auf dem niedrigsten Stand seit 1991. Die Auslastung lag damit weit unter der Rentabilitätsschwelle. Der Gesamtumsatz der Branche dürfte 2025 um 1 % auf 221 Mrd. Euro sinken, eine Trendwende sei weder im Inlands- noch im Auslandsgeschäft in Sicht. „Schwache Nachfrage, sinkende Umsätze und eine Produktion weit unter Vorkrisenniveau – so sieht derzeit die Realität in unserer Branche und auch in weiten Teilen der deutschen Industrie aus“, fasst VCI-Geschäftsführer Wolfgang Große Entrup die Lage zusammen. [Quelle: VCI]

🌐 Goldpreis bricht erneut Rekord. Der Preis für eine Feinunze Gold stieg gestern auf über 3.577 US-Dollar – ein neues Rekordhoch. Auch in Euro gemessen wurde mit 3.066 Euro pro Feinunze ein neuer Rekord erzielt. Der Goldpreis legte im laufenden Jahr in Dollar gemessen um 37 %, in Euro gemessen um 22 % zu. [Quellen: Aktueller Goldpreis]

Selektive Agenda:

Heute, Kopenhagen: Informeller Rat der EU-Energieminister (bis 5.9.)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Umsatzindex für den Einzelhandel für Juli sowie die Arbeitsmarktdaten, Wohnkosten und Mikrozensus für das 2. Quartal

10:30 Uhr, München: Ifo-Institut veröffentlicht die Herbst-Konjunkturprognose für Deutschland

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat präsentiert EU-Einzelhandelsumsatz-Zahlen für Juli

14:00 Uhr, Bad Ragaz, Schweiz: Bundespräsident Van der Bellen nimmt am Sechsertreffen der Staatsoberhäupter deutschsprachiger Länder teil [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Christopher Kampner wird Country Manager bei Invest Expat. Marion Mihatsch wird neue CEO von Think Beyond. Christoph Pflug ist neuer Pressesprecher von Neos Wien. Alexander Huber wird ab November Generalsekretär im Bildungsministerium.

Sehen & gesehen werden:

9:00 Uhr, Wien: Green Peak Festival am Erste Campus u. a. mit Susanna Zapreva, Waris Dirie, Fritz Kaltenegger, Issa Ataya [Info]

15:30 Uhr, Wien: „Business Run“ der Wien Energie auf der Donauinsel [Info]

17:30 Uhr, Wien: Der KSV1870 lädt zum Sommerausklang auf die Summer Stage [invite only]

18:00 Uhr, Wien: Der Österreichische Genossenschaftsverband lädt zum Wirtschaftsgespräch „Talk 14“ [invite only]

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