Morning in Brief ・ 05.02.2025

Morning in Brief, 5. Februar 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Auswirkungen US-Zölle. Würden neben den Zöllen auf chinesische Importe auch die angekündigten für Kanada und Mexiko in Kraft treten, droht die mexikanische Wirtschaft um 4,6 Prozent zu schrumpfen, jene Kanadas um 2,97 Prozent, die US-Wirtschaft um 0,45 Prozent. Weltweit würde das Produktionsniveau um 0,24 Prozent schrumpfen, während die EU nur geringfügig um 0,03 Prozent profitieren kann, so eine Simulation des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo. Die Berechnungen des deutschen Ifo-Instituts ergeben, dass die US-Exporte um 22 Prozent einbrechen würden. Mexiko könnte sogar 35 Prozent seiner Exporte verlieren, Kanada 28,2 Prozent. China würde mit rund 3,8 Prozent Minus noch am besten davonkommen, die chinesische Industrieleistung würde sogar um nur 1 Prozent sinken. Kurzfristig könnten die deutschen Exporte jene von Kanada und Mexiko verdrängen, da Trump aber auch für die EU Zölle angekündigt hat, sind die Chancen auf Exportwachstum „sehr gering“. [Quelle: Wifo, Ifo-Institut]

Kommentar: Welthandel? Jetzt erst recht!
von Georg Renner

Knapp zwei Wochen ist es her – noch bevor US-Präsident Donald Trump mit Kanada, Mexiko und China seinen Strafzoll-Rundumschlag in Gang gesetzt hatte -, dass der ehemalige deutsche Grünen-Abgeordnete Volker Beck twitterte: „Dass TTIP gescheitert ist, werden wir teuer bezahlen. An dem Fehler war ich beteiligt.“ Eine Lektion, die auch Österreich lernen sollte.

Grafik (Stephan Frank & Christoph Hofer): Mit Ablauf des heutigen Tages werden die aktuellen Regierungsverhandlungen zu den längsten der Zweiten Republik. 129 Tage waren der bisherige Rekordwert nach der Wahl 1962. Platz 3 nehmen mit 124 Tagen die Verhandlungen nach der Wahl 1999 ein, die zur Bildung der ersten schwarz-blauen Koalition auf Bundesebene führten.

Koalitionsgespräche. Die Regierungsverhandlungen im Bund zwischen FPÖ und ÖVP sind in der Endphase der Gespräche gestern von Meinungsverschiedenheiten überschattet worden. Erste Meldungen über ein Pausieren der Verhandlungen wurden von der ÖVP als „schwierige Phase“ bezeichnet. Die Gespräche sollen heute aber weitergeführt werden. FPÖ-Chef Kickl sprach in einem Social-Media-Post von „internen Abstimmungen“ der Volkspartei. Davor hatte ÖVP-Verhandler und Wirtschaftskammer-Generalsekretär Wolfgang Hattmannsdorfer die Chance auf eine Einigung in den Salzburger Nachrichten auf „fifty-fifty“ eingeschätzt. [Quellen: Medienberichte, FPÖ-Posting, Hattmannsdorfer-Interview

Gaspreis. Nachdem der Preis für europäisches Erdgas am Montag mit knapp 55 Euro pro Megawattstunde (MWh) den höchsten Stand seit Oktober 2023 erreicht hatte, sank er am Dienstag wieder in Richtung 53 Euro. Vor allem die Unsicherheiten rund um die Zoll-Ankündigungen Donald Trumps und der Transitstopp für russisches Gas nach Europa durch die Ukraine haben den Preis seit Dezember stetig wachsen lassen. Auch der in Nord- und Osteuropa kalte Winter samt kalten Prognosen für den Februar treiben die Preise aktuell nach oben. In Österreich ist der Füllstand der Gasspeicher mit 62 Prozent über dem EU-Schnitt von 52 Prozent, aber unter dem Wert des Vorjahres mit 80 Prozent. [Quellen: Energie Austria, Medienberichte | Grafik: Gasspeicher leeren sich schneller als letztes Jahr]

Staatsanleihen. Die Republik hat sich gestern 1,7 Mrd. Euro neues Geld durch Aufstockungen zweier Bundesanleihen am Kapitalmarkt beschafft. Eine siebenjährige Anleihe mit fünf Jahren Restlaufzeit wurde dabei 3,45-fach überzeichnet, die andere, welche noch bis 2039 läuft, wurde 2,64-fach überzeichnet. Die siebenjährige Anleihe erzielte eine Emissionsrendite von 2,477 Prozent und hat nun ein Gesamtvolumen von rund 8 Mrd. Euro. Die Emissionsrendite des länger laufenden Papiers lag bei 3,026 Prozent, das Gesamtvolumen der Anleihe liegt bei rund 5 Mrd. Euro. [Quelle: OeBFA]

Burgenländische Landesregierung. Die SPÖ und die Grünen haben sich am Dienstag auf eine Koalition für die Landesregierung im Burgenland geeinigt. Inhaltliche Details sollen heute bekanntgegeben werden. Für die Bevölkerung werden „ökologische, soziale und nachhaltige“ Verbesserungen angekündigt. [Quellen: Medienberichte, Werner Kogler auf X

CEE-Wachstumsprognose. Für die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas wird für heuer ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent prognostiziert, für die EU-Länder in der Region 2,8 Prozent. Damit hat sich die Prognose im Vergleich zum Herbst für den gesamten CEE-Raum um 0,4 Prozentpunkte und für jene in der EU um 0,1 Prozentpunkte verschlechtert – sie liegt aber immer noch weit über der Prognose für die Eurozone mit 1,2 Prozent. Spitzenreiter sind Polen und die Türkei mit 3,5 Prozent, dahinter Kroatien mit 3,1 Prozent. Für die Ukraine wird ein Wachstum von 3 Prozent vorhergesagt, für Russland 1,8 Prozent. [Quelle: wiiw]

EU-Unterstützung für Moldau. Damit Moldau unabhängig von russischen Energielieferungen wird, wird die EU-Kommission heuer insgesamt 250 Mio. Euro investieren. Russland hat mit Jahreswechsel die Gaslieferungen eingestellt, die inzwischen durch EU-Mittel ersetzt werden können. Mit dem Geld soll das Energienetz ausgebaut und besser an den europäischen Markt verknüpft werden. Ein Teil des Geldes ist für die abtrünnige und russlandfreundliche Provinz Transnistrien vorgesehen, aber an Maßnahmen für Grundfreiheiten und Menschenrechte geknüpft. [Quelle: EU-Kommission

Orbán will „Deal“ mit Trump. Viktor Orbán nennt den gestrigen EU-Gipfel eine „seltsame Versammlung“. Jeder in Brüssel könne den „Trump-Tornado“ kommen sehen, dem man nicht entkommen könne. Auf die EU und die „Bürokraten in Brüssel“ kämen nun schwierige Monate zu.  Da Trump sich von den Regeln des Welthandels verabschiedet habe, müsse man eine Übereinkunft oder einen „Deal“ mit ihm schließen. Orbán selbst habe immer mit einer Rückkehr Trumps gerechnet und sieht sich daher für Verhandlungen gut vorbereitet. [Quelle: Orbán auf X

China reagiert auf US-Zölle. China hat auf die gestern in Kraft getretenen 10-prozentigen US-Zölle seinerseits mit Zöllen reagiert – 15 Prozent auf Kohle und LNG, 10 Prozent auf Rohöl, Agrarausrüstung und Nutzfahrzeuge sowie bestimmte Pkw. Weiters will China den Export gewisser kritischer Rohstoffe strenger reglementieren. Die chinesischen Zölle treffen Importe im Wert von rund 20 Mrd. US-Dollar, während die US-Zölle auf chinesische Importe in Höhe von 450 Mrd. US-Dollar abzielen. Die chinesische Reaktion wird von Analysten als „moderat“ bezeichnet. [Quelle: Reuters]

Dienstleistungsbranche in Deutschland stabil. Die Dienstleister in Deutschland sind im November 2024 real um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gewachsen, ein Minus von 0,5 Prozent gegenüber dem Oktober 2024. Für das Gesamtjahr geht das statistische Bundesamt mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent aus – und damit einem Stützen der deutschen Wirtschaft gegenüber der Industrie, die im Vorjahr geschrumpft ist. Den größten Umsatzanstieg im November zum Vormonat verzeichnete der Bereich Information und Kommunikation (0,6 Prozent), gefolgt vom Bereich freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie von Verkehr und Lagerei mit einem Zuwachs von je 0,1 Prozent. [Quelle: Statistisches Bundesamt

US-Wirtschaftsdaten. Im Dezember gingen die Bestellungen in der US-Industrie um 0,9 Prozent zurück – erwartet wurde ein Rückgang um nur 0,7 Prozent. Das Minus ist vor allem auf den zivilen Luftfahrtsektor zurückzuführen, in dem die Bestellungen um 45,7 Prozent zurückgingen. Weiters ging im Dezember die Zahl der offenen Stellen um mehr als eine halbe Million drastisch zurück, aber auch Entlassungen sind leicht zurückgegangen. [Quellen: Reuters, U.S. Census Bureau, U.S. Bureau of Labor Statistics

US-Bürokratieabbau. Ungefähr 20.000 Bundesbedienstete sollen das Abfindungs-Angebot der Trump-Regierung bisher angenommen haben, wie Axios berichtet. Die US-Administration will zwischen 5 und 10 Prozent der US-Bundesbediensteten abbauen und damit bis zu 100 Mrd. US-Dollar einsparen. Im Rahmen der Abfindung wären die Arbeitnehmer bei voller Bezahlung bis 30. September freigestellt. Bis Donnerstag kann das Angebot noch angenommen werden. [Quelle: Axios, NBC

Arbeitszeitkürzungspläne in Spanien. Die spanische Regierung plant die Wochenarbeitszeit von 40 Stunden auf 37,5 Stunden über das Jahr gerechnet zu kürzen. Rund 12 Mio. der rund 21. Mio. Erwerbstätigen in Spanien würden dadurch eine geringere Arbeitszeit erhalten, so die Arbeitsministerin Yolanda Diaz. Die Verkürzung des Arbeitstages würde die Produktivität verbessern, so Diaz weiter. Ob der Gesetzesvorschlag der Regierung im Parlament eine Mehrheit findet, ist allerdings noch fraglich. [Quelle: El Pais]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Marion Schwab ist neue Finanzvorständin der Liechtenstein Gruppe. Claudia Feurstein wird mit März neue Bezirkshauptfrau für Dornbirn. Die Neos haben ihre parlamentarischen Sprecherrollen neu verteilt, u.a.: Wirtschaft – Sepp Schellhorn, Außenpolitik – Veit Dengler, Finanzen – Markus Hofer, Arbeit u. Soziales – Johannes Gasser. Im ORF wurde Alexander Sattmann als Redaktionsleiter „Aktuelle Politik-Diskussionen und -Magazine“, Wolfgang Wagner als Leiter der Redaktion „Bürgeranwalt und Am Schauplatz Gericht“, Eva Linsinger als leitende Redakteurin „Report“, Astrid Spielberger als Redaktionsleiterin „Aktuelle News-, Service- und Infotainment-Magazine“, Christian Panny als Redaktionsleiter „Service und Konsumenten“ und Gerhard Prohaska als leitender Redakteur „Newsdesk (Aktuell TV/Radio/Online/Social Media)“ in der Hauptabteilung Sport bestellt.

Geburtstage: Wir gratulieren Gerold Riedmann, Franz Schausberger, Rudi Dolezal und Wolfgang Eder zum Geburtstag.

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?