Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Inflation sinkt auf 2,0 %. Die Inflationsrate für Jänner 2026 liegt laut Schnellschätzung der Statistik Austria bei 2,0 %. Der für den EU-Vergleich relevante HVPI liegt ebenfalls bei 2,0 %. Gegenüber dem Vormonat ist das Preisniveau um 0,7 % (VPI) bzw. 0,8 % (HVPI) gesunken. Im Bereich Energie sanken die Preise im Jahresabstand um 4,9 %, u. a. aufgrund des Wegfallens des Basiseffekts der ausgelaufenen Strompreisbremse sowie der für heuer gesenkten Energieabgabe und des reduzierten Erneuerbaren-Förderbeitrags. Teuerungstreiber waren weiterhin die Dienstleistungen (+3,8 %). Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol verteuerten sich um 2,7 %, Industriegüter um 0,8 %. Die Kerninflation lag im Jänner bei 2,8 %. In der Eurozone ist die Inflation im Jänner 2026 auf 1,7 % (HVPI) gesunken, auch hier dämpften Energiepreise (-4,1 %) die Preisentwicklung, während Dienstleistungen (+3,2 %) preistreibend wirkten. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat | Reaktionen: BMWET, ÖVP, SPÖ, FPÖ (Kassegger), FPÖ (Kolm), Grüne, Marterbauer, Handelsverband, ÖGB, PRO-GE | Grafik von Christoph Hofer]

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„Inflation könnte im Jahresschnitt unter 2,0 % sinken“
Interview mit Josef Baumgartner
Wifo-Ökonom Josef Baumgartner zeigt sich von der Dynamik der Preisrückgänge in Österreich „überrascht“. In allen Bereichen hat sich die Preisdynamik stärker abgeschwächt als erwartet. Mit dem niedrigen Ausgangswert könnte die Jahresinflation sogar unter 2,0 % sinken. Auch wenn die Dienstleistungsinflation weiterhin höher bleibt, hat sich der Lohndruck aufgrund niedrigerer Lohnabschlüsse im Herbst bereits etwas abgeschwächt, erklärt Baumgartner.
🇦🇹 Langfristige Budgetprognose verschlechtert. Die Bundesregierung legt alle 3 Jahre einen Bericht über die langfristige Entwicklung der öffentlichen Finanzen vor. Der aktuelle Bericht zeigt einen „markanten Anstieg des öffentlichen Defizits, der Schuldenquote und damit auch der Zinsausgaben“. Die demografieabhängigen Ausgaben (Pensionen, Gesundheit, Pflege, Bildung, Familie) sollen von derzeit 31,8 % des BIP bis 2030 auf 32 % und bis 2060 auf 34,6 % des BIP steigen. Das Finanzministerium erwartet bis 2060 einen Anstieg der Zinsausgaben von derzeit 1,7 % auf 5,2 % des BIP. Ohne Konsolidierungsmaßnahmen würde die Schuldenquote bis 2060 auf über 250 % des BIP steigen. Mit dem aktuell beschlossenen budgetären Rahmen bis 2029 wird die Schuldenquote 148,2 % erreichen. [Quellen: Parlamentskorrespondenz, Langfristige Budgetprognose 2025]
🇦🇹 SPÖ denkt Volksbefragung zu Erbschaftssteuer an. Für SPÖ-Staatssekretärin und -Regierungskoordinatorin Michaela Schmidt wären Erbschaftssteuern „schon ein Thema, über das man in einer Volksbefragung abstimmen kann“. Angesprochen auf die von Bundeskanzler Christian Stocker angekündigte Volksbefragung zur Verlängerung der Wehrpflicht nennt sie Volksbefragungen ein gutes Mittel, „um wirklich entscheidende Fragen zu stellen“. Im Regierungsprogramm sei aber festgehalten, dass bei Volksabstimmungen und -befragungen Einigkeit in der Regierung herrschen muss, so Schmidt. [Quelle: Kurier | Reaktion: IV]
🇦🇹 Wechselzahlen bei Strom- und Gasanbietern weiter gestiegen. 420.904 Haushalte und Unternehmen haben im Vorjahr ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt, ein Anstieg um 50 % im Vergleich zum Jahr 2024. Trotz des starken Anstiegs ortet E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch „noch viel Luft nach oben“. Die Dynamik beim Lieferantenwechsel soll aufgrund angekündigter Preissenkungen heuer weiter zunehmen. Bei Strom lag die Wechselrate im Vorjahr bei 5,4 % und bei Gas bei 6,3 %. Niederösterreicher wechselten am häufigsten ihren Strom- (8,3 %) bzw. Gaslieferanten (8,1 %). Die niedrigsten Wechselraten wurden in Tirol (Strom: 2,0 %) bzw. Vorarlberg (Gas: 1,3 %) verzeichnet. [Quelle: E-Control]
🇦🇹 KV-Verhandlungen für die Hotellerie und Gastronomie vorerst ausgesetzt. Der Fachverband Hotellerie und Gastronomie hat die KV-Verhandlungen ausgesetzt. Grund ist eine Presseaussendung von Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit (Vida). Der Fachverband fordert eine Entschuldigung Hebenstreits. Dieser hatte nach Rekord-Nächtigungszahlen u. a. kritisiert, die Branche privatisiere Gewinne, während sie ihre Risiken vollständig sozialisiere. Die Arbeitgeberseite fordert konstruktive Zusammenarbeit statt populistischer Äußerungen und sieht eine „rote Linie überschritten“. Die Gewerkschaft spricht von einem „überzogenen Schritt“ und fordert die „zeitnahe“ Aufnahme von Verhandlungen. [Quellen: ÖGB I, ÖGB II, WKÖ]
🇦🇹 2,6 % mehr Gehalt für Caritas-Beschäftigte. In den Kollektivvertragsverhandlungen für mehr als 40 gemeinnützige Organisationen, darunter die Caritas, wurde ein Zweijahresabschluss erzielt. Ab 1. April 2026 erhalten die insgesamt 17.000 Beschäftigten ein Plus von 2,6 % und ab 1. Jänner 2027 abhängig von der Inflationsrate mindestens 2,3 %. GPA-Chefverhandlerin Eva Scherz nennt das Ergebnis einen „harten, aber realistischen Kompromiss“. [Quelle: GPA]
🇦🇹 🇪🇺 Zustimmung zur EU steigt. 51 % der Österreicher sehen die EU-Mitgliedschaft als eine gute Sache, 21 % als eine schlechte. Damit ist die Zustimmung zur EU seit 2024 um 10 Prozentpunkte gestiegen, die Abneigung gleich geblieben. Trotz dieses Anstiegs liegt sie nur in 4 Ländern niedriger. Im EU-Schnitt bewerten 62 % der Bürger die Mitgliedschaft als gut und 11 % als schlecht. 86 % der Österreicher sprechen sich dafür aus, dass die Mitgliedstaaten künftig geschlossener auftreten, um globalen Herausforderungen besser zu begegnen. Die größten Sorgen der Österreicher sind EU-nahe Konflikte und Kriege (70 %), unkontrollierte Migration (67 %) und Desinformation (65 %). Die 3 wichtigsten Themen, auf die sich die EU künftig konzentrieren soll, sind Verteidigung und Sicherheit (35 %), EU-Werte einschließlich Demokratie und Schutz der Menschenrechte (30,5 %; EU-weit 21 %) sowie Wettbewerbsfähigkeit (29 %). [Quelle: Eurobarometer 2025 | Reaktion: FPÖ]
🇪🇺 Emissions-Gratiszertifikate vor Verlängerung. Die EU-Kommission will länger als bisher vorgesehen kostenlose Zertifikate für den Europäischen Emissionshandel (ETS) ausgeben, wie das Handelsblatt berichtet. Die konkrete Ausgestaltung der Reform ist noch offen, die Gratiszertifikate sollen aber auch über das Jahr 2034 hinaus vergeben werden. Auch das bisher für das Jahr 2039 geplante Ende der Versteigerung von Zertifikaten soll verschoben werden. [Quelle: Handelsblatt | Reaktion: FPÖ]
🇪🇺 2,6 % BIP-Wachstum osteuropäischer EU-Staaten. Für die EU-Mitglieder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa wird für 2026 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 2,6 % des BIP erwartet, für 2027 dann 2,7 %. An der Spitze liegt Polen mit voraussichtlich 3,7 % Wachstum im Jahr 2026 und 3,2 % im Jahr 2027, gefolgt von Litauen (2026: 3 %) und Kroatien (2026: 2,8 %). Beobachtet wird ein struktureller Wandel: In den östlichen EU-Staaten verliert das konsumgetriebene Wachstum an Schwung, während private und öffentliche Investitionen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Steigende Arbeitskosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, weshalb Investitionen in Produktivität dringend nötig seien, so Richard Grieveson vom Wiiw. [Quelle: Wiiw]
🇪🇺 Wachstum in der Eurozone verlangsamt sich etwas. Der finale saisonbereinigte HCOB Composite Einkaufsmanagerindex für die Eurozone – ein gewichteter Mittelwert aus Industrie- und Dienstleistungsindikatoren – lag im Jänner bei 51,3 Punkten nach 51,5 im Dezember und zeigte damit zum 13. Mal in Folge Wachstum an. Die Rate sank allerdings auf den tiefsten Stand seit September. Treibend für die Verlangsamung war vor allem das schwächere Wachstum im Dienstleistungssektor, das die Zuwächse in der Industrie überkompensierte. Zum Jahresbeginn vermeldeten Spanien, Deutschland und Italien Wachstum, während Frankreichs Wirtschaftsleistung zum ersten Mal seit 4 Monaten wieder schrumpfte. [Quelle: S&P Global]
🇩🇪 4 von 10 Autos aus Deutschland elektrisch. Der Anteil von E-Autos an der deutschen Pkw-Produktion lag 2025 bei 40 %. Deutschland war damit nach China mit 1,67 Mio. hergestellten Elektro-Pkws der zweitgrößte E-Auto-Standort der Welt. Die meisten Elektro-Pkws in Deutschland sind rein batterieelektrisch, gefolgt von Plug-In-Hybriden, von denen 2025 54 % mehr produziert wurden als 2024. Für 2026 wird ein weiterer Zuwachs der Elektro-Pkw-Produktion um 6 % erwartet. [Quelle: VDA]
🇷🇺 Russische Öl- und Gaseinnahmen halbiert. Die staatlichen Öl- und Gaseinnahmen Russlands haben sich im Jänner 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat halbiert. Mit 393,3 Mrd. Rubel (rd. 4,37 Mrd. Euro) erreichten sie den niedrigsten Stand seit Juli 2020. Im Jahr 2025 sind die Einnahmen aus Öl und Gas um 24 % zurückgegangen. Heuer könnten sich die Einnahmen um weitere 18 % reduzieren, was das Budgetdefizit Russlands von geplanten 1,6 % auf 3,5 bis 4,4 % des BIP ausweiten würde. [Quelle: Reuters I, Reuters II]
🇺🇸 USA wollen Handelsblock für seltene Erden gründen. Die USA wollen eine gemeinsame Handelsallianz für seltene Erden und kritische Mineralstoffe gründen, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Vertreter von 55 Ländern, darunter Deutschland, Indien, Japan und Südkorea, haben an einem Treffen teilgenommen. „Viele von uns haben im letzten Jahr auf die harte Tour gelernt, wie sehr unsere Volkswirtschaften von diesen kritischen Mineralien abhängig sind“, so US-Vizepräsident JD Vance. Innerhalb des Handelsblocks sollen Mindestpreise festgesetzt werden, um Preisschlachten zu vermeiden und lokale Produktion zu ermöglichen. Am Montag hatte US-Präsident Trump die Errichtung einer strategischen Reserve von kritischen Mineralien („Project Vault“) im Wert von 12 Mrd. US-Dollar angekündigt. Auch die EU plant nun unter der „RESourceEU“-Initiative eine solche strategische Reserve. [Quellen: Reuters (USA), Reuters (EU), PBS, Project Vault | Grafik: China dominiert Seltene Erden Reserven]
Selektive Agenda:
Heute: New-Start-Atomabkommen zwischen den USA und Russland läuft aus
Heute, Nikosia, Zypern: Informelles Treffen der EU-Umwelt- und Klimaminister (bis 6.2.) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Bundesrat [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht offene Stellen im 4. Quartal und im Gesamtjahr 2025 sowie Zahlen zum Außenhandel im November 2025
9:00 Uhr, Frankfurt, Deutschland: Zinspolitische Sitzung des EZB-Rats – Ergebnis ab 14:15 Uhr
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt Einzelhandelsumsatz in der Eurozone im Dezember 2025 bekannt
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Elisabeth Gürtler ist neue Generalsekretärin des Ehrenkomitees der Spanischen Hofreitschule.
Geburtstage: Wir gratulieren Gerold Riedmann, Franz Schausberger, Wolfgang Eder und Rudi Dolezal zum Geburtstag.