Morning in Brief ・ 05.01.2026

Morning in Brief, 5. Jänner 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Inflation wird Österreich weiter beschäftigen. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr geht davon aus, dass Österreich auch Ende 2026 noch immer über die schwache wirtschaftliche Entwicklung „klagen“ werde – das geringe Wachstum reiche nicht aus, um die Schwächephase der vergangenen Jahre auszugleichen. Auch die Inflation werde das Land 2026 weiterhin beschäftigen, der Weg zum 2-%-Ziel werde noch mühsam sein. Für 2026 prognostiziert das Wifo 2,6 %. Die „persönliche Teuerungsrate“ sei je nach Lebenssituation 2025 noch höher gewesen – etwa, wenn man in eine neue Wohnung gezogen ist oder Kinder hat. Felbermayr sagte im Ö1-Radio, dass die Inflation für die Hälfte der Österreicher höher gewesen ist als die allgemeinen 3,5 %. Die Indexierung von Löhnen oder Mieten sei nur sinnvoll bei hausgemachter Inflation. In den vergangenen Jahren war aber ein Teil der Inflation importiert, etwa bei Energie, dann sei es weniger sinnvoll, die Inflation auszugleichen. „Gegen Inflation hilft vor allem Wettbewerb, Transparenz und natürlich auch die Wahlmöglichkeit für Konsumentinnen und Konsumenten. Und in gewissen Bereichen ist das nicht gegeben gewesen“, sagte OeNB-Gouverneur Martin Kocher am Freitag in der ZIB2. Außerdem brauche es einen neuen Mechanismus zur Lohnfindung. [Quellen: Ö1-„Journal zu Gast“, ZIB2 am 2.1.]

„So können wir mittelfristig nicht wachsen“
Interview mit Monika Köppl-Turyna

Das BIP-Wachstum wird in Österreich derzeit vom Konsum getrieben, vor allem vom staatlichen Konsum. „Das ist kein Zukunftsprogramm, sondern nur eine kurzfristige Stabilisierung der Nachfrage. So können wir mittelfristig nicht wachsen“, sagt Ökonomin Monika Köppl-Turyna. „Erst wenn sich eine internationale Wettbewerbsfähigkeit abzeichnet bzw. wieder Investitionen in Österreich getätigt werden, werden auch neue Arbeitsplätze entstehen“.

💡 Heimischer Standort rutscht ab. Im Competitiveness Index von EcoAustria lag Österreich 2024 im EU-Vergleich nur mehr auf Platz 20 von 27 Ländern. 2023 erreichte man noch Platz 17 und 2022 sogar noch Platz 14. Im 1. Halbjahr 2025 hat sich der Abwärtskurs zwar eingebremst, aber EcoAustria-Ökonom Nikolaus Graf rechnet mit einem erneut schwächeren 2. Halbjahr. Die Entwicklung sei in allen drei Indikatoren beunruhigend: Exporte, Investitionen und Produktivität. „Wenn wir beim Status quo bleiben, wird auch die Deindustrialisierung weitergehen“, so Graf. [Quellen: EcoAustria I, Eco Austria II, Selektiv-Interview | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 🇪🇺 Industrie-Stimmung sinkt in Eurozone und Österreich erneut. Die Stimmung der Industrie in der Eurozone hat sich im Dezember weiter eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global für die Industrie fiel im Monatsabstand auf 48,8 Punkte und liegt damit nach wie vor unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Es ist der tiefste Stand seit März. Für Österreich fiel der Wert auf 49,3 – ein Zweimonatstief. Deutschland liegt bei 47 Zählern, der tiefste Wert seit 10 Monaten, die Einkaufspreise hatten sich überraschend verteuert. 2025 gelang in der Eurozone keine Trendwende. „Für 2026 besteht aber die Hoffnung, dass insbesondere das Konjunkturprogramm Deutschlands und die europaweit steigenden Verteidigungsausgaben der Industrie wieder Leben einhauchen werden“, so Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. [Quelle: S&P Global I, S&P Global II]

🇦🇹 Regierung startet ins neue Jahr. Am Mittwoch startet die Regierung mit einem ersten Ministerrat ins neue Jahr – der Fokus liegt auf dem Tourismus. Am 13. Jänner ist eine Klausur der Regierungsspitze geplant, die Themen: Inflation, Wirtschaftswachstum, Migration. Am Tag danach soll der Ministerrat Beschlüsse dazu bringen – am 14. Jänner soll außerdem die lange erwartete Industriestrategie präsentiert werden. Dem Vernehmen nach werden bis zuletzt auf höchster Ebene Maßnahmen verhandelt, die auch über das Regierungsprogramm hinausgehen. Erwartet wird etwa eine Antwort auf den deutschen Industriestrombonus. [Quelle: Selektiv]

🇦🇹 Arbeitslosigkeit 2025 um 5,5 % gestiegen. Im Dezember 2025 waren in Österreich 434.572 Personen arbeitslos gemeldet oder nahmen an Schulungen teil – 2 % mehr als im Vorjahresvergleich. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren insgesamt 394.036 Personen arbeitslos oder in Schulung – um 5,5 % mehr als 2024. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf v. a. die Industrie und den Handel. Regional verzeichnete Oberösterreich mit +9,6 % den größten Zuwachs. Nach Personengruppen stieg die Arbeitslosigkeit bei Ausländern mit 6 % etwas stärker als bei Inländern mit 5,2 %. Bei Frauen lag der Anstieg mit 7,5 % deutlich über dem der Männer mit 3,9 %. Bei Akademikern stieg die Arbeitslosigkeit um 14,8 % und damit am stärksten von allen Bildungsabschlüssen. Ende Dezember 2025 waren 67.647 sofort verfügbare Stellen offen. Der Wirtschaftsbund-Stellenmonitor weist für Dezember 2025 insgesamt 164.347 offene Stellen aus. Für 2026 erwartet das Wifo nur einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit. [Quelle: AMS, BMASGPK, Wirtschaftsbund | Reaktionen: Die Grünen, ÖGB, SPÖ, Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer]

🇦🇹 Nur Kärnten mit Export-Plus im 1. Halbjahr 2025. Im 1. Halbjahr 2025 erzielte lediglich Kärnten im Jahresabstand einen Anstieg der Exporte (+2,1 %). In allen anderen Bundesländern gab es Rückgänge – am stärksten im Burgenland (-4,4 %), Oberösterreich (-3,8 %) und Tirol (-3,5 %). In Gesamtösterreich gingen die Exporte um 2,8 % zurück, während die Importe um 3,6 % stiegen. Bei den Importen kam es in einigen Bundesländern zu kräftigen Zuwächsen, insbesondere in Tirol (+15,8 %) und Wien (+12,5 %). [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 EU-Rechtsprüfung zu Hahn als OeNB-Präsident. Johannes Hahn kann Präsident des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) werden. Eine Prüfung der EU-Kommission habe „keine Konflikte“ ergeben, da er nicht im aktiven Dienst der EU steht, sagte OeNB-Gouverneur Martin Kocher am Freitag in der ZIB2. Hahn soll die rechtliche Prüfung selbst angestoßen haben. [Quelle: ZIB2 am 2.1.]

🇦🇹 2026 bringt geringere steuerliche Entlastung für Mehrarbeit. 2026 gilt für Mehrarbeit ein neuer Freibetrag in der Höhe von 170 Euro für bis zu 15 Überstunden pro Monat. 2024 und 2025 konnten noch bis zu 18 Überstunden mit einem Höchstbetrag von 200 Euro steuerfrei ausbezahlt werden. Feiertagsarbeit bleibt bis zu 400 Euro im Monat steuerfrei. Neu ist auch, dass von 2026 bis 2029 die Einnahmen des letzten Drittels der kalten Progression nicht mehr für Entlastungsmaßnahmen verwendet werden. [Quelle: BMF]

🇦🇹 2026 stehen in Österreich nur 2 Wahlen an: Am 25. Jänner wählt St. Pölten einen neuen Gemeinderat und voraussichtlich im September folgt Graz. 2027 stehen neben einigen Gemeinderatswahlen auch Landtagswahlen in Oberösterreich und Tirol an. [Quelle: Foresight]

🇦🇹 Windenergie-Rekorde zum Jahresende. Das Jahresende brachte Tageshöchstwerte bei der Stromproduktion aus Windkraft – am 28. Dezember mit 73 Gigawattstunden, am 30. Dezember mit 80,3 GWh und am 31. Dezember mit 78 GWh. Am Silvestertag wurden damit 46 % der österreichischen Stromversorgung durch heimische Windenergie gedeckt. Der Rekordmonat für Windenergie war 2025 der Oktober – mit 1.027,8 GWh wurde rund ein Fünftel des österreichischen Strombedarfs rechnerisch durch Windkraft gedeckt. [Quelle: IG Windkraft]

🇩🇪 Weniger Erwerbstätige in Deutschland. 2025 ist in Deutschland die Zahl der Beschäftigten erstmals seit 2020 gesunken – es waren 46,0 Mio. Menschen und damit um 5.000 weniger als 2024. Ursache waren die schwache wirtschaftliche Entwicklung und der demografische Wandel. [Quelle: Destatis]

🇩🇪 Inder haben den höchsten Medianbruttolohn in Deutschland. Mit 5.393 Euro erzielen vollzeitbeschäftigte Inder, die in Deutschland arbeiten, den höchsten Bruttomedianlohn. Es folgen Beschäftigte aus Österreich mit 5.322 Euro sowie aus den USA mit 5.307 Euro. Der hohe Medianlohn indischer Beschäftigter ist vor allem durch ihre starke Präsenz in akademischen MINT-Berufen erklärbar. Die niedrigsten Medianbruttolöhne weisen vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer aus Bulgarien mit 2.681 Euro auf. Die Beschäftigung in akademischen MINT-Berufen ist seit Ende 2012 deutlich gewachsen. Bis Ende 2024 stieg sie bei deutschen Beschäftigten um 43,4 %. Unter ausländischen Beschäftigten betrug der Zuwachs 226,2 %, bei Drittstaatsangehörigen 376,2 %. [Quelle: IW Köln]

Wochenvorschau

Am Montag wird in Frankfurt der Sentix-Index zum Investorenvertrauen für die Eurozone im Dezember veröffentlicht, am Dienstag der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich in der EU, der Eurozone und in Deutschland.

Bereits am Mittwoch steht der erste Ministerrat des Jahres an – auf der Agenda steht vor allem der Tourismus. Die Statistik Austria und Eurostat veröffentlichen ihre Schnellschätzung zur Inflation im Dezember. In Nikosia findet die Eröffnungszeremonie anlässlich der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Zypern statt.

Am Donnerstag veröffentlicht das Wifo seinen aktuellen Konjunkturtest. Eurostat liefert Arbeitsmarktdaten und EU-Erzeugerpreise für November und die EU-Kommission das Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen für die Eurozone im Dezember.

Am Freitag veröffentlicht die Statistik Austria Zahlen zur Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter, der geleisteten Arbeitsstunden im Handel und im Dienstleistungsbereich sowie zu den Baubewilligungen im 3. Quartal, Einzelhandelszahlen im November sowie die Ein- und Ausfuhren im Oktober.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Elisa Schlachter folgt Hubert Malin an der Spitze der Landarbeiterkammer Vorarlberg. Thomas Angerer leitet seit 1. Jänner 2026 neben dem Vorsitzenden der Geschäftsführung Gerhard Fida und Ilse Hirt die Wiener Netze. Maria Neumann wurde zur Kuratorin des WIFI Österreich für die Funktionsperiode 2026-2030 gewählt. Sanofi hat Markus Isenmann zum neuen Geschäftsführer für Österreich und die Schweiz sowie zum Leiter der Sparte Specialty Care ernannt.

Geburtstage: Wir gratulieren Wolfgang Sobotka zum Geburtstag. Am Dreikönigstag haben Hilmar Kabas und Oliver Pink Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

17:00 Uhr, Hall in Tirol: Neujahrsempfang der Tiroler Industrie 2026 im Salzlager Hall [invite only]

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