Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Zahl der offenen Stellen 2025 um ein Fünftel gesunken. Im Jahr 2025 ist die Zahl der offenen Stellen das 3. Jahr in Folge gesunken. Im Jahresdurchschnitt meldeten österreichische Unternehmen 139.900 offene Stellen, ein Minus von 19,5 % im Vergleich zum Jahr 2024. Die Offene-Stellen-Quote lag 2025 mit 3,2 % um 0,8 Prozentpunkte niedriger als 2024. Die meisten offenen Stellen gab es im Handel und Dienstleistungsbereich, gefolgt vom produzierenden Bereich und dem öffentlich-sozialen Sektor. [Quelle: Statistik Austria | Reaktion: FPÖ]
„Kosten für die Wirtschaft wären bei einem Berufsheer geringer“
Interview mit Michael Böheim
Die geplante Wehrpflichtverlängerung auf „8+2“-Monate würde die österreichische Wirtschaft spürbar belasten – vor allem kleine Unternehmen, die auf Mitarbeiter verzichten müssen. Wifo-Ökonom Michael Böheim schätzt allein die Milizübungskosten bei 50.000 Tagen jährlich auf rund 15 Mio. Euro, während der Staat bis 2037 mit zusätzlichen 250 Mio. Euro Kosten pro Jahr rechnen muss. Zudem werde „reines Verlängern ohne überzeugenden Mehrwert nicht reichen“, kritisiert Böheim. Es brauche auch eine höhere Bezahlung und qualitative Ausbildung, damit der Dienst nicht als reine Bürde wahrgenommen wird.
💡 Staatsschulden drohen auf fast 150 % des BIP anzuwachsen. Bis 2060 rechnet das Finanzministerium in seiner langfristigen Budgetprognose mit einem Anstieg der heimischen Staatsschulden auf 148,2 % des BIP – ein Wert, der die aktuelle griechische Schuldenquote von 146,7 % im Jahr 2025 übertreffen würde. Schuldentreiber sind vor allem demografiebedingte Ausgaben im Bereich der Pensionen, Gesundheit, Pflege, Bildung und Familie – hier wird eine Zunahme von derzeit 31,8 % des BIP auf 34,6 % des BIP im Jahr 2060 erwartet. Gleichzeitig steigen die Zinsausgaben von derzeit 1,7 % auf 5,2 % des BIP. Ohne die laufenden Konsolidierungsmaßnahmen würde die Schuldenquote auf über 250 % des BIP steigen. [Quellen: Statistik Austria, Wifo, IWF | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Netzbetreiber fordern „Update“ des ElWG. Das Forum Versorgungssicherheit sieht bei einigen Bestimmungen des Elektrizitätswirtschaftsgesetztes (ElWG) noch vor deren Inkraftsetzung Reformbedarf. „Das ElWG wird in einigen Punkten bereits jetzt ein Update brauchen“, so Johannes Zimmerberger, Geschäftsführer von Linz Netz. Der Großteil der derzeit in Betrieb befindlichen Smart Meter sei nicht auf große Datenströme ausgelegt, deren Aufrüstung würde zusätzliche Investitionen erfordern. Auch der Versorgungsinfrastrukturbeitrag von 0,05 ct/kWh müsse novelliert werden. Die Einnahmen daraus werden auf 30 bis 35 Mio. Euro geschätzt, was „verschwindend wenig“ im Vergleich zu den gesamten Netzkosten von 3 Mrd. Euro sei. Daraus würde kein Anreiz für netzdienliches Verhalten entstehen und der Beitrag verkomme zum reinen „Österreich-Aufschlag“, so Zimmerberger. [Quelle: Pressegespräch, Forum Versorgungssicherheit | Interview: „Der Österreich-Aufschlag am Strommarkt ist hausgemacht“]
🇦🇹 Exporte und Importe im November gestiegen. Im November 2025 sind die heimischen Exporte um 1,3 % auf 16,45 Mrd. Euro und die Importe um 1,2 % auf 16,80 Mrd. Euro gestiegen. Das Handelsbilanzdefizit im November 2025 beträgt damit 0,35 Mrd. Euro und ist niedriger als die 0,37 Mrd. Euro im November 2024. Hierbei war die Handelsbilanz mit EU-Ländern im November positiv (0,28 Mrd. Euro) und mit Drittstaaten negativ (-0,63 Mrd. Euro). Hauptverantwortlich für die negative Handelsbilanz mit Drittstaaten war der Handel mit China (-1,2 Mrd. Euro), v. a. da die Importe von chinesischen Maschinen und Fahrzeugen um ein Fünftel auf 0,90 Mrd. Euro gestiegen sind. Im Zeitraum von Jänner bis November 2025 sind die heimischen Exporte um 1,2 % gesunken und die Importe um 3,1 % gestiegen. Somit ergibt sich ein Handelsbilanzdefizit von 5,10 Mrd. Euro – im gleichen Zeitraum 2024 konnte Österreich noch einen Handelsbilanzüberschuss von 2,51 Mrd. Euro vorweisen. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Keine KV-Einigung bei Ordensspitälern OÖ. Die 5. Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag des nicht-ärztlichen Personals in den oberösterreichischen Ordensspitälern brachte erneut keine Einigung. Die Arbeitgeberseite bietet für die rund 10.000 Beschäftigten ein Plus von 3,3 % auf Löhne, Gehälter und Zulagen ab 1. Juli 2026. Die Arbeitnehmerseite fordert analog zum KV der Sozialwirtschaft zusätzlich eine schrittweise Reduktion der Wochenarbeitszeit auf 37 Stunden. Die Gewerkschaft fordert die Arbeitgeber auf, bis Mittwoch nächster Woche „ihr Angebot nachzubessern“. Der nächste reguläre Verhandlungstermin ist für den 24. Februar geplant. [Quellen: Ordensspitäler OÖ, ÖGB]
🇦🇹 Bundesrat beschließt Nachhaltigkeitsberichtsgesetz für Unternehmen. Der Bundesrat hat die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von großen Unternehmen mit den Stimmen der Regierungskoalitionen in nationales Recht umgesetzt. Die Umsetzung hätte bereits 2024 erfolgen sollen, nun drohen aufgrund der Verzögerung Strafzahlungen an die EU, wie Justizministerin Anna Sporrer berichtet. Im Rahmen des EU-Pakets „Omnibus I“ wurde im Dezember 2025 die Nachhaltigkeitsberichterstattung geändert, um die Hürden für Unternehmen bei der Berichterstattung zu reduzieren. Die nun beschlossene Umsetzung gelte daher nur für Unternehmen der „ersten Welle“, weitere Themen sollen ab März für eine weitere Gesetzesvorlage ausgearbeitet werden, so die Justizministerin. [Quellen: Bundesrat, EU-Kommission]
🇦🇹 Volksbefragung zur Einführung einer Erbschaftssteuer keine SPÖ-Parteiforderung. Nachdem SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt in einem Interview mit dem Kurier äußerte, dass sie sich eine Volksbefragung zur Einführung einer Erbschaftssteuer vorstellen könne, stellte das Büro des Vizekanzlers Andreas Babler klar, dass dies keine Parteiforderung sei. Gegen eine solche Volksbefragung und gegen Erbschaftssteuern sprachen sich die Wirtschaftskammer (WKÖ) und die Industriellenvereinigung (IV) aus. Die WKÖ erklärte, Österreich brauche Entlastung statt neue Belastungen, während die IV betonte, direkte Demokratie dürfe nicht für parteipolitische Symboldebatten instrumentalisiert werden und Steuerpolitik brauche Verantwortung und Planbarkeit. Unterstützung für die Einführung einer Erbschaftssteuer kam hingegen von der Arbeiterkammer, die das Fehlen einer solchen Steuer in Österreich als „Gerechtigkeitslücke“ bezeichnete, sowie von den Grünen, die den Rückzug der Forderung durch die SPÖ kritisierten. [Quellen: Kurier, Ö1-„Journal um acht“, WKÖ, IV, Die Grünen, AK | Reaktionen: FPÖ, Wirtschaftsbund, ÖGB]
🇦🇹 Einzelhandelsumsatz im Dezember 2025 gestiegen. Der österreichische Einzelhandelsumsatz verzeichnete im Dezember inflationsbereinigt ein Plus von 0,6 % gegenüber dem Vormonat. Im November war er erstmals seit 7 Monaten gesunken. Das Wachstum im Dezember war vor allem auf steigende Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel zurückzuführen. Im Gegensatz dazu sanken der Einzelhandelsumsatz in der Eurozone im gleichen Zeitraum um 0,5 %. [Quellen: Statistik Austria – Dezember 2025, November 2025; Eurostat]
🇦🇹 🇪🇺 Machtwechsel im Iran brächte Wirtschaftswachstum für EU. Die Aufhebung der EU-Sanktionen würde das reale iranische BIP langfristig um mehr als 80 % steigern. Hiervon könnte die EU mit einem BIP-Plus von 0,3 % und Österreich von 0,5 % profitieren. „Die wirtschaftliche Isolation des Iran ist enorm – entsprechend groß sind die potenziellen Gewinne einer regelbasierten Wiedereingliederung“, so Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. Je nach Szenario könnte das iranische BIP sogar um 240 bis 400 % steigen, die Gewinne für Europa und Österreich würden demnach weiter zunehmen. Weiters würden globale Öl- und Gaspreise sinken, wenn der Iran in den Welthandel reintegriert würde. [Quellen: Wifo, INSM, Studie als .pdf]
🇪🇺 EZB-Leitzins unverändert bei 2 %. Der EZB-Rat hat gestern beschlossen, die drei Leitzinssätze nicht zu verändern. Somit liegt der Zinssatz für die Einlagefazilität weiterhin bei 2 %, der Hauptrefinanzierungszinssatz bei 2,15 % und der Spitzenrefinanzierungszinssatz bei 2,4 %. [Quellen: EZB – Pressemitteilung, Rede der EZB Präsidentin]
🇪🇺 EIB startet 3 Mrd.-Euro-Vorfinanzierung für Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat eine 3 Mrd.-Euro-Initiative beschlossen, die Haushalten mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie kleinen Unternehmen in Europa Investitionen in energieeffiziente Gebäude und nachhaltige Verkehrslösungen ermöglicht. Die Mittel werden vorfinanziert, indem die EIB die erwarteten Einnahmen aus dem neuen EU-Emissionshandelssystem für Gebäude und Straßenverkehr (ETS2) monetarisiert, sodass Investitionen direkt erfolgen können. Ziel der Initiative ist es, Energiekosten zu senken, die Klimaziele zu unterstützen und die Energieversorgungssicherheit in der EU zu stärken. [Quelle: EIB]
🇩🇪 „Auftragsboom“ für deutsche Industrie. Der reale Auftragseingang in der deutschen Industrie ist von November auf Dezember 2025 unerwartet um 7,8 % gestiegen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang von 2,2 % prognostiziert. Gegenüber Dezember 2024 ergibt sich ein Plus von 13,0 %. Der Anstieg ist zum Großteil auf die Herstellung von Metallerzeugnissen (+30,2 % zum Vormonat) und den gewichtigen Maschinenbau (+11,5 %) zurückzuführen. LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch spricht daher von einem unerwarteten „Auftragsboom zum Jahresende“ und sieht die Entwicklung als „echtes Zeichen für eine mögliche Trendwende der Konjunktur“. [Quellen: Destatis, Reuters, LBBW]
🌐 🇩🇪 2025 Negativrekord bei Großinsolvenzen weltweit. Die Zahl der Großinsolvenzen von Unternehmen mit einem Umsatz über 50 Mio. Euro erreichte im Jahr 2025 mit weltweit 475 Fällen einen historischen Höchststand. 2024 waren es 469 Großinsolvenzen. Rund ein Fünftel der weltweiten Fälle entfiel auf Deutschland, wo im vergangenen Jahr 94 Großunternehmen Insolvenz anmeldeten – so viele wie seit 2015 nicht mehr. Besonders betroffen waren der Dienstleistungssektor sowie die Automobil-, Chemie- und Metallbranche. Die Gesamtzahl an Unternehmensinsolvenzen, abgesehen von Großunternehmen, stieg sowohl weltweit (+6 %) als auch in Deutschland (+11 %). [Quelle: Allianz Trade]
Selektive Agenda:
Heute, Nikosia, Zypern: Informelles Treffen der EU-Umwelt- und Klimaminister (zweiter und letzter Tag) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Großhandelspreise Jänner
20:00 Uhr, Mailand: Eröffnungszeremonie der XXV. Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Christoph Humitsch übernimmt die Leitung Kommunikation und Kampagne der oberösterreichischen Grünen.
Geburtstage: Wir gratulieren Felix Mitterer zum Geburtstag. Am Samstag hat Wendelin Weingartner Geburtstag, am Sonntag Alfred Gusenbauer.
Sehen & gesehen werden:
10:00 Uhr, Wien: Martin Kocher im Klub der Wirtschaftspublizisten