Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Sara Grasel, Maximilian Kern und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Defizit sinkt nur langsam, Staatsschulden steigen weiter. Für heuer rechnet das Büro des Fiskalrats laut Frühschätzung mit 4,4 % und 2026 mit 4,2 % Defizit (Frühjahrsprognose: 4,1 %). Die offiziellen Zahlen kommen im Dezember. Der Rückgang ist hauptsächlich dem aufgeschnürten Beamtenabschluss geschuldet, aber auch die Konsolidierungsmaßnahmen tragen hierzu bei. Die Schuldenquote steigt von 79,9 % des BIP (2024) auf 81,7 % (2025) und 83,3 % (2026) – für eine Stabilisierung des Schuldenstands sei ein Defizit von unter 2,7 % notwendig. Die Staatsausgaben steigen stärker als noch im Frühjahr gedacht. Schuld sind vor allem die Indexierungen gepaart mit der hohen Inflation sowie steigende Ausgaben für Pensionen, Arbeitslosigkeit und Gesundheit. Laut Fiskalrats-Ökonomen haben sich die durch die Covid-Pandemie gestiegenen Gesundheitskosten verfestigt – die Menschen gehen nach wie vor öfter zum Arzt als vor der Pandemie. [Quelle: Fiskalrat]
„Der Staat ist mittelfristig der Verlierer der Inflation“
Interview mit Christoph Badelt
Das Budgetdefizit wird in den kommenden Jahren nur langsam sinken. Der leichte Rückgang des Defizits kommendes Jahr ist hauptsächlich dem aufgeschnürten Beamtenabschluss geschuldet. Ab 2027 reichen laut Fiskalrats-Chef Christoph Badelt die bisher beschlossenen Maßnahmen nicht mehr, um die Defizitziele zu erreichen. Das Ziel von 3 % des BIPs hält er für „volkswirtschaftlich unambitioniert“.
💡 Morgen ist Budgeterschöpfungstag 2025. Der 7. November 2025 markiert den letzten Tag im Jahr, an dem der Bund mit seinen Einnahmen das Auskommen findet. Ab Samstag müssen rechnerisch neue Schulden aufgenommen werden, um die laufenden Staatsausgaben bis Jahresende zu decken. Denn die laut Finanzierungsvorschlag des Budgets 2025 geplanten Staatseinnahmen betragen 105,1 Mrd. Euro – ausgegeben werden sollen jedoch 123,2 Mrd. Euro. Bleibt ein Defizit von 18,1 Mrd. Euro, welches über neue Schuldenaufnahme finanziert werden muss. [Quelle: BMF | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 WKÖ-Gehaltsabschluss auf Juli ’26 verschoben. WKÖ-Präsident Mahrer will ein „Machtwort“ gesprochen haben, um in „gesamtstaatlich schwierigen Situationen“ auch seitens der Kammer ein Zeichen zu setzen. Für die insgesamt 5.800 Beschäftigten der Wirtschaftskammer Österreich und der 9 Landeskammern werde die viel kritisierte Gehaltserhöhung von 4,2 % daher auf 2,1 % halbiert. Unternehmer Stephan Zöchling kritisiert die Kürzung der Gehaltserhöhung in der ZIB2 als „Taschenspielertrick“. Die Erhöhung von 4,2 % werde lediglich auf den 1. Juli 2026 verschoben, wie WKÖ-Chef Mahrer bestätigt. „Es ist ähnlich wie bei den Beamten ein Durchschnitts-Durchrechnungsmodell“, so Mahrer zum Kurier. Die Neos fordern weiterhin die ersatzlose Abschaffung der Kammerumlage 2, denn die WKÖ habe bewiesen, dass sie „im Geld schwimmt“. Heute um 11 Uhr beginnen die KV-Verhandlungen im Handel, da der Zweijahresabschluss durch die über 3 % liegende rollierende Inflation neu ausverhandelt werden muss. [Quellen: Mahrer im Ö1-Mittagsjournal, Neos, WKÖ/GPA, ZIB2, Kurier | Grafik: Zwischenstand in den Herbstlohnrunden]
🇦🇹 Leichte Erholung trotz pessimistischer Stimmung. Die Unicredit Bank Austria prognostiziert der heimischen Wirtschaft für nächstes Jahr ein Wachstum von 1,0 %. Die Inflation soll 2026 von 3,5 % auf 2,4 % fallen. Die Abwärtsrisiken in der Prognose sind weiterhin hoch, das unsichere globale Umfeld sowie die schlechte Konsumstimmung und die hohe Sparquote sind laut Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer die größten Risiken. Bei gleicher Sparquote wie im Jahr 2019 würde das Konsumniveau Ende 2026 um 4 Prozentpunkte höher ausfallen. Sollte das Budgetdefizit größer ausfallen und weitere Sparmaßnahmen erforderlich machen, könnte sich das ebenfalls negativ auf die Konjunkturentwicklung auswirken. Die österreichische Außenwirtschaft leidet durch den Anstieg der Lohnstückkosten um 30 % weiterhin an einem Verlust der preislichen Wettbewerbsfähigkeit. Der Anteil der Gewinne an der Wertschöpfung ist dadurch auf ein historisch niedriges Niveau gesunken, da sich Unternehmen in erster Linie auf Kostensenkung und nicht auf Investitionen und Erweiterungen der Produktionskapazitäten konzentrieren. [Quelle: Pressegespräch Bankenverband]
🇦🇹 E-Control: Energie ab Jänner kein Teuerungstreiber. Die Energiekosten sollen laut E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch die Inflation ab dem Jahreswechsel nicht mehr weiter antreiben. Die Netzentgelte sollen für Gas zwar in allen Bundesländern und für Strom in 4 Bundesländern steigen. Die Gesamtkosten für Strom würden aber stabil bleiben. Urbantschitsch kritisierte, dass die Bereitschaft, den Stromanbieter zu wechseln, gering sei – im Vorjahr lag die Wechselrate bei rund 5 %. Bei Gas würden die steigenden Netzgebühren vom gesunkenen Gaspreis überkompensiert werden. Urbantschitsch erwartet jedoch auch in Zukunft steigende Gasnetzentgelte, da die Anzahl der Zählpunkte weiter sinken wird. Der Druck für eine gesetzliche Unterstützung beim Gasausstieg würde hier immer größer werden, so Urbantschitsch. [Quellen: Hintergrundgespräch, APA via Medienberichte | Grafik: Netzkosten steigen auch 2026 weiter]
🇦🇹 Steigende Preise am Immobilienmarkt. Im 3. Quartal 2025 nahmen die Preise für heimische Immobilien um 1,3 % zu. Laut Berechnungen von Raiffeisen Research ergibt sich daraus ein gesamtjährlicher Preisanstieg von 0,9 %, für 2026 wird ein weiterer Zuwachs von rund 2,5 % prognostiziert. Zu den Hauptfaktoren zählen gestiegene Einkommen, ein Rückgang der Fertigstellungszahlen (-20 % bei den Wohnbauinvestitionen seit 2022) sowie eine wachsende Bevölkerung. Raiffeisen Research geht jedoch davon aus, dass das derzeitige Zinsniveau eine stärkere Preissteigerung am Immobilienmarkt begrenzen dürfte. „Eine Neuauflage des Immobilienbooms zeichnet sich nicht ab“, so Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith. [Quellen: Raiffeisen Research, Reith auf Linkedin]
🇪🇺 EU-Umweltminister einigen sich auf Klimaziel 2040. Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen um 90 % gegenüber 1990 reduziert werden. Gegenüber dem Vorschlag der Kommission nahmen die Minister mehrere Anpassungen vor, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und nationale Unterschiede zu berücksichtigen. Dazu gehören ein Zwischenziel von 66 bis 72 % Emissionsminderung bis 2035, die Ausweitung der Nutzung internationaler Emissionszertifikate von 3 % auf 5 %, die Verschiebung des Starts des neuen EU-Emissionshandels (ETS2) auf 2028 sowie eine verlangsamte Abschaffung von Gratiszertifikaten ab 2028. Zudem ist eine zweijährliche Überprüfung der Zielerreichung vorgesehen. Das Europäische Parlament muss seine Position noch festlegen, bevor die Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission beginnen. Die IV sieht darin keine unmittelbare Verbesserung, aber eine Grundlage für standortsichernde Maßnahmen. [Quellen: Ministerrat I, Ministerrat II, Positionspapier des Ministerrats | Reaktionen: IV, ÖVP, Neos, SPÖ, FPÖ, Grüne]
🇪🇺 Eurozonen-Wirtschaft wächst so stark wie zuletzt 2023. „Endlich lässt sich wieder etwas Positives über die Konjunktur in der Eurozone berichten“, so Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Der kombinierte Einkaufsmanagerindex für die Eurozone legte im Oktober um 1,3 Zähler auf 52,5 Punkte zu und liegt damit das 10. Monat in Folge im Wachstumsbereich. Der Dienstleistungsindex stieg hierbei um 1,7 Zähler auf 53,0 Punkte. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen legte den 3. Monat in Folge zu und stieg dabei so kräftig wie seit 2,5 Jahren nicht. Wesentlicher Treiber des Wachstums im Servicesektor war Deutschland mit einem Plus von 3,1 Zählern auf insgesamt 54,6 Punkte. [Quellen: S&P Global: Eurozone, Deutschland]
🇪🇺 Erzeugerpreise in der Industrie gesunken. Die Erzeugerpreise in der Industrie sind im September 2025 in der Eurozone und in der EU gegenüber dem Vormonat um 0,1 % zurückgegangen. Bereits im August war ein Rückgang von 0,4 % verzeichnet worden. Im Jahresvergleich sanken die Preise im Euroraum um 0,2 %, in der EU stiegen sie um 0,1 %. [Quelle: Eurostat]
🇩🇪 Deutsche Regierung startet Bürokratieabbau. Das deutsche Wirtschaftsministerium hat 5 Maßnahmen zum Bürokratierückbau mit einem Entlastungsvolumen von 157 Mio. Euro beschlossen. Unter anderem wird in der Gewerbeordnung und bei den Berichtspflichten entlastet. Diese Maßnahmen sind laut Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche „nur der Anfang“ – weitere 51 Entlastungsmaßnahmen sollen bis Mitte 2026 beschlussfertig sein. Die Regierung will die gesamten Bürokratiekosten für die deutsche Wirtschaft um 25 % bzw. 16 Mrd. Euro reduzieren. [Quellen: Bundeswirtschaftsministerium, Handelsblatt]
🇨🇭 Geschäftsstimmung in der Schweiz verbessert. Trotz der weiterhin gültigen US-Zölle von 39 % hat sich die Geschäftsstimmung in der Schweiz im Oktober verbessert. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftslageindikator sogar über dem Wert vor der Einführung der US-Zölle. Die Schweizer Bank UBS erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,9 % – aber auch eine Rezession sei aufgrund der großen Unsicherheiten nicht auszuschließen. Wirtschaftsvertreter der Schweiz haben sich am Mittwoch mit dem US-Präsidenten getroffen und Handelsfragen besprochen; es soll weitere Verhandlungsrunden geben. UBS erwartet, dass der US-Zollsatz von 39 % auf 15-20 % gesenkt werden könnte. [Quellen: ETH Zürich, UBS via Medienberichte, Trump auf Truth Social]
🇺🇸 US-Dienstleistungsstimmung steigt. Die Wirtschaftsaktivität der US-Dienstleister ist von September auf Oktober stärker als erwartet um 2,4 Punkte auf 52,4 % gestiegen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 50,8 % erwartet. Der Indikator befindet sich im heurigen Jahr damit zum 8. Mal im Wachstumsbereich. Der Beschäftigungsindex ist im Oktober leicht gestiegen, befindet sich mit 48,2 % jedoch das 5. Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle. Laut dem Institute for Supply Management gibt es aber noch „keine Anzeichen für weitreichende Entlassungen oder Personalabbau“. Der weiterhin andauernde „Government Shutdown“ würde sich jedoch auf die Geschäftstätigkeit auswirken und Besorgnis hinsichtlich künftiger Entlassungen geben. [Quellen: Institute for Supply Management, Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, Berlin: Bundeskanzler Merz lädt zu einem Stahlgipfel ins Kanzleramt
Heute, Wien: Finnischer Europaminister Strand in Österreich; 14:00 Uhr: Doorstep mit Europaministerin Plakolm
Heute, Belem, Brasilien: Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im Vorfeld der UNO-Klimakonferenz COP30 (bis 7.11.) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Großhandelspreise Oktober, Außenhandelszahlen August und den Einzelhandel-Umsatzindex September.
11:00 Uhr, Wien: Start der KV-Verhandlungen im Handel
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Hans Grundner wurde zum neuen Leiter der Abteilung Forstwirtschaft (LF4) des Amtes der NÖ Landesregierung bestellt. Petra Vasak steigt zum neuen Corporate Affairs & Sustainability Director bei Coca-Cola HBC Österreich auf.
Geburtstage: Wir gratulieren Nicole Hosp, Thomas Neuwirth und Peter Westenthaler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Heute, Wien: Eröffnung des Weihnachtsmarktes Schloss Schönbrunn
17:00 Uhr, Eisenstadt: Bundesweintaufe 2025 mit Verleihung des Bacchuspreises im Schloss Esterházy u. a. mit Johannes Schmuckenschlager, Hans Peter Doskozil, Nicholas Ofczarek [invite only]
18:00 Uhr, Wien: 70 Jahre Deutsche Handelskammer in Österreich im Palais Ferstel u. a. mit Peter Hanke, Hans Dieter Pötsch [invite only]
18:00 Uhr, Wien: Das 29. European Forum Vienna des AIES steht unter dem Motto „30 Years Austrian EU Membership“ und startet mit einem Vortrag von Markus Reisner (bis 7.11.) [Info und Livestream]
18:30 Uhr, Graz: Die WK Steiermark vergibt den „Preis der steirischen Werbewirtschaft – Green Panther Award 2025“ in der Seifenfabrik [invite only]
19:00 Uhr, Wien: UrbanIn x Moving Forward – The Afterwork Club in Hannelore – Bar & Living Room [Info]