Morning in Brief ・ 07.02.2025

Morning in Brief, 7. Februar 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Schwache Produktivitätsentwicklung. Österreich leidet an schwachem Produktivitätswachstum und ganz Europa hat in den letzten Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren, so die Erkenntnisse des Produktivitätsrats. Laut Wirtschaftsminister Martin Kocher drückt sich diese „strukturelle Problematik“ in zu hohen Kosten für Energie, Bürokratie und Löhnen aus. Die bereits hohe Innovationskraft der Firmen müsse erhalten werden sowie mehr Unternehmenswachstum generiert werden. Produktivitätsratspräsident Christoph Badelt will bei der zukünftigen Regierung das „Problembewusstsein“ für die schwache Produktivitätsentwicklung schärfen. Der aktuelle Produktivitätsbericht soll noch im Februar im Budgetausschuss diskutiert werden. [Quellen: Produktivitätsrat, Download Produktivitätsbericht, BMAW] 

„Wir machen ein super Geschäft mit den USA und in den USA“
Interview mit Peter Hasslacher

1.000 österreichische Firmen sind in den USA tätig, das seien „uncharakteristisch“ viele, sagt Peter Hasslacher, österreichischer Wirtschaftsdelegierter und Chef des Advantage Austria USA Büros in New York. Die Stimmung unter den österreichischen Firmen sei nach Trumps Amtsantritt ambivalent: einerseits freue man sich über Deregulierung und Steuersenkungen, andererseits sind die Zoll-Drohungen und die darunter leidende Planungssicherheit belastend.

Grafik (von Christoph Hofer): Fast 70 Prozent des österreichischen Außenhandels wurden 2023 mit anderen EU-Ländern abgewickelt (Importe: 64,8 Prozent; Exporte: 68,4 Prozent). Top-Exportländer Österreichs sind hierbei Deutschland (29,1 Prozent) und Italien (6,1 Prozent). In den letzten Jahren sind die USA mit 7,3 Prozent auf den 2. Platz aufgestiegen. Während nach Deutschland und in die USA vor allem Maschinen und Fahrzeuge exportiert werden, beziehen die Schweiz und Belgien verstärkt chemische Erzeugnisse. [Quellen: Statistik Austria, WKO]

Koalitionsgespräche gehen weiter. Nach Einzelgesprächen von FPÖ-Chef Herbert Kickl und ÖVP-Obmann Christian Stocker mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen verkündeten beide schriftlich, dass die Regierungsverhandlungen auf Chefebene „ehebaldigst“ fortgesetzt werden. Wann genau die seit Dienstagabend unterbrochenen Gespräche fortgeführt werden sollen, wurde jedoch nicht bekanntgegeben. [Quellen: FPÖ-Aussendung, Stocker auf X

Arbeiterkammer denkt KI-Steuer an. Wie der Kurier zuerst berichtete, fordert AK-NÖ-Präsident Markus Wieser in einer aktuellen Kampagne, dass „Unternehmen, die viel Automatisierung und Robotik nutzen, auch ihren Anteil von der Wertschöpfung, die nicht aus menschlicher Arbeit entsteht, bezahlen“. Man könne nicht „alles zulassen, was Automatisierung, KI oder Robotik betrifft“, ohne die Basis der Finanzierung des Staatshaushaltes zu verändern, so Wieser weiter. Die Ökonominnen Monika Köppl-Turyna und Heike Lehner orten darin eine Neuauflage der Wertschöpfungsabgabe, wodurch Investitionen weiter belastet würden und Anreize zur Automatisierung und Effizienzsteigerung reduziert werden würden. [Quellen: Arbeiterkammer Niederösterreich auf Youtube, Kurier-Bericht, Köppl-Turyna auf X, Lehner auf X

Weniger offene Stellen. Die lange Rezession macht sich auch am Stellenmarkt bemerkbar: 2024 war die Zahl der unbesetzten Stellen mit im Jahresschnitt 173.800 um 15,8 Prozent geringer als 2023. Damit ging zum zweiten Jahr in Folge das Angebot an offenen Jobs zurück. Der Rückgang ist im Handel und Dienstleistungsbereich sowie in der Industrie mit gut 18 Prozent Minus besonders deutlich. Im Handel und Dienstleistungsbereich werden mit 57,5 Prozent aller ausgeschriebenen Stellen auch die meisten Arbeitskräfte gesucht. Die Hoteliervereinigung pocht deshalb auf eine Kostensenkung des Faktors Arbeit sowie Erleichterungen für Bewerbungen aus Drittstaaten, gerade in der Dienstleistungsbranche. [Quellen: Statistik Austria, ÖHV

Einzelhandelsbilanz. Der heimische Einzelhandel (ohne Kfz-Verkäufe) hat im Vorjahr ein reales Wachstum von 0,5 Prozent im Vergleich zu 2023 erzielt. Die Umsätze erholten sich erst im zweiten Halbjahr, am stärksten schloss das vierte Quartal mit einem realen Wachstum von 2,5 Prozent ab. Damit stemmte sich Österreich gegen den Trend in der Eurozone – dort ging der Umsatz im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Im Vergleich zum Dezember 2023 gab es ein Plus von 1,9 Prozent [Quellen: Statistik Austria, Eurostat

Werbebranche. Der Werbeklimaindex für die heimische Branche ist seit dem letzten Quartal um 7 Punkte auf 11 Zähler gestiegen und damit deutlicher im positiven Bereich. Der Anteil von Unternehmen mit schlechter Auftragslage ging von 45 auf 36 Prozent zurück, die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage liegt mit minus 15 Punkten aber weiter im roten Bereich. [Quelle: WKÖ

Gaspreis steigt. Mit teilweise über 55 Euro pro Megawattstunde hat der richtungweisende Terminkontrakt TTF zur Auslieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam am Donnerstag seinen höchsten Stand seit Oktober 2023 erreicht. Der kalte und windarme Winter lasse die Reserven der Länder rascher sinken als vor einem Jahr, gleichzeitig ist der Markt ob dem Handelskrieg zwischen den USA und China verunsichert. Seit Dezember 2024 ist der Preis für Gas um mehr als 40 Prozent gestiegen. [Quellen: Medienberichte, Gasspeicherstand

EU-CO2-Grenzzölle. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra überlegt, die bürokratische Last für die Vorbereitungen auf die ab 2026 geltenden CO2-Grenzzölle für Importe zunächst auf jene Unternehmen zu beschränken, die am meisten davon betroffen wären. 97 Prozent der Abgaben würden von 20 Prozent der Import-Unternehmen gezahlt werden. Die restlichen 80 Prozent der Unternehmen sollten aus der Verantwortung des Verwaltungsaufwands entlassen werden, so Hoekstra. [Quelle: Financial Times, Hoekstra im Steuer-Ausschuss des Europaparlaments]

EZB-Leitzinsstrategie und digitaler Euro. Die Europäische Zentralbank EZB ist noch nicht mit Zinssenkungen zur Bekämpfung der Inflation fertig, betont EZB-Direktor Piero Cipollone in einem Reuters-Interview. Gleichzeitig müsse vor der nächsten Entscheidung Anfang März die Lage wieder analysiert werden – auch die Auswirkungen von möglichen Zöllen durch die USA unter Donald Trump und dessen Handelskrieg mit China.Gleichzeitig würde die Krypto-Offensive der USA unter Trump die Vorbereitungen auf den „digitalen Euro“ neuen Anschub geben, der bis 2030 realisiert werden soll. Der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt aufgrund der von Trump geplanten Schritte vor volatilen Finanzmärkten und erneuter inflationärer Entwicklung. [Quelle: Cipollone-Interview, Reuters]

Deutsche Wirtschaftsmisere. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht für heuer die Gefahr eines weiteren Rezessionsjahres mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,5 Prozent. Ein drittes Jahr ohne Wachstum wäre die längste Rezessionszeit der deutschen Geschichte. Gleichzeitig meldeten 57 Prozent der Wohnbau-Unternehmen für den Jänner fehlende Nachfrage an Aufträgen – ein neuer Negativ-Rekord. Auch die Firmenpleiten gingen im Jänner um 24 Prozent im Jahresvergleich auf 1.342 Insolvenzen nach oben. [Quellen: Handelsblatt, Ifo-Institut, IWH-Institut]

Ende für US-Sanktions-Taskforce. Das US-Justizministerium stellt die nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine aufgestellte Task Force zur Durchsetzung von Sanktionen und zur Bekämpfung Kreml-naher Oligarchen ein. Die neue US-Justizministerin Pam Bondi begründet den Schritt mit einem neuen Fokus – die Ressourcen sollen nun zur Bekämpfung von Drogenkartellen aufgewandt werden. [Quelle: Reuters]

Arbeitsmarkt USA. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den Vereinigten Staaten sind in der vergangenen Woche um rund 11.000 auf 219.000 gestiegen, ein deutlicherer Anstieg als erwartet wurde. Die Zahlen der Vorwoche wurden ebenso leicht nach oben korrigiert. Anfang des Jahres hatten die USA mit 203.000 Neuanmeldungen den tiefsten Stand seit einem Jahr erreicht. [Quelle: US Department of Labor

Arbeitslosigkeit Schweiz. Mit 135.773 als arbeitslos gemeldete Menschen stieg die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Jänner auf 3 Prozent – zum ersten Mal seit gut drei Jahren. Im Jahresvergleich wuchs die Zahl der Menschen ohne Job um 4,2 Prozent. [Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft

UK-Leitzins. Die Bank of England hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gesenkt. Seit der Zinswende im August 2024 wurde der Leitzins für das Vereinigte Königreich um 0,75 Prozentpunkte gesenkt. [Quelle: Bank of England

Tschechischer Leitzins. Der Leitzins in Tschechien ist von der Nationalbank ČNB um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent gesenkt worden. Die schwache Wirtschaft und die sich verlangsamende Inflation würde das ermöglichen. [Quelle: ČNB

Selektive Agenda:

Burgenland, Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg: Beginn der Semesterferien 

Gdansk, Polen: Zweiter Tag der Plenarsitzung des Kollegiums der EU-Kommission unter Vorsitz von Kommissionspräsidentin von der Leyen und Premierminister Tusk 

11:00 Uhr, Wien: Angelobung von Hans Peter Doskozil zum burgenländischen Landeshauptmann durch Bundespräsident Van der Bellen 

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Julia Zötsch übernimmt die Geschäftsführung bei KALK&KEGEL.

Geburtstage: Wir gratulieren Alfred Gusenbauer (Samstag), Hans Knauß (Sonntag) und Johanna Mikl-Leitner (Sonntag) zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Samstag, 19 Uhr, Innsbruck: Premiere „La clemenza di Tito“ von Wolfgang Amadeus Mozart am Tiroler Landestheater [Info

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