Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇪🇺 Mercosur-Abkommen soll diese Woche beschlossen werden. Nach der Verschiebung Mitte Dezember soll das Mercosur-Abkommen nun am 12. Jänner in Paraguay unterzeichnet werden. Voraussetzung ist eine qualifizierte Mehrheit im EU-Rat – die Abstimmung ist laut Berichten kommenden Freitag geplant. Italien hat nach weiteren Zugeständnissen für den Agrarsektor seine Zustimmung signalisiert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich Medienberichten zufolge in einem Brief an die zyprische Ratspräsidentschaft und das EU-Parlament dafür ausgesprochen, rund 2/3 der ursprünglich für 2028–2034 vorgesehenen Mittel (ca. 45 Mrd. Euro) ab 2028 direkt den Landwirten bereitzustellen und sie zusätzlich durch weitere Finanzhilfen zu unterstützen. Morgen soll in einer Sondersitzung zwischen Kommission und Landwirtschaftsministern in Brüssel sowohl über die Umsetzung der vorgeschlagenen Mittel als auch über die Reziprozität des Abkommens gesprochen werden. Italien, dessen Zustimmung als entscheidend gilt, zeigte sich mit den Maßnahmen zufrieden. [Quellen: Reuters, Politico, Euractiv, Euronews | Reaktionen: Giorgia Meloni auf X]
„Für einen Aufschwung bräuchten wir 2-3 % Wachstum“
Interview mit Christian Helmenstein
Von einem klassischen Aufschwung könne heuer kaum die Rede sein, sagt Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung. Dafür brauche es „vorübergehend mindestens zwei Prozent, besser zweieinhalb bis drei Prozent BIP-Zuwachs“. Dass das nicht drin ist, ist der „deprimierende Befund nach einer dreijährigen Rezessions- beziehungsweise Stagnationsphase“ und zeige, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt. Um die Industrie zu unterstützen brauche es – neben Kostensenkungen – eine Freihandelszone zwischen den USA und der EU, ein nicht aussichtsloses Unterfangen, wie Helmenstein findet. Notwendig sei auch eine Entbürokratisierung, die weit über die derzeitigen Pläne hinausgingen – nämlich um 90 Prozent.
💡 Comeback der kalten Progression wäre für Steuerzahler teuer. Würde die kalte Progression zur Gänze nicht mehr ausgeglichen, kämen auf heimische Arbeitnehmer bis 2029 laut Berechnungen der Agenda Austria zusätzliche Belastungen in Höhe von mehreren Tausend Euro zu. Je nach Einkommenshöhe summiert sich der Effekt auf bis zu rund 4.000 Euro. Besonders stark betroffen wären mittlere und höhere Einkommen. Schon die derzeit beschlossene Aussetzung der Abgeltung des letzten Drittels der kalten Progression belastet Arbeitnehmer allein im Jahr 2026 mit zusätzlichen 300 Mio. Euro. [Quellen: Agenda Austria I, Agenda Austria II | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 SPÖ stößt Debatte um kalten Progression an. Der Wiener Stadtrat Jürgen Czernohorszky bezeichnet die Abschaffung der kalten Progression in einem Interview mit der Presse als Fehler und spricht sich für ihre Wiedereinführung aus. Seiner Ansicht nach stehe deshalb den „Gemeinden nun das Wasser bis zum Hals“. Ohne eine Wiedereinführung wären laut Czernohorszky alternative Einnahmequellen notwendig, etwa eine Erhöhung der Grundsteuer, um den Einnahmeverlust der Gemeinden auszugleichen. SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler wollte sich in der ZIB2 nicht eindeutig auf eine Position zur kalten Progression festlegen – man könne über eine Abschaffung verhandeln, es sei aber wichtig, kleine und mittlere Einkommen nicht weiter zu belasten. [Quellen: Die Presse, ZIB2 | Reaktionen: ÖVP, FPÖ]
🇦🇹 Einige Herbstlohnrunden noch offen. Ab nächster Woche starten die Verhandlungen zu den ausständigen Kollektivvertragsabschlüssen der Herbstlohnrunden. Noch keine Einigung gibt es bei den Handelsarbeitern, in der Sozialwirtschaft, bei den Privatkrankenanstalten und in der IT-Branche. Bereits am 8. Jänner sind Aktionstage und Betriebsräte-Konferenzen geplant und am 12. Jänner starten die ersten Verhandlungen – den Beginn machen die Privatkrankenanstalten, für die es bereits die 5. Verhandlungsrunde ist. [Quelle: ÖGB | Kommentar: Herbstlohnrunde: Mehr Planungssicherheit, mehr Spreizung | Grafik: Zwischenstand der Herbstlohnrunden]
Kommentar: Die fehlgeleiteten Ideen linker Klimaterroristen
von Sara Grasel
Was sich in Berlin abspielt, ist unerträglich. Linker Klimaterrorismus hat dafür gesorgt, dass Menschen bei Minusgraden in dunklen und kalten Wohnungen ausharren und die Polizei auf gut Glück weiße Kastenwagen am Straßenrand kontrollieren muss, um Raubzüge durch lahmgelegte, dunkle Stadtteile zu verhindern. Der terroristische Kampf gegen Gaskraftwerke ist der Gipfel der blinden Verranntheit der Erderhitzungsfetischisten. Weg von der Digitalisierung, dem technologischen Fortschritt und dem Kapitalismus – das wünschen sich die Verfasser des Bekennerschreibens. Es ist das unreflektierte und kindische Einmaleins der Degrowth-Gläubigen und Greta-Ideologen.
🇦🇹 Verhaltene Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich. 41 % der Österreicher erwarten eine wirtschaftliche Erholung bis Ende 2027, während 14 % davon ausgehen, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessern und dauerhaft eine veränderte wirtschaftliche Realität bestehen bleiben wird. Die größten Sorgen der Bevölkerung sind die Inflation und steigende Lebenshaltungskosten, die Situation im Bereich Asyl und Migration sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage. [Quelle: IMAS]
🇦🇹 Alkohol in Österreich billiger als im EU-Schnitt. Im Oktober 2025 lagen die Preise für alkoholische Getränke in Österreich 11,4 % unter dem EU-Durchschnitt. In Deutschland sind die Preise noch niedriger, in Italien am günstigsten, während in Finnland alkoholische Getränke mehr als doppelt so viel kosten wie im EU-Schnitt. Der Alkoholkonsum in Österreich ist zwischen 2010 und 2023 um fast 1 Liter Rohalkohol pro Person gesunken und liegt aktuell bei 11,6 Litern. In Finnland ging der Konsum zwischen 2012 und 2022 um 2,8 Liter zurück auf 9,5 Liter pro Kopf. [Quellen: Deutsches Statistisches Bundesamt, Statistik Austria, WHO]
🇪🇺 Solides Wachstum der Eurozone im 4. Quartal. Die Eurozone setzte ihr Wirtschaftswachstum im Dezember 2025 fort. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global lag mit 52,3 Punkten im 4. Quartal auf dem Niveau von zuletzt dem 2. Quartal 2023 und damit auch eindeutig über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Die Dynamik ließ jedoch nach: Nachfrage und Exporte schwächten sich ab, und die Auftragsbestände wurden schneller abgebaut. Gleichzeitig stiegen die Einkaufspreise auf ein 9-Monatshoch, während die Verkaufspreise nur moderat erhöht wurden. Der HCOB Composite PMI sank damit im Dezember von 52,8 auf 51,5 Punkte. Unter den Ländern wuchs Spanien kräftig, Irland moderat, Deutschland weiterhin, aber abgeschwächt, Italien nur leicht, und Frankreich stagnierte. [Quelle: S&P Global]
🇩🇪 Deutsche Inflation im Dezember bei 1,8 %. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes liegt die Inflationsrate in Deutschland im Dezember 2025 bei 1,8 %. Die Kerninflation, also ohne Nahrungsmittel und Energie, betrug 2,4 %. Für das Jahr 2025 insgesamt wird die Inflationsrate voraussichtlich 2,2 % erreichen. Die endgültigen Werte für Dezember werden am 16. Jänner veröffentlicht. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇩🇪 Stromerzeugung aus Solaranlagen erreichte 2025 Rekordhoch. Der Anteil der Stromerzeugung aus Solaranlagen erreichte in Deutschland 2025 mit rund 18 % ein Rekordhoch. Damit lag Solarstrom erstmals vor Braunkohle mit etwa 14 % und Erdgas mit rund 16 % Anteil an der gesamten Stromerzeugung. Die Windkraftanlagen lieferten mit 27 % den größten Anteil an der Stromerzeugung. [Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft e.V.]
🇩🇪 Neuwagenzulassungen in Deutschland steigen 2025 leicht. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 2,9 Mio. neue Pkw zugelassen, ein Anstieg von 1,4 % gegenüber 2024. Im Dezember kamen 246.439 Neufahrzeuge hinzu, 9,7 % mehr als im Vorjahresmonat. 66,1 % der Neuwagen gingen an Unternehmen, 33,6 % an Privatkunden. [Quelle: Deutsches Kraftfahrt-Bundesamt]
🇨🇳 🇯🇵 China verschärft Exportkontrollen für Dual-Use-Güter nach Japan. China verschärft mit sofortiger Wirkung die Exportkontrollen für Dual-Use-Güter nach Japan. Lieferungen an japanische Militärnutzer, für militärische Zwecke oder zur Stärkung der militärischen Fähigkeiten Japans werden vollständig untersagt. Auch Drittparteien, die chinesische Dual-Use-Güter nach Japan weiterleiten, sollen rechtlich belangt werden. Das Handelsministerium begründet den Schritt mit dem Schutz der nationalen Sicherheit und verweist auf jüngste Äußerungen japanischer Führungskräfte zur Taiwan-Frage, die als Verstoß gegen das Ein-China-Prinzip gewertet werden. [Quellen: chin. Handelsministerium, Xinhua]
🇺🇸 US-Industrie schwächt sich im Dezember ab. Die US-Industrieproduktion hat im Dezember 2025 erneut nachgegeben. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel auf 47,9 Punkte, den niedrigsten Wert des Jahres und der 10. Rückgang in Folge. Die Produktion blieb mit 51 Punkten leicht im Plus, während neue Aufträge weiterhin rückläufig waren. Die Preise stiegen stabil. Die Beschäftigung schrumpfte erneut, zeigte aber eine leichte Erholung gegenüber dem Vormonat. Lieferungen verzögerten sich, während Lagerbestände und Importvolumen sanken. [Quelle: Institute for Supply Management]
🌐 Einigung auf überarbeitetes Paket zur globalen Mindeststeuer. Bereits 2021 hatten die OECD/G20-Staaten im Rahmen des Inclusive Framework on Base Erosion and Profit Shifting (BEPS) eine globale Mindeststeuer von 15 % auf die Gewinne multinationaler Unternehmen vereinbart. Nun haben sich rund 147 Länder und Rechtsordnungen auf ein überarbeitetes Maßnahmenpaket verständigt, das administrative Vereinfachungen, zusätzliche Ausnahmeregelungen sowie ein Side-by-Side-System umfasst. Das Paket schützt die Fähigkeit aller Länder, Erstbesteuerungsrechte über Einkünfte, die national erzielt werden, auszuüben. BusinessEurope begrüßt das Abkommen grundsätzlich, mahnt jedoch eine praktische und vereinfachte Umsetzung in der EU an, um Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen zu vermeiden. [Quellen: OECD I, OECD II | Reaktion: BusinessEurope]
Selektive Agenda:
Heute, Wiesbaden: Statistisches Bundesamt gibt den Umsatz im Einzelhandel sowie die monatliche Arbeitsmarktstatistik für November 2025 bekannt
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt die Großhandelspreise sowie die Schnellschätzung des Verbraucherpreisindex (VPI) für Dezember bekannt
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat, anschl. Pressefoyer mit Staatssekretärin Zehetner, Sozialministerin Schumann, Staatssekretär Schellhorn
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt die Schnellschätzung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Dezember für Eurozone und EU bekannt
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Klaus Riener ist seit dem 1. Jänner Landesdirektor der Wiener Städtischen in Oberösterreich. Neuer Vorstandsvorsitzender der Kirchhoff Ecotec SE ist Patrick Hermanspann. Malte Sonnenburg ist neuer CEO der Faun Gruppe. Olivia Mrzyglod ist neu im Presseteam von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und übernimmt die Funktion der europa- und außenpolitischen Sprecherin. Ebenfalls neu im Team ist Alexander Polt, der insbesondere für Themen der Regierungskoordination zuständig ist. Peter McDonald ist seit Jahresbeginn der neue Vorsitzende des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Neuer Sprecher von Screenforce Österreich ist Oliver Böhm.
Geburtstage: Wir gratulieren Barbara Karlich, Andreas Staribacher und Gregor Schlierenzauer zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
11:00 Uhr, Graz: Die Landwirtschaftskammer Steiermark lädt zum Neujahrsempfang in den Steiermarkhof [invite only]
18:30 Uhr, Güttenbach: Der Wirtschaftsbund Burgenland lädt zum Neujahrsempfang in die Mehrzweckhalle Güttenbach [invite only]