Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Christoph Hofer und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Deutsche Regierung zerbricht. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat nach gescheiterten koalitionsinternen Verhandlungen Finanzminister Christian Lindner (FDP) entlassen. Lindners „Egoismus“ sei „kleinkariert“ und „verantwortungslos“ – so Scholz in einem Statement, in dem er auch das FDP-Positionspapier, das die Regierungskrise ausgelöst hatte, deutlich kritisierte. Deutschland brauche viel mehr „größeren finanziellen Spielraum“. Lindner kontert: Scholz habe ultimativ von ihm verlangt, die Schuldenbremse auszusetzen und wirft ihm einen „kalkulierten Bruch der Koalition“ vor. Am 15. Jänner 2025 wird Scholz die Vertrauensfrage stellen. Neuwahlen werden dann Ende März 2025 angesetzt. [Quellen: Statement Scholz, Statement Lindner | Service: FDP-Positionspapier „Wirtschaftswende Deutschland“ | Kommentar zum FDP-Papier]
Kommentar: Wir müssen endlich runter von unserem Schuldentrip
von Georg Renner
Österreich hat in den vergangenen Jahren über seine Verhältnisse gelebt: Das Budget ist sogar noch weiter außer Kontrolle, als es der Fiskalrat selbst vor dem Sommer erwartet hatte. Man hat mit der Kreditkarte Geschenke gekauft, ohne gleichzeitig zu überlegen, wie man sie finanziert. Und jetzt ist Zahltag.
US-Wahlen I: Trump triumphiert. Donald Trump ist mit voraussichtlich mehr als 300 electoral votes zum 47. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt worden und damit der erst zweite Präsident mit zwei nicht direkt aufeinanderfolgenden Amtszeiten. Auch bei den absoluten Stimmanteilen liegt Trump derzeit deutlich voran. Kamala Harris und Joe Biden gratulierten Trump telefonisch zum Wahlsieg. Im Senat eroberten die Republikaner wieder eine Mehrheit, im Repräsentantenhaus sollten sie ihre Mehrheit halten können. [Infografik: Fahrplan zur nächsten US-Regierung]
US-Wahlen II: Reaktionen. IHS-Chef Holger Bonin warnt, dass Präsident Trump nicht nur einen Handelskrieg zwischen den USA und Europa vom Zaun brechen könnte, sondern auch die multilaterale Handelsordnung unter WTO-Regeln zerschlagen könnte – mit noch schwerwiegenderen Folgen als ein Handelskrieg. Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrats, meint Trump würde nicht nur hohe Zölle einführen, sondern die USA generell autarker machen wollen. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr sieht Europa in einer schwächeren Verhandlungsposition gegenüber den USA als noch während der ersten Amtsperiode Trumps. Wichtige Hausaufgaben zur Stärkung der Eigenständigkeit wurden nicht gemacht. Die Industriellenvereinigung pocht nun darauf, die wirtschaftliche und geopolitische Eigenständigkeit Europas zu stärken, Freihandel müsse mit anderen Teilen der Welt ausgebaut werden. Auch die deutsche Industrie spricht von einem Weckruf für das Land und Europa. [Quellen: Medienberichte, Felbermayr auf X, IV, Deutsche Industrie]
US-Wahlen III: Märkte. Der Sieg Donald Trumps hat dem Dollar den größten Kurssprung seit 2023 beschert – die US-Währung stieg um 1,7 Prozent, der Euro sank auf ein 4-Monats-Tief. Auch Bitcoin reagiert positiv auf die Wahl und erreichte einen neuen Rekordpreis von über 76.000 Dollar. Der Goldpreis gab im Unterschied dazu deutlich nach, an der Londoner Börse sank der Preis für eine Feinunze um 82 Dollar und war damit am tiefsten Wert seit drei Wochen. An den US-Börsen herrscht Euphorie, die europäischen Börsen hingegen schlossen mit Verlusten. [Quellen: Bitcoin-Kurs, Euro-Dollar-Kurs]
Grafik (von Christoph Hofer und Stephan Frank):

Finanzforderungen der Länder. Die Finanzreferenten der Bundesländer fordern angesichts ihrer gestrigen Konferenz in Linz mehr Mitspracherechte. Vor „einschneidenden Entscheidungen“ des Bundes müssten die Finanzreferenten in Zukunft miteingebunden werden – auch schon bei den Regierungsverhandlungen. Stein des Anstoßes ist die erst im Oktober, nach der Nationalratswahl, ergangene Information des Bundes, dass die Prognose für die Ertragsanteile um 2,9 Prozent nach unten korrigiert werde – mitten in die Budgetplanung der Länder hinein. So etwas solle in Zukunft nicht mehr „überfallsartig“ passieren. Und auch die Finanzierung im Bereich der Renaturierung müsse geklärt werden. [Quelle: Statement Finanzreferenten]
Geringere Großhandels- und Erzeugerpreise. In Österreich sind Großhandelspreise im Oktober um 1,3 Prozent im Jahresvergleich gesunken. Das lag vor allem an Rückgängen bei Preisen für Mineralölprodukte, Treibstoffe, feste Brennstoffe und Chemikalien. Alkoholfreie Getränke, Obst und Gemüse, Süßwaren, Bekleidung, Schuhe und andere Produkte haben sich hingegen im Jahresabstand um mindestens fünf Prozent verteuert. Ebenfalls zurückgegangen sind die Erzeugerpreise im Euroraum – um 0,6 Prozent im Jahresvergleich. Das sei vor allem auf niedrigere Energiepreise zurückzuführen. [Quellen: Statistik Austria; Eurostat]
Treibstoffpreise teurer. Die Spritpreise in Österreich sind im Oktober leicht angestiegen. Der durchschnittliche Preis für Diesel lag bei 1,513 Euro pro Liter und für Benzin bei 1,501 Euro. Im Vergleich zum September entspricht dies einem Plus von knapp zwei Cent bei Diesel und 1,5 Cent bei Benzin. Die aktuellen geopolitischen Spannungen haben wenig Einfluss auf den Preis, da sie von der allgemein schwächelnden Nachfrage nach Rohöl ausgeglichen werden. [Quelle: ÖAMTC]
Deutsche Wirtschaft. Die deutsche Industrie konnte im September ein überraschend starkes Auftragsplus von 4,2 Prozent einfahren. So stark stieg die Zahl der Aufträge im Vergleich zum Vormonat seit Juni nicht mehr. Weniger gut sieht es für den Handel aus – der dt. Handelsverband hat seine Prognose für heuer auf ein nominelles Wachstum von 1,3 Prozent gesenkt. Real entspricht das einem Null-Wachstum, bis jetzt hatte man mit einem nominellen Wachstum von 3,5 Prozent gerechnet. Eine Umfrage ergab indessen, dass fast 90 Prozent der mittelständischen Unternehmer das Vertrauen in die Ampel-Regierung verloren haben, 78 Prozent sprechen sich für Neuwahlen aus. [Quellen: Statistisches Bundesamt, Handelsverband, BVMW]
Wirtschaftsstimmung Eurozone. Die Unternehmensstimmung im Euroraum hat sich im Oktober wieder positiv entwickelt und ist in die Wachstumszone gerutscht. Im Vergleich zum September stieg der Einkaufsmanagerindex um 0,4 Punkte auf 50 Zähler an – die Schwelle, die Wachstum anzeigt. Das ist eine bessere Entwicklung als von Experten erwartet wurde. [Quelle: S&P Global]
Chinesischer Automarkt. Die Pkw-Verkäufe in China sind im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16 Prozent auf 2,36 Mio. Stück gestiegen, das ist ein doppelt so großer Anstieg wie erwartet wurde. Die Elektroverkäufe gingen um rund zwei Drittel auf 1,28 Mio. in die Höhe. [Quelle: PCA]
Selektive Agenda:
10:00 Uhr, Wien: PK WIFO „Mittelfristige Konjunkturprognose für 2025-2029“ mit Felbermayr, Baumgartner, Pitlik [Livestream]
10:00 Uhr, Wien: BM Gewessler präsentiert Details zum Einwegpfand ab 1.1.25 [Livestream]
20:00 Uhr, Washington D.C.: US-Notenbank Federal Reserve gibt Zinsbeschluss bekannt
Ganztägig, Budapest: Informeller Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs (bis 8.11.)
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Konstantin Erol wird Teil der Geschäftsführung von PÜSPÖK.
Geburtstage: Wir gratulieren Ednan Aslan zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Heute, ab 11 Uhr, Wien: Beginn der Kunstmesse „Art & Antique“ in der Wiener Hofburg (bis 11. 11.) [Info & Tickets]
Heute, ab 17:30 Uhr, Wien: Diskussionsveranstaltung „America First! Europe Second?“ der Agenda Austria mit Harald Oberhofer [Info und Anmeldung]
Heute, ab 18 Uhr, Wien: 28. European Forum Vienna des Austrian Institute for European and Security Policy mit u.a. Karoline Edtstadler, Klaudia Tanner & Emil Brix (bis 8.11.) [Info und Anmeldung]
Heute, 18:30 Uhr, Wien: Festakt des Presseclubs Concordia anlässlich des 165-Jahr-Jubiläums mit u.a. Präs. Koller, Vella (Daphne Caruana Galizia Foundation), Föderl-Schmid („Süddeutsche Zeitung“) [invite only]
Heute, 20 Uhr, St. Pölten: Verleihung „Kulturpreise des Landes Niederösterreich 2024“ mit u.a. LH Mikl-Leitner [invite only]